Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 13. September 2009 bis Samstag 19. September 2009

Vierundzwanzigste Woche im Jahreskreis

P. Robert Presutti LC, P. Patrick Butler LC und P. David Daly LC

Den Herrn kennen lernen Sonntag
Gott liebt mich so sehr Montag
Maria zu mir nehmen Dienstag
Ewig unzufrieden Mittwoch
Die heilende Kraft der Liebe Donnerstag
Liebe ist nicht berechnend Freitag
Behandle mich wie Erde Samstag


Den Herrn kennen lernen

13. September 2009

Vierundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

P. Robert Presutti LC

Mk 8,27-35
Jesus ging mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Unterwegs fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen? Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten. Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias! Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen.

Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen. Und er redete ganz offen darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe. Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich glaube, dass du in diese Welt gekommen bist, um die Sünder zu erlösen. Ich hoffe auf dich und deine Macht, durch deine Gnade meine Seele von der Sündhaftigkeit zur Heiligkeit zu verwandeln. Herr, ich liebe dich und biete dir die Sehnsucht meines Herzens an, dich wirklich an die erste Stelle meines Lebens zu setzen. Ich will dich mit meinem ganzen Verstand, aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und mit ganzer Kraft lieben.

Bitte:  Herr Jesus, hilf mir, dich immer mehr zu erkennen und dir immer mehr zu folgen.

1. Quiz-Fragen. Jesus fragt seine Jünger aus heiterem Himmel: „Für wen halten mich die Menschen?“ Tatsächlich will er aber wissen, für wen seine Jünger ihn halten. Er führt sie schrittweise zu schwierigeren Fragen. Die erste Frage – Für wen halten mich die Menschen? – soll sie zum Denken anregen und ist leicht zu beantworten. Alle Jünger beteiligen sich an der Antwort. Die zweite Frage verlangt schon etwas mehr. Sie verlangt, dass man über sich selbst nachdenkt, in sich hineinhorcht. Das ist überhaupt etwas, was Nähe zu Christus immer wieder in uns bewirkt. Nur Petrus hatte den Mut, zu antworten. Genauso wie die Jünger stellt Christus auch uns in unserer eigenen spirituellen Entwicklung immer wieder überraschend Fragen, Quizfragen sozusagen. Er stellt uns vor Situationen, in denen wir gefordert sind, ernsthaft zu überlegen, wer Jesus wirklich für uns ist.

2. Mit Gottes Maß messen. Genauso wie den Jüngern im Evangelium geht es auch uns: je mehr wir uns Christus nähern, umso mehr gibt er sich uns zu erkennen. Sobald die Jünger Jesus als Messias kennen und akzeptieren, wird es wichtig, dass sie erkennen, was für eine Art Messias er ist. Darüber gibt es viele falsche Vorstellungen und sie sind meist einfach zu menschlich. Er ist nicht der politische Befreier von der römischen Fremdherrschaft, der das Leben einfacher machen wird. Ganz unmissverständlich macht er Petrus und den Jüngern klar, dass er der leidende Gottesknecht Jahwes sei, der leiden müsse und verworfen werden würde.

3. Durch das Kreuz mit Christus verbunden. Petrus dachte, er würde Christus einen Gefallen tun, als er sich gegen das von Christus vorhergesagte Leiden stellte. Nicht gering war sicherlich seine Überraschung über Jesu Reaktion. Sein gutgemeinter aber schlecht unterrichteter Versuch brachte ihm den schlimmstmöglichen Tadel ein: „Satan, geh mir aus den Augen.“ Christus machte ihnen klar, dass sie bereit sein müssten, seinen Fußstapfen zu folgen. Der Weg zur Erlösung führt nur über das Leiden und die Freude des Kreuzes.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, mach mein Herz dem deinen gleich. Hilf mir, alle Dinge und alles, was geschieht, mit deinen Augen zu betrachten. Hilf mir, dich über alles andere zu lieben und bereit zu sein, dir auch dann nachzufolgen, wenn das ein persönliches Opfer für mich bedeutet. Stärke mich immer, Herr, damit ich deinen Fußstapfen folgen kann.

Vorsatz:   Heute werde ich die Schwierigkeiten des Tages mit Freude annehmen.


Gott liebt mich so sehr

14. September 2009

Fest der Kreuzerhöhung

P. Patrick Butler LC

Joh 3,13-17
Jesus sagte zu Nikodemus: Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn. Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

Einführendes Gebet:   Herr, dein Wort im Evangelium enthüllt mir die Schönheit des Mysteriums vom Kreuz. Ich öffne mich dir nun mit einem glaubenden Herzen. Deine Liebe zur Menschheit ist immer gegenwärtig in dem, was du sagst. Du gibst mir die Hoffnung, dass die Welt durch deine Botschaft der Liebe verändert werden kann. Ich möchte dir ähnlicher sein, ich möchte den Vater, meine Brüder und Schwestern lieben und sogar mein Leben für sie hingeben.

Bitte:  Herr, lass mich die Herrlichkeit des Kreuzes begreifen und in meinem Herzen aufnehmen, damit ich es als ein Werkzeug der Liebe erkennen kann.

1. Die Offenbarung Jesu. Nikodemus kommt zu Jesus, um herauszufinden, wer dieser Wundertäter ist. Jesus sagt ihm, dass er der Menschensohn und der Sohn Gottes ist. Er ist vom Himmel herabgekommen und wird dorthin zurückkehren. Da er sich nun selbst geoffenbart hat, hat er bei Nikodemus und bei mir Aufmerksamkeit erregt. Seine Antwort auf die erste Frage befriedigt uns nicht, da sie mehrere andere Fragen aufgeworfen hat. Wie kann er beanspruchen, der Sohn Gottes zu sein, wenn es doch nur einen Gott gibt? Wenn er wirklich der Sohn Gottes ist, warum ist er dann zur Erde herabgestiegen? Was will er oder was erwartet er von mir?

2. Ein Erlöser, größer als Mose. Mose hatte auf Gottes Anweisung hin Israel aus der Sklaverei in Ägypten geführt. Als die Israeliten in der Wüste rebellierten, wurden sie mit Giftschlangen bestraft, die sie bissen und mit ihrem Gift töteten. Mose griff ihretwegen ein, machte eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf; die zu ihr aufblickten, waren gerettet. Jesus rettet die Menschheit aus ihrer Auflehnung, nicht durch ein Symbol, das an einem Stock aufgehängt ist, sondern durch sein eigenes Opfer, als er am Kreuz erhöht wurde. Er rettet mich nicht vor dem irdischen, sondern vor dem ewigen Tod. Er ist wirklich ein Erlöser, der größer ist als Mose.

3. Der Grad der Liebe Gottes. Wie sehr liebt mich der Vater? Könnten wir Liebe an einem Thermometer messen, würde Gottes unendliche Liebe das Quecksilber über das Ende der Skala hinaus hochschnellen lassen. Seine Liebe ist wirklich grenzenlos. Was könnte er mir vorenthalten, wenn er bereits seinen Sohn gegeben hat, um mich zu retten? Auf die Grenzenlosigkeit der Liebe Gottes sollte ich mit Dankbarkeit, Lob und Erwiderung seiner Liebe antworten.

Gespräch mit Christus:  Herr, tief bewegt erkenne ich, wie sehr du mich liebst. Du kamst vom Himmel herab als Menschensohn, damit ich dich verstehe, liebe und nachahme. Du liebtest mich aufs Äußerste und brachtest dich selbst am Kreuz dar, um mich vor Sünde und Tod zu retten. Ich möchte dich dafür auch so lieben, dass ich mein Leben für dich hingebe.

Vorsatz:   Ich will das Kreuz als ein Sinnbild der Liebe betrachten und es zu einem Zeichen machen, das mir etwas sagt, wenn ich es sehe. Ich will heute versuchen, mein Kreuz mit Liebe zu tragen.


Maria zu mir nehmen

15. September 2009

Gedächtnis der Schmerzen Mariens

P. Patrick Butler LC

Joh 19,25-27
Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Einführendes Gebet:   Herr, du bist wirklich die Güte und das Leben. Nähe zu dir verleiht Frieden und Freude. Du verdienst wirklich mein ganzes Vertrauen und meine Liebe. Ich danke dir für das Geschenk des Lebens, für meine Familie und vor allem für meinen Glauben. Ich danke dir auch besonders, dass du uns Maria unter dem Kreuz zur Mutter gegeben hast.

Bitte:  Maria, komm heute in mein Leben. Ich will dich trösten, indem ich mich bemühe, ein treuer Anhänger deines Sohnes zu sein.

1. Bei dem Kreuz Jesu stehen. Heute ist das Fest „Gedächtnis der Schmerzen Mariens“. Maria hatte, wie ich, keine besondere Vorliebe für Kummer und Schmerzen. Die erste Ankündigung ihrer Berufung durch den Erzengel Gabriel erwähnte nichts von alledem, sie enthielt nur messianische Verheißungen. Aber bald nach der Geburt Jesu vervollständigt Simeon den Umfang der Botschaft um das, was ihre Berufung einschließen sollte: „ … und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen“. Indem sie erkannte, dass ihre Berufung dadurch erfüllt wird, dass sie ihren Sohn bei seiner Kreuzigung begleitet, tat sie es in dem Wunsch, den geheimnisvollen Plan Gottes zu erfüllen, nicht widerwillig, sondern indem sie dicht bei Jesus stand mit all den Schmerzen, die das für sie mit sich brachte.

2. Jesu letzter Wille. Die Worte Jesu zu seiner Mutter und seinem geliebten Jünger sind gleichsam sein letzter Wille, sein Testament. Er überlässt einer geliebten Person, was ihm am wertvollsten ist. Maria übergibt er den Freund, den er so sehr liebt, der ebenso ihrer Hilfe in den Schwierigkeiten bedarf, auf die er zugehen wird. Johannes überlässt er seinen größten menschlichen Trost, seine Mutter, die seine beste Jüngerin ist. Er weiß, dass sie ihn, einen Adoptivsohn, braucht, der sie tröstet und begleitet.

3. Maria macht mich glücklich. Johannes nahm seine Verantwortung für Maria ernst und nahm sie mit sich in sein Haus. Das Zuhause war für Johannes nichts Geringeres als die Kirche, die Christus gründete. Maria sollte dort den Ehrenplatz haben, als Mutter von Jesus und als die, die ihn bestens kannte, liebte und ihm diente. Auch sie nahm ihre Rolle ernst, so ernst, dass sie sofort in allen, die ihr begegneten, ihre Adoptivsöhne und -töchter erkannte. In diesem Haus, der Kirche, ist Maria das Glück nach der althergebrachten Redensart: „Trautes Heim, Glück allein“.

Gespräch mit Christus:  Jesus, ich kann dir nicht genug dafür danken, dass du mir deine Mutter gegeben und mich ihr anvertraut hast. Ich möchte auf sie achten, indem ich ein wachsamer und treuer Sohn bin, der dir nacheifert. Das wird sie trösten und ihr Herz erfreuen. Maria, bleibe immer an meiner Seite und bitte für mich bei Gott, dass ich mich beharrlich bemühe, deinem Sohn nachzufolgen.

Vorsatz:   Ich will mich sehr persönlich an Maria wenden, sei es in einem spontanen Gespräch mit ihr oder in der Betrachtung des Mysteriums des Lebens Christi während des Rosenkranzgebets.


Ewig unzufrieden

16. September 2009

Mittwoch der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Cornelius, Papst und Märtyrer und hl. Cyprian, Bischof und Märtyrer

P. Robert Presutti LC

Lk 7,31-35
Mit wem soll ich also die Menschen dieser Generation vergleichen? Wem sind sie ähnlich? Sie sind wie Kinder, die auf dem Marktplatz sitzen und einander zurufen: Wir haben für euch auf der Flöte Hochzeitslieder gespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint. Johannes der Täufer ist gekommen, er isst kein Brot und trinkt keinen Wein und ihr sagt: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagt ihr: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder! Und doch hat die Weisheit durch alle ihre Kinder Recht bekommen.

Einführendes Gebet:   Ewiger Gott, das Gebet ist ein Geschenk von dir an mich. Ich glaube, dass du mir damit einen vollständigen und unbegrenzten Zugang zu deiner Macht und Gnade gibst. Ich möchte dieses Geschenk über alles schätzen. Wenn ich jetzt diese Meditation beginne, erneuere ich damit meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe zu dir.

Bitte:  Herr, schenke mir die Gnade der Unterscheidung der Geister und gib mir Beständigkeit in meinen Anstrengungen, dir nachzufolgen.

1. Endlose Ausreden. In den Tagen Jesu beschwerten sich gute und religiöse Menschen über den kargen Lebensstil Johannes des Täufers, des Vorläufers Christi. „Er muss verrückt sein", sagten sie. Sie klagten auch über die, wie sie meinten, zu weit gehende Freundschaft Jesu zu Sündern und Ungläubigen. Die Gewohnheit, die Realität immer nur durch den Filter unserer scheinbar fertigen Meinungen zu beurteilen, kann uns dazu bringen, die Dinge Gottes abzulehnen. Das ist dann das Gegenteil von Glaube. Und nicht nur das, es steht auch im Gegensatz zu jeder Vernunft und ist selbstbeschränkender Rationalismus. Statt dass wir Gott in die von uns definierte Schachtel stecken, sollten wir uns nach Gottes Maßstab formen lassen.

2. Wankelmütigkeit. Wankelmütigkeit im geistlichen Leben führt uns unweigerlich zur Ablehnung Gottes. Die Unfähigkeit einem einmal eingeschlagenen Weg im geistlichen Leben bis zum Ende zu folgen, lässt uns auf eben diesem Wege allein, und zwar weit vom Ziel entfernt. Es ist gar nicht so wesentlich, ob wir dem strengen Weg des Johannes folgen oder dem scheinbar liberalen Weg der Jünger Christi. Wesentlich ist, jenem Pfad bis zum Ende zu folgen, den Gott uns persönlich als den unseren gegeben hat. Solange wir uns vorwärtsbewegen, kann Gott unsere Schritte leiten. Sobald wir stehenbleiben, kann Gott uns nicht mehr führen. Auf den richtigen oder gar den perfekten Moment zu warten, ist in Wirklichkeit Launenhaftigkeit und die Unfähigkeit, sich auf etwas festlegen zu können.

3. Weisheit. Weisheit ist ein Geschenk des Heiligen Geistes, das es uns erlaubt, göttliche und menschliche Dinge und Angelegenheiten mit Gottes Augen zu sehen. Weisheit führt uns zu ausgeglichenen und ausgewogenen Entscheidungen und Beurteilungen. Wir können uns auf dieses Geschenk vorbereiten, indem wir uns bemühen, gute Entscheidungen zu treffen und uns auch an diese zu halten. Geschenke Gottes bauen auf menschlichen Tugenden auf.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, deine Lehren und dein Beispiel sind ein Geschenk an uns. Hilf mir, dass ich aus ihnen für mein Leben lerne und verhindere, dass ich sie jemals gering achte. Hilf mir, in meinen Entscheidungen beständig zu sein, damit ich dir immer näher kommen und dir so besser dienen kann.

Vorsatz:   Ich werde heute vermeiden, irgendwelche Entschuldigungen und Ausflüchte zu machen.


Die heilende Kraft der Liebe

17. September 2009

Donnerstag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Robert Presutti LC

Lk 7,36-50
Jesus ging in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist. Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden.

Einführendes Gebet:   Heilige Dreifaltigkeit, ich kann dich nicht sehen, dennoch bist du bei mir. Ich kann dich nicht anfassen, dennoch bin ich in deiner Hand. Ich kann dich nicht vollständig begreifen, dennoch liebe ich dich mit ganzem Herzen.

Bitte:  Herr Jesus, hilf mir, offen und demütig zu sein, damit ich innerlich wachsen kann.

1. Angebliche Aufgeschlossenheit und Hochmut des Geistes. Simon der Pharisäer ist dem Herrn gegenüber scheinbar aufgeschlossen. Er lädt ihn zum Essen ein. Er beobachtet ihn. Darüber hinaus führt er mit ihm ein freundliches Gespräch. Dennoch, im Innersten taxiert Simon den Herrn, tut ihn ab wie eine Farce und lehnt ihn letztlich auch ab. Die Pharisäer versuchen vor allem, Gott unsere vorgefasste Meinung darüber, wie er handeln sollte, aufzuzwingen. Die Pharisäer hatten die richtige Einstellung zu moralischen Prinzipien; Simon und Jesus sind sich darin einig, dass die Frau eine Sünderin ist. Hier aber ist es der Hochmut der Pharisäer, der sie hindert, ihre eigenen Sünden einzugestehen. Dieser Hochmut äußert sich in der unausgesprochenen Überzeugung, dass Gott sich unserer Art zu leben und zu handeln anzupassen hat.

2. Erlösung. Der Pharisäer glaubt, er sei ohne Sünde, und er gibt nicht zu, dass er einen Erlöser braucht. Seine hochmütige „Bewertung“ des Herrn resultiert aus einem noch größeren Hochmut, der ihn blind macht zu erkennen, wer er wirklich vor Gott ist: ein einfaches Geschöpf, das göttliche Hilfe und Gnade braucht. Simon möchte, dass sich Gott seiner vorgefassten Meinung anpasst, und steigert sich da hinein bis zur Ablehnung Christi. Das ist das Paradebeispiel für Hochmut. Er verzerrt die Wirklichkeit und schmiedet seine egozentrische Welt, zu der Christus keinen Zutritt hat. Die Frau weiß, dass sie eine Sünderin ist, und erkennt den Weg zu ihrem Heil in den Worten Jesu und in seinem Vorbild. Schmerzlich erkennt sie, wer sie ist, und sehnt sich brennend nach Erlösung. Die Worte Christi und das Beispiel seiner Barmherzigkeit finden großen Widerhall in ihrem Herzen und fordern sie zur Reue auf. Das ist das Paradebeispiel für Demut. Die Wahrheit erkennen und demütig annehmen, macht die Erlösung möglich.

3. Die Güte Christi. Die Art und Weise, wie Jesus mit der Frau und mit Simon umgeht, zeigt ebenso, wie ausgewogen die Güte unseres Herrn ist. Er vermeidet sorgsam die Extreme: einerseits die Verdammung der Sünden und andererseits die Gleichgültigkeit gegenüber den Sünden anderer. Unser Herr kann Hoffnung und Trost dem reuigen Sünder ebenso anbieten wie er den Hochmütigen mit einem sanften Ruf zur Reue auffordern kann, weil er für beide sterben wird. Hierin sehen wir die Güte Gottes. Er will uns alle retten, nur müssen wir bereit sein, seine Güte anzunehmen.

Gespräch mit Christus:  Jesus, hilf mir zu erkennen, wer ich bin und wer du bist. Lehre mich Dankbarkeit für deine Güte und Hoffnung auf deine Barmherzigkeit. Hilf mir, meinen Stolz zu erkennen und mich zu bemühen, ihn zu überwinden, damit du mein Leben mit deiner Güte erfüllen kannst.

Vorsatz:   Ich will heute vermeiden, andere in Gedanken oder durch Worte zu verurteilen.


Liebe ist nicht berechnend

18. September 2009

Freitag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. David Daly LC

Lk 8,1-3
In der folgenden Zeit wanderte Jesus von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes. Die Zwölf begleiteten ihn, außerdem einige Frauen, die er von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt hatte: Maria Magdalene, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren, Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie alle unterstützten Jesus und die Jünger mit dem, was sie besaßen.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich glaube, dass du in diese Welt gekommen bist, um die Sünder zu erlösen. Ich hoffe auf dich und deine Macht, durch deine Gnade meine Seele von der Sündhaftigkeit zur Heiligkeit zu verwandeln. Herr, ich liebe dich und biete dir die Sehnsucht meines Herzens an, dich wirklich an die erste Stelle meines Lebens zu setzen. Ich will dich mit meinem ganzen Verstand, aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und mit ganzer Kraft lieben.

Bitte:  Jesus, lehre mich, alle Menschen zu lieben.

1. Die Zwölf begleiteten ihn. In diesem schlichten Satz können wir die universelle Liebe Christi erkennen. Er hat seine zwölf Apostel aus unterschiedlichsten Herkünften berufen. Wahrscheinlich wären die wenigsten von ihnen Freunde geworden, wenn nicht aus Liebe zu Christus. Matthäus war ein Zöllner; Petrus, Jakobus und Johannes waren Fischer. Judas war „gebildeter“ als der Rest. Jesus aber hat sie alle berufen, um seine engsten Mitarbeiter zu werden. Und so haben sie gelernt, einander zu schätzen und zusammenzuarbeiten. Wenn Christus das Zentrum einer jeden Beziehung ist, können Unterschiede nicht nur überwunden werden, sie können sogar zu Kraftspendern werden.

2. Maria, genannt Magdalena. Jesus hat nicht nur Männer als enge Mitarbeiter berufen, sondern, wie wir im heutigen Evangelium erfahren, es gab auch Frauen, die ihn mit dem, was sie besaßen, unterstützten. Jesus teilte ihnen verschiedene Rollen zu, aber er rettete und verwandelte das Leben von ihnen allen. Wir sehen in Maria Magdalena eine enge Freundin Christi, aber wir sollten dabei nicht vergessen, dass er sie mit der Macht der Gnade Gottes verwandelt und aus ihr sieben Dämonen ausgetrieben hat.

3. Die Frau eines Beamten des Herodes. Eine andere Frau, die Jesus nachfolgte, war Johanna, die Frau des Chuza, eines Beamten des Herodes. Es ist erstaunlich, dass das Evangelium selbst mitten im Umfeld des Herodes, eines Mannes, der unseren Herrn überhaupt nicht schätzte, Wurzel schlagen konnte. Wir sollten deshalb niemals jemanden „abschreiben“. Gebet, Opfer und Nächstenliebe können wirksame Mittel zur Bekehrung des schlimmsten Sünders sein. Die Botschaft Jesu war fähig, Menschen aus den verschiedensten sozialen Bedingungen und Gruppierungen anzusprechen und zu begeistern. Ähnlich sind auch wir berufen, das Reich Christi in allen Schichten unserer säkularisierten Welt aufzubauen.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus Christus, du gibst uns das Beispiel einer bedingungslosen Liebe zu jeder Person. Für dich ist unsere Herkunft nicht wichtig, auch nicht, wie viele Sünden wir schon begangen haben. Deine Barmherzigkeit ist unendlich und hört niemals auf! Ich danke dir für deine Liebe. Bitte lehre mich, grenzenlos zu lieben.

Vorsatz:   Ich nehme mir vor, heute grenzenlos zu lieben, indem ich zu jemandem freundlich bin, dem ich sonst aus dem Weg gehe.


Behandle mich wie Erde

19. September 2009

Samstag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. David Daly LC

Lk 8,4-15
Als die Leute aus allen Städten zusammenströmten und sich viele Menschen um ihn versammelten, erzählte Jesus ihnen dieses Gleichnis: Ein Sämann ging aufs Feld, um seinen Samen auszusäen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg; sie wurden zertreten und die Vögel des Himmels fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf Felsen, und als die Saat aufging, verdorrte sie, weil es ihr an Feuchtigkeit fehlte. Wieder ein anderer Teil fiel mitten in die Dornen und die Dornen wuchsen zusammen mit der Saat hoch und erstickten sie. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden, ging auf und brachte hundertfach Frucht. Als Jesus das gesagt hatte, rief er: Wer Ohren hat zum Hören, der höre!

Seine Jünger fragten ihn, was das Gleichnis bedeute. Da sagte er: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen. Zu den anderen Menschen aber wird nur in Gleichnissen geredet; denn sie sollen sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht verstehen.

Das ist der Sinn des Gleichnisses: Der Samen ist das Wort Gottes. Auf den Weg ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort zwar hören, denen es aber der Teufel dann aus dem Herzen reißt, damit sie nicht glauben und nicht gerettet werden. Auf den Felsen ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort freudig aufnehmen, wenn sie es hören; aber sie haben keine Wurzeln: Eine Zeit lang glauben sie, doch in der Zeit der Prüfung werden sie abtrünnig. Unter die Dornen ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort zwar hören, dann aber weggehen und in den Sorgen, dem Reichtum und den Genüssen des Lebens ersticken, deren Frucht also nicht reift. Auf guten Boden ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort mit gutem und aufrichtigem Herzen hören, daran festhalten und durch ihre Ausdauer Frucht bringen.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich glaube, dass du in diese Welt gekommen bist, um die Sünder zu erlösen. Ich hoffe auf dich und deine Macht, durch deine Gnade meine Seele von der Sündhaftigkeit zur Heiligkeit zu verwandeln. Herr, ich liebe dich und biete dir die Sehnsucht meines Herzens an, dich wirklich an die erste Stelle meines Lebens zu setzen. Ich will dich mit meinem ganzen Verstand, aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und mit ganzer Kraft lieben.

Bitte:  Herr, hilf mir, deinen Willen bereitwillig anzunehmen.

1. Harter Boden. Wir sind wie harter Boden, wenn wir die Eingebungen des Heiligen Geistes, der uns aufruft, das zu tun, was richtig ist, zwar hören, aber es auf die leichte Schulter nehmen und nicht danach handeln. So lassen wir zu, dass der Teufel die Gnade, die Jesus uns anbietet, wegnimmt, so dass sie nicht in unser Herz dringen kann. Oft hindern uns Oberflächlichkeit und fehlender Glaube daran, über die Signale, die Gott uns gibt, nachzudenken und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wir sollten beten, damit wir für Gottes Eingebungen offener werden.

2. Felsiger Grund. Wie viele von uns hören Gottes Wort freudig und folgen Christus nach, solange alles friedlich um uns herum ist, fallen aber in Zeiten der Prüfung ab? Unsere geistigen Wurzeln müssen tiefer wachsen; die Wurzeln von Gottes Wort müssen tief in unsere Herzen eindringen. Das geschieht am besten dann, wenn wir das Evangelium lesen und betrachten und unseren Glauben durch die Sakramente der Beichte und der Eucharistie festigen.

3. Dorniger Boden. Der dornige Boden repräsentiert jene unter uns, die ihr geistliches Leben wegen der irdischen Sorgen, dem Reichtum und den Vergnügungen vernachlässigen. Wenn der Boden unseres Herzens dornig ist, können wir die reifen Früchte, die Christus von uns erwartet, nicht hervorbringen – und wir leben inmitten so vieler Dornen…! Damit Gottes Gnade in uns wachsen kann, müssen wir auf unseren eigenen Komfort und die Vergnügungen verzichten, weil es fern vom Kreuz kein Wachstum in der persönlichen Heiligkeit gibt.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, behandle mich wie Erde, aber wie gute Erde. Ich will nicht, dass Dornen, Fels oder Herzenshärte deinem Wort im Weg stehen. Ich will fruchtbarer Boden für dein Wort sein, damit du mich als Werkzeug zur Rettung der Seelen und zu deiner Verherrlichung benutzen kannst.

Vorsatz:   Heute will ich oft dieses Gebet sprechen: „Nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.“