Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 9. August 2009 bis Samstag 15. August 2009

Neunzehnte Woche im Jahreskreis

P. Richard Gill LC, P. John Connor LC, P. Steven Reilly LC

Das Brot des Lebens Sonntag
Die Macht der Liebe Montag
Keine billigen Seelen Dienstag
Harte Augenblicke Mittwoch
Menschliche Unversöhnlichkeit und die Barmherzigkeit eines Heiligen Donnerstag
Am Anfang war das nicht so... Freitag
Gott erhöht die Niedrigen Samstag


Das Brot des Lebens

9. August 2009

Neunzehnter Sonntag im Jahreskreis
Edith Stein, Märtyrerin

P. Richard Gill LC

Joh 6,41-51
Da murrten die Juden gegen ihn, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Und sie sagten: Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel herabgekommen? Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht! Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt; und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Bei den Propheten heißt es: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen. Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen. Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben.

Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube an dich von ganzem Herzen. Ich vertraue auf Deine unendliche Güte und Gnade. Danke, dass du mich so geduldig auf meinem Weg zum ewigen Leben führst. Ich liebe dich und biete dir alles, was ich habe, und alles, was ich tue, für deine Verherrlichung und zur Erlösung der Seelen.

Bitte:  Herr, schenke mir den Glauben daran, dass du das Brot des Lebens bist.

1. Den Reinen im Herzen wird der Glaube geschenkt. Manchmal denken wir, es wäre viel leichter, zu glauben, wenn wir in der Zeit Jesu lebten. Die vorliegende Schriftstelle macht aber nicht nur klar, dass der Glaube ein Geschenk ist, sondern dass zum Glauben eine bestimmte Einstellung des Herzens erforderlich ist. Jene, die gegen Jesus murren, verschließen sich damit dem Geschenk des Glaubens, weil der Vater uns dieses Geschenk nicht aufzwingt. Alle aber, die den Propheten und dem Vater demütig Gehör schenken, werden von der Liebe des Vaters zu Jesus gezogen werden. Wir brauchen heute die gleiche Einstellung. Vielleicht erscheint manches unserem menschlichen Verstand sogar abwegig. Wir sollten weniger auf uns selbst vertrauen und uns mehr auf den Gehorsam den Worten Gottes gegenüber verlassen, damit wir das Geschenk des Glaubens empfangen können.

2. Brot, das nicht so sättigte. Das Manna, das die Israeliten in der Wüste nährte, war eine Vorform der Eucharistie. Gott speiste während der ganzen langen Reise zum Land der Verheißung sein Volk mit Manna. Dieses Brot aber schenkte kein ewiges Leben; tatsächlich rebellierten und murrten die Israeliten, und sie sündigten immer wieder. Sie suchten mehr nach materiellem Komfort und weltlicher Zufriedenheit, als nach der Hoffnung und der Freude, die man geschenkt bekommt, wenn man sich der Führung Gottes zu einem neuen Leben überlässt. In der Eucharistie nährt uns Gott mit dem Brot des ewigen Lebens und führt uns durch die irdische Pilgerschaft zu einem völlig neuen Leben in ihm selbst. Lasst uns unseren Glauben an das Wahre Brot, das uns Leben spendet, erneuern!

3. Ich werde für immer leben. Das ewige Leben beginnt schon jetzt für jene, die glauben, dass Jesus das Brot des Lebens ist. Durch den Glauben an die Eucharistie treten wir in ein neues Leben ein, das sich qualitativ von einem Leben unterscheidet, das nur nach Vergnügen und Komfort innerhalb der materiellen Beschränkungen unserer begrenzten Existenz sucht. Letztendlich wird das menschliche Leben, auch wenn es mit Reichtum, Erfolg und Einfluss gesegnet ist, zur grauen Eintönigkeit, es sei denn es gibt eine Hoffnung auf etwas Neues und Größeres als die Existenz auf dieser Erde. Ewig zu leben bedeutet nicht, einfach immer so weiter zu machen. Es bedeutet, in eine neue Dimension einzutreten, in das Leben in Gott, der unsere wahre Erfüllung und unser Frieden ist.

Gespräch mit Christus:  Herr, schenke mir immer dieses Brot des Lebens. Öffne mein Herz und meine Seele dem Verlangen nach einem neuen Leben, das nur du mir durch die Eucharistie bringen kannst. Schenke mir die Demut und die Einfachheit, auf dich zu hören und zu glauben, dass du Worte des ewigen Lebens hast.

Vorsatz:   Ich will mir die Zeit nehmen, vor dem Allerheiligsten das sechste Kapitel des Johannesevangeliums nachzulesen (die Verkündigung Jesu vom Brot des Lebens). Ich will den Heiligen Geist bitten, meinen Glauben an die Eucharistie als dem Mittelpunkt meines Lebens zu stärken.


Die Macht der Liebe

10. August 2009

Montag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Laurentius, Diakon & Märtyrer

P. John Connor LC

Joh 12:24-26
Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

Einführendes Gebet:   Herr, heute gibst du mir das Beispiel des heiligen Laurentius. Er gab sein Leben hin, damit dein Name von allen verehrt und geliebt würde. Ich hätte gerne den Mut, seinem Beispiel der tapferern Liebe zu folgen und mir selbst zu sterben, damit ich Gnaden für die vielen Seelen in Not erwerbe.

Bitte:  Herr, hilf mir, mich selbst zu vergessen und deine Interessen vor meine zu stellen.

1. Christi Liebe. Christus würde von uns nie etwas verlangen, dass er nicht selbst schon geerlebt hätte. Es gibt keine Gottheit, die von den Menschen verehrt wird, außer Jesus Christus, der sein Leben aus Liebe zu denen, die an ihn glauben, geopfert hat. Genau diese aufopfernde Liebe hat die Macht, die Liebe in unserem Leben zu vermehren. Christi Akt der selbstlosen Liebe bringt Akte der gleichen Art hervor.

2. Der heilige Laurentius. Der heilige Laurentius war ein Diakon in der frühen Kirche Mitte des dritten Jahrhunderts. Er starb als Märtyrer, in dem er langsam auf einem Grill schmorte. Als er eine Zeit lang geschmort hatte, bat er seine Mörder, ihn zu wenden, damit auch die „andere Seite gegrillt“ würde! Der Glaube des heiligen Laurentius und seine tapfere Liebe sind Früchte vom des Opfers Christi. Auch wenn wir nicht zu einer solchen Heldentat berufen sein mögen, hat Christus dieselbe Gnade für uns gewonnen, damit wir unsere Kreuze tragen und ein Leben der selbstlosen Liebe und Großzügigkeit leben.

3. Die Frucht der Treue. Wenn wir über das Leben der Heiligen nachdenken, werden wir von ihrem treuen Dienst an Christus und der Kirche inspiriert. Ihre Treue ist eine Frucht der Treue Christi. Unsere Akte der Treue werden anderen die Kraft und den Mut geben, dasselbe zu tun. „Beständige Treue ist vor allem die Frucht der Gnade Gottes, und unserer Zusammenarbeit mit ihr. Beständige Treue bis zum Tod ist die Frucht der Früchte dieser Gnade, kombiniert mit unserer Antwort. Gott ist der, der in einer Seele die unerlässliche Größe erschafft, die sie für Treue braucht. Vor allem gibt er uns die tägliche Gabe seine Tapferkeit, um in ihr zu bestehen.“

Gespräch mit Christus:  Herr, hilf mir, in meiner täglichen Hingabe an dich großzügiger zu sein. Obwohl du mich vielleicht nicht zu einem Märtyrer berufst, erlaube mir bitte, jeden Tag kleine Opfer für die Kirche und die Rettung der Seelen zu bringen.

Vorsatz:   Ich werde ein Opfer der Treue in meinem Gebet oder meiner apostolischen Tätigkeit für die armen Seelen im Fegefeuer hingebenbringen.


Keine billigen Seelen

11. August 2009

Dienstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Klara von Assisi, Jungfrau und Ordensgründerin

P. Steven Reilly LC

Mt 18,1-5,10,12-14
In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte? Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.

Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.

Was meint ihr? Wenn jemand hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig auf den Bergen zurück und sucht das verirrte? Und wenn er es findet - amen, ich sage euch: er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben. So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verloren geht.

Einführendes Gebet:   Herr und Gott, ich glaube, dass du hier bei mir bist, wenn ich dieses Gebet beginne. Ich hoffe auf dich. Ich weiß, dass du dich immer meiner annehmen wirst. Ich möchte, dass diese Zeit hier mit dir ein Zeichen meiner Liebe zu dir sein wird. Dir will ich gefallen, ohne geistlichen Trost für mich zu erwarten.

Bitte:  Herz Jesu, mach mein Herz dem deinen ähnlicher!

1. Die Aufgabe der Engel. Auf Raffaels berühmtem Marienbild, bekannt als „Sixtinische Madonna“, gibt es ein Detail, das dem Betrachter sofort ins Auge springt. Unterhalb der Madonna sind zwei kleine Engel in einmaliger Pose abgebildet. Sie sehen ein wenig gelangweilt aus angesichts der großen Aufmerksamkeit, die der heilige Papst Sixtus und die heilige Barbara der Madonna und dem Kind widmen: Sie sehen aus, als könnten sie es kaum erwarten, bis der ganze Rummel vorbei ist und sie wieder zum Spielen ins Freie können. Raffaels Sinn für Humor wird der Natur von Engeln sicherlich nicht gerecht. Als höchst intelligente geistige Wesen schauen Engel „stets das Antlitz des himmlischen Vaters“. Ihre Aufgabe? Über uns zu wachen und uns zu beschützen. Zeigt uns das nicht, wie Gott jeden einzelnen von uns liebt? Zeigt uns das nicht den Wert jeder einzelnen Seele?

2. Verantwortung des Hirten. Der Herr lüftet den Schleier über der unsichtbaren Welt der Engel, damit wir verstehen, wie sehr uns Gott liebt; jetzt kommt er zurück auf die Erde mit dem kostbaren Bild vom Hirten, der das verlorene Schaf sucht. Mutig trotzt der Hirte widrigen Elementen und den Gefahren durch wilde Tiere bei seiner unablässigen Suche nach dem einen Schaf, das sich von der Herde entfernt hat. Der Herr will seine Herde unbedingt zusammenhalten. Ist uns das ebenso ein Anliegen?

3. Keiner wird zurückgelassen. Die Amerikaner lieben den krassen Individualisten, der sich aus eigener Kraft emporarbeitet. Das ist sicher nichts Schlechtes, aber Katholiken brauchen einen breiteren Horizont. Neben den verlorenen Schafen gibt es auch schwache, kranke und an den Rand gedrängte. Wenn wir das Herz von Christus haben, dürfen wir keinen zurücklassen. Jedesmal wenn wir aus aufopfernder Liebe handeln, machen wir Christus in der Welt gegenwärtig. Wir sind aufgerufen, seine Botschafter zu sein!

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, deine Liebe macht uns Hoffnung. Du hast uns Engel gegeben, um über uns zu wachen, und du selbst bringst immer wieder das verlorene Schaf zurück zur Herde. Gib uns Herzen wie das deine, erfüllt von christlicher Nächstenliebe!

Vorsatz:   Ich will mich einem Kranken zuwenden oder einem, der sich von der Kirche entfernt hat.


Harte Augenblicke

12. August 2009

Mittwoch der neunzehnten Woche im Jahreskreis

P. Steven Reilly LC

Mt 18,25-20
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Einführendes Gebet:   Vater, ich danke dir für diese Zeit des Gebets. Hilf mir, den Eingebungen des Heiligen Geistes aufmerksam zu lauschen. Ich lade dich ein, während dieses Tages voller Herausforderungen und Aufgaben bei mir zu sein.

Bitte:  Herr, hilf mir, ein Werkzeug deines Friedens zu sein.

1. Wenn dein Bruder gegen dich sündigt. Das Leben eines Katholiken ist ein Auf und Ab. Die Seele der Kirche ist der Heilige Geist, aber die einzelnen Glieder können durchaus unheilig sein. Gelegentlich regen sich die Menschen darüber auf, dass es in der Kirche „menschelt“. „Er ist doch Katholik. Wie kann er so etwas tun?“ Jesus aber wundert sich nicht, und wir hören im heutigen Evangelium seine Empfehlung, wie mit sündhaftem Benehmen umzugehen ist. Unsere Liebe zur Kirche ist realistisch: Jesus ist gekommen, um die Sünder zu retten; wir dürfen nicht erstaunt sein, wenn wir der Sünde begegnen. Aber Realismus ist nicht zynisch. Wir wissen, dass Gott unendlich viel mächtiger ist als unsere Sündhaftigkeit. „Wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden“ (Röm 5,20).

2. Brüderliche Zurechtweisung. Sehr häufig begegnen wir der Sünde unter unserem eigenen Dach. Brüderliche Zurechtweisung kann eine Pflicht der Nächstenliebe sein; wenn wir allerdings den Gedanken daran genießen, dann ist das ein schlechtes Zeichen. Wir müssen unsere Absichten von verletztem Stolz oder jeglichem Gedanken an Vergeltung reinigen. Unser Motiv muss es sein, dem anderen wirklich helfen zu wollen. Und natürlich möchte man dabei effektiv sein, und das heißt, es richtig machen. An die Öffentlichkeit zu gehen ist nicht der erste Schritt, das macht der Herr ganz klar. In aller Stille Versöhnung zu suchen kann dagegen viel dazu beitragen, gestörte Beziehungen wiederherzustellen.

3. Die Kraft des Gebets. Zwischenmenschliche Konflikte können zu den schwersten Kreuzen gehören, die wir zu tragen haben. Wenn Verletzungen und Kränkungen so zahlreich geworden sind, dass Vergebung schwer zu gewähren oder zu erhalten ist, was bleibt dann zu tun? Der Herr will uns sagen: „Betet! Ermuntert auch andere dazu, mit und für uns zu beten.“ „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind...“ Der Herr will in unserem Gebet und durch dieses handeln. Als Katholiken, die an das Evangelium glauben, wissen wir, dass Wunder geschehen können. Manchmal mag es scheinen, als könne nur ein Wunder Versöhnung bringen. Wunder geschehen aber nur denen, die darum bitten.

Gespräch mit Christus:  Herr, du hast uns gelehrt, uns zum Gebet zu versammeln. Verleihe deiner Kirche mehr Einheit und Barmherzigkeit. Hilf uns, einander zu helfen und mach uns demütig, damit wir Zurechtweisungen annehmen können. Ich glaube, dass deine Liebe siegen wird!

Vorsatz:   Ich will wirklich ensthaft beten, bevor ich jemanden zurechtweise.


Menschliche Unversöhnlichkeit und die Barmherzigkeit eines Heiligen

13. August 2009

Donnerstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Pontianus, Papst - Hippolyt, Priester

P. Steven Reilly LC

Mt 18,21-19,1
Petrus trat zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.

Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist! Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war. Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast. Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.

Als Jesus diese Reden beendet hatte, verließ er Galiläa und zog in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan.

Einführendes Gebet:   Herr und Gott, ich glaube, dass du hier bei mir bist, wenn ich dieses Gebet beginne. Ich hoffe auf dich. Ich weiß, dass du dich immer meiner annehmen wirst. Ich möchte, dass diese Zeit hier mit dir ein Zeichen meiner Liebe zu dir sein wird. Dir will ich gefallen, ohne geistlichen Trost für mich zu erwarten.

Bitte:  Herr, verleih mir ein vergebenderes Herz!

1. Menschliche Unbarmherzigkeit. „Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist.“ Das Evangelium gibt hier ein erschreckendes Beispiel menschlicher Unbarmherzigkeit. Denken wir an ein anderes, an das des heiligen Maximilian Kolbe, dessen Fest wir morgen feiern. Karl Fritzsch, Lagerkommandant von Auschwitz, beschloss ein grausames Exempel zu statuieren, um die Gefangenen von Ausbruchsversuchen abzuhalten. Zehn Männer aus Block 13 werden ausgesondert und zum Hungertod verdammt. Wenn wegen eines Ausbruchsversuchs Unschuldige sterben müssen, würde doch sicher jeder Gedanke an Flucht im Keim erstickt werden. In unserem Evangelium ärgert sich der Herr über die Unbarmherzigkeit seines Dieners. Wir können nur mutmaßen, wie groß der Ärger des Herrn über die Unbarmherzigkeit eines Ortes wie Auschwitz war, den Papst Benedikt „einen Ort des Schreckens“ und „nie dagewesener Massenverbrechen“ genannt hat (28. Mai 2006). Wir wollen unser Herz vom Übel der Unbarmherzigkeit befreien, die solches Elend über unsere eigene Seele bringt.

2. Der heilige Maximilian tritt vor. Gottes Antwort an Petrus in diesem Evangelium, „nicht siebenmal sondern siebenundsiebzigmal“ zu vergeben, weist auf eine heldenhaft gelebte Tugend der Nächstenliebe und Vergebung hin. Tatsächlich ist uns im heiligen Maximilian Kolbe ein Beispiel solcher Liebe geschenkt worden. Er war nicht unter den zehn ausgewählten Opfern des Kommandanten. Die anderen, die es nicht getroffen hatte, werden sicherlich vernehmlich aufgeatmet haben. Der heilige Maximilian aber trat vor und bot an, an die Stelle des ausgewählten Franciszek Gajowniczek zu treten, den die Sorge um seine Familie zu einem verzweifelten Aufschrei veranlasst hatte. Wir können nur verwundert den Kopf darüber schütteln, dass die Flamme der Liebe an diesem „Ort des Schreckens“ so hell brennen konnte.

3. Das Kreuz ist der Maßstab. Das Beispiel der Heiligen fordert uns heraus. Sie geben uns kein „übermenschliches“ Beispiel, sondern bezeugen nur, wozu Männer und Frauen fähig sind, wenn sie die Gnade Gottes in ihren Herzen wirken lassen. Auch uns bieten sich immer wieder Gelegenheiten, ein tugendhafteres Leben zu führen, aber oft genug lassen wir die Dinge zu sehr schleifen. Als Petrus fragte, ob man siebenmal vergeben müsse, war er schon sehr großzügig. Aber die „siebenundsiebzigmal“, von denen Jesus spricht, sind der Maßstab des Kreuzes, des Symbols der unendlichen Liebe und Vergebung Gottes. Heilige wie Maximilian Kolbe haben das begriffen. Wir wollen es heute versuchen, im Großen wie im Kleinen.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich kann nur staunen über dein Wirken durch die Seele des heiligen Maximilian Kolbe. Du hast es ihm möglich gemacht, sein Leben für das eines anderen hinzugeben, so wie du es in deiner selbstaufopfernden Liebe getan hast. Hilf auch mir, von ganzem Herzen diesen Weg der Liebe und der Vergebung zu gehen.

Vorsatz:   Ich will sofort alles vergeben, was mir heute Unrechtes geschieht, und ich will versuchen, mich im Verborgenen für einen anderen aufzuopfern.


Am Anfang war das nicht so...

14. August 2009

Freitag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Maximilian Maria Kolbe, Priester und Märtyrer

P. Richard Gill LC

Mt 19,3-12
Da kamen Pharisäer zu ihm, die ihm eine Falle stellen wollten, und fragten: Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen? Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, daß der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat und daß er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Da sagten sie zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, dass man (der Frau) eine Scheidungsurkunde geben muß, wenn man sich trennen will? Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so. Ich sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch.

Da sagten die Jünger zu ihm: Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten. Jesus sagte zu ihnen: Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht, und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es.

Einführendes Gebet:   Herr und Gott, ich glaube, dass du hier bei mir bist, wenn ich dieses Gebet beginne. Ich hoffe auf dich. Ich weiß, dass du dich immer meiner annehmen wirst. Ich möchte, dass diese Zeit hier mit dir ein Zeichen meiner Liebe zu dir sein wird. Dir will ich gefallen, ohne geistlichen Trost für mich zu erwarten.

Bitte:  Herr und Gott, erfülle mich mit deiner Gnade, damit ich deine hohen Erwartungen erfüllen kann.

1. Die Härte ihres Herzens. Die Pharisäer hörten bei der Bergpredigt die Lehre Jesu gegen Ehescheidung, eine Lehre die dem Gesetz der frommen Juden widersprach. Sie meinten, sie könnten ihm eine Falle stellen, wenn sie seine Lehre im Widerspruch zu dem Gesetz Mose stellten. Sie hofften, ihn damit unglaubwürdig machen zu können. Jesus aber kannte ihre Absichten und ging in seiner Lehre vom ursprünglichen Plan Gottes für Mann und Frau aus. Er wusste, sie suchten nach Wegen, den Willen Gottes zu umgehen und Ausnahmen geltend zu machen. Jesus hielt es nicht für nötig, der Volksmenge nach dem Mund zu reden oder einen einfacheren Weg anzubieten, wenn der schwierige nicht gefiel. Er war auf das fokussiert, was Gott beabsichtigte, und auch heute fordert er jeden auf, das zu erfüllen.

2. Ein neues Gesetz. Die Lehre Christi erscheint so konträr zu unserer Kultur, nicht weniger als auch zu seiner eigenen Zeit. Wie kann er so Einschneidendes, so viel verlangen? Werden wir nicht von den gleichen Sünden und Unvollkommenheiten, von der gleichen Herzenshärte wie die Menschen zur Zeit Mose geplagt? Die Antwort darauf ist, dass Jesus keine neuen Gesetze hinzufügt; statt dessen bringt er die Gnade, unser Leben so zu leben, wie es Gott „am Anfang” beabsichtigte, das heißt, bevor die Sünde in die Welt kam. Christus kann von uns mehr erwarten, weil er selbst die Gnade bringt, unser Leben vor Gott in einer neuen Weise zu leben. Durch die Gnade werden wir zu „einem neuen Menschen” in Christus. Wir werden umgewandelt zu Kindern Gottes und mit der Kraft ausgestattet, unser Leben in Heiligkeit und in der ganzen Wahrheit zu leben.

3. Nie aufgeben. Die Jünger schienen zuerst entmutigt, denn die neue Lehre Jesu ist schwer zu befolgen. „Dann ist es nicht gut zu heiraten.” Sie schauen auf die Angelegenheit mit ihren eigenen begrenzten Erfahrungen und mit den Augen der gängigen Meinung. Sie müssen erst die umwandelnde Begegnung mit der Gnade Christi machen. Auch wir müssen lernen, an diese Gnade zu glauben und sie anderen zu vermitteln, da sie uns befähigt, andere so zu lieben „wie er uns geliebt hat”. Es ist die Gnade Christi, die in unser Leben Vitalität und Frische bringt und uns fähig macht, der Umwelt etwas Neues und Hoffnungsvolles zu bieten.

Gespräch mit Christus:  Jesus, schenke mir Glauben und Vertrauen, mit ganzem Herzen darauf zu bauen, dass deine Gnade genug ist. Lehre mich zu glauben, dass deine Gebote immer von deiner Gnade unterstützt werden und dass ich als neuer Mensch in dir leben kann.

Vorsatz:   Ich will um eine unerschütterliche Hoffnung auf die Kraft der Gnade Gottes bitten.


Gott erhöht die Niedrigen

15. August 2009

Samstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Mariä Himmelfahrt

P. Steven Reilly LC

Lk 1,39-56
Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube an deine wunderbare strahlende Herrlichkeit, auch wenn sie meinen Augen verborgen ist. Ich hoffe auf den Frieden und die immerwährende Freude des kommenden Lebens, den diese Welt ist ein Tal der Tränen. Ich liebe dich, auch wenn ich deine Liebe in dem Leid, das du manchmal zulässt, nicht erkennen kann. Du bist mein Gott, mein Alles.

Bitte:  Herr, hilf mir, demütig zu sein!

1. Es werden mich selig preisen alle Geschlechter. Als Pius XII. das Dogma der Himmelfahrt Mariens verkündete, löste dies in der gesamten katholischen Welt große Freude aus. Was man schon jahrhundertelang geglaubt hat, war nun offizielles katholisches Dogma. Die Mutter Gottes wird in den Himmel erhoben und teilt dort die Herrlichkeit und die Freude ihres Sohnes und unseres Herrn. Wir haben Maria stets als unsere Mutter angesehen, und so macht uns das Fest ihrer Himmelfahrt immer wieder glücklich. Sie ist bei Christus, und sie ist mehr denn je unsere Mutter. Wir vertrauen uns ihr an mit den Worten des Papstes Johannes Paul des Großen: „Totus Tuus“.

2. Die Hochmütigen zerstreuen. Hochmütige Menschen kümmern sich im Allgemeinen ausschließlich um ihr eigenes Wohl. Das Wort „zerstreuen“ beschreibt sehr gut, was mit ihnen geschehen wird, wenn Gott in Aktion tritt. Maria jubelt über das „Zerstreuen“, aber wer sind die Hochmütigen? Vielleicht werden wir bei der Suche gleich bei uns selbst fündig. Wie hart kämpfen wir doch gegen diese Ursünde des Hochmuts! Maria freut sich, wenn der Hochmut zerstreut wird und sich unsere Perspektive ausdehnt. Anstatt die Dinge nur von unserem eigenen kurzsichtigen Standpunkt aus zu betrachten, öffnet dieses Zerstreuen die „Gedanken unserer Herzen“ auf die anderen und ihre Nöte hin. Nichts ist mehr im Sinne Marias als dies.

3. Die Niedrigen erhöhen. Das Fest Mariä Himmelfahrt beweist uns, dass Gott im wörtlichen Sinne die Niedrigen erhöht. Wie ihr Sohn bei seiner Himmelfahrt, so wird auch Maria von Gott in das Reich des ewigen Lebens entrückt. Manchmal halten wir an unserem Hochmut aus einer Art Selbsterhaltungstrieb fest – „Wenn ich nicht für mich sorge, wer dann?“ Doch Marias Demut ist ein Lehrstück für uns. In Wahrheit liegt unsere Selbstverwirklichung darin, täglich mehr von Gott erfüllt zu werden. Wir wollen Maria bitten, uns zu helfen, mehr wie sie zu leben und die wahre Freude – das Erhöht werden – zu erleben, die in der Demut liegt.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich danke dir, dass du uns eine so wundervolle Mutter geschenkt hast. Sie hilft mir, auf dem Weg der Erfüllung deines Willens zu bleiben. Hilf mir, dass ich in meiner eigenen Seele ein Magnificat singen kann: „...denn der Allmächtige hat Großes an mir getan“!

Vorsatz:   Ich will großzügig und freudig helfen, wenn ich darum gebeten werde.