Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 27. April 2008 bis Samstag 3. Mai 2008

P. John Bullock LC

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten Sonntag
Zeugnis für die Wahrheit ablegen Montag
Gericht und Gerechtigkeit Dienstag
Komm Heiliger Geist Mittwoch
Auf Jesus hören Donnerstag
Leiden, das Freude mit sich bringt Freitag
Gott von Angesicht zu Angesicht schauen Samstag


Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten

27. April 2008

Sechster Sonntag der Osterzeit

P. John Bullock LC

Joh 14,15-21
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, zu Beginn dieses Gebetes komme ich zu dir mit der Bitte, dass du meinen Glauben vermehren mögest. Du weißt, dass ich an dich glaube, du weißt aber auch, wie schwach und unbeständig manchmal mein Glaube ist. Mache meinen Glauben reifer, damit er immer mehr mein Licht, meine Stärke und meine Freude werde.

Bitte:  Herr, hilf mir, dich zu lieben durch die Erfüllung deines Willens.

1. „Ich lasse euch nicht als Waisen zurück“. Wir alle verspüren beim Tod eines geliebten Menschen einen tiefen Verlust. Je näher uns eine Person war, umso tiefer ist das Gefühl des Verlustes und der Einsamkeit. Wenn ein Mensch seinen Ehepartner nach vielen Ehejahren verliert, scheint es ihm, als ob ein Teil von ihm selbst gegangen ist. Das Gleiche trifft auf die Apostel zu, die ihren Herrn so sehr geliebt hatten. Sie hatten alles verlassen, um ihm nachzufolgen: Freunde, Familien, Zukunftspläne. Je mehr sie ihn kennenlernten, umso größer wurde ihre Liebe zu ihm. Jetzt sagte er ihnen, dass er sie verlassen werde. Sie verstanden nicht viel von dem, was er sagte; der Gedanke, dass er sie verlassen würde, war schwer genug. Als Christus ihre Angst wahrnimmt, versichert er ihnen, dass sie nicht allein bleiben würden: sie werden nicht als Waisen zurückgelassen. Er wird ihnen den Geist senden. Christus lässt auch uns nicht allein. Er ist bei uns, an unserer Seite. Wir müssen lernen, seine Gegenwart in unserem Leben zu erkennen.

2. „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“. Die Gegenwart des Heiligen Geistes in unserem Leben erfordert von uns eine Antwort, die Antwort des Gehorsams. Wir müssen die Gebote Christi halten. Im Alten Testament war Israel immer wieder untreu gegenüber dem Bund, den Gott mit ihm geschlossen hatte. Durch die Gabe des Heiligen Geistes wurden wir nun befähigt, die Gebote Gottes zu halten. Diese Gabe des Gehorsams verlangt aber auch unsere freie Mitarbeit. Der Heilige Geist wird uns helfen, aber wir müssen diese Hilfe auch annehmen und uns wirklich anstrengen, das zu tun, worum er uns bittet.

3. „Wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren“. Weil wir Geschöpfe sind, ist der Gehorsam gegenüber Gottes Geboten die einzig richtige Haltung vor Gott, die wir einnehmen können. Andernfalls reduzieren wir Gott zu einer Idee, zu einem bloßen Begriff. Wenn wir in der Wahrheit des Gehorsams leben, werden wir die Wahrheit über Gott erkennen: seine Wirklichkeit und seine Größe. Sicherlich sind Gottesbeweise gültig und hilfreich, jedoch ist die Bereitschaft, ihm zu gehorchen, der sicherere Weg. Die Verheißung Christi aber ist sogar noch größer als bloßes Verstehen: Es ist das Angebot, von der Heiligsten Dreifaltigkeit geliebt und mit ihr vereinigt zu werden.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich möchte dich immer tiefer und persönlicher kennenlernen. Ich weiß nun, dass ich dazu zuerst deinen Willen für mein Leben mit größt möglicher Großzügigkeit erfüllen muss. Dazu brauche ich deine Hilfe, Herr.

Vorsatz:   Heute will ich die Extrameile gehen, von der der Herr im Evangelium spricht, indem ich meine Pflichten freudig erfülle, und indem ich in ihnen das Mittel erkenne, das mir wirksam dabei hilft, Gott und meinen Nächsten zu lieben.


Zeugnis für die Wahrheit ablegen

28. April 2008

Montag der sechsten Woche der Osterzeit

P. John Bullock LC

Joh 15,26- 16,4a
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen. Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid. Das habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt. Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten. Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben. Ich habe es euch gesagt, damit ihr, wenn deren Stunde kommt, euch an meine Worte erinnert.

Einführendes Gebet:   Herr, sende aus deinen Geist, und erneuere das Angesicht der Erde (vgl. Ps 105). Beginne mit meinem Herzen und meinem Verstand: Erneuere mich, stärke mich und führe mich. Mach mich mehr zu deinem Eigentum. Ich glaube an dich, Herr, denn du hast mir die Gabe des Glaubens geschenkt. Durch diesen Glauben kann ich dich immer besser erkennen, und ich will dich immer mehr lieben. Bitte nimm diese Zeit des Gebets an als einen Ausdruck meiner Liebe zu dir.

Bitte:  Herr, schenke mir das feste Vertrauen in deinen Heiligen Geist, der mich befähigen wird, für dich Zeugnis abzulegen.

1. Der Geist der Wahrheit wird Zeugnis ablegen. “Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt, … so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück“ (vgl. Jes 55,10-11). So trägt auch der Heilige Geist, der ausgesandt ist, viel geistliche Frucht. Der Geist trägt in und durch die Kirche diese Frucht (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 78-79). Gerade weil der Geist in der Kirche gegenwärtig ist und Zeugnis ablegt, dürfen wir überzeugt sein, dass die Kirche treu und fruchtbar bleiben wird bis zum Ende der Zeit. Unser Vertrauen in die Kirche bleibt unerschütterlich inmitten zahlloser Stürme, die im Laufe der Geschichte gegen sie toben, weil ihr Fundament sicher steht. Gott ist treu.

2. Und auch ihr werdet Zeugnis ablegen. Gott will, dass wir mit dem Heiligen Geist mitwirken. Darum soll auch das Zeugnis wirklich von uns selbst kommen: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“ (Mt 28,19). Wir geben Zeugnis durch unser Predigen, aber vor allem durch unser Beispiel. Johannes Paul II. sagte einmal, dass die Welt mehr Zeugen als Lehrer braucht. Darum wollen wir fest auf die Gnade des Heiligen Geistes vertrauen, der uns führt, und mutig die Aufgabe der Neuevangelisierung anpacken.

3. Sie werden euch ausstoßen. “Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten. Das alles werden sie euch um meines Namens willen antun” (Joh 15,20-21a). Weil die Lehren, die Christus verkündigte, von vielen abgelehnt, ja sogar mit viel Gewalt abgelehnt worden waren, werden sie auch heute von vielen abgelehnt werden. Treue zu Gottes Wort bewirkt Spaltung in einer sündigen Welt. Gottes Wort ist Licht. Es bietet die Gelegenheit, in die Wahrheit über Gott und uns selbst einzutreten. Es lädt uns zur Bekehrung ein. Dieses Licht wird aber oft abgelehnt, weil wir nicht wollen, dass unsere Sündhaftigkeit ans Licht kommt; wir fliehen lieber oder bekämpfen es (vgl. Joh 3,20-21). Wenn wir also wegen unserer Verkündigung Verfolgung erfahren, ist das ein sicherer Beweis für die Echtheit unserer Worte.

Gespräch mit Christus:  Lieber Herr, hilf mir, das Licht deines liebenden Blickes nicht zu fürchten. Hilf mir, ehrlich mit dir zu sein. Hilf mir auch, deine Wahrheit anderen durch meine Worte und Taten zu bringen, vor allem durch ein Leben, das damit übereinstimmt.

Vorsatz:   Ich will die Gelegenheit ergreifen, und heute meinen Glauben mit mindestens einem Menschen teilen.


Gericht und Gerechtigkeit

29. April 2008

Dienstag der sechsten Woche der Osterzeit

P. John Bullock LC

Joh 16,5-11
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich: Wohin gehst du? Vielmehr ist euer Herz von Trauer erfüllt, weil ich euch das gesagt habe. Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden. Und wenn er kommt, wird er die Welt überführen (und aufdecken), was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist; Sünde: dass sie nicht an mich glauben; Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; Gericht: dass der Herrscher dieser Welt gerichtet ist.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube an dich, weil du dich mir offenbarst. Ich möchte dich jeden Tag mehr kennenlernen. Meine Beziehung zu dir soll einfach, wirklich und persönlich sein. Ich hoffe auf deine Gnade, weil ich meine Neigung zur Sünde kenne und weiß, dass ich schwach bin. Um dir meine Liebe zu zeigen, will ich so leben, wie du es von mir erwartest. Ich möchte dir durch jede einzelne Tat gefallen.

Bitte:  Herr, vermehre meinen Glauben.

1. Die Welt der Sünde überführen. Warum sagt Christus, dass er die Welt der Sünde überführen wird? Hat er nicht gesagt, dass er nicht gekommen ist, um die Welt zu verurteilen, sondern um die Welt zu retten (vgl. Joh 3,17)? Was gilt nun, Verurteilung oder Rettung? Beides. Wenn jemandem nicht bewusst ist, dass er krank ist, geht er auch nicht zum Arzt. Zuerst muss uns bewusst werden, dass wir gesündigt haben, damit wir begreifen, wie sehr wir einen Retter brauchen. Die größte Gefahr unserer heutigen Gesellschaft ist nicht ihre Sündhaftigkeit: Die Sünde gibt es schon seit Adam und Eva. Die größte Gefahr besteht darin, dass man die Sünde nicht mehr als solche anerkennt aufgrund des moralischen Relativismus (vgl. Johannes Paul II., Der Glanz der Wahrheit, 32). Der Kampfruf des Relativisten lautet: Wie gut für mich; ich mache mir meine eigenen Regeln. Darum muss uns der Geist zuerst einmal bewusst machen, dass wir egoistische Sünder sind, die einen Retter brauchen. Erst dann kann das Werk der Bekehrung beginnen.

2. Der Sünde überführen: dass sie nicht an mich glauben. Sagt Christus etwa, dass alle Ungläubigen Sünder sind und die Rettung nicht verdienen? Scheinbar drückt das die Stelle im Johannesevangelium aus: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat” (Joh 3,18a). Die Kirche lehrt: „Wer nämlich das Evangelium Christi und seine Kirche ohne Schuld nicht kennt, Gott jedoch aufrichtigen Herzens sucht und seinen durch den Anruf des Gewissens erkannten Willen zu erfüllen versucht, kann das ewige Heil erlangen" (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 847). Das heißt also, dass es auch die Gefahr eines gewollten Unglaubens gibt: „Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden … und ihre Augen halten sie geschlossen, damit sie mit ihren Augen nicht sehen, … damit sie mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen, damit sie sich nicht bekehren und ich sie nicht heile“ (Mt 13,15). Manche haben also gesehen, entschlossen sich dann aber, nicht zu glauben, weil sie sich nicht ändern wollten. Diese bewusste Ablehnung der Wahrheit aufgrund von Verstocktheit müssen wir unter allen Umständen vermeiden.

3. Gerechtigkeit. Christi Auferstehung und das Kommen des Heiligen Geistes sind der Beweis für Christi Gerechtigkeit und Echtheit. Er ist das, was zu sein er von sich behauptet hat: der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes (Mt 16,16-17). Es ist also nur gerecht und richtig, dass Christus, nachdem er seine Sendung vollendet hat, zum Vater zurückkehrt. Christi Gerechtigkeit wird auch uns angeboten, wir müssen sie nur annehmen. Es war seine Sendung, den Satan, den Vater der Lügen, zu verurteilen und uns nach seinem Bild und Gleichnis wiederherzustellen. Durch sein Opfer sind wir viel mehr als nur befreite Sklaven: Wir sind von Gott als seine Kinder angenommen worden (vgl. Joh 1,12).

Gespräch mit Christus:  Herr, im Wissen um die Wichtigkeit des Glaubens bitte ich dich, dass du meinen Glauben vermehren mögest. Du bietest mir ständig so viele Gnaden an. Hilf mir, sie gut zu nutzen und sie nach deinem Willen zu gebrauchen.

Vorsatz:   Heute will ich bei der Gewissenserforschung ehrlich meine Fehler erkennen, ich will mich aber auch mit größerem Vertrauen Gottes Barmherzigkeit in meinem Leben anvertrauen.


Komm Heiliger Geist

30. April 2008

Mittwoch der sechsten Woche der Osterzeit

P. Jason Bullock LC

Joh 16,12-15
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

Einführendes Gebet:   Herr, hilf mir an dich zu glauben, mit einem einfachen Glauben, mit einem starken Glauben, mit einem Glauben, der mich zur großzügigen Selbsthingabe führt. Lass mich dich jeden Tag besser kennenlernen, damit ich jeden Tag mehr so wie du denke und handle.

Bitte:  Herr, vermehre mein Vertrauen in den Beistand des Heiligen Geistes.

1. Ihr könnt es aber jetzt nicht tragen. Unser Glaube richtet sich nicht gegen die Vernunft, er ist aber auch nicht das schlichte Ergebnis einer Schlussfolgerung der menschlichen Vernunft. Die Tatsache, dass die Apostel Christi Botschaft sehr langsam begriffen, hat nichts mit ihrem Intelligenzquotienten oder ihrer Bildung zu tun. Sie brauchten dazu den Heiligen Geist. Als Petrus Jesus als Christus und Sohn des lebendigen Gottes erkennt, gibt Christus ihm zur Antwort: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel (Mt 16,17). Der Glaube ist ein Geschenk; wir müssen um ihn bitten. Sobald die Apostel den Heiligen Geist empfangen hatten, waren sie fähig, die Botschaft Christi zu verstehen, und, was noch viel wichtiger war, sie zu leben.

2. Der Geist wird sagen, was er hört. Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist sind drei Personen, sie teilen aber dieselbe Natur und können in ihrem Handeln niemals voneinander getrennt werden. Der Heilige Geist und sein Tun können niemals von Christus getrennt werden. Der Heilige Geist führt das Werk der Erlösung fort, das Christus vollbracht hat (s. Johannes Paul II., Dominus Iesus, 12). Der Geist spricht, was er von Christus hört. Wie aufmerksam höre ich auf den Heiligen Geist?

3. Der Geist wird euch in die ganze Wahrheit einführen. “Obwohl die Offenbarung (mit Christus) abgeschlossen ist, ist ihr Inhalt nicht vollständig ausgeschöpft; es bleibt Sache des christlichen Glaubens, im Lauf der Jahrhunderte nach und nach ihre ganze Tragweite zu erfassen (Katechismus der Katholischen Kirche, 66). Der Heilige Geist ist es, der uns durch die Kirche in die ganze Wahrheit einführen wird. Der Heilige Geist ist es, der uns hilft, den Lehren der Kirche zu vertrauen, und der Heilige Geist ist es auch, der uns die Zuversicht schenken soll auf unserem eigenen Weg zur Heiligkeit. Ich sollte mich selbst fragen, was ich tue, um in meinem Verständnis der Wahrheit, die Gott uns offenbart hat, zu wachsen. Lese ich zumindest ab und zu im Katechismus der Katholischen Kirche? Lese ich die Texte, die der Papst bei der Generalaudienz jeden Mittwoch vorträgt? Was tue ich, um stets auf dem Laufenden zu sein, was die Kirche lehrt?

Gespräch mit Christus:  Herr, führe mich immer mehr in deine Wahrheit ein. Lass mich dieser Wahrheit mit meinem Glaubensgehorsam antworten, und meinen Verstand und meinen Willen deinem Willen unterwerfen.

Vorsatz:   Ich will heute tief gesammelt sein und aufmerksam den Eingebungen des Heiligen Geistes lauschen.


Auf Jesus hören

1. Mai 2008

Christi Himmelfahrt

P. Daniel Pajerski LC

Mt 28,16-20
Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube, dass du die Macht hast, alles zu bewirken, und dass du mein Herz aus Stein in ein Herz umwandeln kannst, das bedingungslos liebt. Der vor mir liegende Tag wird zwar mit zahlreichen Aktivitäten bereits ausgefüllt sein, aber ich weiß, dass deine Gegenwart mir die Kraft geben wird, alles zu tun, was du mir aufgetragen hast.

Bitte:  Herr Jesus, komm mir heute zu Hilfe. Erfülle mich mit der gleichen Begeisterung, die du den zweifelnden Aposteln geschenkt hast.

1. Der Schlüssel zum Gehorsam. Gehorsam ist in der heutigen Gesellschaft keine besonders attraktive Tugend, doch gehorsam der Aufforderung Jesu zu folgen, nach Galiläa zu gehen, war die Tür, die den Aposteln den Zugang zu Christus verschaffte. Jeder Apostel hatte die Freiheit, seinen eigenen Weg zu gehen, aber dieser Weg hätte ihn nicht unbedingt zur Anschauung des auferstandenen Christus geführt. Wenn wir auf das Wort Gottes hören, auf die Lehre Christi und der Kirche, geben wir Gott freie Hand, in uns zu leben und durch uns zu wirken.

2. Zweifel ist eine Herausforderung. „Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat“ (Psalm 124,8). Es ist eine Herausforderung, Christus zu folgen, weil wir nicht immer seine Gegenwart spüren dürfen. Bisweilen bemerken wir deutlich, dass er in unserem Leben wirkt; ein andermal zweifeln wir ebenso, wie die Apostel zweifelten. Augenblicke des Zweifels in unseren Herzen könnten, statt uns zu beunruhigen, zerstreut werden, wenn wir uns fest dazu entschließen würden, ihm immer zu vertrauen. Christus näherte sich den Aposteln gerade in dem Augenblick, als sie zweifelten. In dem Moment, als ihr Blick getrübt war, beruhigte er sie mit der Gewissheit: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde“.

3. Mit Gott ist alles möglich. Jesus will seine Kraft mit uns teilen, und er bewirkt das durch die Sakramente, zuerst bei der Taufe. Mit seiner Kraft gibt er uns auch einen Anteil an seiner Sendung: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“. Freundschaft mit Jesus verpflichtet uns auch dazu, anderen von Jesus zu erzählen, damit auch sie die Freude erfahren können, die er denen schenkt, die ihn kennen und lieben. Unser Verhältnis zu Christus erweitert unsere Horizonte, weil wir teilhaben an seinem Leben und am Leben des Vaters und des Heiligen Geistes. Der Auftrag, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen, erscheint uns vielleicht zu groß, aber Gott selbst ist an unserer Seite: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage“.

Gespräch mit Christus:  Jesus, ich danke dir, dass ich an deinem Leben und an deinem Auftrag teilhaben darf. Ich vertraue auf deine liebende Gegenwart in meinem Leben. Du bist meine Kraft in der Schwäche und mein Licht in der Finsternis. Hilf mir, deinen Geboten zu folgen. In ihnen finde ich dich und den Frieden.

Vorsatz:   Heute will ich die Nächstenliebe leben, indem ich nur Gutes über andere sage.


Leiden, das Freude mit sich bringt

2. Mai 2008

Freitag der sechsten Woche der Osterzeit

P. Jason Bullock LC

Joh 16,20-23
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln. Wenn die Frau gebären soll, ist sie bekümmert, weil ihre Stunde da ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. So seid auch ihr jetzt bekümmert, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude. An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen. Amen, amen, ich sage euch: Was ihr vom Vater erbitten werdet, das wird er euch in meinem Namen geben.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube an dich mit einem einfachen Glauben, der mich durch die Höhen und Tiefen des Lebens hindurchträgt. Ich vertraue auf deine liebende Vorsehung, die alle Schritte meines Lebensweges leitet, auch wenn ich nicht immer weiß, wohin dieser Weg mich führen wird. Ich weiß aber, dass du bei mir bist, und dass ich mich vor nichts zu fürchten brauche. Ich möchte dich immer mehr lieben. Ich danke dir für diese Zeit mit dir.

Bitte:  Herr, schenke mir die Gabe einer unerschütterlichen Hoffnung, die Freude mit sich bringt.

1. Die Welt freut sich. Wenn wir Fernsehen schauen, Zeitschriften lesen oder Radio hören, bemerken wir, dass letztlich ein einziges Produkt zum Verkauf angepriesen wird: Glück. „Zieh das an…, fahr dieses Auto…, fahr dorthin…, und du wirst glücklich sein.“ Aristoteles sagte einmal, dass jede Handlung des Menschen letztlich von der Sehnsucht nach Glück bewegt wird. Die Welt sucht und verspricht die schnelle und einfache Erfüllung dieser Sehnsucht. Opfer und Leid wird als unvereinbarer Gegensatz zur Selbstverwirklichung gesehen: Wenn du mit deiner Situation nicht zufrieden bist, dann verändere sie.

2. Ihr werdet weinen und klagen. Und doch ist das Versprechen der Welt, Glück ohne Opfer und Leid zu erfahren, falsch. Aufgrund der Ursünde kam das Leid in die Welt. Es gibt niemanden, der nicht leiden müsste. Wer das Gegenteil behauptet, lügt. Es ist wichtig, dass wir uns in schweren Momenten daran erinnern. Opfer und Leid ist keine ausschließlich christliche Angelegenheit. Wenn es manchmal so aussieht, als ob rücksichtslose Menschen immer die Oberhand gewinnen würden, müssen wir uns stets die Worte aus dem Psalm 37 in Erinnerung rufen: „Sei still vor dem Herrn und harre auf ihn! Erhitze dich nicht über den Mann, dem alles gelingt, den Mann, der auf Ränke sinnt. Steh ab vom Zorn und lass den Grimm; erhitze dich nicht, es führt nur zu Bösem” (Ps 37,7-8).

3. Wie eine Frau in Geburtswehen. Stellen wir uns vor, wir müssten einem ungeborenen Kind den Geburtsvorgang erklären und es könnte seine Meinung zu dem Thema geben. Sicherlich würde es entschieden antworten: „Nein danke, mir geht es hier sehr gut!“ Etwas Analoges geschieht auch uns in unserem Leben. Trotz aller Schwierigkeiten ziehen wir das Bekannte dem Unbekannten vor: „Herr, ich will in den Himmel kommen, aber nicht heute.“ Und so können wir das Leid, wenn es in demütigem Glauben angenommen wird, mit den Geburtswehen vergleichen, die unserer Geburt ins ewige Leben vorausgehen. Es macht uns bewußt, dass dieses irdische Leben nicht Alles ist. Es hilft uns, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es lehrt uns, wie wir lieben sollen, und das ist die beste Vorbereitung für die Vereinigung mit Gott. Mit dieser Aussicht werden wir zur Einsicht gelangen, dass Leiden größte Freude bewirken kann, wenn es in Glauben angenommen wird.

Gespräch mit Christus:  Lieber Herr, hilf mir, die Kreuze, die du auf meine Schultern legen willst, im Geist des Glaubens und aus Liebe anzunehmen. Hilf mir, großzügig „Ja“ zu deinem Willen zu sagen im Wissen darum, dass niemand irre gehen kann, der deinen Willen erfüllt.

Vorsatz:   Ich will heute Christus immer wieder Dank sagen in den verschiedensten Umständen dieses Tages, besonders in den unangenehmen.


Gott von Angesicht zu Angesicht schauen

3. Mai 2008

Samstag der sechsten Woche der Osterzeit
Hll. Philippus und Jakobus, Apostel

P. John Bullock LC

Joh 14,6-14
Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird. Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun.

Einführendes Gebet:   Christus, ich danke dir für das Geschenk des Glaubens. Du weißt, dass ich glaube, aber ich will, dass mein Glauben stärker wird. Je mehr ich dich erkenne, umso mehr erfahre ich Sinn, Ruhe und Stärkung. Ich brauche dich, Herr. Ich vertraue auf deine liebende Barmherzigkeit. Du weißt, was ich heute am meisten brauche. Alles, worum ich dich bitte, ist die Erfahrung, dass du an diesem Tag immer an meiner Seite bist. Ich will dich heute glücklich machen und dir in allen meinen Gedanken, Worten und Werken gefallen.

Bitte:  Christus, hilf mir, dich mehr zu erkennen und dich jeden Tag mehr zu lieben.

1. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Christus ist die Antwort auf alle unsere Probleme. Seitdem er ganz Gott und Mensch ist, verbindet er in seinem ganzen Wesen die Menschheit mit Gott auf eine Weise, die sich zuvor niemand je erhoffen hätte können. Wenn wir Christus nachfolgen, werden wir unseren Weg finden. Wenn wir an Christus glauben, werden wir die Wahrheit entdecken. Wenn wir Christus annehmen, werden wir das Leben gewinnen. Christen folgen nicht einfach einer Reihe von Vorschriften oder glauben an bestimmte Lehrsätze, sondern sie folgen einer Person: Christus. Bischof Fulton Sheen schrieb einmal, dass die Lehre Christi er selbst in Person sei (Life of Christ, S. 153).

2. Zeig uns den Vater. Es gibt ein Sprichwort, das lautet: Sehen ist Glauben. Das scheint aber dem Glauben zu widersprechen. Hat Christus nicht zum zweifelnden Thomas gesagt: „Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29)? Im heutigen Evangelium scheint Christus Philippus zu rügen, weil er sehen will. Christus korrigiert aber Philippus nicht deswegen, weil er sehen will, sondern weil er in ihm nicht den erkannt hat, der in ihm gegenwärtig ist: „Wer mich sieht, sieht den Vater.“ Das Herzstück der Menschwerdungslehre ist die Wahrheit, dass jetzt das „Antlitz“ Gottes in der Person Christi sichtbar geworden ist. Als der blindgeborene Mann Christus, der ihn gerade geheilt hatte, frägt, wer der Menschensohn sei, antwortet dieser ihm: „Du siehst ihn vor dir“ (Joh 9,37). Das zweite Konzil von Nicäa bestätigte im Jahre 787 wider die Lehre der Bilderstürmer die Richtigkeit der Verehrung von heiligen Bildern, indem sie religiöse Bilder und Kunst mit der Menschwerdung in Verbindung brachte (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 476). Der Mensch sehnt sich danach, Gott zu schauen, und die Menschwerdung war Gottes Antwort.

3. Glaubt aufgrund der Werke. Christus hilft Philippus zu glauben, indem er ihn auf die Werke hinweist, die er vollbracht hat. Den Glauben kann man nicht auf empirische Weise beweisen, aber es gibt viele Zeichen, die unserer Vernunft helfen, den Glaubensakt zu vollziehen. Die Wunder Christi, seine hohen moralischen Grundsätze, seine Worte und vor allem seine Auferstehung sind kräftige Argumente für die Echtheit des Glaubens. Nichtsdestoweniger muss jeder selbst die Entscheidung vollziehen zu glauben. Wenn wir uns einmal dazu entschieden haben, können wir sogar noch größere Wunder als die vollbringen, die Christus im Laufe seines irdischen Lebens vollbracht hat. Wir dürfen aber nicht erwarten, dass wir den ganzen Glauben mit unserem Verstand erfassen könnten, sondern wir müssen vor allem zuerst glauben, und dann werden wir zu verstehen beginnen.

Gespräch mit Christus:  Herr, lass mich dein Antlitz im Gebet, in der Eucharistie und in meinem Nächsten erkennen. Sei du mein Weg, meine Wahrheit und mein Leben. Sei mein Vorbild, mein beständiger Bezugspunkt und meine Stärke. Ohne dich kann ich nichts tun; mit dir kann ich alles tun.

Vorsatz:   Ich will mich wirklich bemühen, Christus in der Eucharistie, in meinem Gebet und in meinem Nächsten zu erkennen.