Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 23. August 2009 bis Samstag 29. August 2009

Einundzwanzigste Woche im Jahreskreis

P. Alexander Kim LC, P. Daniel Polzer LC und P. Richard Gill LC

Du bist der Einzige Sonntag
Die Berufung des heiligen Bartholomäus Montag
Die wichtigen Dinge zuerst Dienstag
Sein oder Nicht-Sein Mittwoch
Die Arbeit ernst nehmen Donnerstag
Seid ihr bereit? Freitag
Zeuge der Wahrheit Samstag


Du bist der Einzige

23. August 2009

Einundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

P. Alexander Kim LC

Joh 6,60-69
Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören? Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher. Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Einführendes Gebet:   Ich glaube an dich, mein Gott. Du hast mich aus dem Nichts ins Dasein gerufen und wachst voller Liebe über mich. Du hast sogar die Haare auf meinem Haupt gezählt. Ich vertraue auf deine unendliche Güte und lass alle Angst ab von mir. Ich lege meine Sehnsüchte, meine Wünsche und alles, was ich brauche, in deine liebenden Hände. Ich liebe dich, Herr, und ich möchte dich von ganzem Herzen, mit all meinem Verstand und mit ganzer Kraft lieben.

Bitte:  Herr Jesus, hilf mir, dich zum Mittelpunkt meines Lebens zu machen.

1. „Nehmt ihr daran Anstoß?“ Jesus zeichnete seinen Jüngern niemals ein Bild von einem rosigen und bequemen Leben – einem Leben, das in ihre Denkart passte. Eher forderte er sie zu neuen Höhen heraus, die einen Paradigmenwechsel erforderten. Wir müssen nicht lange suchen oder weit schauen, um Gruppen zu finden, die fordern, dass die Kirche ihre Lehre ändert, die sie als „zu streng“ oder „zu altmodisch“ charakterisieren. Aber der mystische Leib Christi bleibt sich treu in furchtloser Verkündigung der Wahrheit. Christus fragt mich also heute: Daran nimmst du Anstoß? Willst auch du gehen? Er verlangt von mir, mich der rechtmäßigen Kirchenleitung demütig unterzuordnen. Er erwartet von mir, dass ich in meinem Leben geradezu heroisch ein Zeugnis von meinem Glauben gebe, auch wenn es Spott oder Ablehnung meiner Kollegen oder Freunde zur Folge hat. Er ermahnt mich liebevoll, nicht in ein sündiges Leben zurückzukehren. Er lädt mich ein, meinen Stolz und meine Eigenliebe abzulegen und täglich mein Kreuz auf mich zu nehmen und ihm nachzufolgen.

2. „Niemand kann zu mir kommen…“ Fragen wir mit den Worten des heiligen Petrus. „Wer kann dann noch gerettet werden?“ (Lk 18,26). Jesus sagt uns, dass Gott, der Vater, die Herzen der Menschen vorbereitet hat, seinen Sohn zu empfangen. Gott hat für jeden eine Zeit und einen Ort bestimmt. Wann und wie er ruft, ist ebenso geheimnisvoll wie seine unendliche Liebe zu uns. Was auch immer geschieht, unsere Akzeptanz des Gottessohnes muss in guten und in schlechten Zeiten, in Krankheit oder Gesundheit, gleichbleibend, ausdauernd und treu sein. Wenn Gott, der Vater, mich befähigt, zu glauben und zu verkünden, dass Christus der Messias ist, zu glauben, dass Christus in der heiligen Eucharistie gegenwärtig ist und auf seine Vergebung der Sünden in der Beichte zu vertrauen, was brauche ich dann noch mehr?

3. „Herr, zu wem sollen wir gehen?“ Nur der Glaube kann den Durst unseres Verstandes löschen. Nur die Quelle unseres Lebens und die Güte Gottes können das ständige Verlangen unseres Willens zufrieden stellen. Nur das Opferlamm Gottes, das sein Blut vergoss, um uns zu erlösen, kann mich von den Fesseln der Sünde befreien. Nur die Liebe kann mein Herz erobern und es mit unendlicher Freude erfüllen. An wen könnten wir uns schließlich wenden? Nach welchem Geschöpf, welcher Idee oder welchem irdischen Schatz könnten wir uns angesichts des ewigen Lebens sehnen? Die Frage des heiligen Petrus ist in Wirklichkeit ein indirektes Bekenntnis: Du bist der Einzige; da ist kein Anderer, keiner, der ihm gleicht. Das ist keine gedankenlose Bemerkung oder eine unlogische Schlussfolgerung. Sie beruht eher auf der sicheren Erkenntnis, dass Christus das ewige Leben ist.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, gewähre mir die Gnade, das Evangelium demütig anzunehmen, und schenke mir den Glauben, es mit Liebe zu ergreifen, besonders dann, wenn es menschlich schwerfällt, es zu akzeptieren. Lass meine Antwort so ausfallen, wie die des heiligen Petrus: „Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes“ (Joh 6,69).

Vorsatz:   Durch meine Worte und Taten werde ich meinen Glauben allen, mit denen ich heute in Kontakt komme, deutlich bezeugen.


Die Berufung des heiligen Bartholomäus

24. August 2009

Montag der einundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Bartholomäus, Apostel

P. Daniel Polzer LC

Joh 1,45-51
Philippus traf Natanaël und sagte zu ihm: Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs. Da sagte Natanaël zu ihm: Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen? Philippus antwortete: Komm und sieh! Jesus sah Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit. Natanaël fragte ihn: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen. Natanaël antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel! Jesus antwortete ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah? Du wirst noch Größeres sehen. Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube an deine wunderbar strahlende Herrlichkeit, auch wenn sie meinen Augen noch verborgen ist. Ich hoffe auf den Frieden und die niemals endende Freude der kommenden Welt, denn diese Welt ist ein Tal der Tränen. Ich liebe dich, auch wenn ich nicht immer in der Lage bin, die Liebe in deinem göttlichen Plan zu erkennen, wenn du es zulässt, dass ich leide. Du bist mein Herr und mein Gott.

Bitte:  Herr, lass mich immer vertrauter mit dir werden.

1. Die Berufung. Die Kirche hat in Nathanael, von welchem der heilige Johannes berichtet, immer den heiligen Bartholomäus, den Apostel, gesehen. Nathanael empfängt die Berufung zum Apostel, wie wir alle. In Nathanaels Fall kommt der Ruf nicht direkt von Jesus, sondern von einem Mittler, Philippus, der ihm das Zeugnis gibt, wer Jesus ist. Nathanael zweifelt zuerst, aber er lehnt das Zeugnis nicht total ab und geht zu Jesus. Christus beruft viele von uns durch einen Mittler: einen Freund, einen Verwandten, eine Gott geweihte Person, usw. Auch wenn da Zweifel sind, solange wir offen bleiben, kann Christus in uns wirken und uns näher an sich ziehen.

2. Das Bekenntnis des Glaubens. Aus der Begegnung mit Christus resultiert ein Bekenntnis des Glaubens: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel.“ Jetzt gibt es keinen Zweifel oder Skepsis mehr. Die Begegnung mit Christus bringt ein klares und festes Bekenntnis hervor. Philippus, der Mittler, tritt zur Seite, und Nathanael gelangt zu einer direkten und starken persönlichen Beziehung mit Christus. Nathanael wird ein überzeugter Apostel. So sollen auch wir, selbst wenn wir durch andere zu Christus gekommen sind, nach und nach unseren Glauben auf unsere eigene persönliche Erfahrung mit Christus begründen.

3. Größeres erleben. Nathanael, der heilige Bartholomäus, wurde einer der zwölf Apostel. Der Tradition nach verkündete er das Evangelium in Indien und Armenien, wo er als Märtyrer starb, bei lebendigem Leib gehäutet und geköpft. Ohne Zweifel war es seine Einsicht in den Glauben, seine Erkenntnis der größeren Dinge, die ihm die Kraft und den Mut gaben, das Evangelium zu verkünden und als Märtyrer zu sterben. Von seiner ersten schlichten Begegnung mit Christus wurde er zu einem großen Heiligen, der sein Leben in tiefer Verbindung mit Gott lebte.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich weiß, dass ich manchmal sehr skeptisch bin und nicht daran glaube, dass du mein Leben verwandeln kannst. Schon so oft habe ich mich mit einfachen Worten an dich gewandt; bitte hilf mir, dass diese schlichten Unterhaltungen mit dir zu einem festen Bekenntnis des Glaubens und einem beharrlichen apostolischen Eifer werden.

Vorsatz:   Ich werde an diesem Tag das Glaubensbekenntnis beten, um meinen Glauben an Christus zu erneuern.


Die wichtigen Dinge zuerst

25. August 2009

Dienstag der einundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Richard Gill LC

Mt 23,23-26
Jesus sagte: Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz außer Acht: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue. Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen. Blinde Führer seid ihr: Ihr siebt Mücken aus und verschluckt Kamele. Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr haltet Becher und Schüsseln außen sauber, innen aber sind sie voll von dem, was ihr in eurer Maßlosigkeit zusammengeraubt habt. Du blinder Pharisäer! Mach den Becher zuerst innen sauber, dann ist er auch außen rein.

Einführendes Gebet:   Herr, ich komme wieder im Gebet zu dir. Auch wenn ich dich nicht sehen kann, weiß ich durch den Glauben, dass du in meinem Leben gegenwärtig bist. Ich hoffe auf dein Versprechen, dass du bei mir bist. Ich liebe dich, und ich weiß, dass du mich liebst. Nimm dieses Gebet als ein Zeichen meiner Liebe an.

Bitte:  Herr, hilf mir, mein Leben gewichtigeren Dingen zu widmen als nur Dingen, die so schnell wieder vergehen.

1. Die wahre Bedeutung des Zehnten. Ursprünglich wollte Gott von seinem Volk den Zehnten, damit es ihn – Gott - als die Quelle aller Gaben in ihrem Leben anerkenne. Das Geben des Zehnten soll unsere Anerkennung sein, dass alles was wir haben, von ihm kommt, dass er unser Herr ist, und dass sein Gesetz der Weg zu unserem Heil ist. Die Israeliten sind aber einer sturen Gesetzestreue verfallen und haben den wahren Sinn des Zehnten vergessen. Sie haben die Buchstaben des Gesetzes befolgt und dabei die wahre Bedeutung des Gesetzes vergessen: die Anerkennung der Souveränität Gottes. Letztlich gehört alles, was wir sind und haben, Gott. Darum müssen wir unsere Talente, unseren Reichtum und unseren Besitz für ihn und sein Reich einsetzen. Gibt es einen Bereich, wo ich Gottes Souveränität in meinem Leben nicht anerkenne?

2. Was wirklich zählt. Welche Dinge im Gesetz sind am wichtigsten? Jesus spricht von Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Glauben. Wenn wir diese vernachlässigen, dann verdrehen wir den wahren Sinn der Religion, denn Formalismus und Aktionismus besänftigen Gott nicht, sondern allein dass Öffnen unseres Herzens für sein Wort. Unsere Herzen sollen seinem Herzen ähnlich werden, wir sollen wie er unsere Nächsten lieben und mit ihnen barmherzig sein. Wie oft vergessen wir die wichtigen Dinge und kümmern uns um Unwichtiges? Wie oft meinen wir, dass wir Gottes Willen tun, und tun stattdessen unseren eigenen Willen? Wie oft verlieren wir den eigentlichen Sinn der Gebote Gottes aus den Augen?

3. Innere Reinigung. „Mach den Becher zuerst innen sauber…“ Wir sollten uns um unsere Seele kümmern und darauf achten, dass hinter unseren Handlungen reine Absichten stehen. Manchmal handeln wir nur, um vor den anderen gut dazustehen, um für tugendhaft und heilig gehalten zu werden, in unserem Inneren sind wir aber voll von negativen Urteilen, und es fehlt uns an wahrer Nächstenliebe. Tugend wächst aus dem Herzen des Menschen, wo der Geist wohnt und uns erleuchtet, wie er will. Wir müssen auf die Stimme des Heiligen Geistes hören und ihr folgen.

Gespräch mit Christus:  Herr, du weißt, wie es in meinem Herzen aussieht. Reinige es und bilde es nach deinem göttlichen Herzen, damit ich dich liebe und die anderen so liebe, wie du sie liebst. Nimm alle Eitelkeit und den Wunsch, vor anderen gut dazustehen, von mir weg, denn das dient nicht deiner Ehre.

Vorsatz:   Ich will bei meiner Gewissenserforschung immer die Absichten meiner Handlungen überprüfen und so darauf achten, dass ich mich von der Barmherzigkeit, der Gerechtigkeit und dem Glauben leiten lasse.


Sein oder Nicht-Sein

26. August 2009

Mittwoch der einundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Alexander Kim LC

Mt 23,27-32
Jesus sagt: Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie die Gräber, die außen weiß angestrichen sind und schön aussehen; innen aber sind sie voll Knochen, Schmutz und Verwesung. So erscheint auch ihr von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz.

Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr errichtet den Propheten Grabstätten und schmückt die Denkmäler der Gerechten und sagt dabei: Wenn wir in den Tagen unserer Väter gelebt hätten, wären wir nicht wie sie am Tod der Propheten schuldig geworden. Damit bestätigt ihr selbst, dass ihr die Söhne der Prophetenmörder seid. Macht nur das Maß eurer Väter voll!

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich glaube, dass du „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ bist (Joh 14,6). Ich komme heute demütig zu dir. Ich vertraue ganz auf dich und wünsche darum, dass mein Leben ein unbeschriebenes Buch sei, auf dessen Seiten du meine Lebensgeschichte schreibst.

Bitte:  Herr Jesus, schenke mir ein offenes und demütiges Herz.

1. Was du siehst, ist nicht das, was du bekommst. Eine der strengsten Rügen, die Jesus erteilte, war gegen die Heuchelei derer, die mit der wichtigen Aufgabe der Führung des Volkes Gottes betraut waren. Sie waren berufen, die Hoffnung auf Gottes Versprechen, das Volk zu erlösen, weiterzugeben: „Sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein“ (Jer 24,7). Ihre eitle Rechtschaffenheit war aber nichts anderes als Zügellosigkeit und legte den Israeliten Bürden auf, die diese fast zur Verzweiflung trieben. Anstatt dem Volk Gottes zu helfen, sich von der Sünde abzuwenden und sich einem Leben in Treue zu Gottes Liebe zuzuwenden, betrogen sie das Volk, das offen für religiöse Belehrungen war, zugunsten ihres eigenen schäbigen Gewinns.

2. Die Guillotine der Heiligen oder die Heiligen zur Guillotine? Eine zu hohe Achtung vor der Meinung anderer Menschen ist die „Guillotine der Heiligen“. Sie hat einen selbstmörderischen Effekt und eine tödliche Kraft, die Wirksamkeit eines leidenschaftlichen Herzens zu vermindern. Zu hohe Achtung vor der Meinung anderer Menschen macht die Liebe Gottes und die Seelen unfruchtbar, weil sie nichts ist als Hochmut, verkleidet als Furcht, als Zweifel oder als Wunsch, die Gefühle anderer nicht verletzen zu wollen. Andererseits gibt die echte Nächstenliebe ein Zeugnis für die Wahrheit, ungeachtet der Folgen, die damit verbunden sein können – selbst Verfolgung oder Schwert (vgl. Röm 8,35). Wenn wir die Meinung anderer Menschen über uns gering achten, mag uns das zur „Guillotine“ führen, aber dann sind wir auf dem Weg, Heilige zu werden.

3. Wie der Vater, so der Sohn: alle Heuchler. Die Vorfahren der Pharisäer töteten die Propheten, weil sie das Volk in Gottes Namen züchtigten. Nun drängt Jesus ironisch die Pharisäer, sich ihres Erbes würdig zu erweisen. Jesus distanzierte sich von den Religionslehrern seiner Zeit. Anders als die Pharisäer und Tempelpriester, die für die Israeliten gleichsam Söldner geworden waren, war Jesus der gute Hirt. Jesus führte eine neue Priesterschaft ein, gegründet auf seiner eigenen: die des leidenden Gottesknechtes, des Paschalammes, des Messias und der zweiten Person der Heiligen Dreifaltigkeit. Er machte alles neu und befreite uns wahrhaft von der Sünde.

Gespräch mit Christus:  Jesus, ich danke dir von ganzem Herzen für meine Erlösung. Du lässt mich deine Stimme hören, wenn sie mich sanft ruft. Stärke mich im Glauben und erfülle mich mit deiner Liebe, so dass ich eines Tages wie der heilige Paulus sagen kann: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20).

Vorsatz:   Ich werde ein Feind der Heuchelei und ehrlich im Umgang mit anderen sein.


Die Arbeit ernst nehmen

27. August 2009

Donnerstag der einundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Monika

P. Richard Gill LC

Mt 24,42-51
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr eingesetzt hat, damit er dem Gesinde zur rechten Zeit gibt, was sie zu essen brauchen? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Amen, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen. Wenn aber der Knecht schlecht ist und denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht!, und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, wenn er mit Trinkern Gelage feiert, dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Heuchlern zuweisen. Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.

Einführendes Gebet:   Herr, ich komme wieder im Gebet zu dir. Auch wenn ich dich nicht sehen kann, weiß ich durch den Glauben, dass du in meinem Leben gegenwärtig bist. Ich hoffe auf dein Versprechen, dass du bei mir bist. Ich liebe dich, und ich weiß, dass du mich liebst. Nimm dieses Gebet als ein Zeichen meiner Liebe an.

Bitte:  Herr, hilf mir, wachsam zu bleiben und immer daran zu denken, dass der Himmel mein Ziel ist.

1. Stunden oder Tage. Niemand von uns weiß, wie lange er leben wird. Auch Jesus hat nicht gesagt, wie lange die menschliche Geschichte weitergehen werde, bevor er wiederkommen werde zum jüngsten Gericht. Das zeigt uns, dass wir immer bereit sein müssen, um vor unseren Herrn zu treten, dass unser Handeln aufrichtig und unser Gewissen rein sein müssen. Wir müssen jeden Tag so leben, als sei es unser letzter, als ob unser ewiges Glück von den Entscheidungen und dem Handeln dieses Tages abhängen würde. Jeder Moment ist kostbar und wichtig in Gottes Augen und das eine Notwendige ist, unser Seelenheil zu erlangen. Das ist wichtiger als alles andere, was wir im Leben erreichen können.

2. Wahre Klugheit. Der Knecht, der konstant und zuverlässig ist, der immer tut, was man von ihm erwartet, ist ein wahrhaft kluger Mensch. Gott will, dass wir treu sind und seinem Willen jeden Tag folgen. Das ist der Weg zur Heiligkeit und zur Vereinigung mit Gott; es gibt keinen anderen Weg, durch den wir Gott nahe sein können, als seinen Willen aus Liebe und Dankbarkeit zu tun. Spiegeln meine heutigen Handlungen den liebenden Gehorsam gegen Gottes Willen wider? Stelle ich Gott in den Mittelpunkt meines Lebens, oder ist er und sein Wille für mich nur nebensächlich, beachte ich ihn nur von Zeit zu Zeit?

3. Eine große Verspätung. Oft scheint es, dass Gott weit weg ist und keine Beziehung zu unserem Leben hat. Es scheint, dass er nicht so bald wiederkommt, und das führt dazu, dass wir uns von allen möglichen Dingen ablenken lassen. Darum müssen wir jeden Tag unseren Glauben an Gott erneuern, den Glauben an seine beständige Gegenwart, und wir müssen jeden Tag leben, um ihm zu gefallen, egal wie lange es noch dauern kann, bis er wiederkommt. Wir müssen durch den Glauben an ihn und seine Offenbarung in seiner Gegenwart leben, denn seine Offenbarung lehrt uns den Weg zum ewigen Leben. Wir brauchen jeden Tag einen lebendigen und tatkräftigen Glauben an Gott und seine Gegenwart.

Gespräch mit Christus:  Herr, lehre mich mit echtem Glauben zu dir und deinem Leben spendenden Wort zu beten. Hilf mir, immer zu glauben, damit ich dir gefallen kann, deinen Willen tun kann und in der Heiligkeit wachsen kann.

Vorsatz:   Ich will meinen Glauben jeden Tag erneuern und häufig bewusste und eifrige Glaubensakte tun.


Seid ihr bereit?

28. August 2009

Freitag der einundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Augustinus, Bischof und Kirchenlehrer

P. Richard Gill LC

Mt 25,1-13
Jesus erzählte den Jüngern dieses Gleichnis: Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit. Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht aber hörte man plötzlich laute Rufe: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus. Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es weder für uns noch für euch; geht doch zu den Händlern und kauft, was ihr braucht. Während sie noch unterwegs waren, um das Öl zu kaufen, kam der Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen. Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! Er aber antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

Einführendes Gebet:   Herr, ich komme wieder im Gebet zu dir. Auch wenn ich dich nicht sehen kann, weiß ich durch den Glauben, dass du in meinem Leben gegenwärtig bist. Ich hoffe auf dein Versprechen, dass du bei mir bist. Ich liebe dich, und ich weiß, dass du mich liebst. Nimm dieses Gebet als ein Zeichen meiner Liebe an.

Bitte:  Herr, gib mir eine tiefe Sehnsucht nach dem Reich Gottes ins Herz.

1. Eine große Ölknappheit. Das Evangelium lädt uns ein, genügend Öl für unsere Lampen zu haben, um immer bereit für das Kommen des Herrn zu sein. Er begegnet uns den Tag hindurch auf eine Weise, wie wir es nicht erwarten. Die unklugen Jungfrauen haben sich keine Gedanken darüber gemacht, wann und auf welche Weise der Herr kommen würde. Oft lassen wir uns von tausenderlei Dingen und Sorgen gefangen nehmen und verlieren das Wichtige aus den Augen. Auch wir übersehen die Gegenwart Christi in den Menschen um uns herum, in den Umständen, in denen wir leben. Manchmal kommt Christus zu uns durch ein Opfer oder ein Leid, wir erkennen ihn aber nicht darin und lehnen es ab. Wir müssen unseren Glauben stärken, damit wir erkennen, wie der Herr uns in unserem Leben begegnen will.

2. Die Türen verschlossen. Immer wieder macht uns Jesus im Neuen Testament klar, dass es die wirkliche Möglichkeit gibt, dass Menschen, entsprechend ihrer eigenen Entscheidung, verloren gehen können. Das furchtbarste, das jemandem geschehen kann, ist es, die Worte des Herrn, der uns geschaffen hat und für unsere Errettung gestorben ist, zu hören: „Ich kenne dich nicht.“ Der Herr nimmt unseren freien Willen sehr ernst. Er übt niemals Druck auf unseren Willen aus. Er drängt sich uns niemals auf. Vielmehr lädt er uns ein, ihm aus freiem Willen in Liebe und Gehorsam zu antworten und den Weg, den er uns gelehrt hat, zu gehen. Wir müssen uns entscheiden, fest entschlossen den Weg eines christlichen Lebens weiterzugehen. Gott kann uns nicht ohne unsere Mitarbeit retten.

3. Seid wachsam. Der heilige Augustinus sagte: „Gebt acht! Die Gnade Gottes zieht vorbei und kommt nicht zurück.“ Wir müssen Gottes Gegenwart in den kleinen Dingen jeden Tages erkennen und die Gelegenheit nie vorbeigehen lassen, ihn zu lieben und ihm zu dienen. Im Glauben müssen wir immer bereit sein und nach ihm Ausschau halten. Wenn wir meinen, dass wir schon gerettet sind, können wir die Chance verpassen, bei ihm zu sein.

Gespräch mit Christus:  Jesus, ich danke dir, dass du uns so deutlich lehrst, wie wichtig unsere Entscheidungen sind. Wie schlimm wäre es doch, wenn wir uns für den Tod statt für das ewige Leben mit dir entscheiden würden! Ich will mich für dich und deine Wege entscheiden, aber ich bin so schwach. Hilf mir, wachsam zu sein und immer auf dich zu warten, damit ich dich in allen Dingen erkennen und deinen Willen erfüllen kann.

Vorsatz:   Ich will heute aktiv danach Ausschau halten, wo Christus in den anderen gegenwärtig ist.


Zeuge der Wahrheit

29. August 2009

Samstag der einundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Enthauptung Johannes des Täufers

P. Richard Gill LC

Mk 6,17-29
Herodes hatte Johannes festnehmen und ins Gefängnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte. Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen. Herodias verzieh ihm das nicht und wollte ihn töten lassen. Sie konnte ihren Plan aber nicht durchsetzen, denn Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu. Eines Tages ergab sich für Herodias eine günstige Gelegenheit. An seinem Geburtstag lud Herodes seine Hofbeamten und Offiziere zusammen mit den vornehmsten Bürgern von Galiläa zu einem Festmahl ein. Da kam die Tochter der Herodias und tanzte und sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen so sehr, dass der König zu ihr sagte: Wünsch dir, was du willst; ich werde es dir geben. Er schwor ihr sogar: Was du auch von mir verlangst, ich will es dir geben, und wenn es die Hälfte meines Reiches wäre. Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich mir wünschen? Herodias antwortete: Den Kopf des Täufers Johannes. Da lief das Mädchen zum König hinein und sagte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den Kopf des Täufers Johannes bringen lässt. Da wurde der König sehr traurig, aber weil er vor allen Gästen einen Schwur geleistet hatte, wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen. Deshalb befahl er einem Scharfrichter, sofort ins Gefängnis zu gehen und den Kopf des Täufers herzubringen. Der Scharfrichter ging und enthauptete Johannes. Dann brachte er den Kopf auf einer Schale, gab ihn dem Mädchen und das Mädchen gab ihn seiner Mutter. Als die Jünger des Johannes das hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube an deine wunderbar strahlende Herrlichkeit, auch wenn sie meinen Augen noch verborgen ist. Ich hoffe auf den Frieden und die niemals endende Freude der kommenden Welt, denn diese Welt ist ein Tal der Tränen. Ich liebe dich, auch wenn ich nicht immer in der Lage bin, die Liebe in deinem göttlichen Plan zu erkennen, wenn du es zulässt, dass ich leide. Du bist mein Herr und mein Gott.

Bitte:  Herr, hilf mir, keine Angst vor den Konsequenzen zu haben, wenn ich die Wahrheit spreche.

1. Die Wahrheit auch Mächtigen gegenüber bekennen. Obwohl Herodes ein grausamer Tyrann war, zögerte Johannes nicht, sein ehebrecherisches Verhalten und seine Sünde öffentlich zu verurteilen. Johannes wurde vom Heiligen Geist bewegt, Zeugnis zu geben und die Menschen zu lehren, dass niemand Gottes Gebote legitim verletzen darf, auch nicht ein König. Johannes fürchtete nicht die Konsequenzen seines Handelns, weil er wusste, dass Gott ihm beistehen und ihn niemals verlassen würde, wenn er treu bleibt, auch wenn er für die Wahrheit leiden müsste. Auch wir sollen mutige Zeugen sein: vor unserer Familie, unseren Freunden und der Gesellschaft im Ganzen. Wenn wir das tun, wird Gott uns beistehen und wir werden nichts zu fürchten haben.

2. Die in Liebe gesprochene Wahrheit kann Herzen bewegen. Markus erzählt uns, dass Herodes, obwohl er Johannes den Vorwurf des Ehebruchs übel nahm, ihm gerne zuhörte und dadurch unruhig und ratlos wurde. Weil er moralisch schwach war, änderte er sein Leben nicht, und doch drangen die Rufe des Propheten nach Reue in sein Gewissen. Herodes wusste nicht, was er tun sollte; etwas rührte sein Gewissen an; der Heilige Geist wollte sein Inneres zur Reue über seine Sünden bewegen. Gott verlässt die Sünder nicht, er gibt ihnen die Gnade zur Umkehr. Wir dürfen also nie die Hoffnung für jemanden verlieren, der verloren scheint und in Sünde lebt. Wir sollen nie aufhören, die Wahrheit in Liebe zu sprechen und für seine Umkehr zu beten. Gott kann selbst das Herz des schlimmsten Sünders wandeln. Er hat uns so viel vergeben, er kann auch anderen ebenso vergeben.

3. Die Sünde kann Gottes Gnade auslöschen. Im Evangelium hören wir, wie Herodes durch sein unkluges Versprechen, das er der Tochter der Herodias gemacht hat, sich daran gebunden fühlte und aus Angst, sein Gesicht zu verlieren, den Befehl gab, Johannes zu enthaupten. Seine moralische Schwäche war stärker als das beginnende Wirken der Gnade zur Umkehr. Aufgrund seiner Sinneslust und seiner Eitelkeit verschloss er sein Herz dem Wirken von Gottes Gnade und ließ einen unschuldigen Menschen umbringen. Die Sünde kann das Gewissen verdunkeln und Gottes Gnade im Herzen eines Menschen auslöschen, der allein seine Leidenschaften befriedigen will.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich will deinen Lehren treu bleiben und denen, die ich liebe, dein Wort offen sagen, wenn sie es hören sollen. Ich weiß, dass hier Klugheit, Mut und Standfestigkeit notwendig sind. Hilf mir, dir immer treu zu bleiben. Gib mir die Gnade eines reinen Gewissens und hilf mir, immer die Wahrheit mit Geradheit und aus Liebe zu deinem Gesetz zu sagen.

Vorsatz:   Ich werde um die Gnade bitten, die Wahrheit zu bezeugen, ob das nun gefällt oder nicht, und egal, was für Konsequenzen das mit sich bringt.