Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 2. November 2008 bis Samstag 8. November 2008

Einunddreißigste Woche im Jahreskreis

P. John Bullock LC

Zusammen beten Sonntag
Die vielen Gesichter der Armut Montag
Nehmen wir die Einladung an? Dienstag
Wenn du mich liebst, dann zeig es Mittwoch
Das Opfer des Hirten Donnerstag
Willst du wirklich? Freitag
Die kleinen Dinge mit Leib und Seele tun Samstag


Zusammen beten

2. November 2008

Allerseelen

P. John Bullock LC

Joh 11,17-27
Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen. Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt. Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus. Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag. Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus Christus, du hast uns erschaffen, du hast uns in eine Familie gestellt und in deine Kirche aufgenommen. Hilf mir, dass ich diese Gnaden von ganzem Herzen schätze und die Verantwortungen übernehme, die sie mit sich bringen. Ich bin von der Gemeinschaft der Kirche, von meinen Brüdern und Schwestern im Herrn getragen, darum will ich auch für sie dasein, wenn sie Hilfe brauchen.

Bitte:  Herr, wecke in mir öfter den Wunsch, für die Seelen im Fegefeuer zu beten.

1. Die Liebe hört niemals auf. Die Liebe ist ewig. Nur sie kann unsere Herzen zufriedenstellen. Unsere Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen kann und sollte niemals aufhören. Weil das so ist, ist es auch rechtens, dass wir als Teil von Gottes Familie auf Erden mit denen in Verbindung bleiben, die uns vorausgegangen sind. Gestern am Fest von Allerheiligen haben wir jene geehrt, welche die endgültige Vereinigung mit Gott im Himmel schon erreicht haben. Heute an Allerseelen gedenken wir jener Verstorbenen, deren Liebe noch gereinigt werden muss, um der Liebe in Person begegnen zu können.

2. Im Gebet vereint. Das ewige Heil ist keine private Angelegenheit „zwischen mir und Gott“, sondern sie ist ein Akt der Gemeinschaft. Gerade weil wir eine Gemeinschaft von Gläubigen sind – die Kirche – beten wir gegenseitig füreinander. Wenn die Liebe das Ziel ist, das wir erreichen müssen, um mit Gott vereint zu werden, dann wird die Nächstenliebe zum unerläßlichen und notwendigen Wesensbestandteil eines christlichen Lebens: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“ (Joh 15,12). Den Verstorbenen können wir unsere Liebe erweisen, indem wir für sie Gnaden für ihre letzte Reise zu Gott gewinnen. „Schon seit frühester Zeit hat die Kirche das Andenken an die Verstorbenen in Ehren gehalten und für sie Fürbitten und insbesondere das eucharistische Opfer dargebracht, damit sie geläutert werden und zur beseligenden Gottesschau gelangen können. Die Kirche empfiehlt auch Almosen, Ablässe und Bußwerke zugunsten der Verstorbenen“ (KKK 1032).

3. Die Gemeinschaft der Heiligen. Wenn wir das apostolische Glaubensbekenntnis beten, bekennen wir: „Ich glaube an die heilige katholische Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, die Vergebung der Sünden, die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“ Was wir damit ausdrücken, ist die Wahrheit des mystischen Leibes Christi. Das Zweite Vatikanische Konzil drückt diese Wahrheit in der dogmatischen Konstitution über die Kirche (Lumen gentium, 49-50) genauer aus: „Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden.“ Durch unsere guten Taten, unsere Gebete und Opfer können wir unseren Brüdern und Schwestern, den lebenden und den toten, welche die himmlischen Wohnungen noch nicht erreicht haben, helfen. Es gibt mir großen Trost daran zu denken, dass alle Seelen, denen ich helfen kann, das Fegefeuer zu verlassen, für mich große Fürsprecher bei Gott sein werden. Ich habe ihnen geholfen, als sie in Not waren. Wie könnten sie dann mich vergessen, wenn ich einmal in Not bin?

Gespräch mit Christus:  Herr, wie kann ich dich lieben, wenn ich meinen Nächsten nicht liebe (vgl. Joh 3,17)? Lass meine übernatürliche Liebe zu meinen Nächsten wachsen. Hilf mir, meine Sorge um ihr seelisches Wohl dadurch auszudrücken, dass ich für sie bete, Opfer bringe und Gutes tue.

Vorsatz:   Heute will ich für die Seelen aller Verstorbenen einige Minuten beten.


Die vielen Gesichter der Armut

3. November 2008

Montag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Jason Bullock LC

Lk 14,12-14
Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus Christus, erfülle mich heute mit deiner Gnade. Ich möchte dir immer ähnlicher werden, aber du weißt, wie schwach ich bin. Trotzdem vertraue ich darauf, dass du mir geben wirst, was ich brauche, um die Aufgaben dieses Tages erfüllen zu können. Herr, ich liebe dich.

Bitte:  Herr, hilf mir, heute aufmerksam zu sein, damit ich die materiellen und geistigen Nöte der Menschen um mich herum erkennen kann.

1. Die Armen einladen. Wenn wir an die verschiedenen Hilfen denken, welche der Staat den sozial Benachteiligten zuwendet, meinen wir vielleicht, dass sich die Kirche oder die Mitbürger nicht um diese kümmern müssten. Es müsse also genügen, diese Leute an die betreffenden Ämter zu verweisen, oder falls für bestimmte Fälle noch kein Amt zuständig ist, ein solches ins Leben zurufen. Und doch bestätigt Papst Benedikt XVI. erneut, dass die Nächstenliebe immer notwendig bleiben wird. Egal wie gerecht eine Gesellschaft auch sein mag, es wird immer Leute geben, die Hilfe brauchen. Außerdem leiden die Menschen nicht nur materielle Not: „Jeder Mensch braucht die liebevolle persönliche Zuwendung“ (vgl. Deus caritas est, 28). Nicht das Almosen zählt in erster Linie, sondern wir müssen den Hilfsbedürftigen wirkliches Mitleid zeigen, das heißt unsere Bereitschaft, „mit ihnen zu leiden.“ Wenn wir so handeln, behandeln wir die Armen als Personen, welche die gleiche Menschenwürde wie wir besitzen.

2. Die Armut der Reichen. Es ist wichtig zu wissen, dass es verschiedenste Arten von Armut gibt. Finanzielle Armut ist wirklich sehr ernst, aber die geistige Armut ist noch viel schlimmer: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“ (Mt 16,26). Christus machte sich selbst materiell arm, einmal dadurch, dass er Mensch geworden ist und dann dadurch, dass er in armen Verhältnissen lebte, um uns geistig reich zu machen (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 472). Oft leiden jene, die materiell keine Wünsche mehr haben, unter großer Existenzangst. Die reichsten Länder der Welt haben auch die höchsten Selbstmordraten. Diese Art von Armut lässt sich nur sehr schwer bekämpfen: Diese Leute wollen oft ihre Not gar nicht zugeben, und noch weniger erkennen sie die Rettung aus ihrer Not. Auch diese Armen brauchen die Hilfe der Missionare des 21. Jahrhunderts.

3. Übernatürlicher Egoismus? Es heißt, dass unsere Taten der Nächstenliebe nicht aus reiner Absicht getan werden, wenn wir dafür einen Lohn im Himmel erwarten. Selbstsucht kann sicher dabei mitschwingen, weil wir hoffen, dass uns unsere Taten der Nächstenliebe einmal zum Guten dienen werden. Dieser Aspekt des Lohns im Himmel gehört sicher dazu: „Es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten“ (Lk 14,14) – aber es stimmt auch, dass die gelebte Nächstenliebe ganz einfach unsere Pflicht ist (vgl. Lk 17,10). Aber gerade wenn wir die Nächstenliebe leben, hat Gott die Möglichkeit, unsere Absicht immer mehr zu reinigen. Vielleicht beginnen wir eine gute Tat aus selbstsüchtigen Gründen, weil wir zum Beispiel dafür gelobt werden wollen. Wenn wir aber mit unseren guten Taten fortfahren, wird es sicher oft geschehen, dass wir kein Lob und keinen Dank für unsere Taten erhalten. Und wenn dann unsere oberflächlichen Motive weniger werden, bleibt eine reinere Liebe zu Gott und unseren Nächsten zurück. Denn wenn wir unsere Taten aus Liebe zu Gott tun, erlangen sie erst die wahre Vollkommenheit (vgl. Johannes Paul II., veritatis splendor, 78).

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich bin arm und brauche deine Gnade. Trotzdem weiß ich, dass wir, wenn wir geben, empfangen. Öffne meinen Verstand und mein Herz für die Nöte meiner Mitmenschen. Hilf mir, dich in ihnen zu sehen und dir in ihnen zu dienen.

Vorsatz:   Ich will heute wenigstens eine Tat der Nächstenliebe für einen Menschen in Not tun.


Nehmen wir die Einladung an?

4. November 2008

Dienstag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Karl Borromäus, Bischof

P. John Bullock LC

Lk 14,15-24
Als einer der Gäste das hörte, sagte er zu Jesus: Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf. Jesus sagte zu ihm: Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein. Als das Fest beginnen sollte, schickte er seinen Diener und ließ den Gästen, die er eingeladen hatte, sagen: Kommt, es steht alles bereit! Aber einer nach dem andern ließ sich entschuldigen. Der erste ließ ihm sagen: Ich habe einen Acker gekauft und muss jetzt gehen und ihn besichtigen. Bitte, entschuldige mich! Ein anderer sagte: Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und bin auf dem Weg, sie mir genauer anzusehen. Bitte, entschuldige mich! Wieder ein anderer sagte: Ich habe geheiratet und kann deshalb nicht kommen. Der Diener kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Da wurde der Herr zornig und sagte zu seinem Diener: Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen herbei. Bald darauf meldete der Diener: Herr, dein Auftrag ist ausgeführt; aber es ist immer noch Platz. Da sagte der Herr zu dem Diener: Dann geh auf die Landstraßen und vor die Stadt hinaus und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird. Das aber sage ich euch: Keiner von denen, die eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich danke dir für das Geschenk dieses neuen Tages. Du weißt, dass ich an dich glaube, aber ich bitte dich, dass du meinen Glauben vermehrst. Du weißt, dass ich dich liebe. Vermehre meine Liebe. Und schließlich bitte ich dich, mir dabei zu helfen, in froher und unerschütterlicher Hoffnung zu leben.

Bitte:  Herr, hilf mir, lass mich heute deiner Einladung folgen, was auch immer du von mir verlangst.

1. Alle sind eingeladen. Das Wort „katholisch“ bedeutet allumfassend oder „das Ganze betreffend“. Das bedeutet, dass die Kirche ganz mit Christus vereint ist, und es bedeutet ebenso, dass die Kirche in die ganze Welt gesandt ist (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 830-831). Männer, Frauen, Kinder, Reiche, Arme, Gesunde, Kranke – keiner ist ausgeschlossen. Jeder ist eingeladen, an der Frohen Botschaft teilzuhaben. Jeder ist zu Gottes Hochzeitsmahl der Gnade in diesem Leben und im nächsten eingeladen. Gott übernimmt die Initiative; er kommt zu den Menschen. Ihm ist mehr an unserem Heil gelegen als uns selbst. Christus bittet uns eindringlich darum, uns von ihm lieben zu lassen: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen“ (Mt 11,28).

2. Zu beschäftigt. Es ist traurige Realität, dass wir auf diese wunderbare Einladung zur Liebe nicht antworten, weil wir zu „beschäftigt“ sind. Während es Menschen gibt, die die Kirche verfolgen und sie gewaltsam bekämpfen, gibt es auf der anderen Seite ihre eigenen Mitglieder, die allzu oft gleichgültig und teilnahmslos sind, und das ist viel gefährlicher. Offene Verfolgung drängt uns zur Entscheidung und führt oft zu Heldenhaftigkeit auf Seiten derer, die Christus nachfolgen. „Höfliche Gleichgültigkeit“ gegenüber Gott und seiner Kirche schwächt ihre Vitalität und ihr Zeugnis. Wenn sich der Glaube in den Entscheidungen und im Leben der Katholiken nicht ausdrückt, unterscheiden sie sich nicht von den anderen. Und dieser Mittelmäßigkeit müssen wir Widerstand leisten: „Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien“ (Offb 3,16).

3. Die Aufgabe des Verkündigers. Christus schenkt uns die unverdiente Gnade, uns als seine Werkzeuge zu benutzen. Das ist ein Geschenk und zugleich eine Verantwortung: „Dann geh auf die Landstraßen und vor die Stadt hinaus und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird“ (Lk 15,23). Dieses Zitat hat große Ähnlichkeit mit der Botschaft des auferstandenen Christus an seine Apostel, in die Welt hinauszugehen und allen Menschen die Frohe Botschaft zu verkündigen (vgl. Mk 16,15). Der Verkünder wird aber oft enttäuscht sein über den scheinbaren Misserfolg all seiner Bemühungen: „Es sieht so aus, als ob es niemanden kümmert.“ Hier ist es aber wichtig, dass das Entmutigtsein nicht die Überhand gewinnt. Gottes Gnade und die Macht der Wahrheit wird letztlich Frucht tragen. Viele werden wahrscheinlich „Nein“ sagen, aber viele werden auch großzügig antworten. Und damit immer mehr Menschen erreicht werden, müssen wir „den Herrn der Ernte bitten, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9,38).

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, wenn ich heute deine Stimme höre, will ich mein Herz nicht verhärten (vgl. Ps 95,7-8). Ich will auf meine Beziehung zu dir und auf die Nöte meiner Nächsten achten. Sende mich aus, Herr. Lass mich dein Werkzeug sein. Wirke durch mich, damit jene deine Hilfe erfahren können, die in Not sind.

Vorsatz:   Ich will mir heute etwas mehr Zeit für das Gebet nehmen.


Wenn du mich liebst, dann zeig es

5. November 2008

Mittwoch der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. John Bullock LC

Lk 14,25-33
Viele Menschen begleiteten Jesus; da wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen. Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich danke dir für deine Freundschaft, deine Geduld und deine Gnade. Ich kann ohne dich nicht leben. „Lass nicht zu, dass ich jemals von dir getrennt werde“ (aus dem Kommunionritus der Feier der Gemeindemesse (GL Nr. 364,7). Lass mich wachsen im Glauben, damit ich dich in allen Dingen erkenne. Lass mich wachsen in der Hoffnung, damit ich in jeder Lage geduldig auf dich warte. Lass mich wachsen in der Liebe, damit ich dir in allen Menschen diene.

Bitte:  Herr, gewähre mir die Gnade der Beständigkeit in deiner Nachfolge.

1. Wer ist dieser Mann? „Wenn jemand zu mir kommt, und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein“. Die erste Frage, die sich wohl jedem aufdrängt, der diesen Text liest, lautet: „Was denkt der Mann eigentlich, wer er ist?“ Wer kann Ergebenheit fordern, die über die Liebe zu den Eltern, dem Ehegatten oder den Kindern hinaus geht? Keiner, der nur einfach Ethik lehrt, könnte solche Gefolgschaft verlangen. Überhaupt keine menschliche Autorität wäre zu solcher Forderung berechtigt. Nur wenn wir erkennen, wer es ist, der diese Ansprüche stellt, machen sie Sinn (vgl. Joseph Ratzinger, Bendikt XVI.Jesus von Nazareth, Freiburg 2007). An anderer Stelle sagte Jesus: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu rinken, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben“ (Joh 4,10). „Wenn du wüsstest...“ die zentrale Frage des Evangeliums ist die nach der Identität Christi. Nur wenn wir ihn als den Sohn des lebendigen Gottes erkennen, beginnt alles andere Sinn zu machen (ebd.).

2. Das Kreuz tragen. Christus bleibt hier nicht stehen. Nicht nur verlangt er eine Liebe, die größer ist als die zu unseren Liebsten, er fordert uns auch auf, unser Kreuz zu nehmen und ihm nachzufolgen. Es scheint widersprüchlich, dass jemand, der unsere Liebe will, uns um ihretwillen leiden lassen will. „Liebst du mich denn nicht?“, möchten wir protestieren. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13). Christus hat uns zuerst geliebt, indem er sich selbst für unser Heil hingab (vgl. 1 Joh 4,9-10). Um an der Liebe teilzuhaben, die er uns anbietet, müssen wir seine Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern teilen. „Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet“ (1Joh 4,12). Damit aber diese Liebe Wirklichkeit wird, müssen wir bereit sein, anderen den ersten Platz zu überlassen und uns selbst nicht so wichtig zu nehmen. Das verlangt Opfer von uns. Jesus will, dass wir unser Kreuz tragen und ihm nachfolgen

3. Zieh die Sache durch. „Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen...?“ Christus schätzt die menschliche Natur richtig ein. Der Entschluss etwas zu tun reicht allein nicht aus, auch nicht der Wunsch und das Bekenntnis dazu; man muss zuerst die Mittel dafür bereitstellen und die Sache dann durchziehen. „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt“ (Mt 7,21). Ausdauer im Erfüllen von Gottes Willen ist eine Gnadengabe, um die wir bitten müssen. Die Heiligen und insbesondere die Märtyrer sind uns wunderbare Vorbilder der Treue bis in den Tod. Edmund Campion SJ schreibt an Königin Elisabeth und ihren Kronrat, in der Gewissheit, dass er schließlich doch gefangen und hingerichtet würde: „Und was unsere Gesellschaft angeht, so wisset, dass wir einen Bund geschlossen haben... freudig das Kreuz auf uns zu nehmen, das Ihr uns auferlegt, und nie an Eurer Bekehrung zu zweifeln, so lange wir auch nur einen Mann übrig haben, um die Erfahrung Eures Tyburn oder Eurer Folter oder Eurer Verließe zu machen. Die Kosten sind kalkuliert; das Vorhaben hat begonnen; es ist von Gott, keiner kann ihm widerstehen. So wurde der Glaube gepflanzt: so muss er erneuert werden“ Campion‘s Brag, 9).

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, hilf mir beständig zu sein im Gebet, beständig im Erfüllen meiner Pflichten, beständig in der Nächstenliebe. Lass aus meinen Entschlüssen Taten werden und aus meinen Taten Gewohnheit. Ich weiß, dass es nicht leicht sein wird, aber ich vertraue auf die Hilfe deiner Gnade.

Vorsatz:   Herr Jesus, hilf mir, in der verbleibenden Woche einen Vorsatz einzuhalten.


Das Opfer des Hirten

6. November 2008

Donnerstag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. John Bullock LC

Lk 15,1-10
Alle Zöllner und Sünder kamen zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich danke dir für das Geschenk dieses neuen Tages. Ich danke dir für das Geschenk deiner treuen Freundschaft. Hilf mir, meinen Glauben an dein Handeln in meinem Leben zu vermehren. Hilf mir, die Erfüllung deiner Verheißungen hoffnungsvoll zu erwarten. Lass mich dir antworten mit stets wachsender Liebe.

Bitte:  Herr, hilf mir unermüdlich an meiner eigenen Bekehrung zu arbeiten und dir täglich ähnlicher zu werden.

1. Aufforderung zur Bekehrung. Man wirft der Kirche oft vor, nicht einladend genug und zu streng zu sein, sich nicht genug zu bemühen, Sündern die Hand zu reichen wie es Christus getan hat. Die Kirche von heute erinnere mehr an die selbstgerechten Pharisäer als an ihren göttlichen Gründer. Die Kirche reicht aber sehr wohl ihre Hand allen Menschen und lädt sie zur Bekehrung ein: Christus hat bei jeder Vergebung explicit oder implicit gesagt: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr“ (Joh 5,14 und 6,11). Der Hirte sucht das verlorene Schaf, um es zur Herde zurückzubringen. Es steht dem Schaf frei, eigene Wege zu gehen, aber es begibt sich damit in große Gefahr. Der Wolf hat leichteres Spiel mit einem einzelnen Schaf als mit einem vom Hirten beschützten.

2. Das Opfer des Hirten. Es wäre einfacher für den Hirten, das verirrte Schaf sich selbst zu überlassen: „Es ist sein eigener Herr, ich kann es nicht zwingen. Wenn ihm etwas passiert, ist es nicht meine Schuld“. So würde sich vielleicht ein bezahlter Knecht verhalten, der „flieht, wenn er den Wolf kommen sieht, und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander“ (Joh 10,12). Der gute Hirte dagegen gibt sein Leben für die Schafe (vgl. Joh 10,11). Der erste und oberste Hirte ist Christus. Im Laufe der Geschichte hat die Kirche jedoch noch viele andere Hirten gehabt, Diener Christi, die ihr Leben für ihre Schafe gaben durch ihr Martyrium oder ihren aufopfernden Dienst. Christus wacht bis heute liebevoll über uns durch seine Priester.

3. Wir sind alle Sünder. Die katholische Kirche hat Bekehrung immer als einen Prozess verstanden. Solange wir leben, ist unsere Rettung nicht endgültig. Auch wenn wir uns entschlossen haben, in Gottes Herde zu leben, geht unser täglicher Kampf gegen die Sünde weiter. Wir sind alle Sünder. Deshalb beten wir zu Beginn der heiligen Messe: „Ich bekenne Gott dem allmächtigen und euch, Brüder und Schwestern, dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe. Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken, durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld.“ Solange wir uns unserer Schwäche aufrichtig bewusst sind, werden wir weniger leicht Opfer der Selbstgerechtigkeit. Aber unsere Schwäche entmutigt uns nicht, sondern bindet uns umso fester an Christus, dessen „Gnade genügt... denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit“ (2 Kor 12,9).

Gespräch mit Christus:  Herr, hilf mir zu erkennen, dass auch ich ein Sünder bin, der Vergebung nötig hat. Lass mich bei dir Vergebung, Heilung und Kraft finden. Lass meine Schwachheit nicht als Vorwand dafür dienen, dass ich mich deinem Auftrag entziehe, alle Menschen mit deiner Heilsbotschaft zu erreichen.

Vorsatz:   Heute werde ich versuchen, Gottes liebendes Erbarmen einem Menschen in Wort, Schrift oder Beispiel mitzuteilen.


Willst du wirklich?

07. November 2008

Freitag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. John Bullock LC

Lk 16,1-8
Jesus sagte zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich. Doch - ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin und schreib «fünfzig». Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib «achtzig». Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich danke dir für das Geschenk des Lebens. Ich habe nichts getan um es zu verdienen, und doch hast du es mir einfach geschenkt. Ich habe nichts getan, um deine rettende Gnade zu verdienen, und doch bietest du sie mir großzügig an. Herr, du überschüttest mich unaufhörlich mit Zeichen deiner Liebe. Meine Antwort kann nur liebende Dankbarkeit sein, aber auch sie ist ein Geschenk von dir.

Bitte:  Herr, hilf mir, all meine Gaben in den Dienst deiner Herrlichkeit zu stellen.

1. Wie kann Christus unredliches Verhalten loben? Es erscheint unerhört, dass Christus, die personifizierte Wahrheit, das betrügerische Handeln eines Verwalters lobt. Seine „guten Taten“ sind ja nichts anderes als Diebstahl: Er verschenkt was ihm nicht gehört. Aber Christus lobt ja nicht den eigentlichen Betrug. Dem Verwalter ist klar, dass ihm nicht viele Möglichkeiten bleiben, und so sucht er einen praktischen Ausweg aus seiner Notlage. Das Gleichnis zeigt, dass unsere Bemühungen um das Gute alle unsere Fähigkeiten einschließen sollen: Intelligenz, Willen, Vorstellungskraft, Gedächtnis. Angewandte Initiative, Kreativität und Effektivität sind Tugenden. Diese Tugenden machen das betrügerische Verhalten des Verwalters nicht richtig, aber sie zeigen uns, wie wir vorgehen sollen, wenn wir Gutes tun wollen. Wir sollen „klug sein wie die Schlangen und arglos wie die Tauben“ (Mt 10,16).

2. Wir ernten was wir säen. Der betrügerische Verwalter macht sich mit seinem Verhalten klugerweise Freunde. Wenn einer bereut, einen anderen bestohlen oder betrogen zu haben, muss er nach natürlichem Recht Wiedergutmachung leisten. Wenn er es nicht dem Betrogenen selbst zurückzahlen kann, dann geht das Geschuldete vielleicht an einen guten Zweck. Wenn wir etwas gestohlen haben und es uns leid tut, können wir das Gestohlene nicht behalten. Wir „machen uns Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons“, wenn uns Gerechtigkeit und Nächstenliebe wichtiger sind als Habsucht (Lk 16,9).

3. Wie sehr willst du es? Der traurigste Aspekt an diesem Gleichnis ist die Enttäuschung über seine Anhänger, die aus Jesu Worten spricht: „Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.“ Wenn wir etwas wirklich wollen, dann finden wir einen Weg. Es ist leicht, die Missstände in der Gesellschaft zu beklagen, aber das bringt nicht viel. Zwar ist das Gebet das wichtigste Mittel gegen das Böse, aber Gott will auch, dass wir die Ärmel hochkrempeln und aktiv werden. Andere Gruppen sind zu großen Opfern bereit, um ihren religiösen, sozialen und politischen Programmen zum Durchbruch zu verhelfen. Auch wir müssen dazu bereit sein. Wie seine Apostel, so sendet Christus auch uns aus, die Welt zu evangelisieren. Wie einst zu ihnen, sagt er auch zu uns „Habt Mut. Ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16,33).

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, eines Tages wirst du mich wie in dem Gleichnis von den Talenten fragen, was ich aus all dem gemacht habe, was ich erhalten habe. Hilf mir, ganz darin aufzugehen, deinen Willen zu tun. Wenn ich es nur halbherzig tue, betrüge ich dich, die Mitmenschen und mich selbst. Ich weiß, dass ich schwach bin und noch einen langen Weg vor mir habe. Mit deiner Hilfe werde ich aber alle Schwierigkeiten auf diesem Weg überwinden.

Vorsatz:   Ich werde eine praktische Lösung für ein Problem suchen, über das ich zu jammern neige.


Die kleinen Dinge mit Leib und Seele tun

8. November 2008

Samstag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. John Bullock LC

Lk 16,9-15
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht. Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen. Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann euer wahres Eigentum geben? Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.

Das alles hörten auch die Pharisäer, die sehr am Geld hingen, und sie lachten über ihn. Da sagte er zu ihnen: Ihr redet den Leuten ein, dass ihr gerecht seid; aber Gott kennt euer Herz. Denn was die Menschen für großartig halten, das ist in den Augen Gottes ein Gräuel.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich danke dir für deine immerwährende Liebe. Deine Gegenwart, dein Verständnis, dein Verzeihen und dein Frieden haben mich so oft getragen. Ich möchte auf eine so zuverlässige und großzügige Liebe mit aller Großzügigkeit antworten, deren ich fähig bin. Ich weiß, dass ich nicht viel anzubieten habe, aber das Wenige, das ich habe, gebe ich dir gern.

Bitte:  Herr Jesus, ich will dir meine Liebe zeigen, indem ich meine täglichen Pflichten aus Liebe erfülle.

1. Stelle deine Gaben in den Dienst deines Nächsten. „Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann euer wahres Eigentum geben?“ Letztlich gehört das, was wir besitzen, nicht uns; es gehört Gott. Es ist uns nur anvertraut, um damit anderen Gutes zu tun. Die Kirche erkennt zwar das Recht auf Privateigentum an, aber das widerspricht keineswegs der moralischen Verpflichtung, unseren Brüdern und Schwestern zu dienen. Die Auffassung, dass die weltlichen Güter in erster Linie zum Wohle aller da sind, enttspricht dem bekannten Prinzip der Universellen Bestimmung der Güter. Natürlich sind wir in erster Linie unserer Familie verpflichtet, aber wir müssen auch ernsthaft bereit sein, anderen zu helfen.

2. Zuverlässigkeit im Kleinen. „Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen.” Diese Worte enthüllen eine tiefe psychologische Wahrheit: Unser Gewissen wird von den unzähligen Entscheidungen, die wir täglich treffen, gestärkt oder geschwächt. Zuverlässigkeit, vor allem in kleinen Dingen, erfordert daher echtes Heldentum. Sie bereichert unser spirituelles und menschliches Leben und gibt damit insbesondere Gott Anlass zu großer Freude. „Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn“ (Mt 25,21). Wenn du Gr0ßes für Gott tun willst, dann widme dich zuerst den Details.

3. Wo dein Herz ist, da ist auch dein Schatz. „Kein Sklave kann zwei Herren dienen. Er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten“. Nur eine Sache kann den ersten Platz in unserem Herzen einnehmen. Was immer es ist, es wird alles andere verdrängen. Wenn Geld unser Herr und Meister ist, dann wird alles andere hinter ihm zurücktreten: Familie, Glaube, Freunde...alles. Doch die subtilste Form des Götzendienstes ist die Selbstliebe. Es ist ganz leicht, sich selbst zum Maß aller Dinge zu machen: Meine Vorlieben, meine Bequemlichkeit, meine Ideen, meine Freizeit. Wenn wir herausfinden wollen, woran unser Herz am meisten hängt, müssen wir uns nur unsere Wunschträume vor Augen führen. Woran denken wir am häufigsten, wenn wir Zeit zur freien Verfügung haben? Dort ist unser Herz. Kommt Gott in unseren Wunschträumen vor? Ist er im Zentrum unseres Herzens?

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, bitte erobere mein Herz. Ich werde so leicht abgelenkt von so vielen Dingen. Hilf mir zu begreifen, dass die Dinge und Menschen um mich herum dazu da sind, mir zu helfen, dich zu erreichen, und dass ich dazu da bin, auch ihnen zu helfen, das Himmelreich zu gewinnen. Lass mich so mit ihnen umgehen, wie du es von mir erwartest. Hilf mir, dich in den täglichen kleinen Dingen sehr zu lieben.

Vorsatz:   Ich werde eine meiner täglichen Pflichten aus Liebe zu Gott so gut wie möglich erfüllen.