Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 7. Dezember 2008 bis Samstag 13. Dezember 2008

Zweite Woche im Advent

P. Frank Formolo LC, P. Jason Koch LC und P. Walter Schu LC

Vorbereitung auf Weihnachten Sonntag
Heiligkeit ist ein bedingungsloses „Ja“! Montag
Der gute Hirte Dienstag
Das Joch der Liebe Mittwoch
Ein Königreich für die Gewalttätigen? Donnerstag
Unsere Antwort auf die Freude Freitag
Bethlehem und das Kreuz Samstag


Vorbereitung auf Weihnachten

7. Dezember 2008

Zweiter Sonntag im Advent

P. Frank Formolo LC

Mk 1,1-8
Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes: Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig. Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren. Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. Herr, du hast mir einen neuen Tag geschenkt. Du gibst mir erneut eine Gelegenheit, mich auf dein Kommen vorzubereiten. Ich glaube, dass du bei mir sein wirst, wenn ich mich auf dein Kommen vorbereite. Mein Herz ist zu oft nach allen Seiten hin- und hergerissen, aber ich will mein Herz dir ganz zuwenden und dich über alles lieben. Hier bin ich, Herr, um dich zu erkennen und mehr zu lieben.

Bitte:  Herr, hilf mir, die Gelegenheiten wahrzunehmen, mich angemessen auf deine Geburt vorzubereiten.

1. Die Vorbereitung des Johannes. Der heilige Johannes der Täufer aß Heuschrecken und wilden Honig. Er trug ein Kamelfell und lebte in der Wüste. Auf diese Weise bereitete er sich auf die Ankunft Christi vor. Er hatte sich von der Welt und all ihren Versuchungen zurückgezogen. Er hatte sein Haus, seine Familie, seine Freunde, sein Geld und seine Nahrungsmittel zurückgelassen – alles, was ihn von der Erfüllung seiner Berufung, den Weg des Herrn zu bereiten, hätte abbringen können. Wie stark ist im Vergleich mit Johannes mein Engagement? Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen, um sein Bote zu sein?

2. Die Predigt des Johannes. Der heilige Johannes fordert die Sünder auf, ihre Sünden zu bereuen. Tausende strömen herbei, um ihn zu hören. Seine Worte bewegen die Menschen und sie hören zu. Wahrscheinlich bewegt sie sein Beispiel noch mehr: die Menschen sehen ihn in der Wüste leben ohne die Annehmlichkeiten dieser Welt. An seinen Taten erkennen sie, dass er wahrhaft ein Prophet ist. Als solcher kann er sie mit Recht zur Umkehr rufen. Sein Leben hat Kraft und Sinn, was bei anderen nicht zu finden ist. Wenn wir glaubwürdig wären und durch unser Beispiel überzeugen könnten, wie viel mehr Menschen wären motiviert, Christus zu folgen!

3. Die Bußfertigkeit des Johannes. Diejenigen, die ihre Sünden bekennen, gehen zu Johannes und lassen sich taufen. Für den heiligen Johannes ist die Taufe ein Symbol der Reue: die Menschen bekennen ihre Sünden und bitten Gott um Vergebung. Der heilige Johannes weiß, dass er keine Sünden vergeben kann, aber er erkennt, dass es für jeden ein wichtiger Schritt ist, zu bereuen und Gott um Vergebung zu bitten. Der heilige Johannes sagt uns mit aller Klarheit, dass es Jesus Christus ist, das Lamm Gottes, der Sünden vergeben wird. Er versucht nicht, auf anderem Wege Vergebung zu bekommen. Er versucht nicht, den Plan Gottes zu umgehen. Gott hat uns zur Vergebung unserer Sünden das Sakrament der Beichte gegeben. Wie oft mache ich davon Gebrauch? Halte ich an einer häufigen Beichte fest, oder erwarte ich vielleicht anderswo die Gnade, die allein vom Sakrament der Buße kommt?

Gespräch mit Christus:  Mein Herr, oft falle ich den Sitten und Gebräuchen der Welt anheim und lasse mich von ihren Annehmlichkeiten und Eitelkeiten beeindrucken. Lehre mich, dass nur eins von Bedeutung ist: du, Herr, und das Leben, das du uns verheißen hast. Hilf mir, diese Adventszeit zu nutzen, mich auf dein Kommen vorzubereiten, indem ich mich vom Zeitgeist lossage und ein Beispiel für ein christliches Leben für alle bin, denen ich begegne. Hilf mir, dass ich die Gewohnheit einer häufigen Beichte beibehalte.

Vorsatz:   Heute will ich ein Opfer bringen und auf eine Bequemlichkeit oder etwas, was ich wirklich mag, verzichten und diesen Verzicht Gott zur Sühne für die Sünden - besonders meiner eigenen - aufopfern.


Heiligkeit ist ein bedingungsloses „Ja“!

8. Dezember 2008

Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

P. Jason Koch LC

Lk 1,26-38
Der Engel Gabriel wurde von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

Einführendes Gebet:   Herr, du bist der Urheber des Lebens und der Liebe. Du willst mich näher an dich ziehen, und doch scheint es, dass ich so viele Ausflüchte finde, mich von dir zu entfernen. Vergib mir meine Torheit und Kälte des Herzens. Ich bin jetzt hier, um dich voller Sehnsucht zu erkennen und mehr und mehr zu lieben.

Bitte:  Himmlischer Vater, hilf mir, dass ich entschieden nach Heiligkeit strebe.

1. Gott trifft die erste Wahl. Wenn wir das Alte Testament lesen, wundern wir uns über die vielen Menschen, die Gott zur Erfüllung bestimmter Aufgaben ausgewählt hat. Wir kennen die Berufungsgeschichten der Propheten Jesaja (vergleiche Jes 6), Jeremia (vergleiche Jer 1), Moses (Ex 3) und anderer. Maria ist im Neuen Testament das Musterbeispiel für die Berufung durch Gott. In allen Fällen ergreift Gott die Initiative; er sendet seinen Boten, um seine Wahl mitzuteilen. Für Maria, die demütige junge Frau aus Nazareth, kommt diese Berufung unerwartet und liegt außerhalb rein menschlicher Möglichkeiten. Deshalb haben sie die Worte des Engels Gabriel verwirrt, und sie wundert sich über seine Begrüßung. Ist mir klar, dass der Plan Gottes für mein Leben auch seiner Initiative entstammt? Habe ich schon geantwortet? Herr, hilf mir, dass ich ganz auf dich eingehe und so handle, wie es deinem Plan für mein Leben entspricht.

2. Das hohe Gut der Freiheit. Gott will nicht, dass Maria blindlings handelt; er möchte eine Antwort, die ihr ganzes Herz, ihren Geist und ihre Seele einbezieht. Deshalb beantwortet der Engel Gabriel die Fragen Marias und geht auf das ein, was nicht Zweifel offenbart, sondern nur Demut im Bemühen, Gottes Willen zu verstehen. Gott schuf Maria ohne Sünde und machte sie reich an Gnade und Tugend. Doch er respektiert ihre Freiheit zu entscheiden, seinen Willen zu tun. Welch ein Geheimnis, dass der allmächtige Gott, der alles erschaffen hat und so liebevoll für uns sorgt, so großmütig unsere Freiheit respektiert! Herr, lass mich nie meine Freiheit missbrauchen, indem ich mich von meinen Leidenschaften treiben lasse: dem Stolz, der Eitelkeit und der Sinnlichkeit.

3. Heiligkeit ist ein bedingungsloses „Ja“. Maria muss dem Boten Gottes ihre Antwort geben, nachdem sie ihn angehört hatte. Sie macht das hervorragend. Ihre Großzügigkeit spiegelt die Großzügigkeit Gottes einzigartig wider. Jeder Augenblick des Tages ist eine neue Gelegenheit für uns, Maria nachzuahmen. Ihr Leben war ein „Ja“-Sagen zu allem, was Gott von ihr verlangte, was auch immer es war. Sie wurde belohnt mit der Gnade der leiblichen Aufnahme in den Himmel. Nur Heilige gelangen in den Himmel, deshalb müssen wir uns bemühen, dem Pfad der Heiligkeit zu folgen. Das bedeutet, ein einfaches, demütiges „Ja“ zu sagen zu jeder Gelegenheit, die Gott uns bietet, um Christus ähnlicher zu werden. Herr, schenke mir den Mut, dir mein Leben wie ein unbeschriebenes Blatt anzubieten, damit du darauf schreiben kannst, was immer du willst.

Gespräch mit Christus:  Mein Jesus, ich weiß, dass du mich heute aufforderst, dir ähnlich zu werden. Ich bin mir bewusst, dass das nicht leicht ist, aber du wirst mir die Gnade schenken, dieses Ziel zu erreichen. Ich muss dir vertrauen und alles, was du mir über den Weg schickst, als Hilfe betrachten, mein Ziel, die Heiligkeit, zu erreichen. Schenke mir Gnade, Motivation und viele gute Vorbilder, damit ich großzügig werde wie Maria, deine Mutter.

Vorsatz:   Ich will etwas Zeit dafür aufbringen, jemanden zu ermutigen, sich auch um Heiligkeit zu bemühen. Besonders will ich junge Menschen behutsam ermuntern, für eine geistliche Berufung offen zu sein, sollte der Herr sie rufen.


Der gute Hirte

9. Dezember 2008

Dienstag der zweiten Woche im Advent

P. Jason Koch LC

Mt 18,12-14
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Was meint ihr? Wenn jemand hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig auf den Bergen zurück und sucht das verirrte? Und wenn er es findet - amen, ich sage euch: er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben. So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verlorengeht.

Einführendes Gebet:   Lieber Jesus, mein Herr und mein Gott, ich öffne mein Herz deiner unendlichen Liebe. Ich will die Eingebungen hören und ihnen antworten, die du mir an diesem Morgen geben willst. Ich glaube an dich. Ich hoffe auf dich. Ich liebe dich. Herr, du bist mein Hirte und der wahre Sinn meines Lebens.

Bitte:  Jesus, du guter Hirte, schenke mir die Gnade, mein Herz deiner Barmherzigkeit zu öffnen.

1. Nicht alle Hirten sind gleich. In der heutigen Zeit sagt das Bild eines Hirten den Menschen nicht mehr soviel wie zu Zeiten Jesu. Der Psalm 23 war wahrscheinlich ein Lieblingspsalm Jesu, denn er gebraucht das Bild des Hirten häufig: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.“ Schafe vertrauen ihrem Hirten. Instinktiv wissen sie, dass der Hirte für sie sorgen wird. Christus ist unser Hirte, der uns liebt. In unserem Leben wollen Menschen oder materieller Besitz unser Glück sein und wollen uns veranlassen, ihnen zu folgen, als wären sie unser Hirte. Aber wenn eine schwere Prüfung kommt, verlassen sie uns gerade so, wie ein Mietling die Schafe verlässt, wenn der Wolf kommt. Lasst uns also unser Engagement für Christus, den guten Hirten, erneuern, da er der treue Hirte unserer Seelen ist.

2. Das verlorene Schaf wiederfinden. In jeder Tierherde gibt es zumindest ein Tier, das unaufmerksam zu sein scheint und vielleicht verloren geht. Auch wir können unaufmerksam sein und uns von Christus trennen und von seinem Weg abkommen. Es ist die Sünde, die uns von Christus trennt. Wenn wir nicht aufpassen, können wir leicht von der Welt verführt werden, von dem Reiz der materiellen Güter oder von den Vergnügungen und unser Vertrauen auf sie setzen. Dennoch, wenn wir die Leere und den geistlichen Hunger spüren, der durch das Abirren von Gott, dem guten Hirten, kommt, brauchen wir uns nur zu erinnern, dass er darauf wartet, uns, seine eigensinnigen Schafe, aufzuheben und in die Geborgenheit seiner Herde zurückzubringen. Es ist tröstlich und ermutigend zu wissen, dass er sich danach sehnt, dass wir mit ihm versöhnt sind, so wie auch der Hirte losgeht, um das verlorene Schaf zu suchen.

3. Ein Grund zu feiern. Jeder, der Kinder hat und vorübergehend eines von ihnen „verliert“, kann die Freude nachempfinden, die Gott erlebt, wenn einer von uns wiedergefunden und mit ihm wiedervereinigt ist. Vielleicht versuchen wir, ihn in Liebe und Großzügigkeit zu übertreffen, aber das kann uns nicht gelingen. Seine Liebe übertrifft unsere gesamte Vorstellungskraft. Nehmen wir uns einen Moment Zeit, mit Gott über unsere Lebenssituation zu sprechen und uns zu entscheiden, Gott in unserem Leben wirken zu lassen. Könnte es einen besseren Weg geben, sich auf Weihnachten vorzubereiten, als ihm unsere Herzen zu öffnen? Christus ist da, er klopft an und bittet, in unser Inneres eintreten zu dürfen, damit er uns heilen und wieder ganz gesund machen kann. Es ist doch wunderbar, dass wir ihm schon gefallen können, wenn wir uns ihm nur zuwenden und zulassen, uns dort aufzuheben, wo wir gefallen sind, und wenn wir mit ihm wieder volle Freundschaft schließen dürfen. Gott will uns erkennen lassen, dass wir ihn dringend brauchen, er will, dass wir ihm unsere Sünden bekennen und ihn einladen, zurück in unser Herz zu kommen.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich darf dir immer wieder als dem guten Hirten begegnen, wenn ich falle. Du kommst ganz bestimmt, um mich wieder aufzurichten. Anstatt wegen meiner Sündhaftigkeit niedergeschlagen zu sein, will ich mich mehr über deine liebevolle Barmherzigkeit freuen. Ich weiß, dass du dich freust, wenn ich auf dich fest vertraue.

Vorsatz:   Jedesmal, wenn ich heute falle, will ich sofort wieder aufstehen, weil ich auf die liebevolle Barmherzigkeit meines guten Hirten vertrauen will.


Das Joch der Liebe

10. Dezember 2008

Mittwoch der zweiten Woche im Advent

P. Walter Schu LC

Mt 11,28-30
Jesus sprach zu der Menge: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.

Einführendes Gebet:   Herr, du kennst die Aufrichtigkeit meines Verlangens, diese Zeit mit dir zu verbringen. Wenn ich diese Meditation beginne, glaube ich, dass du hier bei mir bist und mich niemals verlässt. Weil ich dich liebe, besteht mein einziger Wunsch darin, dir zu gefallen. Ich hoffe auf deine grenzenlose Barmherzigkeit, die sich in deiner Menschwerdung geoffenbart hat. Mögen wir uns eines Tages in deinem himmlischen Reich wieder begegnen.

Bitte:  Maria, die du das vollkommene Vorbild der Demut bist, hilf mir, bescheiden und demütig wie Christus, dein Sohn, zu sein, der aus Liebe zu mir ein hilfloses Kind in Bethlehem wurde.

1. Wer ist dieser Mensch? Wer ist dieser Mensch, der in diesem Evangelium vor uns steht – der Mensch, dessen Blick in die meist verborgene Nische unserer Seele eingedrungen ist und aufgedeckt hat, was dort verborgen liegt. Ein Mensch, der erkennt, dass wir uns plagen, dass wir durch die Anforderungen des Lebens schwere Lasten tragen, dass wir durch unsere Sünden und Unzulänglichkeiten schuldbeladen sind und dass wir durch die Last unserer Leidenschaften und unerfüllten Wünsche geschwächt sind. Wer ist dieser Mensch, der sich traute, uns das zu versprechen, was wir im Innersten unseres Gewissens immer ersehnt haben, aber was wir uns bisher niemals zu erhoffen erlaubten. Wer könnte eine so einfache, einfühlsame und erstrebenswerte Einladung aussprechen, die über das hinaus geht, wofür wir uns selbst jemals würdig halten würden: „Kommt alle zu mir … ich werde euch Ruhe verschaffen“. Wer anders als Gott selbst?

2. Wie können wir zu ihm gelangen? Wie können wir eine Einladung eines Mensch-gewordenen-Gottes annehmen? Wie können wir zu Ihm kommen? Wie können wir bekommen, was sich unsere Seele alle Tage unseres Lebens ersehnt hat? Christus selbst gibt uns die Antwort: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig“. Er ist so demütig, dass er nicht einmal wartet, dass wir auf seine Einladung antworten. Er erniedrigt sich selbst, damit er an Weihnachten zuerst zu uns kommen kann. Wenn wir uns der Krippe nähern, wo der König der Könige so hilflos liegt, können wir lernen, wie wir uns ihm in unserer Sündhaftigkeit und unserem Egoismus zuwenden können.

3. Ein Geheimnis der Demut und der Liebe. Bethlehem ist ein Geheimnis der Demut und der Liebe. Christus ist als hilfloses Kind doch so demütig? Ohne große Worte und lange Reden gibt er uns ein Beispiel, das wir mit der ganzen Intensität, zu der wir fähig sind, nachahmen sollen. Können wir uns eine andere Situation vorstellen, in der die Güte und Demut Gottes klarer erstrahlt? Vor diesem hilflosen Kind, dem Mensch gewordenen Gott, verharren wir in stillem Staunen. Der ganze eitle Ehrgeiz verblasst, aller Zorn und die bitteren Leiden sind abgemildert und alles nutzlose Streben und Trachten ist weit aus unseren Herzen verbannt. Das Joch, das uns drückte, ist zerbrochen und an seine Stelle ist das leichte und nicht drückende Joch der Liebe getreten.

Gespräch mit Christus:  Herr, hilf mir, tiefer in das Mysterium deiner Geburt als hilfloses und unschuldiges Kind in Bethlehem einzudringen. Hilf mir, an Herzensgüte zuzunehmen, damit ich deine Güte an die Menschen meiner Umgebung ausstrahlen kann.

Vorsatz:   Heute will ich über Christus nachdenken, der bescheiden und demütig in der Krippe zu Bethlehem liegt. Ich will seine liebevolle Demut nachahmen und mich voll Vertrauen mit meinen Anliegen an ihn wenden.


Ein Königreich für die Gewalttätigen?

11. Dezember 2008

Donnerstag der zweiten Woche im Advent

P. Walter Schu LC

Mt 11,11-15
Jesus sagte zu der Menge: Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er. Seit den Tagen Johannes' des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan; die Gewalttätigen reißen es an sich. Denn bis hin zu Johannes haben alle Propheten und das Gesetz über diese Dinge geweissagt. Und wenn ihr es gelten lassen wollt: Ja, er ist Elija, der wiederkommen soll. Wer Ohren hat, der höre!

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube, dass du hier bei mir bist, während ich demütig vor dir kniee, um dich zu ehren und zu preisen. Ich sehne mich nach der Belohnung, die du denen versprochen hast, die dich mit ungeteiltem Herzen lieben. Mein Herz ist unruhig, bis es ruht in dir.

Bitte:  Herr, hilf mir bei meinem Streben nach der unbeschreiblichen Freude des Himmels.

1. Keiner ist größer als Johannes. Christus spricht voller Bewunderung über Johannes: „Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer“. Und Christus offenbart, warum: er ist der letzte der Propheten und derjenige, der das Zeitalter der Gesetze und der Propheten zu einem Abschluss bringt. Aber er ist sogar noch mehr. Er ist Elija, derjenige, der vor dem verheißenen Messias gesandt war, um ihm den Weg zu bereiten. Doch dann kommt eine unerwartete Wende: „Doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er“. Wecken die Worte Christi in unseren Herzen nicht eine brennende Sehnsucht nach dem Himmel? Was sonst könnte in unserem Leben von Bedeutung sein als dort hinzugelangen, wo der Kleinste von uns größer sein wird als der Größte dieser Welt?

2. Sehnsucht nach dem Himmel. Wie sehr sehnen wir uns wirklich danach, unser letztes Ziel zu erreichen? Spiegelt unsere Haltung manchmal die des heiligen Augustinus wider, der im Verlauf seiner Bekehrung betete: „Schenke mir Keuschheit und Enthaltsamkeit, aber noch nicht jetzt!“ (Bekenntnisse). Müssen wir nicht bekennen, dass wir oft zu Gott sprechen: „Herr, bitte lass mich in den Himmel kommen – aber noch nicht jetzt!“? Der heilige Cyprian bemerkt dazu in einer seiner Predigten: „Wie unvernünftig ist es zu beten, dass Gottes Wille geschehe, aber dann nicht unverzüglich zu gehorchen, wenn er uns aus dieser Welt abberuft! Stattdessen ringen und widerstehen wir wie eigensinnige Sklaven und sind vor den Herrn mit Trauer und Gejammer gebracht worden, ohne unserer Abberufung freiwillig zugestimmt zu haben, vielmehr erzwungen durch das Unvermeidliche. Und doch erwarten wir, mit himmlischen Ehren von ihm belohnt zu werden, zu dem wir gegen unseren Willen kommen!“

3. Dem Himmelreich wird Gewalt angetan. Eine wahre Sehnsucht nach dem Himmel ist nötig, weil es nicht leicht ist, dorthin zu gelangen. Christus beteuert: „Dem Himmelreich wird Gewalt angetan“. Was meint unser Herr mit dieser rätselhaften Aussage? Sicherlich beabsichtigt er nicht, seinem eigenen neuen Gebot der Liebe zu widersprechen. Das „Gewalt antun“, von dem Christus spricht, muss ausschließlich in Zusammenhang mit unserem Stolz und unserem Egoismus gesehen werden. Um in die Höhen der Heiligkeit aufzusteigen, müssen wir den Spuren des heiligen Johannes des Täufers folgen und gegen unsere schlechten Neigungen kämpfen. Bin ich bereit, auf Dinge zu verzichten, an denen ich sehr hänge? Bitte ich den Herrn um Demut? „Dass andere mehr geliebt werden als ich? Dass andere beruflich womöglich eine Stelle bekommen und ich vergessen werde? Dass andere in jeder Hinsicht mir gegenüber bevorzugt werden? Herr Jesus, mach das zu meinem Gebet“ (von Rafael Cardinal Merry del Val, Litanei der Demut).

Gespräch mit Christus:  Herr, du zeigst mir, dass der Himmel nicht für die Lauen und Gleichgültigen da ist, sondern für diejenigen, die mutig ihre Leidenschaften beherrschen und nur für dich und andere Seelen leben. Stärke mich für den Kampf, um den Himmel zu gewinnen.

Vorsatz:   Wenn ich heute etwas Schmerzliches oder Schwieriges erlebe, will ich diese Unannehmlichkeiten Gott aufopfern, auch wenn ich weiß, dass sie nichts sind im Vergleich zu der Belohnung des Himmels, die mich erwartet.


Unsere Antwort auf die Freude

12. Dezember 2008

Unsere liebe Frau von Guadalupe

P. Walter Schu LC

Lk 1,39-47
Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Einführendes Gebet:   Herr, ich danke dir für das Geschenk des Glaubens. Damit hast du mich befähigt, dich besser zu erkennen und dich mehr zu lieben. Wenn mein Glaube auch schwach sein mag, so wünsche ich mir, dass er stärker wird. Ich möchte so lieben lernen, wie Maria liebte, die ihr ganzes Leben der Erfüllung deines Plans gewidmet hat, wie schwer oder unbegreiflich das auch immer sein mag.

Bitte:  Herr, hilf mir, im wahren Geist dieses Festtags zu leben, indem ich anderen die Freude deiner Gegenwart weitergebe und leidenschaftlich das Leben ungeborener Kinder verteidige.

1. Maria machte sich „in Eile“ auf den Weg. Die Atmosphäre, die diese Stelle des Evangeliums erfüllt, kann mit einem Wort beschrieben werden: Freude! Seit der Botschaft des Engels ist Maria mit dieser Freude erfüllt. Sie veranlasst sie zu einer Reise „in Eile“, um ihrer Kusine Elisabet zu helfen und mit ihr die Freude zu teilen, die sie nicht für sich behalten kann. Sie strahlt von Maria aus und veranlasst das Kind Johannes den Täufer, vor Freude im Leib seiner Mutter zu hüpfen. Was ist der Grund für die Freude Mariens? Es ist die durch den Heiligen Geist in ihrem Leib bewirkte Gegenwart des Einen, der kommen soll. Es ist die Gegenwart des Einen, den die leidende Menschheit seit dem Sündenfall Adams ersehnt hat; der Eine, den die Propheten angekündigt haben; der Eine, für den jedes Herz geschaffen worden ist: der lang erwartete Messias, unser Erlöser, Christus der Herr. Durchdringt diese christliche Freude mein Leben?

2. „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Ein bekanntes spanisches Gedicht, ein Dialog mit Gott, beginnt mit den Worten: „Was habe ich, dass du meine Freundschaft suchst?“ Dieses Gedicht spricht Elisabets demütige Frage nach: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Elisabets Demut öffnet ihre Seele, um den Heiligen Geist zu empfangen, der sie die Freude Mariens erleben lässt. Sollten wir nicht ebenso erstaunt sein, dass Christus an Weihnachten erneut als ein hilfloses Kind zu uns in unser armes Herz kommen will? Werden wir ihm diese Umarmung aus Liebe, für die er alles hingab, verweigern?

3. „Mein Geist jubelt“. Das Christentum ist vor allem und zuerst eine Religion der Freude. Maria ruft: „Mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter“. Als sie auf dem Hügel Tepeyac erschien, schenkte unsere liebe Frau von Guadalupe dem heiligen Juan Diego eine große Freude. Sie brachte Menschen, die durch Armut und Aberglauben niedergedrückt waren, Freude, und bald wurden sie glühende Anhänger ihres Sohnes. Als Patronin für ganz Lateinamerika fährt sie fort, Freude und Hoffnung allen Christen zu bringen, die sich bemühen, die Familie zu schützen und das Recht auf Leben für jedes ungeborene Kind im Leib ihrer Mutter zu verteidigen. Wollen auch wir uns an Weihnachten mit der Freude über den Sohn Gottes, der als ein neugeborenes Kind zu uns kommen will, erfüllen lassen? Wollen auch wir in uns eine brennende Sehnsucht entfachen, das Leben aller ungeborenen Kinder zu schützen? Was wollen wir tun, um sie zu retten?

Gespräch mit Christus:  Herr, auch mein Geist jubelt über das, was du für uns getan hast und über das Wunder deiner Menschwerdung. Hilf mir mich zu freuen, dass ich dein Jünger sein darf, gerade auch in den Augenblicken der Prüfung und des Schmerzes. Hilf mir, diese Freude anderen weiterzugeben.

Vorsatz:   Ich will etwas Konkretes tun, um dabei zu helfen, das Leben ungeborener Kinder zu verteidigen.


Bethlehem und das Kreuz

13. Dezember 2008

Samstag der zweiten Woche im Advent

P. Walter Schu LC

Mt 17,9a,10-13
Während sie den Berg hinabstiegen, fragten ihn die Jünger: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elija kommen? Er gab zur Antwort: Ja, Elija kommt, und er wird alles wiederherstellen. Ich sage euch aber: Elija ist schon gekommen, doch sie haben ihn nicht erkannt, sondern mit ihm gemacht, was sie wollten. Ebenso wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer sprach.

Einführendes Gebet:   Herr, deine Jünger versuchten aufrichtig, dich kennenzulernen und an dich zu glauben. Ich stehe heute vor dir mit meinen Zweifeln und Problemen in der Hoffnung, in diesem Gebet eine Antwort auf mein tiefstes Verlangen zu finden. Ich möchte, dass mein Glaube unerschütterlich ist, und ich möchte dich mit aufrichtigem Herzen lieben. Ich biete dir diese Zeit des Gebets an als mein Zeichen der Dankbarkeit für alles, was ich von dir bekommen habe.

Bitte:  Maria, hilf mir, Gottes Willen so anzunehmen, wie Christus den Plan des Vaters für unsere Erlösung angenommen hat.

1. Johannes der Täufer als Elija. Noch einmal erwähnt das Evangelium den heiligen Johannes den Täufer, der dazu berufen ist, uns auf den Einen vorzubereiten, der kommen soll. Durch den Propheten Maleachi war die Erwartung der Juden auf die Rückkehr des Elija, der den Weg für den versprochenen Messias bereiten würde, gewachsen. Aber sie erwarteten einen Mann mit viel Macht, der andere überwältigen würde. So konnten sie Elija in der Person des heiligen Johannes des Täufers nicht erkennen, dessen einzige Macht die des Geistes Gottes ist und der alle Menschen zur Bekehrung der Herzen aufruft, um Christus zu empfangen. Wie oft misslingt es mir, die Gegenwart Christi in meinem Leben zu erkennen, weil ich etwas anderes suche als das, was Christus seinen Anhängern verspricht? Christus bietet keinen leichten Weg der Bequemlichkeit an.

2. Bethlehem und das Kreuz. Warum wurde Christus ein hilfloses Baby in Bethlehem? Warum nahm er einen gebrechlichen menschlichen Körper an? Weil er nur so für uns leiden konnte, um uns zu erlösen. Was bedeutet das für unser Leben als Christen? Es bedeutet nichts weniger als die Tatsache, dass das Leiden ein Geschenk von Gott ist. Es ist die sanfte Liebkosung des Vaters, wenn er uns nach dem Bild seines Sohnes formt. Das Kreuz ist die Quelle unserer Fruchtbarkeit, nicht nur im Hinblick auf unser persönliches geistliches Wachsen, sondern auch hinsichtlich des Auftrags, Gnaden für andere zu gewinnen, für alle jene Seelen, die Gott in seiner Vorsehung unserer Sorge anvertraut hat.

3. Gehorsam bis zum Tod. Der Wunsch Christi, das Leiden anzunehmen, entsprang seinem Gehorsam aus Liebe gegenüber dem Plan seines Vaters. Dieser Gehorsam aus Liebe gibt dem Leiden seinen erlösenden Wert. Vom Augenblick seiner Geburt in Bethlehem an zeigt uns Christus, was es bedeutet, aus Liebe zu gehorchen. Bethlehem ist eine Schule des Gehorsams. Christus lehrt uns, dass nur ein Gehorsam aus Liebe befreien, erlösen, heiligen und reich machen kann. Nur der Gehorsam aus Liebe rettet und befreit uns von der Sünde, und nur der Gehorsam aus Liebe gefällt Gott. Wir wollen also das Kreuz des Gehorsams annehmen in den Herausforderungen unseres täglichen Lebens, in den Prüfungen, die wir in unserem Leben durchmachen, und im Kummer, der uns quält, wenn Gott einen lieben Angehörigen zu sich ruft. Der Gehorsam aus Liebe ist der Weg zur Heiligkeit, der Weg zum Haus des Vaters.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich danke dir, dass du mir in Bethlehem, dein ganzes Leben hindurch und vor allem bei deinem Tod am Kreuz den Gehorsam aus Liebe als den Weg zeigst, den auch ich gehen soll. Hilf mir, das Leiden so wie du anzunehmen, denn durch Kreuz und Leid willst du mich heilig machen und lässt mich Gnaden für die Seelen gewinnen.

Vorsatz:   Ich will mich bemühen, mir Gottes Gegenwart hier und heute bewusst zu machen und das Leiden und die Prüfungen, die er zulässt, bereitwillig anzunehmen, damit er dadurch ein größeres Gut bewirken kann.