Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 16. Dezember 2007 bis Samstag 22. Dezember 2007

Dritte Woche im Advent

P. Barry O’Toole LC

Mehr als ein Prophet Sonntag
Der tiefere Sinn meines Lebens Montag
Von Josef und Maria lernen Dienstag
Gottes Wege sind nicht unsere Wege Mittwoch
Die wahre Ankunft Donnerstag
Vom Bettler zum Wohltäter Freitag
Wohlwollen ist der Schlüssel. Samstag


Mehr als ein Prophet

16. Dezember 2007

Dritter Sonntag im Advent

P. Barry O’Toole LC

Mt 11,2-11
Johannes hörte im Gefängnis von den Taten Christi. Da schickte er seine Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten? Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt. Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden; er sagte: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige. Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten. Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube, dass du hier bei mir bist, wenn ich jetzt beginne, mit dir zu sprechen. Ich vertraue auf deine liebevolle Vorsehung, die mich den ganzen Tag über Schritt für Schritt leitet. Weil ich dich liebe, sehne ich mich danach, nur dir zu gefallen, so dass du die Stärke in meiner Schwäche und die Gewissheit für mein ganzes Leben werden kannst.

Bitte:  Herr, lass mich niemals an deiner liebevollen Kraft zweifeln, die meine menschliche Schwäche verwandeln kann.

1. Aus den Tiefen des Zweifels. „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?“ Viele haben in diesen Worten des Täufers ein Zeichen der Unsicherheit oder des Zweifelns an Christus gesehen. Und wahrscheinlich ist es das auch. Hier ist ein Mann, der den größeren Teil seines Lebens nicht in einem Fünf-Sterne-Hotel verbracht hatte, sondern in einem Fünfmillionen-Sterne-Hotel: in der Wüste. Plötzlich ist er in einem engen, dunklen und stinkenden Verlies eingesperrt. Er ist dabei, sich von der Bühne des Lebens zu verabschieden, er ist ein Märtyrer um der Wahrheit des Evangeliums willen. Bevor er den letzten Akt der Selbstaufopferung vollbringt, könnte es sein, dass er sich fragt, ob das alles das äußerste Opfer wert ist. Ein sterbender Mensch kann sich keinerlei Zweifel leisten. Gewähre ich meinen Glaubenszweifeln Unterschlupf in meinem Herzen? Bemühe ich mich, wie Johannes der Täufer, solche Fragen zu beantworten, indem ich jemanden bitte, mir zu helfen?

2. Von den Höhen der Gewissheit. Andere behaupten, Johannes stellt diese Frage nicht für sich selbst, sondern im Namen seiner Jünger. Gewiss, die Botschaft vom Verderben, die Johannes gepredigt hatte – „Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; … Schon hält er die Schaufel in der Hand; er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.“ (Mt 3,10-12) - scheint nicht in Erfüllung zu gehen. Im Gegenteil, Jesus erscheint als der gute Hirte, der nach dem verlorenen Schaf sucht und es liebevoll zur Herde zurückbringt. Die Jünger des Johannes mögen ein bisschen ungeduldig geworden sein. Johannes beruhigt sie jedoch, indem er sagt: „ Wenn ihr Zweifel habt, geht und seht, was Jesus macht und eure Zweifel werden zerstreut sein.“ Wenn jemand anfängt, mit uns über Christus zu diskutieren und seine Vorherrschaft in Zweifel zu ziehen, ist die beste aller Antworten, nicht eine Debatte zu eröffnen, sondern zu sagen: „Gib ihm dein Leben, und dann sieh, was er daraus macht. Das beste Argument für Christus ist die Erfahrung seiner verwandelnden Macht. „Versuch es. Es wir dir gefallen.“

3. Nur auf Christus schauen. Tief in unseren Herzen haben sich bei allen von uns Zweifel und Ängste eingenistet, die bei augenblicklichen Schwierigkeiten und Prüfungen auftauchen. Wir haben aber auch Mut und Gewissheit: verborgene Schätze, auf die wir in Zeiten der Not zurückgreifen können. Was auch immer Johannes den Täufer zu diesen Worten veranlasst haben mag, seien es Zweifel oder eine eindeutige Zeugenaussage, die Lehre ist genau dieselbe: wende dich in jeder Lebenslage an Christus. Christus ist unsere Rückversicherung und Stärke, wenn Furcht in unsere Herzen dringt und Wolken unseren Verstand eintrüben. Christus ist unser Erlöser und die einzige Ursache, die unsere Anstrengungen als Apostel und Verkünder des Reiches Gottes unterstützt. Somit sprechen wir den Leitspruch des Täufers bei allem, was wir tun, nach: „ Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“ (Joh 3,30).

Gespräch mit Christus:  Herr, in dieser Zeit des Advents möchte ich dir näher kommen. Ich möchte, dass du in jeden Winkel und jede Spalte meines ermattenden Herzens eindringst. Lehre mich, alle meine Zukunftsängste beiseite zu lassen und so großzügig zu sein, wie du zu mir gewesen bist, der du alles, was du hattest, gegeben hast, ja sogar dein kostbares Leben, um mich zu erlösen.

Vorsatz:   Heute will ich allein oder mit einem anderen die Stelle des Evangeliums lesen, die von der Geburt Christi handelt (Lk 2,1-20).


Der tiefere Sinn meines Lebens

17. Dezember 2007

Montag der dritten Woche im Advent

P. Barry O’Toole LC

Mt 1,1-17
Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams: Abraham war der Vater von Isaak, Isaak von Jakob, Jakob von Juda und seinen Brüdern. Juda war der Vater von Perez und Serach; ihre Mutter war Tamar. Perez war der Vater von Hezron, Hezron von Aram, Aram von Amminadab, Amminadab von Nachschon, Nachschon von Salmon. Salmon war der Vater von Boas; dessen Mutter war Rahab. Boas war der Vater von Obed; dessen Mutter war Rut. Obed war der Vater von Isai, Isai der Vater des Königs David. David war der Vater von Salomo, dessen Mutter die Frau des Urija war. Salomo war der Vater von Rehabeam, Rehabeam von Abija, Abija von Asa, Asa von Joschafat, Joschafat von Joram, Joram von Usija. Usija war der Vater von Jotam, Jotam von Ahas, Ahas von Hiskija, Hiskija von Manasse, Manasse von Amos, Amos von Joschija. Joschija war der Vater von Jojachin und seinen Brüdern; das war zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft. Nach der Babylonischen Gefangenschaft war Jojachin der Vater von Schealtiël, Schealtiël von Serubbabel, Serubbabel von Abihud, Abihud von Eljakim, Eljakim von Azor. Azor war der Vater von Zadok, Zadok von Achim, Achim von Eliud, Eliud von Eleasar, Eleasar von Mattan, Mattan von Jakob. Jakob war der Vater von Josef, dem Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus (der Messias) genannt wird. Im ganzen sind es also von Abraham bis David vierzehn Generationen, von David bis zur Babylonischen Gefangenschaft vierzehn Generationen und von der Babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus vierzehn Generationen.

Einführendes Gebet:   Herr, in dieser letzten Woche der Vorbereitung auf das Fest deiner Geburt möchte ich in meinem Herzen einen Platz für dich bereitstellen. Ich glaube, dass du hier bei mir bist, und ich verlange danach, dass du zu mir sprichst. Weil ich dich liebe, habe ich mich auch nach diesem Augenblick der Ruhe und Besinnung gesehnt, obwohl es nicht leicht war, diesen Augenblick zu finden. Ich hoffe, dass du mich in deiner Gnade den arbeitsreichen Tag über begleiten wirst, so dass ich die Entscheidungen treffen kann, die dir gefallen werden.

Bitte:  Herr, hilf mir, dass ich mir meiner menschlichen Würde stärker bewusst werde und dass sie auf alle ausstrahlt, denen ich heute begegnen werde.

1. Ermittlung des Familienstammbaums. Viele Menschen versuchen, Ahnenforschung über ihre Familie zu betreiben, und gehen Jahrhunderte zurück, um ihre Ursprünge festzustellen. Manchmal ist diese Suche einfach, weil die Familie über viele Generationen im selben Land gelebt hat, vielleicht sogar in derselben Stadt. In anderen Fällen erfordert die Suche, den Ozean zu überqueren, vergrabene Aufzeichnungen auszugraben und in alten und verstaubten Büchern herumzustöbern. Die Ermittlung des Familienstammbaums ist ein Versuch, besser zu verstehen, wer wir sind. Jesus brauchte diese ganze Erforschung seines Stammbaumes nicht. Wenn es eines Nachweises bedürfte, könnten wir die Eckpfeiler seine Lebens nennen: es ist sein Bewusstsein, dass er vom Vater gekommen war und aus Gehorsam gegenüber dem Willen seines Vaters die menschliche Natur angenommen hatte. Auch wir kommen vom Vater, der uns erschuf. Auch wir haben hier auf Erden einen Auftrag zu erfüllen. Darin liegt der Sinn unseres ganzen Seins.

2. Gott ist immer treu. Die Ahnenforschung im Evangelium des Matthäus geht ganz zurück bis zu Abraham, unseren Vater im Glauben. Gott hatte Abraham eine Verheißung gegeben, die besagte, er würde ihn zum „Stammvater einer Menge von Völkern“ (Gen 17,4) machen. Matthäus will gleich zu Beginn seines Evangeliums klarstellen, dass Gott stets treu zu seinen Verheißungen steht. Jesus der Messias, der Sohn Davids und der Sohn Abrahams ist die Erfüllung von allem, was Gott verheißen hatte. Somit hat der heilige Petrus zu Recht erklärt: „Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.“ (Apg 4,12). Wenden wir uns Jesus zu, nicht nur um unseres ewigen Heils willen, sondern auch inmitten unserer täglichen Prüfungen und Sorgen? Ist er der ständige Bezugspunkt unseres Tages?

3. Zusammenfassung der Geschichte der Menschheit. Der Mensch war zu Großem geboren: er war nach dem Abbild Gottes, ihm ähnlich, geschaffen worden. Die Aufzählung der Namen in der Ahnentafel bei Matthäus gliedert sich in drei Gruppen, so, als wolle er eine Erläuterung der Menschheitsgeschichte geben. (1) Abraham vertiefte durch seinen Gehorsam den Bund mit Gott. Der Mensch wurde geboren und erhöht, ein König zu sein. (2) Doch schon bald stellte sich heraus, dass er ein Tyrann ist. Er missbrauchte die Freiheit, die Gott ihm gegeben hatte, war trotzig, war ungehorsam und kehrte seinem Schöpfer den Rücken. Mit Tränen in den Augen sah der Vater, wie sein verschwenderischer Sohn in die Verbannung geht. (3) Jedoch schrieb Gott die Geschichte der Menschheit nicht, um sie in einer Tragödie enden zu lassen. Er sandte seinen Sohn in die Welt, um dem Menschen zu helfen, seine Größe zurückzugewinnen: in größere Höhen aufzusteigen, auf dass die Menschen Söhne und Töchter Gottes werden. Geschichte ist nicht eine Straße, die nirgendwo hinführt. Sie hat ihr Ziel, nämlich unser Zusammensein mit Gott im Himmel. Deshalb schulden wir Gott allen Ruhm, Lob und Ehre jetzt und für immer.

Gespräch mit Christus:  Herr, deine Geburt an Weihnachten ist der Mittelpunkt und die Krönung der Geschichte der Menschheit. Ich danke dir für das Geschenk des Lebens, für die Aufgabe, mit der du mich betraut hast, für die mir gewährte Möglichkeit, meine Würde zurückzugewinnen, und schließlich dafür, dass du mich als dein Kind angenommen hast. Ich weiß um meine Schwachheit und den Sumpf, in den zu versinken ich fähig bin, aber auch um die Hilfe aus deiner Barmherzigkeit. Ich biete dir den heutigen Tag und jeden künftigen meines Lebens als Geschenk der Liebe an. Möge dir dieses Geschenk immer gefallen.

Vorsatz:   Heute will ich mein Gewissen prüfen und mich vorbereiten, eine gute Beichte abzulegen, damit mein Herz eine würdige Wohnung für das Jesuskind sein kann, das jetzt kommt.


Von Josef und Maria lernen

18. Dezember 2007

Dienstag der dritten Woche im Advent

P. Barry O’Toole LC

Mt 1,18-25
Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus.

Einführendes Gebet:   Herr, du weißt, dass alle Menschen Zeiten der Prüfung durchleben. Du stellst mir heute diese schwierige Lage der Heiligen Familie vor Augen, damit ich aus ihren Erfahrungen lernen kann. Ich glaube, dass du mir etwas über das Leben und den Weg, auf dem ich mich auf dein Kommen am Weihnachtsfest vorbereite, sagen willst. Ich vertraue auf deine Vorsehung und Liebe. Ich öffne dir mein Herz und meine Ohren, um dir mit neuem vom Heiligen Geist erfülltem Verstehen zuzuhören.

Bitte:  Herr, hilf mir zu verstehen, wie wichtig es ist zu erkennen, dass alles von deinen liebevollen Händen ausgeht, und ebenso zu erkennen, dass es wichtig ist, mit dir eng verbunden durch dick und dünn zu gehen.

1. Ein Blick ins Herz. „Was soll ich jetzt machen? Was bedeutet das alles mit dem Engel? Alles klappte so gut in unserer Beziehung und jetzt …. Warum sagte sie dem Engel nicht einfach, er solle uns in Ruhe lassen und alles wäre bestens gewesen“. Das sind einige der Gedanken, die Josef vielleicht durch den Kopf gegangen sein mögen, nachdem er von Marias Empfängnis erfahren hatte. Gottes Plan hatte sein Leben tatsächlich auf den Kopf gestellt. Wir alle haben solche Erfahrungen auf die eine oder andere Art in unserem Leben schon gemacht, wenn sich die Dinge nicht so entwickelt haben, wie wir es geplant hatten.

2. Blicke lieber zum Himmel. Was sollten wir tun, wenn Gottes Plan alles in unserem Leben durcheinander bringt? Wir müssen das tun, was Maria und Josef taten. Wir brauchen Vertrauen auf Gott und das Gebet um Einsicht und Stärke. Schließlich müssen wir unser Herz öffnen und Gott erlauben, das zu tun, was er will. Gottes Wege sind nicht immer leicht, aber sie sind immer die besten. Er weiß besser als wir, was wir am meisten brauchen und was uns und der Menschheit den größten Nutzen bringt. Vertraue ich Gott in allen Schwierigkeiten und Herausforderungen meines Lebens, oder beklage und bekämpfe ich ständig seinen Plan?

3. Das einzig Wichtige. Wie stehen wir zu all der Hektik, den Nervositäten und Mühen, die sich breit machen, wenn Weihnachten näher rückt, und die der Ferienzeit vorausgehen? Maria und Josef hatten zahlreiche Vorbereitungen für die Geburt des Gottessohnes zu treffen. Es war nicht so einfach wie an einem Tag oder an zwei Tagen ein Kinderbettchen und Kleidung für das Baby zu kaufen, den Raum vorzubereiten und etwas Spielzeug zu besorgen. Nazareth war so ein abgelegenes Nest, dass sie mit einem Esel in eine andere Stadt reisen mussten, um das kaufen zu können, was sie brauchten. Inmitten all dieser Vorbereitungen hat sie jedoch der „materielle“ Gesichtspunkt nicht vereinnahmt. Sie beteten unverändert wie vorher und arbeiteten als ein sich liebendes Paar zusammen, um Hindernisse zu bewältigen. Wir haben von dem Beispiel, das Maria und Josef uns geben, viel zu lernen.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich schäme mich, weil ich so ein Nörgler bin. Oft beklage ich mich über die Schwierigkeiten, die du zulässt. Ich sollte sie annehmen als Gabe deiner liebenden Hand und ich sollte sie nutzen als Teil der Reinigung von meinem Egoismus und meiner Sinnlichkeit. Ich will mehr wie Maria und Josef sein, die die Liebe zu dir und den Dienst für dich über alles andere stellten. Hilf mir, dass ich durch dieses Gebet jene Haltungen ändere, die dir nicht gefallen. Hilf mir auch, dass ich mein Leben in die richtige Richtung lenke, indem ich deinen heiligen Willen zum Mittelpunkt für alles, was ich tue, mache.

Vorsatz:   Heute will ich mich besonders anstrengen, anderen freudig zu dienen und mir nicht zu erlauben, dass auch nur ein einziges Wort des Nörgelns über meine Lippen kommt.


Gottes Wege sind nicht unsere Wege

19. Dezember 2007

Mittwoch der dritten Woche im Advent

P. Barry O’Toole LC

Lk 1,5-25
Zur Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester namens Zacharias, der zur Priesterklasse Abija gehörte. Seine Frau stammte aus dem Geschlecht Aarons; sie hieß Elisabet. Beide lebten so, wie es in den Augen Gottes recht ist, und hielten sich in allem streng an die Gebote und Vorschriften des Herrn. Sie hatten keine Kinder, denn Elisabet war unfruchtbar, und beide waren schon in vorgerücktem Alter. Eines Tages, als seine Priesterklasse wieder an der Reihe war und er beim Gottesdienst mitzuwirken hatte, wurde, wie nach der Priesterordnung üblich, das Los geworfen, und Zacharias fiel die Aufgabe zu, im Tempel des Herrn das Rauchopfer darzubringen. Während er nun zur festgelegten Zeit das Opfer darbrachte, stand das ganze Volk draußen und betete. Da erschien dem Zacharias ein Engel des Herrn; er stand auf der rechten Seite des Rauchopferaltars. Als Zacharias ihn sah, erschrak er, und es befiel ihn Furcht. Der Engel aber sagte zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört worden. Deine Frau Elisabet wird dir einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Johannes geben. Große Freude wird dich erfüllen, und auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn. Wein und andere berauschende Getränke wird er nicht trinken, und schon im Mutterleib wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein. Viele Israeliten wird er zum Herrn, ihrem Gott, bekehren. Er wird mit dem Geist und mit der Kraft des Elija dem Herrn vorangehen, um das Herz der Väter wieder den Kindern zuzuwenden und die Ungehorsamen zur Gerechtigkeit zu führen und so das Volk für den Herrn bereit zu machen. Zacharias sagte zu dem Engel: Woran soll ich erkennen, dass das wahr ist? Ich bin ein alter Mann, und auch meine Frau ist in vorgerücktem Alter. Der Engel erwiderte ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich bin gesandt worden, um mit dir zu reden und dir diese frohe Botschaft zu bringen. Aber weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die in Erfüllung gehen, wenn die Zeit dafür da ist, sollst du stumm sein und nicht mehr reden können, bis zu dem Tag, an dem all das eintrifft. Inzwischen wartete das Volk auf Zacharias und wunderte sich, dass er so lange im Tempel blieb. Als er dann herauskam, konnte er nicht mit ihnen sprechen. Da merkten sie, dass er im Tempel eine Erscheinung gehabt hatte. Er gab ihnen nur Zeichen mit der Hand und blieb stumm. Als die Tage seines Dienstes (im Tempel) zu Ende waren, kehrte er nach Hause zurück. Bald darauf empfing seine Frau Elisabet einen Sohn und lebte fünf Monate lang zurückgezogen. Sie sagte: Der Herr hat mir geholfen; er hat in diesen Tagen gnädig auf mich geschaut und mich von der Schande befreit, mit der ich in den Augen der Menschen beladen war.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube, dass du hier bei mir bist, sobald ich mich demütig deinem Thron nähere. Meine Niedrigkeit und menschliche Schwäche vor Augen habe ich fast Angst, in deine Gegenwart zu kommen. Ich vermute, dass ich am meisten fürchte, um was du mich heute bitten wirst. Ich möchte dich lieben, aber manchmal ist meine Liebe schwach und ich schieße am Ziel vorbei: Ich verliere mich in meinen alltäglichen Sorgen und Schwierigkeiten.

Bitte:  Hilf mir, Herr, mein Herz weiter zu öffnen, um deinen Willen liebend anzunehmen.

1. Das Portrait des Gerechten. Hier haben wir zwei gute, einfache und heilige Menschen, die ihren Glauben aktiv leben. Beide, Zacharias und Elisabeth, gehörten der Priesterklasse Israels an. Zacharias diente im Tempel und beachtete alle jüdischen Riten. So sind sie alt geworden und haben sich damit abgefunden, dass sie keine Kinder haben würden. Sie dachten, sie erfüllten Gottes Willen, wenn sie ihr Leben in ihrer kleinen Stadt führen, ohne weitere Ansprüche an das Leben zu stellen. Wenn es das ist, was Gott von ihnen wollte, so wären sie glücklich. Warum sollte man Dinge komplizierter machen als sie sind? Bin ich auch einer gewissen Selbstzufriedenheit verfallen und damit zufrieden, wie ich mein Leben führe? Gehe ich sonntags zur Kirche, bete vor den Mahlzeiten und und vor dem Schlafengehen und führe einfach ein rechtschaffenes Leben?

2. Der weggezogene Teppich. Gott kommt und schüttelt alles durch. Er bringt Zacharias aus dem Gleichgewicht, indem er ihm den Teppich unter den Füßen wegzieht. Er sagt dem Zacharias, dass er seine Aufgabe nicht voll erfüllt. Gott hat größere Pläne für diese Familie und bittet Zacharias um mehr Großzügigkeit und um eine Änderung seiner Pläne. Gott bietet diesem Paar an, was sie sich immer gewünscht hatten; aber statt auf große Freude trifft Gott plötzlich auf Widerstand und Unglauben. Es ist fast als ob Zacharias sagen wollte: „Schau Herr, ich bin glücklich mit den Dingen so, wie sie sind. Erschüttere nicht das Boot meines Lebens.“ Bin ich zu ängstlich, mich ein wenig für ein Apostolat oder eine soziale Aktion in meiner Gemeinde zu engagieren, nur weil es meinen bereits gefüllten Zeitplan kompliziert? Begreife ich, dass gerade eine solche Einstellung den Plan Gottes zur ewigen Rettung der Seelen vereitelt? Begreife ich, dass Gott durch meine Mitarbeit an seinem Plan Seelen retten möchte?

3. Nimm dir Zeit und denke darüber nach. Es ist offensichtlich, dass Zacharias und Elisabeth einige Zeit brauchten, um das zu überdenken und sich dem Gebet zu widmen. Gott machte Zacharias stumm; Elisabeth zog sich zurück. Sie brauchten Zeit und Gebet, um diese neue Offenbarung des Willen Gottes für ihr Leben annehmen zu können. Vielleicht muss ich auch in meiner Vorbereitung auf das Kommen Christi zu Weihnachten deren Beispiel folgen. Vielleicht muss ich das Tempo ein wenig drosseln und versuchen, mein Leben aus der Perspektive Gottes zu sehen. Was möchte Gott von mir? Was kann ich tun, um ein Gott gefälligeres Leben zu führen? Was kann ich tun, um ein Werkzeug für die Rettung der Seelen zu sein?

Gespräch mit Christus:  Herr, ich frage mich, ob ich all diesen Überlegungen genügend Bedeutung beigemessen habe. Vielleicht habe ich meine christliche Berufung nicht wahrhaft gelebt. Heute stehe ich vor dir. Ich möchte dich fragen: „Wie siehst du mein Leben? Gefällt es dir? Bist du mit meiner Lebensführung zufrieden? Du hast so viel für mich getan; was möchtest du, dass ich für dich tue?“

Vorsatz:   Heute will ich versuchen, mein Herz dem Willen Gottes vollständiger und großzügiger zu öffnen, um was auch immer er mich bitten möge.


Die wahre Ankunft

20. Dezember 2007

Donnerstag der dritten Woche im Advent

P. Barry O’Toole LC

Lk 1,26-38
Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

Einführendes Gebet:   Herr, so wie du in Marias Leben eingetreten bist, indem du deinen Engel gesandt hast, wünsche auch ich mir, dass du heute in mein Leben eintrittst. Ich glaube, dass du auf diesen Augenblick gewartet hast, um bei mir zu sein. Ich habe mich auch nach diesem Moment der „Wiederherstellung“ gesehnt. Ich hoffe auf deine Güte und Barmherzigkeit, denn was wäre mein Leben ohne dich, Herr? Ich möchte diese Zeit mit dir als Zeichen meiner Liebe zu dir verbringen. Ich möchte immer mehr Dein sein, so wie du selbst dich mir gegeben hast.

Bitte:  Herr, hilf mir, meinen Egoismus zu überwinden und dir zu erlauben, in mein Leben einzutreten.

1. Die Logik der Liebe. Wenn uns jemand körperlich oder moralisch verletzt, wie reagieren wir dann gewöhnlich? Im Allgemeinen versuchen wir, uns von dieser Person zu distanzieren. Manchmal schaffen wir Abstand, in dem wir zurückschlagen und unsere Macht zeigen, um so die andere Person zur Flucht zu veranlassen. Ein andermal fliehen wir selber oder schrecken zumindest zurück und versuchen, uns zu schützen oder uns selbst aus der Gefahr zu begeben. Im Endeffekt sind wir egoistisch: Wir denken zuerst an uns selbst. Gott ist anders, weil er uns wirklich liebt. Wenn der Mensch Gott durch eine Sünde verletzt, Gottes Liebe den Rücken zuwendet, sich an einen fernen Ort zurückzieht und Gott aus seiner Welt streicht, kommt Gott und sucht ihn. Dies ist die eigentliche Bedeutung von Weihnachten. Der Mensch denkt, dass er Gott im Himmel „eingehegt“ hat, während er sich selbst vor den Himmelstoren aussperrt. Aber Gott erniedrigt sich selbst, wird Mensch und kommt vom Himmel, um das Tor von außen für uns wieder zu öffnen. Er tut dies nicht um seiner selbst willen, denn es gibt nichts, was der Mensch Gott geben kann, das er nicht schon hat. Gott tut dies um des Menschen willen, denn ohne Gott ist der Mensch eine leere Hülle, ein Nichts.

2. Eine Verwandlung des Herzens. Warum lehnen wir Gott ab? Es gibt einen schönen Text in der Karfreitags-Liturgie, die diese Frage stellt: „Mein Volk, was habe ich dir getan, womit nur habe ich dich betrübt? Antworte mir. Was hätte ich dir mehr tun sollen und tat es nicht? Aus der Knechtschaft Ägyptens habe ich dich herausgeführt, du aber bereitest das Kreuz deinem Erlöser. Ich habe vor dir einen Weg durch das Meer gebahnt, du aber hast mit der Lanze meine Seite geöffnet. Ich habe dir ein Königszepter in die Hand gegeben, du aber hast mich gekrönt mit einer Krone von Dornen. Ich habe dich erhöht und ausgestattet mit großer Kraft, du aber erhöhtest mich am Holz des Kreuzes. Mein Volk, was habe ich dir getan, womit nur habe ich dich betrübt? Antworte mir.“ (Improperien am Karfreitag). Unser wirkliches Problem ist unser Egoismus. Wir denken an uns, bevor wir an Gott oder sonst jemanden denken. Wir betrachten Gottes Gebote als einen Eingriff in „unsere“ Freiheit (in unser Verlangen, unseren Launen und Begierden zu folgen). Gott wird zum Tyrann, den wir aus unserem Leben entfernen müssen, um „glücklich“ zu sein. Wir weisen Gott aus unserem Leben aus; wir rufen „kreuzige ihn!“ Mit Tränen in den Augen und einem schweren Herzen lässt er es zu, gekreuzigt zu werden. Das ist wahre Liebe, die unsere Freiheit anerkennt. Er sendet jedoch seinen Heiligen Geist, der unaufhörlich an die Tür unseres Herzens klopft, uns bittet, umzukehren und ihn wieder in unser Leben zu lassen.

3. Maria unser Vorbild. Maria ist das perfekte Vorbild für den Menschen, der so ist, wie Gott ihn haben will. Gott sendet einen Engel, um an der Tür von Marias Leben anzuklopfen. Auch wenn sie erschrocken und ängstlich ist, hört sie den Boten Gottes an. Ohne alle Folgen von Gottes Plan zu erfassen, nimmt sie ihn im Glauben an, weil sie versteht, dass Gott das so möchte. Sie liebt Gott wirklich mehr als sich selbst. Sie sucht nur zu erfüllen, was Gott gefällt, ohne sich selbst zu fragen, was dies für sie bedeuten könnte. Sie verfügt über ein liebendes Vertrauen, einen Glauben, dass Gott nichts anderes als das Beste für seine geliebte Tochter wünschen kann. Das ist es, was Gott von jedem von uns erwartet. Er bittet uns einfach, seinem Plan zuzustimmen; er wird sich um den Rest kümmern. Dies erfordert eine tägliche Umkehr zu Gott und eine tägliche Annahme seines Willens in unserem Alltag. Das ist mit dem gemeint, was Maria tat, als sie alles in ihrem Herzen bewahrte, was geschehen war (Lk 2,51).

Gespräch mit Christus:  Herr, um deinen Plan auszuführen, reisen Maria und Joseph nach Bethlehem. Als sie ankommen, suchen sie nach einem würdigen Ort für die Geburt des Messias, und sie werden zurückgewiesen. Hilf mir, einen Platz für dich in meinem Herzen vorzubereiten, damit, wenn du kommst und diese Weihnachten an die Tür meines Lebens klopfst, ich bereit bin, dir diese Tür zu öffnen, damit du dort geboren werden kannst. Hilf mir, Marias Vorbild nachzuahmen und für deinen Sohn meine bescheidene Bleibe zu bereiten. Auf diese Weise werde ich den Reichtum erleben können, der in der Betrachtung der Schönheit des zarten Kindes, des Erlösers der Welt, zu finden ist.

Vorsatz:   Ich will heute die Jungfrau Maria kurz besuchen und sie bitten, mich zu lehren, wie ich widerstandslos den Willen Gottes annehmen und erfüllen kann.


Vom Bettler zum Wohltäter

21. Dezember 2007

Freitag der dritten Woche im Advent

P. Barry O’Toole LC

Lk 1,39-45
Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.

Einführendes Gebet:   Herr, du kennst mein wahres Leben und weißt, wie sehr ich deiner Gnade bedarf. Ich glaube, dass du mich liebst und das Beste für mich willst. Ich möchte auch auf deine Liebe antworten und bitte dich daher demütig um deine heiligende Gnade. Wenn ich die Wunder betrachte, die du in Marias und Elisabeths Leben vollbracht hast, sehne ich mich danach, ihre Gesinnungen und Überzeugungen nachzuahmen, so dass es dir möglich sein wird, mein Leben zu verwandeln.

Bitte:  Herr, mache mich zu einem Werkzeug deiner Gnade und deines Friedens.

1. Genau vor die Haustür. Nachdem Maria die Botschaft Gottes für ihr Leben empfangen hatte, wird sie Botin Gottes für ihre Cousine Elisabeth. In einer derart kurzen Zeit hat Maria sehr viel von ihrem Sohn gelernt. Sie bringt Christus gleich zu Elisabeths Haustür und klopft an. Ohne Elisabeths Zustimmung kann Maria nicht weiter gehen. Elisabeth versteht sofort, dass dies mehr als ein Höflichkeitsbesuch ist. Ihr Kind, Johannes der Täufer, hilft ihr, dies zu verstehen, als er vor Freude hüpft, sobald er Marias Stimme hört und die Gegenwart Christi wahrnimmt. Elisabeth erlaubt ihnen, ihr Haus zu betreten, und Maria und Jesus beginnen, dieses Familienleben zu verwandeln. Johannes und Elisabeth werden vom Heiligen Geist erfüllt und Elisabeth wird sogleich ein Apostel und Prophet Gottes.

2. Die Zusammenarbeit zwischen Gott und den Menschen. Maria ist immer bereit zu helfen, weil sie so demütig ist. Trotz der Tatsache, dass sie auch schwanger ist, zögert sie nicht, kleine Liebesdienste auszuführen sowie bei den alltäglichen Hausarbeiten zu helfen. Maria war auch ein Werkzeug des Heiligen Geistes, als sie ihre Arbeit in Angriff nahm, ebenso auch Elisabeth. Mit ihnen konnte der Heilige Geist die Herzen anderer berühren und deren Verwandlung mit Hilfe heiligender Gnade erreichen. Habe ich ein solches Maß an Heiligkeit erlangt, dass auch ich ein wirksames Werkzeug Gottes für meine Mitmenschen werden kann?

3. Das spontane Magnifikat. Die Gegenwart Gottes in Marias und Elisabeths Seele ist auf zweierlei Weisen erkennbar. Erstens, beide preisen Gott für die wunderbaren Dinge, die er in ihrem Leben tat: Elisabeth preist Maria, dass sie den Erlöser in ihr Leben gebracht hat und dass ihr Kind mit dem Heiligen Geist erfüllt wurde, noch bevor es geboren ist. Maria ihrerseits preist Gott in ihrem wunderschönen Gebet des Magnifikats. Zweitens, Elisabeth und Maria werden die ersten Zeugen von der Ankunft des Messias. Jede wahre Begegnung mit Christus führt uns notwendigerweise dazu, seine Apostel zu werden. Bin ich auch Christus begegnet im Gebet, in den Sakramenten und in meinem Dienst am Nächsten? Habe ich anderen geholfen, Gottes liebende Gegenwart in ihrem Leben zu erfahren?

Gespräch mit Christus:  Herr, während dieser Zeit des Gebetes möchte ich in eine engere Beziehung zu dir treten. Ich möchte deine liebende Gegenwart bei der täglichen Arbeit erfahren. So wie der Heilige Abend näher kommt, möchte ich in Liebe zu dir wachsen. Ich möchte diese Liebe mit anderen teilen, indem ich deine Sanftmut und Demut nachahme. Bitte gehe an diesem Weihnachtsfest nicht an mir vorbei, ohne mir diese Gnaden zu gewähren. Verwandle diese Bitte, das Flehen dieses Bettlers, in den Schatz eines Wohltäters für andere.

Vorsatz:   Heute will ich danach streben, meine Erfahrung von Gott mit mindestens einer Person, der ich begegne, zu teilen.


Wohlwollen ist der Schlüssel.

22. Dezember 2007

Samstag der dritten Woche im Advent

P. Barry O’Toole LC

Lk 1,46-56
In jener Zeit sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Einführendes Gebet:   Herr, ich liebe dich, weil du mich zuerst geliebt hast. Du hast mich deine fürsorgende Hand in so vielen Ereignissen meines Lebens erkennen lassen; wie kann ich nicht an dich glauben? Diese Tage des Advents sind so schnell vorbei gegangen. Du bist schon fast an meiner Türschwelle, bereit anzuklopfen. Ich möchte an Weihnachten für dein Kommen gerüstet sein. Daher bringe ich meine demütige Bitte vor dich.

Bitte:  Herr Jesus, du bist allmächtig: mache aus mir einen Heiligen.

1. Das Schlüsselwort. Das Magnifikat, ja sogar die ganze Geschichte der Erlösung, kann in dem Wort „Wohlwollen“ zusammengefasst werden. Das ist das wahre Weihnachtsmotiv. Gott schaut mit Wohlwollen auf die Menschheit. Manchmal sehen wir unser geistliches Leben als ein Bemühen an, das wir auf uns nehmen, um Gott gefällig zu werden und um dadurch seinen Segen auf uns zu ziehen. Das würde bedeuten, dass wir in gewisser Weise unser eigenes Wachsen in Heiligkeit bewirken. Das ist jedoch nicht der Fall: Gott ist uns niemals „verpflichtet“, uns seine Gnade zu gewähren. Wir haben keinen Anspruch gegenüber Gott. Unser geistliches Leben sollte darin bestehen, uns vor Gott als die zu zeigen, die wir wirklich sind: Sünder. Indem wir unsere Schwäche vor seine Allmacht bringen, ziehen wir sein Wohlwollen herab, so dass er uns aus unserer Armseligkeit befreit und uns als seine Kinder annimmt. Dies ist geschehen als er „auf die Niedrigkeit seiner Magd“ geschaut hat.

2. Er wollte einer von uns zu werden. Um uns seine unermessliche Liebe zu zeigen, wird Gott einer von uns. Liebe lässt uns danach verlangen, der Person, die wir innig lieben, ähnlicher zu werden. Wie konnte Gott seinem geliebten Geschöpf ähnlicher werden? Er wurde nicht nur Mensch, sondern er teilte das Schicksal der Ärmsten der Armen. Nur sehr wenige, auch kaum Sozialhilfeempfänger, wurden in einem Stall geboren. Wie viele Babies werden in einen Futtertrog einer Kuh oder eines Pferdes gelegt? Genau dies ist eine Krippe. Obwohl er reich war (er war der allmächtige Gott), wurde er arm, um uns durch seine Armut zu bereichern. Wir sollten uns selbst fragen, was wir tun, um unserem Geliebten ähnlicher zu werden. Was machen wir, um Christus nachzuahmen? Haben wir gelernt, unsere Launen und Begierden abzulegen, um Dinge zu tun, die unserem Ehepartner, unseren Kindern oder Eltern gefallen? Das ist die Art und Weise, wie wir uns selbst auf ein gnadenreiches Weihnachten vorbereiten.

3. Unerschöpflicher Segen. Der Rest des Magnifikats ist eine Verherrlichung Gottes in der Erkenntnis, dass er denen sein Wohlwollen schenkt, die ihn lieben. Alle Generationen werden uns „selig“ preisen. Gott wird die Macht seines Armes zeigen, er wird die Niedrigen erhöhen und die Hungernden mit guten Gaben beschenken. Wir haben wirklich so viel bekommen, für das wir dankbar sein sollten. Das Beste, das uns passieren kann, ist, „Gott aufzufallen“, seine Aufmerksamkeit auf unsere Armseligkeit und unsere Schwäche zu ziehen und ihm zu erlauben, die Schätze seines Reiches an uns zu verschwenden. Dann werden wir für immer den Lobpreis seiner Herrlichkeit singen.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich bereite meine Seele auf dein Kommen an diesem Weihnachtsfest vor und lade dich ein, in meine bescheidene Wohnung einzutreten. Bitte gehe nicht vorüber, ohne meiner armen Seele deine Gnaden zu verleihen. Ich bedarf deiner Gnade. Ich werde heute unser Zusammensein nicht beenden, ohne zuvor wenigstens einen Krümel von deinem Gastmahl mitzunehmen. Erlaube mir, dir zu danken und dich zu preisen für deine grenzenlose Barmherzigkeit, mit der du auf mich schaust.

Vorsatz:   Heute will ich mich bemühen, die heilige Messe zu besuchen, und wenn möglich, auch die heilige Kommunion zu empfangen.