Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 9. September 2007 bis Samstag 15. September 2007

Dreiundzwanzigste Woche im Jahreskreis

P. Patrick Butler LC

Knie nieder und entscheide dich für Christus Sonntag
Tu Gutes, immer und überall Montag
Gebet und Taten Dienstag
Jubelsprünge aus Freude über den Himmel Mittwoch
Das höchste Ideal Donnerstag
Gott liebt mich so sehr Freitag
Maria zu mir nehmen Samstag


Knie nieder und entscheide dich für Christus

9. September 2007

Dreiundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

P. Patrick Butler LC

Lk 14,25-33
Viele Menschen begleiteten Jesus; da wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen. Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Einführendes Gebet:   Herr, sende mir den Heiligen Geist, damit ich dich besser begreife. Du machst mir klar, dass es eine schwierige Aufgabe ist, dir auf dem Weg des Kreuzes zu folgen. Gib mir die Hoffnung und Zuversicht, dass du bei mir sein und meinen schwachen Willen stärken wirst. Mache Liebe zu dem Beweggrund, mich von Bindungen an Menschen, auch an besonders geschätzte Menschen, loszusagen und vor allem mich selbst zu verleugnen, um dir, meiner größten Liebe, zu dienen.

Bitte:  Stärke mich, Herr, durch deine Gnade, damit ich bis zum Ende durchhalten kann, dir nachzufolgen.

1. Die Menge und die Jünger. Viele Menschen folgten Jesus. Seine Beliebtheit nahm zu. Die Zeit war reif; Jesus könnte die Menge für sich gewinnen, indem er ihnen schöne Versprechungen macht. Aber Jesus handelt nicht wie ein Politiker. Mit der Botschaft der Erlösung sollen nicht Stimmen, sondern Seelen gewonnen werden. Es geht nicht um leere Versprechungen, sondern um die Verheißung des ewigen Lebens für die, die ihm nachfolgen. Er beruft mich, einer von den wenigen treuen Jüngern zu sein, die alle Dinge für unwichtig halten, um Christus zu gewinnen.

2. Hass und Liebe. Der heilige Johannes sagt mir: „Gott ist Liebe“. Jesus selbst sagt mir, dass die wichtigsten Gebote verlangen, Gott über alles zu lieben und meinen Nächsten wie mich selbst. Warum verlangt er dann von mir, so viele liebenswerte Menschen und Dinge zu „hassen“? Vielleicht ist der bessere Ausdruck „sich von ihnen loszusagen“? Jesus verlangt von mir, nur eines -- vielmehr, nur eine Person -- uneingeschränkt zu lieben. Gott allein sollte die unbedingte Mitte meines Lebens sein. Jede andere Vorliebe kommt danach und steht im Dienst dieser vollkommenen Liebe. Gibt es etwas oder jemanden in meinem Leben, das oder der um den ersten Platz mit Gott konkurriert?

3. Sich für das Kreuz entscheiden. Wenn die Botschaft Jesu nicht erklärt wird, ist sie eine schwierige Botschaft. Das eigene Kreuz zu tragen und die Marter sowie den Tod anzunehmen, bedeutet: Mitwirkung am eigenen Tod. Falls ich das tun will, fordert Christus mich zuvorderst auf, mir das gut zu überlegen und mich dann aber zu entscheiden. Das ist die Bedingung, um sein Jünger zu werden. Und nur so werde ich bis zum Ende meines Lebens ein treuer Freund und Jünger meines Herrn sein können.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus Christus, du leitest mich durch dein Beispiel. Ich danke dir und preise dich, weil du mir voran gehst und mir den Weg zeigst. Du gibst mir auch die Kraft, täglich mein Kreuz zu tragen. Nachdem ich betrachtet habe, was du von deinen Nachfolgern verlangst, beschließe ich, diese schwierige Aufgabe aus Liebe zu dir zu übernehmen.

Vorsatz:   Wenn ich schaue, was der Tag für mich bereithält, kann ich mein Kreuz erkennen. Ich will mich entschließen, es zu tragen, dabei im Gebet Gottes Hilfe erbitten und bestrebt sein, es mit innerer Freude zu tragen.


Tu Gutes, immer und überall

10. September 2007

Montag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Patrick Butler LC

Lk 6,6-11
An einem anderen Sabbat ging Jesus in die Synagoge und lehrte. Dort saß ein Mann, dessen rechte Hand verdorrt war. Die Schriftgelehrten und die Pharisäer gaben acht, ob er am Sabbat heilen werde; sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn. Er aber wusste, was sie im Sinn hatten, und sagte zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und stell dich in die Mitte! Der Mann stand auf und trat vor. Dann sagte Jesus zu ihnen: Ich frage euch: Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zugrunde gehen zu lassen? Und er sah sie alle der Reihe nach an und sagte dann zu dem Mann: Streck deine Hand aus! Er tat es, und seine Hand war wieder gesund. Da wurden sie von sinnloser Wut erfüllt und berieten, was sie gegen Jesus unternehmen könnten.

Einführendes Gebet:   Du lehrst uns, Herr, Worte des Lebens. Deine Botschaft wendet sich heute an mich. Hilf mir, die persönliche Botschaft, die für mich bestimmt ist, zu erkennen. Ich will mein Herz dem Heiligen Geist öffnen und aufmerksam auf ihn hören, damit mich diese Meditation verändern möge. Wenn ich sehe, wie du die Menschen liebst, hoffe ich, dich nachahmen zu können. Ich wünsche mir, meine Nächsten noch mehr und mit allen ihren Schwächen zu lieben.

Bitte:  Herr, mache mich zu einem großmütigen und hochherzigen Menschen, der anderen immer nur Gutes wünscht.

1. Lehren und handeln. Wenn Jesus spricht, überzeugt er die gutwilligen Zuhörer. Die Menschen merkten, dass Jesus glaubwürdig sprach, anders als die Pharisäer. Und zwar, weil Jesus nur das verlangte, was er selbst in die Tat umzusetzen vorhatte. Er tut das, was er predigt. Das ist mein Lehrer und Meister, der von Mitleid spricht und es auch zeigt. Er ist es, der sich herablässt, seinen Jüngern beim letzten Abendmahl die Füße zu waschen, weil er will, dass ich dasselbe tue.

2. Gutes tun ohne Rücksicht auf das, was andere denken. Jesus ist allwissend, und so weiß er auch, was andere denken. Häufig tadelt er die Pharisäer, weil er ihre Pingeligkeit und Kleinlichkeit sieht. Sie sind Führer des Volkes, aber seiner Not gegenüber verhalten sie sich zurückhaltend und zwingen es stattdessen, zahlreiche Vorschriften zu befolgen, die sie selbst nicht erfüllen. Jesus sieht einen Menschen in Not, dem er helfen kann. Obwohl er so viele Kritiker um sich herum sieht, die seine Worte und Taten genau verfolgen, kann ihn nichts davon abbringen, diese gute Tat zu vollbringen. Wenn ich spüre, wie andere ihre Augen auf mich richten, kann ich dann unbefangen Nächstenliebe ausüben, ohne Rücksicht auf das, was sie denken?

3. Leben retten. Dieses Evangelium handelt von der Kultur des Todes und des Lebens. Die Pharisäer stehen Jesus kritisch gegenüber, und zwar so sehr, dass sie von maßloser Wut erfüllt werden. Schließlich planen sie, Jesus zu töten. Die Not des Mannes, den Jesus heilt, kümmert sie überhaupt nicht. Jesus spricht in der Synagoge Worte des Lebens. Er bereichert das Leben durch Heilen. Ich muss von Jesus lernen, wie ich ein Leuchtturm des Lebens inmitten gegensätzlicher Kulturen des Egoismus und des Todes um mich herum sein kann.

Gespräch mit Christus:  Du kannst mein Herz sehen, so wie du die Gedanken in den Herzen der Pharisäer erkannt hast. Ich neige auch dazu, kritisch und nicht immer konstruktiv zu sein. Bilde mein Herz mehr nach deinem Herzen, damit ich das Gute wünsche und großzügig bin trotz der Kritik, die mir begegnen mag.

Vorsatz:   Ich will mich heute bemühen, die Nöte anderer Menschen zu sehen, besonders die Not einer ganz bestimmten Person. Dann will ich sehen, was ich tun kann, dieser Person zu helfen, wenn möglich, in einer Form, die keine Aufmerksamkeit auf mich lenkt.


Gebet und Taten

11. September 2007

Dienstag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Patrick Butler LC

Lk 6,12-19
In diesen Tagen ging Jesus auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott. Als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel. (Es waren) Simon, dem er den Namen Petrus gab, und sein Bruder Andreas, dazu Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, Matthäus und Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, genannt der Zelot, Judas, der Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde. Jesus stieg mit ihnen den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen, und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon strömten herbei. Sie alle wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Auch die von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt. Alle Leute versuchten, ihn zu berühren; denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte.

Einführendes Gebet:   Herr, ich möchte beten und jetzt die Gelegenheit nutzen, mich mit dir zu unterhalten. Jesus, du bist Gott, aber oft betetest du die ganze Nacht hindurch. Erleuchte mich durch deinen Geist, damit ich erkennen kann, wie sehr ich das Gebet brauche und wie es mein Leben bereichert. Es ist nicht wichtig, etwas zu tun, nur um etwas zu machen, sondern wichtig ist, deinen heiligen Willen aus Liebe zu erfüllen.

Bitte:  Rufe mich zu dir, Herr Jesus, und erinnere mich an meinen persönlichen Auftrag.

1. Ein Ort und eine Zeit zum Gebet. Häufig berichtet das Evangelium, dass Jesus zu seinem Vater betete. Wie war sein Gebet? Zuerst sucht er einen Ort, der zum Beten geeignet ist. Dann widmet er sich lange dem Gebet. Ich sehe ihn einen Berg besteigen, um die ganze Nacht im Gebet zu verbringen. Ich kann bestimmt aus dem Beispiel des Herrn lernen. Wenn ich ihn nachahme, kann mein Gebetsleben bereichert werden.

2. Eine besondere Berufung. Vielleicht betet Jesus etwas länger als gewöhnlich in dieser Situation. Wenn eine wichtige Entscheidung zu treffen ist, berät er sich mit seinem Vater, um seinen Willen zu erfahren. Er handelt nicht aus dem Stegreif, wenn er zwölf seiner Jünger beruft, seine Apostel zu sein, seine „Sendboten“, seine Stellvertreter. Wenn Jesus mich zu einem besonderen Auftrag für sein Reich beruft, dann stellt er sicher, dass dies mit der ewigen Vorsehung seines Vaters übereinstimmt.

3. Ein Kanal für die Gnade Gottes. Nachdem Jesus die Nacht im Gebet zugebracht hatte, bereitete er sich vor, sich am folgenden Tag großzügig selbst zu schenken. Vereint mit seinem Vater, der Quelle alles Guten, sorgt er dafür, dass sein Handeln diese Güte auf die überträgt, die von bösen Geistern beherrscht sind oder göttliche Heilung dringend benötigen. Gewiss ist Jesus Gott und er verfügt deshalb selber über diese Macht. Jedoch will er mir ein Beispiel geben und zeigen, wie ein Zweig mit dem Weinstock verbunden ist, um Früchte hervorzubringen, die bleiben werden.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich weiß nicht, wie ich richtig beten soll. Lehre mich beten, einen Ort auszuwählen und eine bestimmte Zeit ausschließlich für das Gebet vorzusehen. So oft handele ich ohne Gebet, indem ich mich nur auf meine Findigkeit und Intelligenz verlasse. Lass mich erkennen, dass ich deine Weisheit brauche. Hilf mir durch das Gebet sicherzustellen, dass mein Handeln deinem Willen entspricht.

Vorsatz:   Ich will mich heute bemühen, während meiner täglichen Arbeit spontan wenigstens ein Gebet an Gott zu richten.


Jubelsprünge aus Freude über den Himmel

12. September 2007

Mittwoch der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Patrick Butler LC

Lk 6,20-26
Er richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen. Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht. Aber weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten. Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen. Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.

Einführendes Gebet:   Deine Seligpreisungen, Herr, diese Vorbedingungen, um in dein Reich einzugehen, bleiben größtenteils ein Geheimnis für mich. Vermehre meinen Glauben, damit ich die Schönheit der Werte, die du mir vorschlägst, erkennen kann. Sogar mehr noch, lenke meine Hoffnung auf den Himmel und befreie sie von den leeren irdischen Versprechungen des Glücks. Lass mich aus Liebe die ewige Vereinigung mit dir ersehnen, die das Wesen des Himmels ist.

Bitte:  Vater, hilf mir, meine Augen und mein Herz auf die Dinge zu richten, die da sind, wo Christus ist.

1. Weil du es sagst, Herr … Ich kann mir Jesus an dieser Stelle des Evangeliums vorstellen, wie er aufblickt, um in die Gesichter seiner Jünger zu schauen. Heute schaut er in meine Augen und zieht meine Aufmerksamkeit auf seinen liebenden Blick. Ich akzeptiere, was er mir sagt, weil er es ist, der spricht. Ich glaube, er hat die Worte ewigen Lebens. Natürlich ziehen mich diese Werte der Armut, des Hungers, des Schmerzes und des Ausgeschlossen-Seins nicht an. Aber das sind Werte meines geliebten Herrn, und das genügt mir.

2. Suchet zuerst das Reich Gottes. Jesus ermutigt mich, die Werte seines Reiches anzustreben und mich selbst und mein Wohlbefinden zu vergessen. Er will für mich sorgen und mich entschädigen. Der Himmel, Lachen und Freude in einer Fülle, die unfasslich ist, erwarten mich. Es ist schwer, den „Himmel auf Erden“ nicht im Reichtum, im Vergnügen und in der Angepasstheit an die Masse zu suchen. Es bedarf schon eines Weitblicks im Glauben und des Willens zur Ausdauer.

3. Warnende Zeichen. Der heilige Lukas übermittelt uns nicht nur die Lobpreisungen sondern auch ihr Gegenteil. Diese sind wie warnende Zeichen. Wenn mein Weg auf diese gegensätzlichen Werte ausgerichtet ist, sollte ich besser darauf achten, wohin dieser Weg auf lange Sicht führt. Wo mein Herz ist, da ist mein Schatz. Sind himmlische, ewige Freuden oder irdische, vergängliche Vergnügen die Sehsucht meines Herzens?

Gespräch mit Christus:  Herr, lass mich schon hier auf Erden etwas von der Freude erfahren, die wir im Himmel erfahren werden, wenn wir für immer mit dir vereinigt sein werden. Hilf mir, meine Erfüllung in der Liebe zu dir zu finden, indem ich dir mein Leben schenke.

Vorsatz:   Ich will herausfinden, was mich bei meiner täglichen Arbeit anspornt, indem ich mich bemühe, meine Absichten zu läutern. Ich will aus Liebe zu Gott und nicht aus Eigenliebe handeln.


Das höchste Ideal

13. September 2007

Donnerstag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Heiliger Johannes Chrysostomus, Bischof und Kirchenlehrer

P. Patrick Butler LC

Lk 6,27-38
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln. Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd. Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück. Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen. Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder. Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen. Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!

Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, du fährst heute fort, mich über die Werte deines Reiches zu unterrichten. Mein Herz ist so weit von deinen hohen Idealen, die du predigst, entfernt. Doch erkenne ich, dass du mich zur Heiligkeit trotz meiner Fehler berufst. Stärke mein Vertrauen, nicht meiner Fähigkeit zu überlassen, was du verlangst, sondern deinem göttlichen Beistand, der alles möglich macht. Verwandle mein Herz so, dass ich dich und andere lieben kann, auch solche, die zu lieben mir schwer fällt.

Bitte:  Herr Jesus, hilf mir, Schritt für Schritt zu der Vollkommenheit zu gelangen, die du dir von mir wünschst.

1. Revolution oder Bürgerkrieg? Die Forderungen, die Jesus in seiner Rede auf dem Berg stellt, könnten als „revolutionär“ bezeichnet werden. Niemals ist das Ideal der Liebe so hoch gesetzt worden und hat ein derartiges Heldentum im täglichen Leben gefordert. Deshalb provoziert das, was Jesus da fordert, einen Kampf in mir, und zwar zwischen dem „alten Menschen“, der dieser Botschaft widersteht, und den Idealen, zu denen mein Herr mich aufruft . Das könnte als „Bürgerkrieg“ bezeichnet werden, der auf dem Schlachtfeld meines Herzens ausgetragen wird.

2. Die Goldene Regel. Jesus gibt mir, was als „Goldene Regel“ bezeichnet wird: handle an anderen so, wie du von ihnen behandelt werden willst. Da ich mich natürlich selbst so liebe, dass ich mir alles Gute wünsche und dass mir ja nichts Schlechtes in den Weg kommt, ermahnt mich Jesus, dieses Wohlwollen auch auf andere zu übertragen. Das verlangt eine Anstrengung von mir, da ich ja zum Egoismus neige. Was kann mich aus meiner Kleinheit und Enge herausholen?

3. Gott ähnlich werden. Gottes Plan für mich ist wunderbar. Es übersteigt meine Vorstellung, wenn Jesus zu mir sagt, sei vollkommen, nicht nach einem Maßstab der menschlichen, sondern der göttlichen Vollkommenheit. Meine Berufung ist, Gott ähnlich zu werden, damit sein göttliches Leben in mir wächst und meine engen und egoistischen Maßstäbe abnehmen und verschwinden. Ich würde mich nicht um ein so hohes Ziel bemühen, wenn es nicht von meinem Herrn verlangt würde. Ich muss darauf vertrauen, dass er es bei mir erreichen kann. Was ich zu tun habe, ist, mit ihm zusammenzuarbeiten, ihn im Gebet zu suchen und seinen Willen jederzeit zu erkennen.

Gespräch mit Christus:  Ich danke dir, Herr Jesus, dass du mich umwandeln willst, damit ich Gott ähnlicher werde. Ohne dich ist das unmöglich. Mit dir ist alles möglich, sogar bei mir mit all meinen Schwächen und Grenzen. Dein Wille geschehe.

Vorsatz:   Ich will die Vorgehensweise bei meiner Urteilsfindung ändern: von meiner Sichtweise hin zu der Sichtweise Gottes. Heute will ich mich darum bemühen, die „Goldene Regel“ in der Praxis anzuwenden.


Gott liebt mich so sehr

14. September 2007

Freitag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Kreuzerhöhung

P. Patrick Butler LC

Joh 3,13-17
Jesus sagte zu Nikodemus: Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn. Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

Einführendes Gebet:   Dein Wort im Evangelium enthüllt mir die Schönheit des Mysteriums vom Kreuz. Herr Jesus, lass mich deine Worte mit einem offenen und einem glaubenden Herzen aufnehmen. Deine Liebe zur Menschheit ist immer gegenwärtig in dem, was du sagst. Gib mir die Hoffnung, dass die Welt durch deine Botschaft der Liebe verändert werden kann. Ich möchte dir ähnlicher sein, ich möchte den Vater, meine Brüder und Schwestern lieben und sogar mein Leben für sie hingeben.

Bitte:  Herr, lass mich die Herrlichkeit des Kreuzes begreifen und in meinem Herzen aufnehmen, damit ich es als ein Werkzeug der Liebe erkennen kann.

1. Die Offenbarung Jesu. Nikodemus kommt zu Jesus, um herauszufinden, wer dieser Wundertäter ist. Jesus sagt ihm, dass er der Menschensohn und der Sohn Gottes ist. Er ist vom Himmel herabgekommen und wird dorthin zurückkehren. Da er sich nun selbst geoffenbart hat, hat er bei Nikodemus und bei mir Aufmerksamkeit erregt. Seine Antwort auf die erste Frage befriedigt uns nicht, da sie mehrere andere Fragen aufgeworfen hat. Wie kann er beanspruchen, der Sohn Gottes zu sein, wenn es doch nur einen Gott gibt? Wenn er wirklich der Sohn Gottes ist, warum ist er dann zur Erde herabgestiegen? Was will er oder was erwartet er von mir?

2. Ein Erlöser, größer als Mose. Mose hatte auf Gottes Anweisung hin Israel aus der Sklaverei in Ägypten geführt. Als die Israeliten in der Wüste rebellierten, wurden sie mit feurigen Giftschlangen bestraft, die sie bissen und mit ihrem Gift töteten. Mose griff ihretwegen ein, machte eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf; die zu ihr aufblickten, waren gerettet. Jesus rettet die Menschheit aus ihrer Auflehnung, nicht durch ein Symbol, das an einem Stock aufgehängt ist, sondern durch sein eigenes Opfer, als er am Kreuz erhöht wurde. Er rettet mich nicht vor dem irdischen, sondern vor dem ewigen Tod. Er ist wirklich ein Erlöser, der größer ist als Mose.

3. Der Grad der Liebe Gottes. Wie sehr liebt mich der Vater? Könnten wir die Liebe an einem Thermometer messen, würde Gottes unendliche Liebe das Quecksilber über das Ende der Skala hinaus hochschnellen lassen. Seine Liebe ist wirklich grenzenlos. Was könnte er mir vorenthalten, wenn er bereits seinen Sohn gegeben hat, um mich zu retten? Auf die Grenzenlosigkeit der Liebe Gottes sollte ich mit Dankbarkeit, Lob und Erwiderung seiner Liebe antworten.

Gespräch mit Christus:  Herr, tief bewegt erkenne ich, wie sehr du mich liebst. Du kamst vom Himmel herab als Menschensohn, damit ich dich verstehe, liebe und nachahme. Du liebtest mich aufs Äußerste und brachtest dich selbst am Kreuz dar, um mich vor Sünde und Tod zu retten. Ich möchte dich dafür auch so lieben, dass ich mein Leben für dich hingebe.

Vorsatz:   Ich will das Kreuz als ein Sinnbild der Liebe betrachten und es zu einem Zeichen machen, das mir etwas sagt, wenn ich es sehe. Ich will heute versuchen, mein Kreuz mit Liebe zu tragen.


Maria zu mir nehmen

15. September 2007

Samstag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Gedächtnis der Schmerzen Mariens

P. Patrick Butler LC

Joh 19,25-27
Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Einführendes Gebet:   Herr, du hast mir deine liebende Sorge um mich auf so vielfältige Weise gezeigt. Eine Liebesgabe aber ragt in besonderer Weise heraus, denn indem du deine Mutter dem Apostel Johannes anvertraut hast, hast du sie allen, mich eingeschlossen, anvertraut. Vermehre meinen Glauben, damit mein Verhältnis zu ihr persönlicher und echter werden kann. Gib mir die feste Zuversicht, dass sie mich mit ihrer mütterlichen Liebe stets begleitet, und die Hoffnung, dass mir durch ihre Fürsprache Gottes reicher Segen zuteil wird. Ich will deshalb bestrebt sein, sie dafür angemessen zu lieben und ihre Liebe und ihre Bereitschaft zum Dienen nachzuahmen.

Bitte:  Maria, komm heute in mein Leben. Lass mich dir ein Trost dadurch sein, dass ich ein treuer Anhänger deines Sohnes bin.

1. Bei dem Kreuz Jesu stehen. Heute ist das Fest „Gedächtnis der Schmerzen Mariens“. Maria hatte, wie ich, keine besondere Vorliebe für Kummer und Schmerzen. Die erste Ankündigung ihrer Berufung durch den Erzengel Gabriel erwähnte nichts von alledem, sie enthielt nur messianische Verheißungen. Aber bald nach der Geburt Jesu vervollständigt Simeon den Umfang der Botschaft um das, was ihre Berufung einschließen sollte: „ … und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen“. Indem sie erkannte, dass ihre Berufung dadurch erfüllt wird, dass sie ihren Sohn bei seiner Kreuzigung begleitet, tat sie es in dem Wunsch, den geheimnisvollen Plan Gottes zu erfüllen, nicht widerwillig, sondern indem sie dicht bei Jesus stand mit all den Schmerzen, die ihr zugedacht waren.

2. Jesu letzter Wille. Die Worte Jesu zu seiner Mutter und seinem geliebten Jünger sind gleichsam sein letzter Wille, sein Testament. Er überlässt einer geliebten Person, was ihm am wertvollsten ist. Maria übergibt er den Freund, den er so sehr liebt, der ebenso ihrer Hilfe in den Schwierigkeiten bedarf, auf die er zugehen wird. Johannes überlässt er seinen größten menschlichen Trost, seine Mutter, die sein bester Jünger ist. Er weiß, dass sie ihn, einen Adoptivsohn, braucht, der sie tröstet und begleitet.

3. Maria macht mich glücklich. Johannes nahm seine Verantwortung für Maria ernst und nahm sie mit sich in sein Haus. Das Zuhause war für Johannes nichts Geringeres als die Kirche, die Christus gründete. Maria sollte dort den Ehrenplatz haben, als Mutter von Jesus und als die, die ihn bestens kannte, liebte und ihm diente. Auch sie nahm ihre Rolle ernst, so ernst, dass sie sofort in allen, die ihr begegneten, ihre Adoptivsöhne und -töchter erkannte. In diesem Haus, der Kirche, ist Maria das Glück nach der althergebrachten Redensart: „Trautes Heim, Glück allein“.

Gespräch mit Christus:  Jesus, ich kann dir nicht genug dafür danken, dass du mir deine Mutter und mich ihr anvertraut hast. Ich möchte auf sie achten, indem ich ein wachsamer und treuer Sohn bin, der dir nacheifert. Das wird sie trösten und ihr Herz erfreuen. Maria, bleibe immer an meiner Seite und bitte für mich bei Gott, dass ich mich beharrlich bemühe, deinem Sohn nachzufolgen.

Vorsatz:   Ich will mich sehr persönlich an Maria wenden, sei es in einem spontanen Gespräch mit ihr oder in der Betrachtung des Mysteriums des Lebens Christi während des Rosenkranzgebets.