Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 6. September 2009 bis Samstag 12. September 2009

Dreiundzwanzigste Woche im Jahreskreis

P. Daniel Polzer LC, P. Patrick Butler LC, P. Andrew Mulcahey LC und P. Paul Campbell LC

Öffne Dich! Sonntag
Tu Gutes, immer und überall Montag
Wer bin ich, dass der Herr zu mir kommt? Dienstag
Jubelsprünge aus Freude über den Himmel Mittwoch
Das höchste Ideal Donnerstag
Andere in den Himmel führen Freitag
Den Baum an seinen Früchten erkennen Samstag


Öffne Dich!

6. September 2009

Dreiundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

P. Daniel Polzer LC

Mk 7,31-37
Jesus verließ das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis. Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren. Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich! Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden. Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt. Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich bin nun wieder im Gebet bei dir. Auch wenn ich dich nicht sehen kann, sagt mir dennoch mein Glaube, dass du hier bist. Du bist bereit, mir zuzuhören und zu mir zu sprechen. Deine Anwesenheit gibt mir Hoffnung, denn du bist der Allmächtige, der Schöpfer des Himmels und der Erde. Du bist die Quelle alles Guten in meinem Leben. Nichts geschieht, ohne dass du davon weißt und es zulässt. Meine Hoffnung führt mich zur Liebe. Ich möchte in Geist und Seele eins mit dir sein, eins mit deinem göttlichen Willen.

Bitte:  Herr, lehre mich, alleine mit dir zu sein. Hilf mir, dir zu begegnen.

1. Von der Menge weg. Warum führt Jesus den Taubstummen weg von der Menge? Er möchte allein mit ihm sein, weg von Lärm und Getriebe der Menge. Er möchte mit ihm in Ruhe sprechen können. Auch mich lädt Jesus dazu ein, mich von der Menge zurückzuziehen, weg vom Lärm und der Unruhe des üblichen Lebens, weg von den Menschen und Ablenkungen: damit ich in Ruhe beten kann. Jesus lädt mich dazu ein, alleine mit ihm zu sein, so dass er sich meiner Seele mitteilen kann und alle Blockaden in mir heilen kann, die mich davon abhalten, seine Liebe und Wahrheit anderen mitzuteilen.

2. Heilung des Körpers. Oftmals im Evangelium wirkt Christus ein Wunder durch ein einfaches Wort. Manchmal aber wirkt er es - so wie hier - durch eine Berührung. Er legt dem Taubstummen die Finger in die Ohren und berührt seine Zunge mit Speichel. Was sollen wir davon halten? Was können wir daraus lernen? Oft bedarf es für unsere Heilung einer körperlichen Anstrengung. Es muss etwas getan werden. Wir sind keine reinen Geistwesen, sondern bestehen aus Körper und Geist, die eng miteinander verbunden sind. Unsere körperliche Seite ist wichtig, sie spielt eine wesentliche Rolle. Wir knien beim Beten. Wir begeben uns in die Gegenwart des heiligen Altarsakramentes. Wir lesen die Heilige Schrift. Wir tun all diese körperlichen Dinge, damit wir in unserem ganzen Sein, Körper und Seele, von der Sünde geheilt werden können und näher zu Christus kommen.

3. Klar gesprochen. Die Frucht dieser Begegnung mit Christus und das Ergebnis seiner Tat ist Klarheit, ist offene Sprache. Der Nebel der Unvollkommenheit lichtet sich und der Taubstumme spricht mit der Klarheit und der Kraft der Wahrheit. So klar, dass die Leute hoch erstaunt sind. Wenn ich Christus wirklich begegne, dann werden sich die Nebel, die meinen Verstand verschleiern und meine Sprache verwirren, auflösen. Gottes Wahrheit wird dann so aus meinen Worten und Taten leuchten, dass die Leute erstaunt sein werden.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich möchte dein Jünger sein. Ich möchte, dass deine Wahrheit und Liebe in meinem Leben leuchten. Öffne meinen Verstand, damit ich deine Wahrheit erkennen kann, wie sie wirklich ist. Lehre mein Herz, dich mit einer Liebe zu lieben, die so rein ist, dass sie in die Herzen der Menschen um mich ausströmt. Stärke meinen Willen, allein dich und deine Wege zu wählen und beständig auf ihnen zu gehen.

Vorsatz:   Ich werde mich heute bemühen, Zeit zu finden, mich vom Trubel des Tages zu entfernen und zu beten.


Tu Gutes, immer und überall

7. September 2009

Montag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Patrick Butler LC

Lk 6,6-11
An einem anderen Sabbat ging Jesus in die Synagoge und lehrte. Dort saß ein Mann, dessen rechte Hand verdorrt war. Die Schriftgelehrten und die Pharisäer gaben acht, ob er am Sabbat heilen werde; sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn. Er aber wusste, was sie im Sinn hatten, und sagte zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und stell dich in die Mitte! Der Mann stand auf und trat vor. Dann sagte Jesus zu ihnen: Ich frage euch: Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zugrunde gehen zu lassen? Und er sah sie alle der Reihe nach an und sagte dann zu dem Mann: Streck deine Hand aus! Er tat es, und seine Hand war wieder gesund. Da wurden sie von sinnloser Wut erfüllt und berieten, was sie gegen Jesus unternehmen könnten.

Einführendes Gebet:   Gott Vater, ich danke dir für das Geschenk der Schöpfung, für mein eigenes Leben. Gott Sohn, ich danke dir, dass du mich durch die Hingabe deines eigenen Fleisches und Blutes erlöst hast. Gott Heiliger Geist, ich danke dir, dass du der süße Gast meiner Seele bist und meinen Verstand erleuchtest, meinen Willen stärkst und mein Herz mit dem Feuer deiner Liebe entzündest.

Bitte:  Herr, mache mich zu einem großmütigen und hochherzigen Menschen, der anderen immer nur Gutes wünscht.

1. Lehren und handeln. Wenn Jesus spricht, überzeugt er die gutwilligen Zuhörer. Die Menschen merkten, dass Jesus glaubwürdig sprach, anders als die Pharisäer. Und zwar, weil Jesus nur das verlangte, was er selbst in die Tat umzusetzen vorhatte. Er tut das, was er predigt. Das ist mein Lehrer und Meister, der von Mitleid spricht und es auch zeigt. Er ist es, der sich herablässt, seinen Jüngern beim letzten Abendmahl die Füße zu waschen, weil er will, dass ich dasselbe tue.

2. Gutes tun ohne Rücksicht auf das, was andere denken. Jesus ist allwissend, und so weiß er auch, was andere denken. Häufig tadelt er die Pharisäer, weil er ihre Pingeligkeit und Kleinlichkeit sieht. Sie sind Führer des Volkes, aber seiner Not gegenüber verhalten sie sich zurückhaltend und zwingen die Menschen stattdessen, zahlreiche Vorschriften zu befolgen, die sie selbst nicht erfüllen. Jesus sieht einen Menschen in Not, dem er helfen kann. Obwohl er so viele Kritiker um sich herum sieht, die seine Worte und Taten genau verfolgen, kann ihn nichts davon abbringen, diese gute Tat zu vollbringen. Wenn ich spüre, wie andere ihre Augen auf mich richten, kann ich dann unbefangen Nächstenliebe ausüben, ohne Rücksicht auf das, was sie denken?

3. Leben retten. Dieses Evangelium handelt von der Kultur des Todes und des Lebens. Die Pharisäer stehen Jesus kritisch gegenüber, und zwar so sehr, dass sie von maßloser Wut erfüllt werden. Schließlich planen sie, Jesus zu töten. Die Not des Mannes, den Jesus heilt, kümmert sie überhaupt nicht. Jesus spricht in der Synagoge Worte des Lebens. Er bereichert das Leben durch Heilen. Ich muss von Jesus lernen, wie ich ein Leuchtturm des Lebens inmitten gegensätzlicher Kulturen des Egoismus und des Todes um mich herum sein kann.

Gespräch mit Christus:  Herr, du kannst mein Herz sehen, so wie du die Gedanken in den Herzen der Pharisäer erkannt hast. Ich neige auch dazu, kritisch und nicht immer konstruktiv zu sein. Bilde mein Herz mehr nach deinem Herzen, damit ich das Gute wünsche und großzügig bin trotz der Kritik, die mir begegnen mag.

Vorsatz:   Ich will mich heute bemühen, die Nöte anderer Menschen zu sehen, besonders die Not einer ganz bestimmten Person. Dann will ich sehen, was ich tun kann, dieser Person zu helfen, wenn möglich, in einer Form, die keine Aufmerksamkeit auf mich lenkt.


Wer bin ich, dass der Herr zu mir kommt?

8. September 2009

Mariä Geburt

P. Andrew Mulcahey LC

Mt 1,1-16,18-23
Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams: Abraham war der Vater von Isaak, Isaak von Jakob, Jakob von Juda und seinen Brüdern. Juda war der Vater von Perez und Serach; ihre Mutter war Tamar. Perez war der Vater von Hezron, Hezron von Aram, Aram von Amminadab, Amminadab von Nachschon, Nachschon von Salmon. Salmon war der Vater von Boas; dessen Mutter war Rahab. Boas war der Vater von Obed; dessen Mutter war Rut. Obed war der Vater von Isai, Isai der Vater des Königs David. David war der Vater von Salomo, dessen Mutter die Frau des Urija war. Salomo war der Vater von Rehabeam, Rehabeam von Abija, Abija von Asa, Asa von Joschafat, Joschafat von Joram, Joram von Usija. Usija war der Vater von Jotam, Jotam von Ahas, Ahas von Hiskija, Hiskija von Manasse, Manasse von Amos, Amos von Joschija. Joschija war der Vater von Jojachin und seinen Brüdern; das war zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft. Nach der Babylonischen Gefangenschaft war Jojachin der Vater von Schealtiël, Schealtiël von Serubbabel, Serubbabel von Abihud, Abihud von Eljakim, Eljakim von Azor. Azor war der Vater von Zadok, Zadok von Achim, Achim von Eliud, Eliud von Eleasar, Eleasar von Mattan, Mattan von Jakob. Jakob war der Vater von Josef, dem Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus (der Messias) genannt wird.

Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.

Einführendes Gebet:   Herr, ich danke dir für das Geschenk des Glaubens. Ich glaube nur, weil so viele andere vor mir geglaubt haben – und häufig zu welch hohem Preis! Zu Beginn dieses Gebets blicke ich auf meinen Stammbaum des Glaubens und erinnere mich all derer, die den Glauben an mich weitergegeben haben. Ich will ein Bindeglied in der Glaubenskette für viele andere Seelen sein.

Bitte:  Lieber Jesus, hilf mir, demütig wie die allerseligste Jungfrau Maria zu sein.

1. Gott ist mit uns. Die heutige Bibelstelle berichtet uns von dem großen Mysterium der Menschwerdung Christi. Warum wollte Gott einer von uns werden? In seinem Stammbaum erscheinen Gute und Schlechte, Treue und Schwache, Nützliche und Unnützliche. Warum nimmt Gott an, was fehlerhaft und geringwertig ist und macht sich dies zu Eigen? Warum reinigt er, richtet wieder auf, erhebt und heilt uns und alles, was wir ihm anbieten? Warum? Warum nimmt er meine Abstammung auf sich, meine persönliche Geschichte – beides, das Gute und das Schlechte – und formt es zur Erlösungsgeschichte für mich und andere? Warum hört er niemals auf, dies zu tun? Wird es ihm irgendwann nicht zuviel? Nein! Gott sagte und wird immer sagen: „Was hätte ich noch mehr für mein Volk tun können?”

2. Gesegnet bist du und die Frucht deines Leibes. Joachim und Anna, die Eltern Marias, führten eine Ehe, die kinderlos war. Die Überlieferung sagt, dass Joachim von einem Zuschauer verachtet wurde, als er seine Gaben opferte, weil Gott ihm keine Nachkommen geschenkt hatte. Er fühlte sich tief verletzt und entmutigt. Er folgte seiner Schafherde in die Wildnis und kehrte lange Zeit nicht zu seiner Frau zurück. In der Wüste wurde ihm vermutlich in einer übernatürlichen Erscheinung gesagt, dass ihm ein Kind geschenkt werde. Als Joachim zu seiner Frau nach Bethesda zurückkehrte, begeistert von neuer Hoffnung, wurde sie schwanger und gebar Maria, die ohne Sünde geboren wurde. Gott nimmt sich dessen an, was in den Augen der Welt schwach ist und schafft ein Meisterwerk, die unbefleckte Empfängnis. In der Tat, er erhebt die Niedrigen. Welchen Plan hat er für mein Leben? Wo ist mein Platz in der Erlösungsgeschichte?

3. Es geschehe nach deinem Wort. Die Eltern erzählten Maria die besonderen Umstände ihrer Geburt. Maria wuchs heran und „bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen” (vgl. Lk 2,51). Man kann sich vorstellen, dass das fromme Mädchen Maria sich ganz Gott weihen wollte und vielleicht schon in frühen Jahren ein Gelübde der Enthaltsamkeit abgelegt hatte. Ihre einfache und vollständige Hingabe an Gott machten sie tatsächlich zu seiner „begnadeten Tochter”. Aber Gott hatte andere Pläne für sie: er fragte sie, ob sie bereit sei, seinen Sohn zu gebären. Wieder einmal nimmt Gott an, was ihm frei angeboten wird und formt es in das, was er möchte. Er nimmt, was gut und schön ist, und nutzt es in hohem Maße für die Erlösung von vielen. Gott fügt sich demütig in meinen unbedeutenden und fehlerhaften menschlichen Stammbaum.

Gespräch mit Christus:  Herr, hilf mir, mich jeden Tag an alle guten Dinge zu erinnern, die du mir und meiner Familie gegeben hast. Lass mich deine Werke und deine Fürsorge erkennen. Ich weiß, dass du mir auf hundert verschiedenen Wegen zu Hilfe kommst. Hilf mir, mehr wie Maria zu werden und über alle diese Dinge nachzudenken und sie in meinem Herzen zu bewahren.

Vorsatz:   Ich werde meine Berufung mit Glauben und neuer Hoffnung betrachten; dabei bin ich zuversichtlich, dass Gott, selbst wenn er sich in die einfachsten Verhältnisse einbringt, sich wohl fühlt. Ich will versuchen, seine Hand zumindest in einem Ereignis meines heutigen Tages zu erkennen.


Jubelsprünge aus Freude über den Himmel

9. September 2009

Mittwoch der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Petrus Claver

P. Patrick Butler LC

Lk 6,20-26
Jesus richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen. Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht. Aber weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten. Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen. Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.

Einführendes Gebet:   Gott Vater, ich danke dir für das Geschenk der Schöpfung, für mein eigenes Leben. Gott Sohn, ich danke dir, dass du mich durch die Hingabe deines eigenen Fleisches und Blutes erlöst hast. Gott Heiliger Geist, ich danke dir, dass du der süße Gast meiner Seele bist und meinen Verstand erleuchtest, meinen Willen stärkst und mein Herz mit dem Feuer deiner Liebe entzündest.

Bitte:  Vater, hilf mir, meine Augen und mein Herz auf die Dinge zu richten, die da sind, wo Christus ist.

1. Weil du es sagst, Herr … Ich kann mir Jesus an dieser Stelle des Evangeliums vorstellen, wie er aufblickt, um in die Gesichter seiner Jünger zu schauen. Heute schaut er in meine Augen und zieht meine Aufmerksamkeit auf seinen liebenden Blick. Ich akzeptiere, was er mir sagt, weil er es ist, der spricht. Ich glaube, er hat Worte ewigen Lebens. Natürlich ziehen mich Armut, Hunger, Schmerz und das Ausgeschlossen-Sein nicht an. Aber das sind Werte meines geliebten Herrn, und das genügt mir.

2. Suchet zuerst das Reich Gottes. Jesus ermutigt mich, die Werte seines Reiches anzustreben und mich selbst und mein Wohlbefinden zu vergessen. Er will für mich sorgen und mich entschädigen. Der Himmel, Lachen und Freude in einer Fülle, die unfasslich ist, erwarten mich. Es ist schwer, den „Himmel auf Erden“ nicht im Reichtum, im Vergnügen und in der Angepasstheit an die Masse zu suchen. Es bedarf schon eines Weitblicks im Glauben und des Willens zur Ausdauer.

3. Warnende Zeichen. Der heilige Lukas übermittelt uns nicht nur die Lobpreisungen sondern auch ihre Gegensätze. Diese sind wie warnende Zeichen. Wenn mein Weg auf diese Gegensätze ausgerichtet ist, sollte ich besser darauf achten, wohin dieser Weg auf lange Sicht führt. Wo mein Herz ist, da ist auch mein Schatz. Sind himmlische, ewige Freuden oder irdische, vergängliche Vergnügen die Sehnsucht meines Herzens?

Gespräch mit Christus:  Herr, lass mich schon hier auf Erden etwas von der Freude erfahren, die wir im Himmel erfahren werden, wenn wir für immer mit dir vereinigt sein werden. Hilf mir, meine Erfüllung in der Liebe zu dir zu finden, indem ich dir mein Leben schenke.

Vorsatz:   Ich will herausfinden, was mich bei meiner täglichen Arbeit anspornt, indem ich mich bemühe, meine Absichten zu läutern. Ich will aus Liebe zu Gott und nicht aus Eigenliebe handeln.


Das höchste Ideal

10. September 2009

Donnerstag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Patrick Butler LC

Lk 6,27-38
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln. Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd. Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück. Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen. Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder. Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen. Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!

Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.

Einführendes Gebet:   Gott Vater, ich danke dir für das Geschenk der Schöpfung, für mein eigenes Leben. Gott Sohn, ich danke dir, dass du mich durch die Hingabe deines eigenen Fleisches und Blutes erlöst hast. Gott Heiliger Geist, ich danke dir, dass du der süße Gast meiner Seele bist und meinen Verstand erleuchtest, meinen Willen stärkst und mein Herz mit dem Feuer deiner Liebe entzündest.

Bitte:  Herr Jesus, hilf mir, Schritt für Schritt zu der Vollkommenheit zu gelangen, die du dir von mir wünschst.

1. Revolutionäre Forderungen? Die Forderungen, die Jesus in seiner Rede auf dem Berg stellt, könnten als „revolutionär“ bezeichnet werden. Niemals ist das Ideal der Liebe so hoch gesetzt worden und hat ein derartiges Heldentum im täglichen Leben gefordert. Deshalb provoziert das, was Jesus da fordert, einen Kampf in mir, und zwar zwischen dem „alten Menschen“, der dieser Botschaft widersteht, und den Idealen, zu denen mein Herr mich aufruft.

2. Die Goldene Regel. Jesus gibt mir, was als „Goldene Regel“ bezeichnet wird: handle an anderen so, wie du von ihnen behandelt werden willst. Da ich mich natürlich selbst so liebe, dass ich mir alles Gute wünsche und dass mir ja nichts Schlechtes in den Weg kommt, ermahnt mich Jesus, dieses Wohlwollen auch auf andere zu übertragen. Das verlangt eine Anstrengung von mir, da ich ja zum Egoismus neige. Was kann mich aus meiner Kleinheit und Enge herausholen?

3. Gott ähnlich werden. Gottes Plan für mich ist wunderbar. Es übersteigt meine Vorstellung, wenn Jesus zu mir sagt, sei vollkommen, nicht nach einem Maßstab der menschlichen, sondern der göttlichen Vollkommenheit. Meine Berufung ist, Gott ähnlich zu werden, damit sein göttliches Leben in mir wächst und meine engen und egoistischen Maßstäbe abnehmen und verschwinden. Ich würde mich nicht um ein so hohes Ziel bemühen, wenn es nicht von meinem Herrn verlangt würde. Ich muss darauf vertrauen, dass er es bei mir erreichen kann. Ich muss nur mit ihm zusammenarbeiten, ihn im Gebet suchen und seinen Willen jederzeit zu erkennen versuchen.

Gespräch mit Christus:  Ich danke dir, Herr Jesus, dass du mich umwandeln willst, damit ich Gott ähnlicher werde. Ohne dich ist das unmöglich. Mit dir ist alles möglich, sogar bei mir mit all meinen Schwächen und Grenzen. Dein Wille geschehe.

Vorsatz:   Ich will die Vorgehensweise meiner Urteilsfindung ändern: von meiner Sichtweise hin zu der Sichtweise Gottes. Heute will ich mich bemühen, die „Goldene Regel“ in die Tat umzusetzen.


Andere in den Himmel führen

11. September 2009

Freitag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Paul Campbell LC

Lk 6,39-42
Jesus gebrauchte auch einen Vergleich und sagte: Kann ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen? Der Jünger steht nicht über seinem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein. Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen!, während du den Balken in deinem eigenen Auge nicht siehst? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

Einführendes Gebet:   Gott Vater, ich danke dir für das Geschenk der Schöpfung, für mein eigenes Leben. Gott Sohn, ich danke dir, dass du mich durch die Hingabe deines eigenen Fleisches und Blutes erlöst hast. Gott Heiliger Geist, ich danke dir, dass du der süße Gast meiner Seele bist und meinen Verstand erleuchtest, meinen Willen stärkst und mein Herz mit dem Feuer deiner Liebe entzündest.

Bitte:  Herr, hilf mir, demütiger zu werden.

1. Blinde Führer. Jesus stellt eine rhetorische Frage an die Menge: „Kann ein Blinder einen Blinden führen?“ Wer führen will, muss natürlich sehen können. Wenn es um Menschen geht, die zum Reich Gottes führen wollen, dann ist Jesus der Weg. Er ist ja vom Vater gekommen; er kennt den Weg. Zunächst wollen wir seine zentrale Bedeutung für unseren Weg in den Himmel bedenken; dann aber wollen wir auch über unsere Eignung nachdenken, andere zu führen. Dabei sollten wir zwar vorsichtig, aber nicht mit Widerwillen vorgehen, schließlich geht es doch darum, andere zu Gott zu führen. Wir sollten demütig sein und uns stets eng an die Kirche anlehnen, die Christus gegründet hat, um seinen Auftrag auf Erden fortzuführen.

2. Jünger. In seiner nächsten Äußerung betont Christus, dass ein Jünger zwar nicht über dem Meister steht, dass er aber ebensoviel lernen kann wie der Meister. Der Jünger Jesu kann von ihm die Schritte lernen, die zu Rettung und ewigem Leben führen. Christus hat nicht nur die Kirche gegründet, um seine Lehre weiterzuentwickeln, sondern er hat sie auch mit seinem Geist ausgestattet, um sie vor Irrtümern zu bewahren. Wenn wir also andere lehren, sollte unser Selbstvertrauen aus der Gewissheit kommen, dass wir uns im Einklang mit der Kirche befinden und bemüht sind, ihren Lehren zu folgen. Lernen ist ein lebenslanger Prozess, aber religiöse Unterweisung endet oft mit der ersten heiligen Kommunion oder der Firmung, und viele Erwachsene haben nur die religiöse Bildung eines Kindes. Was tun wir, um in unserem Glaubenswissen wirklich kompetent zu werden?

3. Heuchler. Die Evangelisierung beginnt bei uns. Wir finden oft Fehler mehr bei anderen als bei uns. Wir können über die Fehler anderer sogar richtig zornig werden, selbst wenn wir sie selbst auch machen. Ein Hochmütiger beklagt sich bitter über die vermeintliche Einbildung und Arroganz seines Nachbarn, sein eigenes Laster aber sieht er nicht. Wir müssen uns erst selbst in aller Demut erkennen und dann aufrichtig daran arbeiten, Christus ähnlicher zu werden. Je mehr wir Gottes Gnade in uns wirken lassen, desto besser können wir anderen helfen.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich bin sehr hochmütig. Ich lasse mich leicht ganz von mir selbst, meiner Sicht der Dinge, meinen Bedürfnissen und Wünschen beherrschen. Hilf mir, meine eigenen Fehler mehr zu erkennen, an denen ich nach deinem Willen arbeiten soll. Gib mir den Mut, sie mir einzugestehen, bevor ich auf andere schaue.

Vorsatz:   Ich will mir zwei oder drei praktische Dinge für diese Woche vornehmen, die mir helfen, demütiger zu werden.


Den Baum an seinen Früchten erkennen

12. September 2009

Samstag der dreiundzwanzigste Woche im Jahreskreis
Mariä Namen

P. Daniel Polzer LC

Lk 6,43-49
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Es gibt keinen guten Baum, der schlechte Früchte hervorbringt, noch einen schlechten Baum, der gute Früchte hervorbringt. Jeden Baum erkennt man an seinen Früchten: Von den Disteln pflückt man keine Feigen und vom Dornstrauch erntet man keine Trauben. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil in seinem Herzen Gutes ist; und ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil in seinem Herzen Böses ist. Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund. Was sagt ihr zu mir: Herr! Herr!, und tut nicht, was ich sage?

Ich will euch zeigen, wem ein Mensch gleicht, der zu mir kommt und meine Worte hört und danach handelt. Er ist wie ein Mann, der ein Haus baute und dabei die Erde tief aushob und das Fundament auf einen Felsen stellte. Als nun ein Hochwasser kam und die Flutwelle gegen das Haus prallte, konnte sie es nicht erschüttern, weil es gut gebaut war. Wer aber hört und nicht danach handelt, ist wie ein Mann, der sein Haus ohne Fundament auf die Erde baute. Die Flutwelle prallte dagegen, das Haus stürzte sofort in sich zusammen und wurde völlig zerstört.

Einführendes Gebet:   Herr, ich bin nun wieder bei dir im Gebet. Ich werde deine Worte betrachten. Ich will keiner von jenen sein, die immer nur „Herr! Herr!“ rufen, aber niemals deinen Worten folgen. Nur zu gut weißt du, wie schwach ich bin, wie of ich mich auf meine eigene Stärke verlassen habe und dich beiseite geschoben habe. In Demut komme ich heute zu dir, um dich um dein Licht und deine Gnade zu bitten.

Bitte:  Herr, hilf mir, meine Leben auf ein festes Fundament zu bauen.

1. Gute Früchte von einem guten Baum. Woran erkennen wir, was tief drinnen in unseren Seelen ist? Wir erkennen es an den Früchten, die wir hervorbringen. Wir wissen, wenn unser Leben voll ist von Nächstenliebe, Glaube, Geduld und Ehrlichkeit, dann ist unsere Seele gesund und stark. Wenn unser Leben hingegen geprägt ist von Ärger, Neid, Lust, Eigensinn und Faulheit, dann ist unsere Seele schwach und krank. Wenn wir uns ändern wollen, dann genügt es nicht, bloß Äußerlichkeiten zu verbessern: ein freundliches Gesicht zu machen oder die Fassade eines netten Menschen aufzuziehen. Früher oder später wird die Maske fallen, denn sie verdeckt nur, was innen drinnen an Schlechtem ist. Wir müssen uns von innen heraus ändern, tief hinunter an die Wurzeln unserer Fehler gehen, unsere Seele im Sakrament der Versöhnung heilen und auf dem Fundament der Tugend unser Leben aufbauen.

2. Trügerische Sicherheit. Solange die Sonne scheint und alles ruhig ist, dann erscheint ein Haus, das auf einem schwachen Fundament steht, stabil und fest. Wir sind sicher, dass es den Kräften von Regen, Wind und Fluten widerstehen kann. Wir wiegen uns in unserem Leben manchmal in trügerischer Sicherheit, wenn alles gut läuft. Solange es keine großen Versuchungen gibt und die Wechselfälle und Schwierigkeiten des Lebens klein sind und leicht überwunden werden können, solange können wir uns selbst einreden, dass wir auf festem Untergrund stehen. Wir meinen vielleicht, dass unser geistliches Leben stark ist und dass wir nicht mehr sündigen werden. Wir müssen vorsichtig und so objektiv wie möglich sein, denn diese Meinung könnte sich als falsche Sicherheit herausstellen.

3. Der Test. Unser Fundament wird erst wirklich auf die Probe gestellt, wenn der Regen anfängt, der Wind zu brausen beginnt und die Fluten steigen. Der Test für unser geistliches Leben beginnt mit Versuchungen, Schwierigkeiten, Enttäuschungen und Schicksalsschlägen. Wenn wir unser geistliches Leben auf eine feste Basis der Tugenden, der Selbstverleugnung und der Verbindung mit Gott stellen, dann ist es gleich, wie sehr auch die Fluten heranbranden: wir werden fest stehen. Wir dürfen nicht vergessen, dass in dem Moment, in dem die Fluten kommen, keine Gelegenheit mehr ist, das Fundament zu befestigen. Dafür ist es dann zu spät. An einem starken Fundament muss man bauen, wenn die Sonne scheint. Wir müssen den Worten Christi jetzt in diesem Moment folgen, solange noch Zeit ist.

Gespräch mit Christus:  Herr, lass nicht zu, dass ich mich in trügerischer Sicherheit wiege, nur weil mein Leben im Moment ohne Schwierigkeiten ist. Ich möchte bereit sein für den Test, bereit für die Fluten. Hilf mir, dass ich noch heute an der Befestigung der Fundamente meines geistlichen Lebens arbeite. Hilf mir, in den Tugenden zu wachsen.

Vorsatz:   Ich werde mich heute auf eine Tugend besonders konzentrieren, von der ich weiß, dass ich sie besonders üben muss.