Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 21. September 2008 bis Samstag 27. September 2008

Fünfundzwanzigste Woche im Jahreskreis

P. Shane Lambert LC

Der untätige Apostel Sonntag
Was will Christus von mir? Montag
Gott hat uns als seine Kinder angenommen Dienstag
Eine Sendung haben Mittwoch
Ein ruheloses Gewissen Donnerstag
Falsch verstandene Identität Freitag
Der Kernpunkt des Glaubens Samstag


Der untätige Apostel

21. September 2008

Fünfundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis
Ein Priester der Legionäre Christi

Joh 11,1-45
Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten. Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin? So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.

Einführendes Gebet:   Herr, zu Beginn dieses Gebets bitte ich dich, mein Herz und meinen Geist deiner Einladung zu öffnen, in deinem Weinberg zu arbeiten. Ich weiß nicht, warum du gerade mich angeschaut hast, warum du mich ausgewählt hast. Hilf mir, dir auf das, was du von mir verlangst, eine großzügige Antwort zu geben.

Bitte:  Herr Jesus, manchmal habe ich Angst, mich ganz dir hinzugeben, weil ich fürchte, ganz allein und ohne Hilfe zu bleiben. Hilf mir, deine Gegenwart im Verlauf dieses Tages zu spüren und zu begreifen, dass man empfängt, wenn man gibt.

1. Der Ruf, bei der Ernte mitzuhelfen. Der Herr der Ernte braucht Arbeiter. Er geht auf den Marktplatz, wo es alle möglichen Sorten von untätigen Menschen gibt und er lädt all jene ein, die er findet. Und so sind auch wir eingeladen, Apostel des Herrn zu sein: ohne jede Unterscheidung betreff des Alters, der Bildung, des Geschlechts noch der sozialen Klasse. Manche meinen vielleicht, dass sie nicht genügend begabt sind, etwas für Christus zu tun, andere meinen, sie seien zu jung, wieder andere, das sei zu schwer für sie. Für Christus sind das keine gültigen Entschuldigungen. Was er sucht ist ein großzügiges Herz und ein wenig guten Willen, um in seinem Weinberg zu arbeiten. Er kümmert sich um den Rest. Von ihm kommen die Früchte, nicht von uns. Benedikt XVI. sagte uns zu Beginn seines Pontifikats: „Christus nimmt uns nichts weg, er gibt uns alles. Wer sich ihm gibt, erhält das Hundertfache. Ja, öffnet, öffnet die Türen weit für Christus und ihr werdet das wahre Leben finden“ (24. April 2005).

2. Und du, was tust du? Man spricht heute viel über die gesellschaftlichen und moralischen Werte, die in unserer Gesellschaft immer mehr verschwinden. Uns umgeben das Böse und die Gewalt. Im Gebet sagen wir zu Gott: „Herr, sieh doch die Welt an. Siehst du nicht, dass wir zugrundegehen? Warum tust du nicht irgendetwas?“ Wenn wir uns wirklich anstrengen würden, um seine Antwort zu hören, könnten wir vielleicht dies hören: „Warum tust „Du“ nicht irgend etwas? Warum sitzt „Du“ den ganzen Tag untätig herum?“ Es ist möglich, dass wir schon manchmal wissen, was wir tun müßten. Und vielleicht haben wir nie den Mut gehabt, der Wirklichkeit ins Angesicht zu schauen und das Problem ernsthaft zu betrachten. Der Herr sagt uns unablässig: „Auch du kannst in meinem Weinberg arbeiten.“ Manche werden sehr früh im Leben gerufen, andere später. Der Tag, der Ort sind unwichtig, was zählt ist unsere Antwort, sobald wir seinen Ruf gehört haben.

3. Ein Lohn, der alle Vorstellungen übersteigt. Kurz vor dem Gleichnis der „elften Stunde“ hatte Petrus eine Frage gestellt, die auch uns manchmal beschäftigt: „Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen?“ (Mt 19,27-30) Und er scheint noch hinzuzufügen: „Ist es das alles wert?“ Christus ist der beste Händler auf dem Marktplatz, mit ihm macht man die besten Geschäfte. Er verspricht den vollen Lohn, selbst wenn man erst in der letzten Stunde kommt. Für alles, was man für ihn aufgibt, verspricht er das Hundertfache in diesem Leben und das ewige Leben noch dazu! Und dieser Lohn übersteigt nun wirklich alles, was wir uns vorstellen könnten. Jetzt liegt es also nur noch an uns. Was bin ich bereit, Christus zu geben? Ein paar wenige Euros, ein paar vage Überlegungen? Ein paar freie Augenblicke meines Tages? Das, was noch übrigbleibt, wenn ich all das zuerst gemacht habe, was mich interessiert? Christus zwingt niemals. Er lädt uns ein. Wir müssen unbedingt daran denken, dass wir, wenn wir Gott helfen, Seelen zu retten, auch unsere Seele retten. Und so sammeln wir Schätze für den Himmel.

Gespräch mit Christus:  Heute, Herr, höre ich deine Stimme so deutlich wie noch nie. Ich danke dir, dass ich in deinem Weinberg arbeiten darf. Für dich will ich alles tun. Ich weiß, dass es Augenblicke geben wird, wo es schwer wird und wo ich schwach bin. Gib mir deine Gnade und deine Kraft und dann verlang von mir, was du willst. Siehe, Herr, ich bin bereit, deinen Willen zu tun. Mach mich zu deinem Apostel.

Vorsatz:   Heute will ich Gott alles was ich kann geben, indem ich jeden Augenblick und jede Aktivität intensiv und mit reiner Absicht tue. Ich will alles Gott aus Liebe aufopfern.


Was will Christus von mir?

22. September 2008

Montag der fünfundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Shane Lambert LC

Lk 8,16-18
Jesus sagte zu der Menge: Niemand zündet ein Licht an und deckt es mit einem Gefäß zu oder stellt es unter das Bett, sondern man stellt das Licht auf den Leuchter, damit alle, die eintreten, es leuchten sehen. Es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar wird, und nichts Geheimes, das nicht bekannt wird und an den Tag kommt. Gebt also Acht, dass ihr richtig zuhört! Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er zu haben meint.

Einführendes Gebet:   Herr, in diesem Jubiläumsjahr des heiligen Paulus wende ich mich mit erneuertem Eifer um die Rettung der Seelen an dich. Ich glaube an dich und an deine Liebe zu mir. Lehre mich, den katholischen Glauben glühend zu leben und zu verbreiten. Vermehre meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe, damit ich wie der heilige Paulus ausrufen kann: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20).

Bitte:  Herr Jesus, vertreibe durch deine Gnade die Dunkelheit aus meinem Herzen. Entflamme mein Herz mit deiner Liebe, damit ich dein himmlisches Licht anderen bringen kann.

1. Ein Ziel in seinem Handeln haben. „Niemand zündet ein Licht an und deckt es mit einem Gefäß zu oder stellt es unter das Bett.“ Jesu Gleichnis steht nimmt Bezug auf die menschliche Erfahrung: eine vernünftige Person handelt zielbewusst. Der gesunde Menschenverstand lehrt mich, dass meine Handlungen mit dem Gut, das ich durch sie erreichen will, übereinstimmen müssen. Wenn das Licht der Lampe den Raum erhellen soll, die Lampe wurde ja gerade deshalb angezündet – warum sollte man sie dann auslöschen? Kein Gast würde sich bei mir wohl fühlen, wenn er sich durch dunkle Räume hindurchtasten müsste. Warum sollen sie auf der Suche nach Licht unter das Bett kriechen? Darum ist es falsch zu denken, dass das Leben des christlichen Glaubens etwas Unfernünftiges sei. Als Christen handeln wir zielbewusst. Ja, der Glaube ist ein Geschenk. Gott ist das Feuer, und er hat uns seine Flamme gegeben. Er hat uns sein Licht ganz bewusst gegeben. Als Christen sollen wir Licht für die Welt sein. Lass ich meine Handlungen von Gottes Willen bestimmen? Spiegelt mein Denken und Tun Christi Liebe zu den Menschen wider? Was muss ich verändern?

2. Durchsichtig für Gott sein. Ein Katechismus für Kinder beantwortet die Frage: „Was weiß Gott?“ so: “Alles, auch meine geheimsten Gedanken und Wünsche.” Im heutigen Evangelium sagt Christus: „Es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar wird, und nichts Geheimes, das nicht bekannt wird und an den Tag kommt.“ Ein Mensch kann vielleicht die Welt täuschen, doch am Tag des Gerichts wird vor Gott alles offengelegt. Der heilige Paulus bestätigt dies: „Richtet also nicht vor der Zeit; wartet, bis der Herr kommt, der das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken wird. Dann wird jeder sein Lob von Gott erhalten“ (1 Kor 4,5).

3. Ein ruhiges Gewissen schenkt Frieden. Manchmal benehmen wir uns wie alberne Schauspieler. Wir setzen eine Maske auf, weil wir uns nicht gefallen. Wir verstecken uns hinter einer Fassade und hoffen, dass das niemand merkt. Tief in unserem Herzen kennen wir die Wahrheit. Wir sind Sünder. Wir haben statt des Lichts die Dunkelheit gewählt. Wir haben keinen Frieden und keine echte Freude. Wenn wir aber unser Leben vor Gott offen hinlegen, ohne irgendetwas vor ihm zu verstecken (als ob wir vor ihm etwas verstecken könnten), werden wir einen tiefen, inneren Frieden erfahren. Dies ist die Freude, die wir nach der Beichte erfahren dürfen. Er nimmt unsere Last von uns und macht alles erträglicher.

Gespräch mit Christus:  Herr, lass mich mich selbst erkennen und ein Licht werden, das mit deiner Liebe brennt!

Vorsatz:   Ich will heute eine Tat der Nächstenliebe tun – und sei es auch etwas, das niemand bemerkt oder für das ich keinen Dank erhalte.


Gott hat uns als seine Kinder angenommen

23. Oktober 2008

Dienstag der fünfundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Pater Pio

P. Shane Lambert LC

Lk 8,19-21
Eines Tages kamen die Mutter Jesu und seine Brüder zu ihm; sie konnten aber wegen der vielen Leute nicht zu ihm gelangen. Da sagte man ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und möchten dich sehen. Er erwiderte: Meine Mutter und meine Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und danach handeln.

Einführendes Gebet:   Herr, in diesem Jubiläumsjahr des heiligen Paulus wende ich mich mit erneuertem Eifer um die Rettung der Seelen an dich. Ich glaube an dich und an deine Liebe zu mir. Lehre mich, den katholischen Glauben glühend zu leben und zu verbreiten. Vermehre meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe, damit ich wie der heilige Paulus ausrufen kann: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20).

Bitte:  Herr Jesus, lehre mich deinen Willen, damit ich in Gottes Familie aufgenommen werden kann.

1. Beziehungen. Dieses kurze Evangelium lässt uns einen Blick in Jesu persönliches Leben während seines öffentlichen Wirkens werfen: Er hat sein Zuhause verlassen; er hat begonnen, die Frohe Botschaft zu verkündigen – und doch sind seine Lieben immer noch fester Bestandteil seines Lebens: „Seine Mutter und seine Brüder kamen zu ihm.“ Maria und die anderen aus dem Hause Davids, die ihn von Kindheit an kannten, suchen seine Gesellschaft. Die Menge, die Christi Worten aufmerksam zuhört, nimmt den Wert, den Christus der Familie gibt, wahr. Gott hat die „Familie“ in die menschliche Natur eingeschrieben. Das Gewissen kann die Wichtigkeit dieser Beziehungen aufdecken. „Du sollst Vater und Mutter ehren.“ Achte ich das Familienleben? Halten mich meine Arbeit oder andere Beschäftigungen davon ab, mich um meine Familie zu kümmern? Halte ich andere von ihren Familienverpflichtungen ab?

2. Meine Familie oder Gottes Familie? Was macht eine Beziehung aus? Gott hat bei der Schöpfung die Familienbeziehungen in die menschliche Natur eingeschrieben. Bei der Menschwerdung des Sohnes Gottes hat Gott aber eine neue Beziehung zwischen Gott und den Menschen geschaffen. Durch die Person des Sohnes Gottes ist die menschliche Natur nun direkt mit Gott verbunden. Als der Engel Gabriel Maria den Plan Gottes offenbarte, antwortete diese: „Mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1,38). Jesus beschrieb seine Mutter auf ganz persönliche Weise, als er sagte: „Meine Mutter und meine Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und danach handeln.“ Maria ist das Vorbild jedes Menschen, der Gottes Wort hört und danach handelt. Wenn ich im Glauben an Christus handle, gelange ich in eine persönliche, familiäre Beziehung mit ihm.

3. Als Kinder Gottes seine Erben. Jesus hat uns das Geheimnis offenbart, wie wir seine Mutter und Brüder werden können: das Wort Gottes befolgen. Ich darf also Jesus als meinen älteren Bruder betrachten, der mir Gott den Vater offenbart. Der heilige Paulus betrachtet dieses Geheimnis: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen. Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater. Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott” (Gal 4,4-7).

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, lehre mich, auf den Willen Gottes zu achten, damit ich dich wahrhaft als Bruder betrachten darf.

Vorsatz:   Heute will ich aus Liebe zu Gott etwas tun, das meine Familienbeziehungen so verbessern kann, wie es Christus gefällt.


Eine Sendung haben

24. September 2008

Mittwoch der fünfundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Shane Lambert LC

Lk 9,1-6
Dann rief Jesus die Zwölf zu sich und gab ihnen die Kraft und die Vollmacht, alle Dämonen auszutreiben und die Kranken gesund zu machen. Und er sandte sie aus mit dem Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden und zu heilen. Er sagte zu ihnen: Nehmt nichts mit auf den Weg, keinen Wanderstab und keine Vorratstasche, kein Brot, kein Geld und kein zweites Hemd. Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn euch aber die Leute in einer Stadt nicht aufnehmen wollen, dann geht weg und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie. Die Zwölf machten sich auf den Weg und wanderten von Dorf zu Dorf. Sie verkündeten das Evangelium und heilten überall die Kranken.

Einführendes Gebet:   Herr, in diesem Jubiläumsjahr des heiligen Paulus wende ich mich mit erneuertem Eifer um die Rettung der Seelen an dich. Ich glaube an dich und an deine Liebe zu mir. Lehre mich, den katholischen Glauben glühend zu leben und zu verbreiten. Vermehre meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe, damit ich wie der heilige Paulus ausrufen kann: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20).

Bitte:  Herr Jesus, lehre mich, in deinem Namen zu handeln, damit deine Macht und Autorität durch mich wirken können.

1. Ein Gesandter Gottes. Wir sehen, wie Jesus die zwölf Apostel zusammenruft, wie er ihnen Kraft und Vollmacht gibt, und wie Jesus sie aussendet. „Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn.“ Wer also einen Apostel Christi aufnimmt, nimmt einen Gesandten Gottes auf. Als Christ bin ich arm, wenn ich in meinem eigenen Namen auftrete, oder wenn ich mich allein auf meine eigenen Fähigkeiten und meine Kraft verlasse. Wenn ich aber in Christi Namen und nach Gottes Willen handle, habe ich die Garantie, die Gott selbst gegeben hat, dass ich Frucht bringen werde. Darum muss ich mich fragen, wie oft meine Pläne mit Gottes Willen für mich übereinstimmen, oder ob ich nur nach meinen egoistischen Wünschen handle. Lebe ich wirklich die göttlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe – besonders im Umgang mit anderen?

2. Der Auftrag. Jesus will, dass sich seine Apostel auf keine materiellen Dinge stützen: „Nehmt nichts mit auf den Weg, keinen Wanderstab und keine Vorratstasche, kein Brot, kein Geld und kein zweites Hemd. Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst.“ Jesus hat seinen Aposteln einen Auftrag gegeben – einen Auftrag zur Rettung der Seelen. Die Fruchtbarkeit dieses Mühens wird nicht von materiellen Dingen, die sie anwenden, abhängen, sondern von dem Zeugnis, das sie für Christus und seine göttliche Botschaft, die sie weitertragen, geben. Dadurch kann Gottes Kraft durch sie wirken. Der heilige Paulus fasst diese Bedingung wie folgt zusammen: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt“ (2 Kor 4,7). Christus legt vor allem Wert auf die Verkündigung des Reiches Gottes und die Heilung der Kranken: geistige und körperliche Werke der Barmherzigkeit. Gebe ich im Umgang mit den Nöten und Schwierigkeiten der anderen vor allem Christi Liebe weiter, oder ersetze ich diese allein mit der Kälte materieller Dinge?

3. Die Fruchtbarkeit der Treue. Das Evangelium berichtet uns vom fruchtbaren Wirken der Apostel: “Die Zwölf machten sich auf den Weg und wanderten von Dorf zu Dorf. Sie verkündeten das Evangelium und heilten überall die Kranken.“ Indem die Apostel Christus gehorchen, können sie auch den notleidenden Seelen den Trost der Frohen Botschaft und die Heilung ihrer Krankheiten bringen. Die Treue der Apostel verlangte ihnen persönliche Opfer ab, sie sollten ja für Christus Zeugnis ablegen und nicht für sich selbst, deshalb diese Strenge. Der heilige Paulus erinnert an diese Erfahrung der Selbsthingabe und spricht gleichzeitig die Freude über das Heil an: „Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft” (1 Kor 1,18). Habe ich schon einmal aus Liebe ein Opfer für einen anderen gebracht? Habe ich mein Herz wirklich Christus übergeben?

Gespräch mit Christus:  Herr, nimm mein Herz aus Eis und schmelze es mit deiner Liebe. Löse mich von den materiellen Dingen, damit ich frei sein kann in deinem Heiligen Geist. Lehre mich, das Kreuz in Liebe anzunehmen, damit ich dein Werkzeug der Liebe zur Rettung der Seelen werden kann und damit andere durch mich den Trost deiner Liebe empfangen können.

Vorsatz:   Ich will heute ein geistiges oder körperliches Werk der Barmherzigkeit aus Liebe zu Gott und den Seelen tun.


Ein ruheloses Gewissen

25. Oktober 2008

Donnerstag der fünfundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Shane Lambert LC

Lk 9,7-9
Der Tetrarch Herodes hörte von allem, was geschah, und wusste nicht, was er davon halten sollte. Denn manche sagten: Johannes ist von den Toten auferstanden. Andere meinten: Elija ist wiedererschienen. Wieder andere: Einer der alten Propheten ist auferstanden. Herodes aber sagte: Johannes habe ich selbst enthaupten lassen. Wer ist dann dieser Mann, von dem man mir solche Dinge erzählt? Und er hatte den Wunsch, ihn einmal zu sehen.

Einführendes Gebet:   Herr, in diesem Jubiläumsjahr des heiligen Paulus wende ich mich mit erneuertem Eifer um die Rettung der Seelen an dich. Ich glaube an dich und an deine Liebe zu mir. Lehre mich, den katholischen Glauben glühend zu leben und zu verbreiten. Vermehre meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe, damit ich wie der heilige Paulus ausrufen kann: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20).

Bitte:  Herr Jesus, schenke mir die Gnade, meinem Gewissen immer treu zu bleiben, damit ich deinen Willen erfülle und den Seelenfrieden erfahre, den nur du schenken kannst.

1. Der Weg, die Wahrheit, das Leben. Jesus ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Das heutige Evangelium zeigt uns, wie Jesus, selbst aus großer Entfernung, Gewissensfragen über das Leben, die Wahrheit und den Lebenswandel hervorruft. Herodes war total durcheinander. Der Katechismus der katholischen Kirche lehrt eine Grundwahrheit über das Gewissen: „Durch seine Vernunft vernimmt der Mensch die Stimme Gottes, die ihn drängt, ''das Gute zu lieben und zu tun und das Böse zu meiden'' (GS 16). Jeder Mensch ist zum Gehorsam gegenüber diesem Gesetz verpflichtet, das im Gewissen ertönt und in der Liebe zu Gott und zum Nächsten erfüllt wird. Im sittlichen Handeln zeigt sich die Würde des Menschen” (KKK 1706). Die Wahl, vor der das Gewissen steht, ist somit die Wahl zwischen dem Guten und dem Bösen. Der Christ, der gekämpft hat, um das Gute zu wählen, weiß, dass sein Zeugnis bewirkt, dass andere ihr Gewissen prüfen. Der heilige Paulus erklärt diese tiefe christliche Überzeugung: „Wir haben uns von aller schimpflichen Arglist losgesagt; wir handeln nicht hinterhältig und verfälschen das Wort Gottes nicht, sondern lehren offen die Wahrheit. So empfehlen wir uns vor dem Angesicht Gottes jedem menschlichen Gewissen. Wenn unser Evangelium dennoch verhüllt ist, ist es nur denen verhüllt, die verloren gehen; denn der Gott dieser Weltzeit hat das Denken der Ungläubigen verblendet. So strahlt ihnen der Glanz der Heilsbotschaft nicht auf, der Botschaft von der Herrlichkeit Christi, der Gottes Ebenbild ist” (2 Kor 4,2-4).

2. Die Folgen der Wahl des Bösen. Johannes der Täufer hatte den bösen Lebenswandel von Herodes angeprangert, um ihn zu einem Leben in Gnade aufzurufen: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe” (Mt 3,2); „Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen“ (Mk 6,18); „denn Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu“ (Mk 6,20). Trotzdem begann er eine böse Tat gegen den Ruf seines Gewissens. Er ließ Johannes enthaupten und gab seinen Kopf auf einer Silberplatte seiner ehebrecherischen „Frau“, nachdem er sich an ihrer Tochter vor seinen Gästen ergötzt hatte. Die „Wahrheit“, die Herodes kannte, war, dass Johannes der Täufer tot war. Ein toter Mann kann normalerweise nicht wieder lebendig werden. Das Gewissen spricht aber nicht nur von der Wahrheit, sondern es beurteilt das Gute oder das Böse an einer Tat – vor, während und nach der Tat. Der Katechismus der katholischen Kirche lehrt: „…Hat der Mensch Böses getan, kann das rechte Gewissensurteil in ihm immer noch Zeuge dafür sein, dass die moralische Wahrheit gilt, seine konkrete Entscheidung aber schlecht ist. Der Schuldspruch des schlechten Gewissens bleibt ein Unterpfand der Hoffnung und des Erbarmens“ (KKK 1781). So kommt es, dass Herodes seine Bosheit erkennt, zugleich aber auch an dem Mann interessiert ist, der die „Auferstehung von den Toten“ verkündigt – vielleicht hofft er auf eine eventuelle Vergebung seiner persönlichen Sünde.

3. Sich für Gott entscheiden und im Guten beharrlich sein. Das Heil einer jeden Seele hängt letztlich davon ab, ob sie sich für das Gute entscheidet und darin beständig bleibt: sie entscheidet sich, das Böse zu bereuen; sie entscheidet sich für einzelne gute Dinge; sie entscheidet sich, das Gute zu wählen, egal, wieviel sie das kostet. Im heutigen Evangelium bekommt Herodes eine zweite Gelegenheit zur Reue, weil Christus auftritt. Die Gnade zieht immer an, selbst eine Seele, die wegen der Sünde tot ist. „Und er hatte den Wunsch, ihn einmal zu sehen.“ Christus legt Zeugnis ab für den Weg, die Wahrheit und das Leben. Auch die Heiligen legen Zeugnis für dieses aufrichtige Gewissen und das Leben in der Gnade ab. Am letzten Tag aber, wenn die Zeit des Erbarmens verstrichen ist, wird das Gewissen jeder einzelnen Seele von Gott gerichtet werden. Darum sollten wir unbedingt beachten, was der heilige Paulus den heiligen Timotheus in dieser Beziehung lehrt: „Diese Ermahnung lege ich dir ans Herz, mein Sohn Timotheus, im Gedanken an die prophetischen Worte, die einst über dich gesprochen wurden; durch diese Worte gestärkt, kämpfe den guten Kampf, gläubig und mit reinem Gewissen. Schon manche haben die Stimme ihres Gewissens missachtet und haben im Glauben Schiffbruch erlitten“ (1 Tim 1,18-19).

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich bereue meine Sünden und will im Guten beständig sein. Reinige meine Seele, stärke meinen schwachen Willen und erfülle mich mit deiner Stärke. Gewähre mir die Gnade der Beharrlichkeit, dass ich den guten Kampf kämpfe und mit aufrichtigem Gewissen lebe und anderen den Seelenfrieden vermitteln kann, den du mir schenkst.

Vorsatz:   Heute will ich auf eine persönliche Vorliebe verzichten, von der ich weiß, dass ich mich wegen ihr manchmal zur Sünde verleiten ließ.


Falsch verstandene Identität

26. September 2008

Freitag der fünfundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Shane Lambert LC

Lk 9,18-22
Jesus betete einmal in der Einsamkeit, und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Messias Gottes. Doch er verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen. Und er fügte hinzu: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen.

Einführendes Gebet:   Herr, in diesem Jubiläumsjahr des heiligen Paulus wende ich mich mit erneuertem Eifer um die Rettung der Seelen an dich. Ich glaube an dich und an deine Liebe zu mir. Lehre mich, den katholischen Glauben glühend zu leben und zu verbreiten. Vermehre meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe, damit ich wie der heilige Paulus ausrufen kann: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20).

Bitte:  Jesus, unser Herr, lehre mich, deine Kirche mit aufzubauen und eine Zivilisation der Liebe zu schaffen, indem ich öffentlich zum christlichen Glauben und zur christlichen Moral stehe.

1. Meinungsumfrage. Obwohl die moderne Soziologie oder die Politikwissenschaften behaupten mögen, dass Meinungsumfragen ein modernes Phänomen sind, stellt Jesus hier verschiedene Meinungen zu seiner Identität vor, die gerade im Umlauf sind. Jesus hat nicht die Nacht im Gebet verbracht, weil er sich um sein öffentliches Erscheinungsbild sorgte. Tatsächlich hat Jesus schon eine Wahl durchgeführt. Er hat Führer ausgewählt – zwölf Apostel – und er hat zu Gott, dem Vater, gebetet, dass ihnen Urteilskraft gegeben werde. Basiert das, was sie denken und sagen, auf Hörensagen oder haben sie die Wahrheit tief verinnerlicht? Die Antworten, die die Jünger geben, sind vielsagend: die erste ist „Johannes der Täufer.“ Wie könnte das sein? Johannes der Täufer und Jesus waren Zeitgenossen, zwei verschiedene Personen. Johannes der Täufer gab öffentlich zu: „Ich bin nicht der Messias“ (Joh 1,20). Doch die „öffentliche Meinung“ hat alles falsch verstanden. Dann fährt die Liste mit anderen Namen fort, aber sie sind immer noch nicht richtig. Möglicherweise beginnen Jesu Jünger erst jetzt, richtig nachzudenken...

2. Datenerhebung. Jesus wendet die Konversation dann der „Wahrheit“ zu, in der Hoffnung, dass jemand von Herzen überzeugt ist: „Aber für wen haltet ihr mich?“ Genug mit der Menge; genug mit dem Dahinreden; genug damit, die Frage, die wirklich zählt, zu vermeiden. Jesus hat sie erwählt – warum sind sie ihm gefolgt? Wird irgendjemand es wagen, das Ergebnis zu nennen, ohne erst darüber abstimmen zu lassen? Die Datenerhebung ergibt: Jesus ist eine Person, die keinen irdischen Ursprung hat, und Simon Petrus spricht es mutig aus: „Der Messias Gottes.“ Petrus war von Christus erwählt worden. Petrus hat über die Wahrheit seiner Erfahrung nachgedacht. Petrus ist in seinem Herzen überzeugt worden. Petrus hat seinen Glauben öffentlich bezeugt. Petrus ist ein Christ – eine Person mit einem lebendigen Glauben – der es wert ist, Christi Namen zu tragen. Vielleicht kann seine Meinung, die jetzt öffentlich gemacht ist, eine breite Zustimmung erfahren. Habe ich meine Nachforschungen abgeschlossen? Habe ich mit dem Herzen gesucht? Wage ich es, die Wahrheit über Christus öffentlich zu bekennen? Immerhin wurde er als König der Könige und Herr der Herren geboren.

3. Sinn ergeben. Warum gibt es diesen Widerspruch zwischen der öffentlichen Meinung und der Wahrheit? Der Widerspruch ist signifikant. Christus erklärt ihn und bringt seine Apostel zu Verstand: Weil er für die Wahrheit steht und für sie Zeugnis ablegt, werden die Meinungen der Welt zu seinem Leiden und Sterben führen. „Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen.“ Jesus bereitet seine Jünger für die Mission, für die er sie auserwählt hat, vor. Wer wird inmitten der Prüfungen an seiner Seite stehen? Bin ich bereit, für meinen Glauben an Christus ein Zeichen des Widerspruchs zu sein, wenn ich mich in der Öffentlichkeit zu ihm bekenne?

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, Saulus von Tarsus musste fragen: „Wer bist du, Herr?“, als er deine Identität falsch verstanden und deine Jünger verfolgt hat und der Kirche den Krieg erklärt hat. In deiner Gnade erhelle mein Herz mit deiner Wahrheit, damit ich dich in meinen Brüdern erkenne und mich nicht von meinen Leidenschaften blenden lasse oder mich von der schreienden Menge, die deine Heiligen mit Steinen bewirft, beeinflussen lasse.

Vorsatz:   Ich werde heute im Gespräch etwas Wahres und Gutes über einen meiner Mitmenschen sagen.


Der Kernpunkt des Glaubens

27. September 2008

Samstag der fünfundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Vinzenz von Paul

P. Shane Lambert LC

Lk 9,43b-45
Alle Leute staunten über das, was Jesus tat; er aber sagte zu seinen Jüngern: Merkt euch genau, was ich jetzt sage: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert werden. Doch die Jünger verstanden den Sinn seiner Worte nicht; er blieb ihnen verborgen, sodass sie ihn nicht begriffen. Aber sie scheuten sich, Jesus zu fragen, was er damit sagen wollte.

Einführendes Gebet:   Herr, in diesem Jubiläumsjahr des heiligen Paulus wende ich mich mit erneuertem Eifer um die Rettung der Seelen an dich. Ich glaube an dich und an deine Liebe zu mir. Lehre mich, den katholischen Glauben glühend zu leben und zu verbreiten. Vermehre meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe, damit ich wie der heilige Paulus ausrufen kann: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20).

Bitte:  Jesus, unser Herr, gib mir einen reifen Glauben, damit ich nicht nur emotional, sondern auch tugendhaft auf die Gnaden, die du in meinem Leben bewirkst, antworte.

1. Für die Gnade bezahlen. Das Evangelium berichtet, dass die Jünger, die Jesus begleiteten, „erstaunt über jede seiner Taten“ waren. Gottes Wirken in meinem Leben ist eine Gnade. Gnade ist ein Geschenk Gottes; menschliches Verdienst kann keine Gnade erlangen. Doch Christus sagt uns hier, dass es falsch ist zu denken, dass man für die Gnade einfach nie „bezahlen“ muss. Die erste Art der „Bezahlung“ besteht darin, aufmerksam zu sein: „Merkt euch genau, was ich jetzt sage“. Aufmerksam zu sein kostet Mühe. Wenn ich nicht aufmerksam bin, könnte ich die Gnaden verfehlen, die für mich bestimmt sind. Christus warnt uns alle, dass jeder, der ihm nachfolgt, nicht nur glückselige Gefühle erleben wird – auch wenn wir diese Tröstungen bei anderen Gelegenheiten erfahren dürfen. Es wird Zeiten geben, in denen Treue zu Christus bedeutet, dass nicht nur unsere Gefühle uns betrügen können, sondern auch die Sünden anderer uns beeinträchtigen können.

2. Unbezahlte Gnade. Der zweite Aspekt der „Bezahlung“ ist, dass man für Gnade „bezahlen“ muss. Christus hat diesen Preis bezahlt. Jesus sagte: „Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert werden.“ Die Befreiung von der Sünde wird nicht umsonst sein; die Erlösung vom Tod wird einen hohen Preis haben. Lukas berichtet, dass die Jünger Jesu „den Sinn seiner Worte nicht verstanden; er blieb ihnen verborgen, sodass sie ihn nicht begriffen“. Jesu Jünger sind „erstaunt über jede seiner Taten“, doch es ist ihnen nicht klar, dass Jesus für diese Taten mit seinem Tod bezahlen muss. Verstehe ich meine Schuld? Verstehe ich, wieviel ich Gott schuldig bin? Oder meine ich vielleicht doch insgeheim, dass alles „umsonst“ ist? Wie oft beichte ich meine Sünden? Wie oft suche ich die Vergebung meiner Sünden? Ist mir aufgegangen, dass Gott von mir ein Opfer erwarten könnte? Wie schrieb der heilige Petrus: „Die Liebe deckt viele Sünden zu“ (1 Petr 4,8). Vielleicht wird mich Christus bitten, wie er zu leben, um ihm zu helfen, die undankbare und sündige Menschheit zu erlösen.

3. Märtyrertod. Der Knackpunkt des Glaubens ist, dass der Glauben an Christus zum Kreuz führt. Christus möchte nicht, dass ich einfach ein „Nachfolger“ bin; Christus hofft darauf, mich als Apostel voranschicken zu können. Darum muss ich bereit sein, seine Taten nachzuahmen; ich muss bereit sein, meinen Glauben öffentlich zu bezeugen. Das ursprüngliche griechische Wort für „Zeuge“ in den Evangelien ist „Märtyrer“. Märtyrer sind diejenigen, die einen Preis, klein oder groß, für ihren Glauben bezahlen – ob in versteckten Taten der Nächstenliebe oder dadurch, dass sie ihr Blut für Christus vergießen. Wenn diese Forderung beängstigend ist, gibt mir der heilige Paulus Kraft: „Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt“ (Gal 6,12). Dadurch, dass er mich ruft, im Glauben auf seine wundervollen Taten zu antworten, lässt Jesus mich an seinem Erlösungswerk mitwirken, wie in den Überlegungen des Heiligen Paulus deutlich wird: „Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt“ (Kol 1,24).

Gespräch mit Christus:  Jesus, unser Herr, lass mich deinen Willen erkennen. Hilf mir, großzügig und mutig zu antworten. Lass mich nicht davor zurückschrecken, bis zur Selbsthingabe treu zu sein. Dein Joch drückt nicht und deine Last ist leicht, wenn ich mein tägliches Kreuz mit deiner Liebe auf mich nehme. Hilf mir, für die Erlösung der Seelen zu handeln.

Vorsatz:   Heute werde ich für jemanden, der mir unsympathisch ist, eine Tat der Nächstenliebe vollbringen, oder ich werde einer schwierigen Situation großzügig und verantwortungsbewusst entgegentreten.