Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 16. September 2007 bis Samstag 22. September 2007

Vierundzwanzigste Woche im Jahreskreis

P. Shane Lambert LC

Verloren und wiedergefunden Sonntag
Befehlen gehorchen Montag
Christus ist mein Leben Dienstag
Tanzen oder Weinen Mittwoch
Größere Liebe, größere Vergebung Donnerstag
Arzt der Seelen Freitag
Der Glaube, wertvoller als das Leben Samstag


16. September 2007

Vierundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis
Verloren und wiedergefunden

P. Shane Lambert LC

Lk 15,1-10
Alle Zöllner und Sünder kamen zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich glaube, dass du in diese Welt gekommen bist, um uns Sünder zu erlösen. Ich hoffe auf dich und deine Macht, die meine Seele durch deine Gnade von der Sündhaftigkeit zur Heiligkeit verwandeln kann. Herr, ich liebe dich, weil du mich zuerst geliebt hast.

Bitte:  Herr, befreie mich von meinen sündhaften Gewohnheiten; lehre mich die Tugend, damit ich in der Gemeinschaft mit dir und den Heiligen der Kirche bleibe.

1. „Dieser Mann gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.“ Jesus will mit uns Mahl halten. „Alle Zöllner und Sünder kamen zu Jesus, um ihn zu hören.“ Mit anderen Worten, mein Herr und Erlöser schaut nicht auf meine Unwürdigkeit – er will mit mir sprechen. Das zieht mich an – ich kenne meine Schuld und doch fühle ich mich nicht von ihm verurteilt – und darum komme ich zu ihm, um ihn zu hören. So oft suche ich nur meinen Vorteil; ich nehme gern einen Gefallen von anderen an, ja verlange ihn sogar manchmal und schaue dabei aber nicht, was die anderen oder die Allgemeinheit brauchen. Oft ist da kein großer Unterschied zwischen meinem Lebensstil und dem der Zöllner oder Sünder. Jesus ist bereit, sich zu erniedrigen und sich an meinen Tisch zu setzen; trotz der Kritik und dem Tadel setzt er sich für mich ein. Ich kann Jesus auf seinem Niveau begegnen, weil er sich auf mein Niveau erniedrigt hat, um mich zu erheben. „Das Ostergeheimnis hat zwei Seiten: Durch seinen Tod befreit uns Christus von der Sünde, durch seine Auferstehung eröffnet er uns den Zugang zu einem neuen Leben. Dieses besteht zuerst in der Rechtfertigung, die uns wieder in die Gnade Gottes versetzt, 'damit, wie Christus ... von den Toten auferweckt wurde, auch wir in einem neuen Leben wandeln‘'' (KKK 654).

2. „Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war.“ Für Christus ist jede Seele wertvoll. Jede Seele wurde von ihm erschaffen, nach Gottes Bild und Gleichnis. Sein Erbarmen ist in dieser Zeit überreich, und so gibt es keine Sünde, die von der unendlichen Liebe des Erlösers nicht erreicht werden kann. Christus hat sein Blut vergossen, er hat sein Leben hingegeben, ging durch den Tod hindurch, um jene Seelen zu retten, die in ihren Sünden gestorben sind, und ihnen das Leben neu zu schenken. Wir müssen nur auf die Stimme des Hirten hören, die nach uns ruft und uns dort findet, wo wir sind. Ich muss mich nur finden lassen, mich in seine Arme nehmen lassen, die Dunkelheit und Angst in mir durch die Wärme seines Lichts vertreiben lassen, wenn er mich zur Herde zurückbringen will. „Die Rechtfertigung besteht im Sieg über den durch die Sünde verursachten Tod und in der neuen Teilhabe an der Gnade“ (KKK 654). Jede Sünde, die gebeichtet wird und jede Tugend, die erlangt wird, ist ein Sieg der Gnade Gottes in meiner Seele.

3. „Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte.“ In Christus ist Gemeinschaft. Kein Christ steht alleine da. Gottes Gnade in einer Seele strahlt auf andere aus. Das ist die Frucht, die Christus durch die Erlösung gebracht hat: die Seele wird mit seinem mystischen Leib vereinigt. Dadurch entsteht Freude zwischen den Gliedern von Christi Leib und ich soll diese Freude weitergeben. Und so können die anderen den Vater im Himmel preisen, wenn immer das Licht der Gnade Gottes in meinen guten Werken durchscheint (Mt 5), und auch ich soll Gott preisen, wenn immer ich seine Güte in den anderen entdecke. „Die Rechtfertigung vollzieht die Annahme zu Söhnen Gottes, denn die Menschen werden Brüder Christi. Jesus selber bezeichnet nach der Auferstehung seine Jünger als seine Brüder: Geht und berichtet es meinen Brüdern. Wir sind seine Brüder nicht durch die Natur, sondern die Annahme an Kindes statt gewinnt uns eine wahre Teilhabe am Leben des einzigen Sohnes, welches bei seiner Auferstehung in seiner ganzen Fülle offenbar wurde.“ (KKK 654)

Gespräch mit Christus:  Herr, ich erkenne, dass du mich nicht verurteilst, solange ich auf deine Stimme höre und ihr antworte. Bitte schenke mir weiterhin deine barmherzige Gnade, damit dein Ruf zur Heiligkeit im Leben meiner Seele den Sieg erringen wird. Lass mich dich mit den anderen lobpreisen.

Vorsatz:   Heute will ich ganz bewusst eine Tugend üben, die mit einer meiner sündhaften Gewohnheiten bricht.


Befehlen gehorchen

17. September 2007

Montag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Shane Lambert LC

Lk 7,1-10
Als Jesus diese Rede vor dem Volk beendet hatte, ging er nach Kafarnaum hinein. Ein Hauptmann hatte einen Diener, der todkrank war und den er sehr schätzte. Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige von den jüdischen Ältesten zu ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten. Sie gingen zu Jesus und baten ihn inständig. Sie sagten: Er verdient es, dass du seine Bitte erfüllst; denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut. Da ging Jesus mit ihnen. Als er nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, schickte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Deshalb habe ich mich auch nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden. Auch ich muss Befehlen gehorchen und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Jesus war erstaunt über ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden. Und als die Männer, die der Hauptmann geschickt hatte, in das Haus zurückkehrten, stellten sie fest, dass der Diener gesund war.

Einführendes Gebet:   Herr, du bist mein Gott und ich dein Geschöpf. Ich glaube, dass du mein Herr bist, wie du der Herr der ganzen Schöpfung bist. Ich hoffe auf deine Güte und Stärke. Du hast alles aus dem Nichts erschaffen, darum glaube ich, dass du alles, was existiert, erneuern kannst. Ich liebe dich, Herr, denn du hast mich zuerst geliebt. Du liebst alle.

Bitte:  Herr, vermehre meine Nächstenliebe.

1. „Er schickte einige von den jüdischen Ältesten zu ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten.“ Trete auch ich für andere ein? Liebe ich wirklich? Ich bin mit diesem Heiden konfrontiert, der seinen Diener retten will. Wie sieht es mit mir aus? Wann habe ich mich das letzte Mal für jemanden eingesetzt? Dieser Heide war ein römischer Hauptmann, vielleicht mit einem brutalen Charakter; sein Diener war sein Diener. Und doch empfand er eine väterliche Liebe zu denen, die ihm anvertraut waren, sein Diener war für ihn mehr Sohn als Diener. Vielleicht hatte er keinen Glauben, und doch spürte er in seinem Gewissen den Ruf zur Liebe. Und ich, der ich ein Christ bin – welche Werke bezeugen meinen Glauben? Der Katechismus lehrt: „Durch seine Vernunft vernimmt der Mensch die Stimme Gottes, die ihn drängt, ‚das Gute zu lieben und zu tun und das Böse zu meiden‘ (GS 16). Jeder Mensch ist zum Gehorsam gegenüber diesem Gesetz verpflichtet, das im Gewissen ertönt und in der Liebe zu Gott und zum Nächsten erfüllt wird. Im sittlichen Handeln zeigt sich die Würde des Menschen.“ (KKK 1706)

2. „Herr, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst.“ Liebe verlangt Demut. Ich kann nicht lieben, wenn ich mich höher als andere einschätze. Stolz ist unfruchtbar, Demut ist keine reine Erniedrigung. Vielleicht erkenne ich, dass gewisse Situationen von mir nicht bewältigt werden können und ich rufe nach Gottes Hilfe. Aber ist mein Fürbittgebet effektiv? Die Frage ist, ob ich gegenüber Gott hochmütig bin, ob ich meine, dass er mir immer wie ein Diener zur Verfügung stehen muss, oder ob ich Gott in Demut als meinen Herrn anerkenne, der unendlich größer und barmherziger ist als ich; eine Quelle der Güte, die mich und andere retten kann. Der Hauptmann, der liebte, hielt sich weder für höher als sein Diener, noch hatte er die Meinung, dass seine Bitte aufgrund seiner hohen Stellung erhört werden muss. Er setzte sein Vertrauen auf die Güte und Macht Gottes, nicht auf seine eigene Stärke. Auch hier lehrt der Katechismus: „‚Das Gebet ist die Erhebung der Seele zu Gott oder eine an Gott gerichtete Bitte um die rechten Güter‘. Von woher sprechen wir, wenn wir beten? Von der Höhe unseres Stolzes und unseres Eigenwillens herab oder ‚aus der Tiefe‘ eines demütigen und reuigen Herzens? Wer sich erniedrigt, wird erhöht. Die Demut ist die Grundlage des Betens, denn ‚wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen‘. Um die Gabe des Gebetes zu empfangen, müssen wir demütig gesinnt sein: Der Mensch ist vor Gott ein Bettler“. (KKK 2559)

3. „Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden.“ Die Liebe ist eine Entscheidung. Die Liebe gehorcht dem, was gut ist. Die Liebe gibt sich selbst. Die Liebe überwindet Schwierigkeiten. Die Liebe hat keine Angst vor Gott. Die Liebe erfleht Gottes Liebe. Die Liebe glaubt. Der Hauptmann glaubt an die Autorität. Für das, was gut ist, kann man sich entscheiden. Der Gehorsam bringt Früchte hervor. Einer, der zu gehorchen weiß, besitzt moralische Autorität. Der Hauptmann kann das Gute befehlen, wie er sich auch dem Herrn Jesus Christus unterwerfen kann. Und wie sieht mein Leben aus? Verleiht mir meine Gewissenstreue Autorität vor den anderen? Ist meine Liebe so stark, dass Gott meine Gebete erhören muss? „Die Freiheit ist die in Verstand und Willen verwurzelte Fähigkeit, zu handeln oder nicht zu handeln, dieses oder jenes zu tun und so von sich aus bewusste Handlungen zu setzen. Durch den freien Willen kann jeder über sich selbst bestimmen. Durch seine Freiheit soll der Mensch in Wahrheit und Güte wachsen und reifen. Die Freiheit erreicht dann ihre Vollendung, wenn sie auf Gott, unsere Seligkeit, ausgerichtet ist.“ (KKK 1731)

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, hilf mir, fest zu glauben und meinen Nächsten tief zu lieben. Lehre mich, meine Freiheit mit der moralischen Autorität eines Menschen zu nutzen, der immer das Gute wählt: die Gottes- und Nächstenliebe. Lass mich nie daran zweifeln, dass du die Seelen, für die du dein Blut vergossen hast, segnen und retten willst.

Vorsatz:   Ich will eine Gelegenheit suchen, wo ich ganz bewusst jemandem helfen kann, der in Not ist.


Christus ist mein Leben

18. September 2007

Dienstag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Shane Lambert LC

Lk 7,11-17
Einige Zeit später ging Jesus in eine Stadt namens Naïn; seine Jünger und eine große Menschenmenge folgten ihm. Als er in die Nähe des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie. Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht! Dann ging er zu der Bahre hin und fasste sie an. Die Träger blieben stehen und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf! Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück. Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen. Und die Kunde davon verbreitete sich überall in Judäa und im ganzen Gebiet ringsum.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube, dass mein Leben vom Beginn meiner Schöpfung bis zu meinem letzten Tag in deinen Händen liegt. Herr, ich hoffe auf dich, denn du hast meinem Leben Sinn verliehen. Herr, ich liebe dich, weil du mich so sehr liebst. Rette mich und die, die ich liebe, für das ewige Leben!

Bitte:  Herr, mach, dass ich immer für dich lebe und sterbe.

1. „Weine nicht.“ Es gibt viele Gründe für Verzweiflung. Für so viele Schwierigkeiten im Leben gibt es kein menschliches Heilmittel. Besonders, wenn es um Leben und Tod geht, erlebe ich mich zu schwach, um anderen zu helfen. Die Liebe aber, die ich im Herzen trage, leidet mit denen, die jemanden verlieren. Jesus aber bietet eine andere Sichtweise: „Weine nicht.“ Seine unendliche Macht befreit uns aus tragischen, menschlichen Begrenztheiten. „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind“ (Röm 8,28). Jesus ruft mich vor allem dazu auf, zu hoffen gegen alle Hoffnung. Er handelt, er tritt als Erlöser für mich ein. Dieses „Weine nicht“ hat das Gewicht eines Befehls. Wie endgültig Leiden und Tod auch erscheinen mögen, letztlich offenbart Jesus eine Leben spendende Liebe: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal“ (Offb 21,4). Die Witwe von Naïn empfängt eine unbegreifliche Gnade in ihrem Leid. Auch ich soll auf Christi Liebe zu mir und meinen Lieben vertrauen.

2. „Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf!“ Jesus tröstet mich nicht, indem er mir meine Gefühle nimmt, oder indem er bewirkt, dass ich die Dinge anders sehe, als sie in Wirklichkeit sind. Wenn ich jemanden verliere, den ich sehr liebe, bin ich wirklich traurig. Doch Christus kommt, um das zu erneuern, was verloren war. Er nimmt wirklich die Ursache von Schmerz und Pein weg: „Denn ich, der Herr, bin dein Arzt.“ (Ex 15,26) Als Jesus zur Witwe von Naïn sagt: „Weine nicht“, macht er ihr damit nicht den Vorwurf, eine gefühlsbetonte Frau zu sein, die die Dinge zu ernst nimmt. Ganz im Gegenteil! Jesus empfindet für sie tiefes Mitleid über den Verlust ihres Sohnes. Der Erlöser kommt nicht und nimmt ihr ihr Mutterherz weg; jedoch verhilft der Retter ihrem liebendem Herzen zu neuem Leben, als er zu ihrem Sohn spricht: „Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf!“ Darum sollte ich von ganzem Herzen und ganzer Seele der Hoffnung gehorsam sein. Mein Leben liegt in Gottes Händen. Wenn ich lebe, lebe ich für Christus; wenn ich sterbe, sterbe ich für Christus (vgl. Röm 14,8). Mein Leben für Christus! Christus ist mein Leben.

3. „Gott hat sein Volk besucht.“ Bei seiner Geburt wird der Sohn Gottes, der unsere Menschennatur angenommen hat, „Emmanuel“ genannt: „Gott mit uns“. Unser Retter wird uns gleich nicht nur im Leben und in der Gnade; er wird für uns zur Sünde und gibt sein Leben hin, um uns zu erlösen. „Gott hat sein Volk besucht“ trifft auch auf die Sünder zu: jene, die den Tod als letzte Folge der Sünde, der Erbsünde wie der persönlichen Sünden, erleiden. Ich kann jubeln, denn Gott findet mich, wo ich bin, er heilt mich und macht mich neu für das ewige Leben. Wenn ich soviel Liebe bekommen habe, sollte ich mit Liebe darauf antworten. Christus hat sein Leben für mich hingegeben. Christus ist mein Leben. Ich sollte die Liebe Christi zu anderen bringen; so wie ich sie erfahren habe.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich vertraue deiner Fürsorge mein ganzes Leben und das Leben meiner Lieben an. Lass mich in der Liebe zu dir wachsen, damit ich bis zum letzten Tag meines Lebens in deiner Gnade lebe, welche zum ewigen Leben führt. Lass mich auf deine Auferstehung hoffen, wenn ich dir meine alltäglichen Leiden aufopfere.

Vorsatz:   Ich will heute bei einem Gespräch mit jemandem über das Leben als Weg sprechen, der uns für den Himmel vorbereiten und dorthin führen soll.


Tanzen oder Weinen

19. September 2007

Mittwoch der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Shane Lambert LC

Lk 7,31-35
Mit wem soll ich also die Menschen dieser Generation vergleichen? Wem sind sie ähnlich? Sie sind wie Kinder, die auf dem Marktplatz sitzen und einander zurufen: Wir haben für euch auf der Flöte (Hochzeitslieder) gespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint. Johannes der Täufer ist gekommen, er isst kein Brot und trinkt keinen Wein und ihr sagt: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagt ihr: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder! Und doch hat die Weisheit durch alle ihre Kinder Recht bekommen.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich glaube, dass du in diese Welt gekommen bist, um mein Freund zu werden. Ich hoffe, dass du mich lehrst, mich über das zu freuen, was dir gefällt und über das zu weinen, was dich verletzt. Ich liebe dich und deine Weisheit.

Bitte:  Herr, vermehre meine Liebe, damit ich dein treuer Freund sein kann, ob es mir nun gut geht oder ob ich in Not bin.

1. „Mit wem soll ich also die Menschen dieser Generation vergleichen?“ Erkenne ich, dass es Christus ist, der diese Frage stellt? Es ist ein Fehler, wenn wir glauben, dass Gott unsere Welt nicht wahrnimmt. Manche Menschen meinen in ihrem Agnostizismus, dass der Schöpfer die Welt erschaffen hat und sich dann nicht mehr um sie gekümmert hat – und darum ist es unwichtig, was wir tun, denn Gott ist es egal, er achtet gar nicht darauf. Welch großer Irrtum! Das Wort Gottes ist in sein Eigentum gekommen (Joh 1,10-11) – auch wenn diese Generation ihn nicht erkennt. Gott ist Vater. Die Seelen, die er erschafft, sind seine Kinder. Jede „Generation” gehört ihm. „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat.“ (Joh 3,16) Selbst der von Ewigkeit her gezeugte Sohn des Vaters gehört zu uns Menschen. Er ist ein Augenzeuge des Himmels, zu uns auf die Erde gekommen. Was sieht er? Er sieht mich. Er ruft mich. Er beurteilt mein Verhalten. Womit wird er mich vergleichen? Welche inneren Haltungen meines Herzens würde er auf dem Marktplatz ans Licht bringen? Vielleicht tanze ich oder vielleicht weine ich – ja vielleicht bin ich völlig uneinsichtig gegen die Stimme des Heiligen Geistes. Wie antwortet mein Herz auf seine Einladungen? Was bin ich für ein Kind? Zu welcher Generation gehöre ich?

2. „Sie sind wie Kinder, die auf dem Marktplatz sitzen und einander zurufen“ Sie sind wie Kinder, sagt Jesus, und meint damit auch uns. Auch wenn wir Gott oft vergessen, sind wir dennoch berufen, seine Kinder zu sein. Wenn Gott Sohn auf uns schaut, dann sieht er in uns die Kinder Gottes, unseres Vaters. Ob ich nun verloren oder wiedergefunden bin, Gott, der als mein Erlöser gekommen ist, sieht in mir weiterhin sein Kind. Und wenn ich eines Tages auf das, was Christus sagt, höre und es beherzige, wird mich der Heilige Geist wirklich erneuern, wird er mir die Macht geben, Kind Gottes zu werden. (Joh 1,12-13). „Sie sind wie Kinder, die auf dem Marktplatz sitzen und einander zurufen.“ Christus macht deutlich, dass nicht alle Kinder auf dieselbe Weise antworten. Manche hören einen Aufruf zur Trauer, andere hören einen Aufruf zur Freude. Wieder andere – die Hartherzigen – weigern sich, zu lachen oder zu weinen. Für sie bedeutet Lachen Verrücktheit oder Trunkenheit, und Weinen entsteht aus einer kindischen Einbildungskraft. Welch Zynismus! Wie lächerlich! Welch eine Geringschätzung jener, die noch Sinn im Leben erfahren! Welch gefährliche Haltung, wenn ich diese Mentalität in mein Herz eindringen lasse. Es besteht wirklich die Gefahr, dass wir nicht mehr verstehen, warum wir die, die leiden, trösten sollen, warum wir mit den Fröhlichen lachen sollen, oder warum wir Gottes Gnade unser Herz aus Stein aufbrechen lassen sollen.

3. „Und doch hat die Weisheit durch alle ihre Kinder Recht bekommen.“ Es spielt keine Rolle, wie wir unsere Berufung als Kinder Gottes bewältigen, solange wir uns von Gott immer wieder neu das Leben schenken lassen. Die Weisheit wird uns rechtfertigen. „Anfang der Weisheit ist die Gottesfurcht, den Glaubenden ist sie angeboren.” (Sir 1,12). Wenn ich Grund zu Schmerz und Reue über meine Sünden habe, dann will ich das auch tun (vgl. Mk 1,15). Wenn meine Seele sich in Gott meinem Retter erfreut, dann soll meine Stimme den Herrn laut preisen (vgl. Lk 1,46-47). Ich will mich immer und überall von der Weisheit leiten lassen; mein Leben soll bezeugen, dass ich von Gott geboren bin.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich will nicht Schuld auf mich laden, weil ich nicht auf deine Stimme höre. Lass mich mit den Fröhlichen lachen und mit den Traurigen weinen. Lass niemals zu, dass mein Herz hart wird und ich deine Stimme, die mich einlädt, die Liebe unseres Vaters zu erfahren, nicht mehr hören kann.

Vorsatz:   Heute will ich mir Zeit nehmen, um Anteil zu nehmen an der Freude oder dem Leid, das jemand in meiner Nähe empfindet und ihm zu helfen, sich mit Hoffnung und Dankbarkeit an Gott zu wenden.


Größere Liebe, größere Vergebung

20. September 2007

Donnerstag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Andreas Kim Taegon, Priester and Martyrer, and Heiliger Paul Chong Hasang und Gefährten

P. Shane Lambert LC

Lk 7,36-50
Jesus ging in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist. Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube an dich, vermehre meinen Glauben. Ich will dich nicht in mein Haus einladen, nur um dich einer zweifelhaften Überprüfung zu unterwerfen. Herr, ich hoffe auf dich, und ich sehne mich danach, deine Vergebung zu erfahren. Herr, ich liebe dich für deine Barmherzigkeit zu mir.

Bitte:  Herr, möge ich deine Vergebung erfahren, weil ich gelernt habe, viel zu lieben.

1. Es gibt keine Wahrheit ohne die Nächstenliebe. Simon der Pharisäer scheint ein Mann des Glaubens zu sein, der seine Urteile am Glauben ausrichtet: „Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist.“ Offensichtlich urteilt Simon, dass die Frau eine Sünderin ist und dass Jesus das wissen sollte. Es klingt doch ganz logisch für eine gläubige Person, die Menschen in die Kategorien „rein“ und „unrein“ einzuordnen. Nehme auch ich mir dieses Recht? Wenn also Simons Urteil das Ergebnis einer logischen Schlussfolgerung ist, wie kann er dann im Irrtum sein? Oder warum sollte mein Urteil falsch sein, wenn ich überzeugt bin, dass ich mir ein vernünftiges Urteil gebildet habe, das auf meinem Glauben gründet?

2. Die Gewohnheit, über andere zu urteilen, verdunkelt unser Urteilsvermögen. Das Licht Christi ist notwendig, um Simons Gewissen zu erleuchten: „Simon, ich möchte dir etwas sagen.“ Was will Christus mir sagen? Hier kommt heraus, dass Jesus wirklich ein Prophet ist und Simons Herz besser kennt, als Simon meint, Jesus beurteilen zu können. Simon weiß vielleicht um einige Tatsachen, jedoch fehlt diesem Wissen die Liebe Gottes. Betrachte ich die Welt um mich herum mit Liebe? Was weiß Jesus über mein Herz? Die Haltung einer „gerechten“ Seele darf nicht die einer „exakten Gerechtigkeit“ sein. Simon ist noch nicht vertraut mit diesem Jesus, der mit ihm zu Tisch sitzt und der einmal offenbart hat: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (Joh 3,16). Er ist auch nicht mit den Worten eines Mannes vertraut, der einst selbst ein „urteilender Simon“ war und später als Simon Petrus lehrte: „denn die Liebe deckt viele Sünden zu“ (1 Petr 4,8).

3. Größere Liebe, größere Vergebung. Nachdem Jesus Simon durch gesundes logisches Denken in der Liebe unterwiesen hat, kann er zu Simon sagen: „Du hast recht.“ Christus hat Simon eine tiefere Realität bewusst gemacht: Die Gewohnheit, über andere zu urteilen, erschwert nicht nur ein objektives Urteil über andere, sondern sie führt dazu, dass wir die Leere unserer eigenen Seele nicht mehr erkennen können. Will ich nicht damit, dass ich in den anderen nur Fehler entdecke, von meinen eigenen moralischen Fehlern ablenken? Was befreit Simon schließlich von seinem Irrtum? Jesus macht ihm seinen Mangel an Liebe deutlich: „Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben… Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuss gegeben... Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt.“ Und nun steht Simon, der sich für besser als die „sündige“ Frau gehalten hatte, plötzlich schlechter als sie da. Und wie sieht nun Christi Schlussfolgerung aus? „Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe.“ Jesus hätte ihm auch einfach wiederholen können, was er zuvor der Menge gesagt hatte: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden“ (Mt 5,7). Das ist die Logik von Gottes Liebe.

Gespräch mit Christus:  Herr, gieße Liebe in mein Herz, damit meine inneren Gedanken und Gefühle von der Nächstenliebe geleitet werden. Lehre mich, schwierige Situationen mit Hoffnung und Barmherzigkeit zu sehen, damit andere durch mich deine Liebe erfahren können und damit ich erfahren kann, wie tief du mir vergibst.

Vorsatz:   Ich will heute die Person, mit der ich mich am schwersten tue, rücksichtsvoll und liebevoll behandeln.


Arzt der Seelen

21. September 2007

Freitag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Matthäus, Apostel und Evangelist

P. Shane Lambert LC

Mt 9,9-13
Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm. Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube, dass du mich geschaffen hast und nur das Beste für meine Seele willst. Herr, ich hoffe, dass ich meine Berufung trotz meiner Fehler erfülle. Herr, ich liebe dich, denn du bist barmherzig mit mir.

Bitte:  Herr, ich will dir Barmherzigkeit anbieten, nicht bloß Opfer.

1. Die Heilung. Jeder wäre gern zur rechten Zeit am rechten Ort, um das große Los zu ziehen. Jeder hätte es gern, wenn sein Arzt ihm eine gute Prognose mitteilt und nicht sagt, dass er unheilbar krank ist. Wer die Anordnungen des Arztes nicht beachtet, ist verrückt. Matthäus, der Zöllner, führte ein unerfülltes Leben, trotz seines Geldes, seiner Freunde und seines Partylebens. Dieser Lebensstil machte seine Seele immer leerer. Mit seinem Geld konnte er kein gutes Gewissen kaufen. Wenn man auf dieser Schnellspur sein Leben führt, landet man sehr schnell im Nichts. Matthäus war nicht allein. Er hatte viele schlechte Freunde, und er wusste das. Ist mir dieser Zustand vielleicht vertraut? Das Leben, das Jesus führte – arm, keusch und gehorsam – zog ihn an und beeindruckte ihn. Darum konnte Matthäus dem liebenden Blick und der Einladung zur Nachfolge nicht widerstehen, selbst wenn ihm das alles kosten würde, was er hatte. Er war bereit, sein Leben zu verlieren, wenn er dadurch sein Leben in Christus wiedergewinnen würde. Was bin ich bereit, zu geben?

2. Das wirkliche Fest. Es gibt Menschen, die jeden Spaß verderben. Manche Leute sollte man nicht einladen, weil sie das Fest verderben würden. Wie dachte Matthäus darüber? War er etwa so naiv und dachte, dass seine Freunde sich für Christus interessieren würden? Christus war nicht wie sie. Würde er ihre Tische umstoßen und sie mit einer Peitsche vertreiben? Nein, er würde sie einladen, zum Vater zurückzukehren. Jesus Christus ist das Licht der Welt. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er ist in sein Eigentum gekommen. Er ist Gott-mit-uns. Er ist der gute Hirte, der das verlorene Schaf sucht. Wenn er es gefunden hat, sagt er: „Freut euch mit mir“ (Lk 15,6). Er ist der wahre Grund zum Feiern. Wenn Christus ein Teil meines Lebens geworden ist, kann ich wirklich meine Freunde einladen, um mit ihnen zu feiern und ihnen zu sagen: „Freut euch mit mir.“ Wir wollen also die Barmherzigkeit Gottes feiern.

3. Barmherzigkeit, nicht Opfer. Ich würde gern meinen Besitz so nutzen, um mit ihm Schätze für den Himmel zu sammeln. Ich würde gern ganz gesund an Körper und Geist werden, selbst wenn ich dafür mein Leben ändern müsste. Ich würde aber nicht zum Arzt gehen, wenn ich wüsste, dass ich dort dem Scharfrichter übergeben würde, weil ich in der Tat ein wenig krank bin. Der verurteilende Christ ist wie der Arzt, der ein Scharfrichter ist – wie jene, die anderen Opfer auferlegen und kein Erbarmen haben, keinen Weg zur Erneuerung anbieten. Jesus Christus präsentiert sich als der Arzt der Seelen, der gekommen ist, um zu heilen. Die Liebe heilt. Die Liebe ist der Grund zum Feiern. Die Liebe ist das Heilmittel. Lebe ich sie?

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich will wirklich, dass du mein Leben berührst. Fülle mein Herz mit deiner Liebe. Fülle mein Lachen mit deiner Freude. Fülle meine Freundschaften mit Echtheit. Ich möchte kein oberflächliches Leben führen, das mich und andere ins Leere führt. Christus, du bist mein Leben!

Vorsatz:   Heute will ich mit einem Freund oder jemand aus meiner Familie viel Zeit verbringen, um die wahren Werte, die Beziehungen ausmachen, zu stärken.


Der Glaube, wertvoller als das Leben

22. September 2007

Samstag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Shane Lambert LC

Lk 8,4-15
Als die Leute aus allen Städten zusammenströmten und sich viele Menschen um ihn versammelten, erzählte er ihnen dieses Gleichnis: Ein Sämann ging aufs Feld, um seinen Samen auszusäen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg; sie wurden zertreten und die Vögel des Himmels fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf Felsen, und als die Saat aufging, verdorrte sie, weil es ihr an Feuchtigkeit fehlte. Wieder ein anderer Teil fiel mitten in die Dornen und die Dornen wuchsen zusammen mit der Saat hoch und erstickten sie. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden, ging auf und brachte hundertfach Frucht. Als Jesus das gesagt hatte, rief er: Wer Ohren hat zum Hören, der höre!

Seine Jünger fragten ihn, was das Gleichnis bedeute. Da sagte er: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen. Zu den anderen Menschen aber wird nur in Gleichnissen geredet; denn sie sollen sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht verstehen.

Das ist der Sinn des Gleichnisses: Der Samen ist das Wort Gottes. Auf den Weg ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort zwar hören, denen es aber der Teufel dann aus dem Herzen reißt, damit sie nicht glauben und nicht gerettet werden. Auf den Felsen ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort freudig aufnehmen, wenn sie es hören; aber sie haben keine Wurzeln: Eine Zeit lang glauben sie, doch in der Zeit der Prüfung werden sie abtrünnig. Unter die Dornen ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort zwar hören, dann aber weggehen und in den Sorgen, dem Reichtum und den Genüssen des Lebens ersticken, deren Frucht also nicht reift. Auf guten Boden ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort mit gutem und aufrichtigem Herzen hören, daran festhalten und durch ihre Ausdauer Frucht bringen.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube, dass du mich geschaffen hast und meinem Leben Sinn verliehen hast. Ich hoffe, dass du mir eine tiefere Einsicht in deinen Willen schenkst. Vermehre meine Liebe, damit mein Leben viele Früchte bringt. Befreie mich von meinen geistigen Feinden, vor allem von meiner Ichbezogenheit, die deine Gnade daran hindert, in mir Frucht zu bringen.

Bitte:  Herr, hilf mir, nach deinem Willen viele Früchte zu bringen.

1. Der Glaube ist keine Gabe, die selbstverständlich ist. Jemand, der sehen kann, muss dankbar sein, dass er nicht blind ist; jemand, der hören kann, dass er nicht taub ist. Genauso muss jemand, der glauben kann, zittern vor Dankbarkeit vor Gott. Wenn uns dieser Vergleich zu extrem scheint, so müssen wir hören, was Christus selbst sagt: „Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen. Zu den anderen Menschen aber wird nur in Gleichnissen geredet; denn sie sollen sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht verstehen. Darum muss ich Gott immer dafür danken, wenn ich die Geheimnisse meines Glaubens betrachten darf, um sie besser verstehen zu können. Wenn ich mir keine Zeit fürs Gebet und die Betrachtung nehme, bin ich undankbar und stolz, weil ich meine, dass ich das nicht brauche. Der gute Lehrer will mir so viel beibringen. Er hat sich selbst mir anvertraut, auch wenn nicht jeder diese Gnade auf so persönliche Weise erfahren hat. Bin ich bereit zu lernen?

2. Vögel, Felsen und Dornen. Wenn mir noch nicht klar geworden ist, wie gefährlich es für meine Seele ist, meine Zeit für das Gebet zu vernachlässigen, dann macht Christus das hier sehr deutlich. Außer mir selbst gibt es drei mögliche Feinde meiner Seele: Vögel, Felsen und Dornen. In einer Welt, die die Sünde und den Teufel leugnet, könnte ich meinen, dass ich sicher bin. Christus aber warnt zuerst vor der Gefahr des Todfeindes, des Teufels. Christus will mein Herz gewinnen. Mein Herz braucht sein Wort. Durch Herzenshärte und Oberflächlichkeit kann ich den wahren Sinn des Lebens nicht erkennen und die Einladung zum ewigen Heil ausschlagen. Schaue ich auf das, was wirklich im Leben wichtig ist? Oder vergeude ich mein Leben und werfe es sozusagen in den Wind, wo es von den Vögeln gefressen wird? In einer Welt, die alles umsonst haben will, die immer den billigen und einfachen Weg gehen will, warte vielleicht auch ich auf die Freikarte in den Himmel. Jemand anderes muß mir mein Ticket für die Rettung kaufen. Das Christentum ist großartig, denn es verspricht mir alles, und jemand anderes hat schon sein Leben für mich gegeben. Jesus will aber nicht, dass ich vergesse, was notwendig ist, um ihm zu folgen. Ein oberflächliches Leben wird unmenschlich und hat keine Substanz. Wenn ich nicht daran arbeite, mein Leben und meinen Charakter zu formen als Antwort auf das Leben Christi, dann habe ich keine Wurzeln in Gott. Gebe ich meinem Glauben Nahrung, indem ich wahre Tugend übe? Diese Welt ist sehr erfolgreich im Masken aufsetzen, sie bringt den letzten Schrei zum höchsten Preis an den Mann, sie macht, dass die Menschen zum Sklaven von Macht und Mode werden, ja auch ich bin vielleicht in sie verstrickt und handle nach einer Doppelmoral. Der christliche Maßstab wird mir manchmal peinlich, denn er hindert mich daran, vor anderen den großen Mann zu spielen. Ich kann nicht zwei Herren dienen und Jesus sagt deutlich, dass ich einmal zur Verantwortung gezogen werden kann, wenn ich durch weltliche Ambitionen das Leben der Gnade in mir ersticke. Sind meine Ziele auf Gott ausgerichtet?

3. Reiche Ernte. Christus lädt mich in seiner Liebe und Barmherzigkeit ein, ein fruchtbarer Boden zu sein. Ich kann sein Wort hören und es in meinem Herzen wirken lassen. Ich kann es mit großzügigem und offenem Herzen umarmen und durch Beharrlichkeit Frucht bringen lassen. Wie gestalte ich meine Betrachtung, damit ich Gottes Wort am besten in meine Seele aufnehmen kann und damit so in meiner Seele das göttliche Leben wachsen kann? Wie setze ich durch das Üben der Tugenden die guten Erkenntnisse ins Leben um, die mich als Christen kennzeichnen sollen? „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Mt 7,16).

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich erkenne, wie meine Ichbezogenheit alles zerstören kann. Befrei mich von meinem Stolz, der mein Herz hart und zur leichten Beute für den Teufel macht. Befrei mich von der Eitelkeit, die bewirkt, dass ich nur auf den äußeren Schein achte und die mein Leben oberflächlich macht. Befrei mich von der Sinnlichkeit, die das geistliche Leben in mir tötet. Du willst, dass ich Frucht bringe, indem ich mit deiner Gnade mitwirke.

Vorsatz:   Heute will ich eine bestimmte Tugend üben, die mir hilft, in der Gnade Gottes zu wachsen, und in der Gegenwart Christi will ich mein Gewissen prüfen, wie treu ich diesen Entschluss an diesem Tag erfüllt habe.