Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 26. Oktober 2008 bis Samstag 1. November 2008

Dreißigste Woche im Jahreskreis

P. Patrick Langan LC

Nächstenliebe im Evangelium Sonntag
Durch Stolz gebückt Montag
Kontemplativ und doch erobernd Dienstag
Eintreten, solange die enge Tür noch offen ist Mittwoch
Füchse und Schafe Donnerstag
Du wirst beobachtet Freitag
Die Seligpreisungen Samstag


Nächstenliebe im Evangelium

26. Oktober 2008

Dreißigster Sonntag im Jahreskreis

P. Patrick Langan LC

Mt 22,34-40
Als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.

Einführendes Gebet:   Herr, ich liebe dich mit einem Glauben, der dich niemals auf die Probe stellen will. Ich vertraue auf dich und ich hoffe, dass ich deinen Willen annehmen und ihm folgen lerne, selbst wenn es meiner Ansicht nach keinen Sinn hat. Ich liebe dich, aber lass meine Liebe jeden Tag größer werden, damit ich dich und die Menschen um mich herum so lieben kann, wie du es mir vorgelebt hast.

Bitte:  Herr, mach, dass meine Liebe zu anderen meine Liebe zu dir wahrhaft widerspiegelt.

1. Wahre Geduld. Nachdem Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, indem er alle ihre Fragen beantwortete, kommt nun ein Pharisäer zu Christus mit dieser Frage: „Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?“ Die Geduld Christi ist wirklich bewundernswert, der sich die Zeit nimmt, um auch diese Frage zu beantworten, obwohl er weiß, dass sie ihm eine Falle stellen wollen. Indem Christus antwortet, tut er genau das, was er predigt: Er zeigt, dass er die Menschen um ihn herum liebt, indem er Geduld mit ihnen hat, und er zeigt, dass er seinen Vater liebt, indem er hofft, dass sich manch einer in der Menge seine Worte zu Herzen nimmt und nach ihnen lebt.

2. Liebe ist größer als Furcht. Christus antwortet auf die Frage mit diesen Worten: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben“, und nicht: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, fürchten.“ Furcht ist die Haltung der Sklaven; Liebe ist die Haltung der Kinder. Gott mit ganzem Herzen zu lieben heißt, dass unsere Liebe total und vollkommen sein muss. Jede andere Liebe muss in dieser alles verzehrenden Liebe zu Gott gründen. Wir müssen bereit sein, unser ganzes Herz, unsere Seele und unseren Verstand in den Dienst Gottes zu stellen.

3. An eurer Liebe werden sie euch als Christen erkennen. Jesus Christus will, dass die Nächstenliebe das Erkennungszeichen jener ist, die ihm nachfolgen. Diese Liebe ist das Zeichen, das Gelöbnis und der Beweis, dass wir wahre Christen und nicht Betrüger und Hochstapler sind. Christus zeigt uns als Erster, wie tief und rein diese Liebe sein muss. Diese Liebe muss in unserem sehnlichsten Wunsch gründen, alle Menschen, denen wir begegnen, näher zum Himmel bringen zu wollen und somit näher zum wahren Glück. Diese Liebe muss in unserer Liebe zu Gott gründen. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt” (Joh 15,13).

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich will dich mehr lieben. Auch wenn ich oft eigensüchtig bin und nur an meine eigenen Nöte denke, statt an die der Kirche und der Menschen um mich herum, so will ich mich doch auf das ausrichten, was wirklich zählt. Ich weiß, dass jede Liebe, die nicht in dir gründet, oberflächlich ist, darum bitte ich dich jetzt: fülle mein Herz mit deiner Liebe, damit ich sie anderen weiterschenken kann.

Vorsatz:   Heute will ich meine Liebe reinigen, indem ich zweimal jemandem einen Liebesdienst erweise, ohne irgendetwas dafür zurückbekommen zu wollen.


Durch Stolz gebückt

27. Oktober 2008

Montag der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Patrick Langan LC

Lk 13,10-17
Am Sabbat lehrte Jesus in einer Synagoge. Dort saß eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem Dämon geplagt wurde; ihr Rücken war verkrümmt und sie konnte nicht mehr aufrecht gehen. Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst. Und er legte ihr die Hände auf. Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott. Der Synagogenvorsteher aber war empört darüber, dass Jesus am Sabbat heilte, und sagte zu den Leuten: Sechs Tage sind zum Arbeiten da. Kommt also an diesen Tagen und lasst euch heilen, nicht am Sabbat! Der Herr erwiderte ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? Diese Tochter Abrahams aber, die der Satan schon seit achtzehn Jahren gefesselt hielt, sollte am Sabbat nicht davon befreit werden dürfen? Durch diese Worte wurden alle seine Gegner beschämt; das ganze Volk aber freute sich über all die großen Taten, die er vollbrachte.

Einführendes Gebet:   Herr, du weißt, dass ich glauben möchte; bitte hilf meinem Unglauben. Bitte lass diesen Glauben meiner Hoffnung Stütze sein, damit ich meine Hoffnung allein auf dich setze. Bitte schenke mir ein so großes Vertrauen in dich, dass mein Herz von einer Liebe erfüllt ist, die rein ist und niemals vergeht. Ich danke dir für deine bedingungslose Liebe, die du mir erwiesen hast.

Bitte:  Herr, nimm allen Stolz aus meinem Herzen und meiner Seele. Lass nicht zu, dass ich nur auf mich schaue, sondern hilf mir, aufrichtig zu sein und meine Augen stets auf den Himmel gerichtet zu halten.

1. Gebückt durch einen Dämon. Als Jesus in der Synagoge lehrt, erblickt er eine Frau, deren Rücken verkrümmt ist und die nicht mehr aufrecht gehen kann. Er ruft sie zu sich, und ohne sie nach ihrem Leiden zu fragen heilt er sie. Sind nicht auch wir gebückt durch unsere Sorgen und Leiden, wenn wir uns im Gebet an Christus wenden? Christus weiß, was wir brauchen, noch ehe wir ihn darum bitten. Gehen wir also zu Christus, so wie wir sind, und freuen wir uns, denn heute will er uns helfen, aufrecht stehen zu können, damit wir ihm die Ehre geben können.

2. Gebückt durch Stolz. Auch der Synagogenvorsteher steht in der Nähe Christi, und Christus erkennt sofort seine Leiden: Heuchelei und Stolz. Christus kann die Frau heilen, wenn aber ein Herz wie das dieses Mannes verschlossen ist, dann respektiert Christus seine Freiheit und zwingt ihn nicht. Wir müssen jeden Tag um die Gabe der Demut bitten, damit Christus in unseren Seelen die Wunder wirken kann, die er möchte und damit wir ihn nicht durch unsere kleinlichen Sorgen und Ängste daran hindern.

3. Von der Fessel befreit. „Und die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh 18,32). Wenn wir die Wahrheit suchen, die allein in Christus gefunden werden kann, erfahren wir, wie wir immer freier werden. Manchmal haben wir vielleicht das Gefühl, als ob diese Freiheit uns begrenzt – wie Geländer auf einer Brücke. In Wirklichkeit beschützen aber diese Geländer unsere Freiheit, denn wenn wir von der Brücke stürzen, enden sowohl unsere Freiheit wie auch unser Leben. Haben wir also keine Angst vor Christus! Er nimmt uns nichts weg, sondern er gibt uns alles.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich vertraue auf dich. Wenn ich auch gerade viele Kämpfe und Hindernisse überwinden muss, so weiß ich doch, dass du mich zu dir führst. Bitte hilf mir, meinen Stolz zu überwinden, damit du mein Herz und meine Seele heilen und mich so näher zu dir ziehen kannst.

Vorsatz:   Heute Abend will ich mein Gewissen erforschen und sehen, wo ich in meinem Leben stolz war. Ich will den Vorsatz fassen, mich in diesen Bereichen zu bessern, damit ich mein Herz der Liebe Christi mehr öffnen kann.


Kontemplativ und doch erobernd

28. Oktober 2008

Dienstag der dreißigsten Woche im Jahreskreis
Hll. Simon und Judas, Apostel

P. Patrick Langan LC

Lk 6,12-16
In diesen Tagen ging Jesus auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott. Als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel. Es waren Simon, dem er den Namen Petrus gab, und sein Bruder Andreas, dazu Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, Matthäus und Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, genannt der Zelot, Judas, der Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube, dass diese Zeit, die ich im Gebet mit dir verbringen darf, Früchte für mein Leben und das der anderen um mich herum trägt. Vermehre meinen Glauben, damit ich nie mehr von deiner Seite weiche. Ich vertraue fest auf dich, und ich will mich an dir festhalten, gerade auch dann, wenn ich mich an nichts anderem mehr festhalten kann. Ich will dich so lieben, wie du mich geliebt hast und noch liebst.

Bitte:  Herr, hilf mir zu erkennen, dass ich ohne dich nichts tun kann.

1. Schlaflose Nächte. Stellen wir uns Christus vor, wie er ganz allein auf dem Berg mit seinem Vater spricht. Über was hat Christus wohl mit ihm gesprochen? Was hat er seinem Vater gesagt? Vor den wichtigen Momenten seines Wirkens geht Christus immer auf einen Berg, um zu beten. Er sehnt sich nicht nur nach dieser Zeit mit seinem Vater, er weiß auch, dass diese Zeit absolut notwendig für die Erfüllung seiner Sendung ist. Von seinem Vater bekommt er die Kraft, um weiter voranzuschreiten.

2. Von der Betrachtung zur Tat. Es ist gerade diese Zeit des Gebets, die Jesus zum Handeln führt: Am nächsten Morgen kommt er vom Berg herunter und erwählt seine Jünger. Manchmal wenn wir beten, kommen uns Gedanken darüber, wieviel Apostolat wir in dieser Zeit des Gebets tun könnten. Das ist aber total verkehrt! Wenn wir uns im Gebet nicht mit Gottes Gnade erfüllen lassen, was wollen wir dann denen geben, die zu uns kommen? „Was man nicht hat, kann man nicht geben.“ Eine natürliche Frucht unseres Gebets wird ein erneuerter Eifer sein, die Welt für Christus in Brand zu setzen.

3. Die Tat bringt uns zurück zum Gebet. Wenn wir zu anderen über Gott gesprochen und sie näher zu ihm geführt haben, verspüren wir ganz natürlich den Wunsch, innezuhalten und im Gebet neue Kraft zu tanken. Manche meinen vielleicht, dass Gebet und tatkräftiges Apostolat nicht zusammenpassen, aber Christus verknüpft beide unzertrennlich – das eine führt ganz natürlich zum anderen. Der heilige Augustinus ermahnt uns: „Bete so, als ob alles von Gott abhängen würde, und handle so, als ob alles von dir abhängen würde.

Gespräch mit Christus:  Jesus, führe mich auf den Berg, damit ich diese besondere Zeit des Gesprächs mit dir gut nutze und von dir lerne. Bitte lass dieses Gebet mich zu apostolischem Tun antreiben und, umgekehrt, mein apostolisches Tun mich zurück zum Gebet führen. Halt mich nah bei dir, und lass mich nie von dir getrennt werden.

Vorsatz:   Bevor ich heute meine Arbeiten beginne, will ich kurz innehalten und eine kurzes Gebet sprechen. Ich werde um die Gnade bitten, mit Christi Liebe erfüllt zu werden, damit ich diese Liebe Christi all jenen geben kann, denen ich heute begegnen werde.


Eintreten, solange die enge Tür noch offen ist

29. Oktober 2008

Mittwoch der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Patrick Langan LC

Lk 13,22-30
Auf seinem Weg nach Jerusalem zog Jesus von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan! Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.

Einführendes Gebet:   Herr, du weißt, dass ich gerettet werden will. Du weißt auch, dass ich schwach bin. Obwohl ich die enge Tür sehe, durch die du mich einlädst einzutreten, zögere ich manchmal. Bitte hilf mir, immer auf deine Gnade in meinem Leben Antwort zu geben, damit ich einmal das Glück der Ewigkeit mit dir teilen darf. Bitte lass mich dich in meinem Beten tiefer erkennen, damit ich dich mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft lieben kann.

Bitte:  Herr Jesus, mach, dass ich dich über alles suche, damit ich einmal mit dir für immer im Himmel vereint sein kann.

1. Wie eng ist eigentlich die Tür? Wir alle wollen Fortschritte im geistlichen Leben machen und Christus jeden Tag näher kommen. Es scheint aber, dass wir das oft nicht tun und selbst kleinste Vorsätze für den Tag nicht einhalten. Wie können wir hier Abhilfe schaffen? Wir müssen immer auf die Gnade achten, die uns angeboten wird und die niemals wiederkehrt. Christus gibt uns alles, was wir brauchen, um auf dem steilen und schmalen Weg voranzugehen. Manchmal aber, wenn wir mit ihm nicht in Einklang sind, lassen wir seine Gnade aus und verlieren die Richtung, um durch die enge Tür zu gehen, die zu seinem Herzen führt.

2. Wissen ist nicht gleich Erfahrung. „Wir haben mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt.“ Wie kann Christus sagen, dass er uns nicht kennt? Auch wenn wir täglich die heilige Messe besuchen und ihn in der Eucharistie empfangen, heißt das nicht schon automatisch, dass wir Christus als Person und Freund kennengelernt haben. Wir müssen mit Menschen vorsichtig sein, die viel über Christus sprechen, aber die wenig mit ihm sprechen. Wer die Lehren der Kirche kennt und sie auswendig zitieren kann, hat sein Herz und seinen Willen nicht automatisch von diesem Wissen durchdringen und verwandeln lassen. Christus zu kennen bedeutet nicht notwendig, dass wir ihn auch erfahren haben. Kenne ich Christus so gut wie mich selbst? Kenne ich Christus so gut wie meine Freunde? Welche Art von Wissen habe ich von Christus?

3. Ein Mahl, des den weiten Weg wert ist. „Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.“ Um durch die enge Tür zum Hochzeitsmahl zu gelangen, ist es notwendig, zu kämpfen. Christus sagt uns, dass wir uns mit allen Kräften bemühen müssen, um in den Himmel zu kommen. Wenn wir eines Tages in den Himmel kommen, nachdem wir uns mit allen Kräften bemüht haben, die Forderungen Christi in unserem Leben treu zu befolgen, werden wir zu uns selbst sagen können: „Endlich habe ich das gefunden, wofür ich erschaffen worden bin.“

Gespräch mit Christus:  Herr, ich bin bereit, alles zu tun, um in den Himmel zu kommen und auch anderen dabei zu helfen. Bitte schenk mir die Gnade, diese Sehnsucht mein ganzes Leben lang zu bewahren. Auch wenn ich in den Augen der Welt der Letzte zu sein scheine, will ich doch immer danach streben, in deinen Augen wertvoll zu sein und den Dingen, welche in deinen Augen wichtig sind, größtes Gewicht zu verleihen.

Vorsatz:   Um zu sehen, wie gut ich Christus in meinem Leben kenne, will ich heute eine konkrete Tat verwirklichen, welche mir helfen kann, ihn besser kennen und lieben zu lernen.


Füchse und Schafe

30. Oktober 2008

Donnerstag der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Patrick Langan LC

Lk 13,31-35
Zu dieser Zeit kamen einige Pharisäer zu Jesus und sagten: Geh weg, verlass dieses Gebiet, denn Herodes will dich töten. Er antwortete ihnen: Geht und sagt diesem Fuchs: Ich treibe Dämonen aus und heile Kranke, heute und morgen, und am dritten Tag werde ich mein Werk vollenden. Doch heute und morgen und am folgenden Tag muss ich weiterwandern; denn ein Prophet darf nirgendwo anders als in Jerusalem umkommen. Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt. Darum wird euer Haus von Gott verlassen. Ich sage euch: Ihr werdet mich nicht mehr sehen, bis die Zeit kommt, in der ihr ruft: Gesegnet sei der, der kommt im Namen des Herrn!

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich liebe dich und bitte dich, meinen Glauben zu vermehren, damit ich niemals beginne, nur an mich zu glauben, wie Herodes es tat. Bitte nimm den Wunsch von mir weg, über anderen zu stehen und von der Welt verehrt zu werden. In allen Dingen will ich allein dich suchen, denn du bist der feste Halt meines Vertrauens und meiner Liebe. Du bist der Eine, der sich niemals ändern wird und der immer für mich da sein wird. Herr Jesus, ich vertraue auf dich.

Bitte:  Jesus, sanftmütig und demütig von Herzen, bilde unser Herz nach deinem Herzen.

1. Seine Zeit rückt näher. Einst hatte Herodes versucht, Jesus zu töten, weshalb Maria und Josef mit ihm nach Ägypten geflohen waren. Jetzt ist sein Leben wieder in Gefahr, doch er flieht nicht. Warum hat Jesus keine Angst vor dem schrecklichen Tod, der ihm droht? Weil seine Liebe zu uns so groß ist; weil seine Liebe stärker ist als der Tod. Jesus liebt uns mehr, unendlich mehr, als wir es uns wünschen könnten, unendlich mehr, als wir zu träumen wagten. Manchmal sind unsere Träume verwegen, fast absurd; und doch bleiben sie weit hinter der Wirklichkeit seiner Liebe zurück.

2. Eine Frage der Aufrichtigkeit. Es ist interessant, dass es die Pharisäer sind, die Christus vor Herodes warnen. In den Evangelien wird deutlich, dass sie nicht gerade dafür bekannt sind, mit Christus in Freundschaft verbunden zu sein. Wer ist der wahre Fuchs – Herodes oder die Pharisäer, die versuchen, Christus Angst einzujagen, damit er aus der Stadt flieht? Christus aber spricht liebevoll mit ihnen, als er ihnen deutlich macht, dass er seine Sendung erfüllen muss, ganz gleich, wieviele Hindernisse sich ihm in den Weg stellen. Wenn wir zu uns selbst aufrichtig sind, erkennen wir vielleicht, dass wir uns uns manchmal selbst belügen, nur um unsere Treulosigkeiten zu überdecken. Wir wollen also immer zu Christus aufrichtig sein, weil wir wissen, dass er immer das für uns will, was für uns am besten ist.

3. Jerusalem, Jerusalem. Christi Liebe ist so groß, dass er jenen, die seinen Tod planen, die Fülle des Lebens bringen will, das göttliche Leben der Gnade. Die Pharisäer hatten so große Angst davor, dass Christus ihnen ihre Autorität und Macht stehlen könnte, dass sie den eigentlichen Sinn des Kommens Christi auf die Erde nicht begriffen – uns das Heil zu bringen. Sie strebten allein danach, vor den Anderen gut dazustehen, in Wirklichkeit aber waren sie Füchse in Schafspelzen. Wenn wir Christus gegenüber aufrichtig sind, wird er uns die Gnade und die Kraft geben, das in die Tat umzusetzen, was wir anderen verkünden.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich vertraue auf dich. Auch wenn ich jetzt gerade auf meinem Weg mit Widerständen zu kämpfen habe, weiß ich, dass du mich zu dir in den Himmel führen wirst. Du bist der Einzige, der die Tiefen meines Herzens füllen kann. Bitte hilf mir, deiner Liebe so zu antworten, wie du es verdienst.

Vorsatz:   Ich will zwei Gelegenheiten suchen, wo ich anderen so dienen kann, wie ich es sonst vielleicht nicht täte, um so die Reinheit meiner Absicht und die Aufrichtigkeit meines Herzens auszudrücken.


Du wirst beobachtet

31. Oktober 2008

Freitag der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Patrick Langan LC

Lk 14,1-6
Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Da stand auf einmal ein Mann vor ihm, der an Wassersucht litt. Jesus wandte sich an die Gesetzeslehrer und die Pharisäer und fragte: Ist es am Sabbat erlaubt zu heilen, oder nicht? Sie schwiegen. Da berührte er den Mann, heilte ihn und ließ ihn gehen. Zu ihnen aber sagte er: Wer von euch wird seinen Sohn oder seinen Ochsen, der in den Brunnen fällt, nicht sofort herausziehen, auch am Sabbat? Darauf konnten sie ihm nichts erwidern.

Einführendes Gebet:   Herr, ich bitte dich, vermehre meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe zu dir. Ich bitte darum nicht aus egoistischen Motiven, sondern weil ich dich in dieser Welt, die im Sterben liegt, weil sie dich nicht kennt, besser bezeugen will. Lass mich ein Licht für die Menschen sein, die im Dunkeln leben, indem ich das weitergebe, was ich mit meinen eigenen Augen gesehen und mit meinen eigenen Ohren gehört habe.

Bitte:  Herr, mach mich zu deinem Zeugen im Angesicht einer Welt, der du oft gleichgültig bist.

1. Und sie beobachteten ihn. Der Herr kennt die Gedanken dieser Männer. Mit seiner Frage stellt er ihre Falschheit bloß: Gott legte großen Segen auf den siebten Tag, doch sie wollen gute Werke an diesem Tag verbieten. Somit könnte es so aussehen, dass der Tag, an dem gute Werke zu tun verboten ist, ein verfluchter Tag sei. Wir wollen uns also immer bemühen, den Willen Gottes in unserem Leben zu erfüllen, damit wir jede Minute unseres Tages zur größeren Ehre Gottes nutzen können.

2. Sie aber schwiegen. Der Mann, der an Wassersucht litt, bittet nicht um Heilung, vielleicht aus Furcht vor den beobachtenden Pharisäern, aber Christus weiß, was er in seinem Herzen ersehnt. Jesus macht sich keine Sorgen, dass diese gute Tat die Pharisäer empören könnte; er ist immer nur bestrebt, Gutes zu tun. Die Pharisäer schweigen, weil sie wissen, dass Jesus diesem Mann etwas geben wird, was sie nicht haben – ihre Herzen blieben diesem kranken Mann gegenüber verschlossen. Keine Freude dieser Welt kann ein Herz füllen, das Christus erkannt und geliebt hat.

3. Immer auf Christus schauen. In diesem Evangelium schauen die Pharisäer und der Mann, der an Wassersucht litt, auf Christus. Die Pharisäer schauen voll Skepsis auf Christus, und kein Wunder kann diese Skepsis überwinden; der leidende Mann schaut mit den Augen seines Herzens auf Christus. Dieser Mann ersehnt etwas, das nur Christus ihm geben kann, und Christus lässt sich an Großzügigkeit nicht übertreffen. Wir wissen nicht, was aus diesem Mann geworden ist. Wir können uns nur vorstellen, dass er begeistert von Christus Zeugnis abgelegt hat und davon wie er ihn geheilt hat, selbst unter dem strengen Blick der Pharisäer. Es gilt also, was Papst Johannes Paul II. so oft wiederholt hat: „Fürchtet euch nicht!“

Gespräch mit Christus:  Herr, lass mich mit den Augen des Glaubens all das sehen, was du in meinem Leben gewirkt hast, besonders dann, wenn ich nicht verstehe, warum du es so gemacht hast. Hilf mir, anderen Zeugnis von den Dingen zu geben, die du mir oder meiner Familie getan hast, in der Hoffnung, dass durch mein Zeugnis auch ihr Glaube zunimmt. Lass nicht zu, dass ich mich wie die Pharisäer an das Zusammensein mit dir gewöhne, ohne mich von dir berühren zu lassen. Lass mich nie die Gnaden, die du mir schenkst, für selbstverständlich nehmen.

Vorsatz:   Ich will heute ein Gebet für jemanden sprechen, von dem ich weiß, dass er sein Herz Christus noch nicht geöffnet hat, aus Mangel an Glauben oder aus Skepsis gegenüber dem Glauben. Ich will versuchen, durch mein Gebet und mein Beispiel, Christus wieder in das Herz dieser Person zu bringen.


Die Seligpreisungen

1. November 2008

Allerheiligen

P. Patrick Langan LC

Mt 5,1-12a
Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

Einführendes Gebet:   Herr, ich weiß, dass mein Leben in deiner Hand liegt, und darum stelle ich mich in deine Gegenwart. Ich glaube, dass du mein Herr und mein Gott bist. Ich hoffe auf die Macht deiner Gnade in meinem Leben und auf die Ewigkeit, die du für mich bereitet hast. Ich liebe dich, weil du mir soviel Segen und so viele Gnaden geschenkt hast. Hilf mir, dich dafür umso mehr zu lieben. Ohne dich kann ich nichts tun, komm mir darum heute zu Hilfe.

Bitte:  Herr Jesus, hilf mir, die Seligpreisungen in meinem täglichen Leben in die Tat umzusetzen, damit ich besser für dich Zeugnis ablegen kann.

1. Wie ordne ich meine Werte? Jede Seligpreisung ist eine Herausforderung, welche die Werte der Welt auf den Kopf stellt. Sie sind eine Einladung, darüber nachzudenken, worauf wir unsere Werte bauen. Wenn wir unser Herz auf die Werte der Welt setzen und all unsere Energie verwenden, um sie zu erreichen (Gier, Schlemmerei, Vergnügungssucht, Eitelkeit), kann dies für eine gewisse Zeit unseren Hunger stillen, diese Werte werden aber niemals dauerhaft sein und werden uns niemals zufriedenstellen. Wenn wir unser Herz auf unseren Schöpfer setzen und alles tun, um ihm zu gefallen und Christus nachzufolgen, auch in schweren Zeiten, dann wird unser Glück niemals enden. Mit dem Kommen Christi wurden die menschlichen Werte in den Plan unserer Erlösung eingeschlossen und wurden dadurch gefördert und verwandelt. Das Christentum unterdrückt oder unterschätzt die menschlichen Werte nicht, sondern es gibt ihnen vielmehr eine neue Richtung, einen neuen Geist und eine neue Bedeutung. Und aus diesen erheben sich die christlichen Werte, die Christus uns in seiner Frohen Botschaft übergeben hat. Die Seligpreisungen lassen uns erkennen, wie das Herz eines Menschen, das sich auf das Evangelium gründet, sein sollte: arm im Geist, demütig, barmherzig, rein, nach Gerechtigkeit und Frieden strebend und inmitten von Verfolgungen geduldig.

2. Wo suche ich Glück? Nummer 1717 im Katechismus der Katholischen Kirche lehrt uns, dass die Seligpreisungen Antwort geben auf den natürlichen Wunsch des Menschen nach Glück. Gott hat sie in das Herz der Menschen gelegt, damit sie sich zu dem Einen hingezogen fühlen, der ihr Herz allein füllen kann. Der heilige Augustinus schreibt: „Warum dann suche ich dich, Herr? Denn wenn ich dich suche, mein Gott, suche ich nach einem glücklichen Leben. Lass mich also dich suchen, damit meine Seele leben kann, denn auch mein Leib erhält sein Leben von dir“ (Bekenntnisse 10,20). Nur im Gebet kann ich mein Herz auf Christus und auf die Seligkeit setzen, die er uns bereitet hat. Maria ist das Beispiel eines Menschen, der die Seligpreisungen immer wieder betrachtet und auf vollkommene Weise gelebt hat.

3. Weg zur Ewigkeit. Jesus veranschaulicht die Idee der Heiligkeit und des ewigen Lebens, indem er auf den Weg hinweist, der zu diesen führt. Der Ausgangspunkt ist unser Menschsein, in welchem das Leiden nicht ein zufälliges Ereignis ist, sondern vielmehr eine Wirklichkeit, die mit der eigentlichen Struktur des Lebens verbunden ist. Jesus ist nicht gekommen, um das Leiden zu beseitigen, sondern um es zu erlösen, indem er es zu einem Mittel des Heils und des ewigen Glücks macht. Armut, Bedrängnisse, Ungerechtigkeiten und Verfolgungen erniedrigen nicht ein Herz, das die Gelassenheit besitzt, die aus dem Glauben an Gott kommt und die sich danach sehnt, an Christi Leiden teilzuhaben, sondern sie reinigen und veredeln dieses Herz, wenn sie in Demut und Gehorsam gegen Gottes Willen angenommen werden. Sie machen uns unserem leidenden Erlöser ähnlich und machen uns würdig, an seiner Herrlichkeit teilzuhaben. Das soll nicht heißen, dass wir uns vor diesen Übeln nicht schützen oder sie vermeiden dürften – so weit eben wie möglich – wenn sie sich aber in unserem Leben ereignen, dann können wir sie uns zu Nutze machen.

Gespräch mit Christus:  Herr, hilf mir, die Seligpreisungen heute zu leben und mit den Augen des Glaubens das Glück zu erkennen, das sie uns bringen. Hilf mir, aus all dem Leiden, das mir heute begegnen wird, Nutzen zu ziehen und es so zu einer Quelle der Gnade zu machen. Ich weiß, dass ich aus eigener Kraft diese Ideale nicht leben kann, aber ich habe großes Vertrauen in deine Gnade.

Vorsatz:   Ich will eine Seligpreisung wählen und mich besonders anstrengen, diese heute zu leben.