Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 22. Juli 2007 bis Samstag 28. Juli 2007

Sechzehnte Woche im Jahreskreis

P. Robert deCesare LC

„Nur Jesus, nur Jesus“ Sonntag
Die Größe Christi Montag
Gottes Wille ist meine Heiligkeit Dienstag
Wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein Mittwoch
„Selig bist du!“ Donnerstag
Wie ist mein Boden? Freitag
Der Herr ist gnädig und barmherzig Samstag


„Nur Jesus, nur Jesus“

22. Juli 2007

Sechzehnter Sonntag im Jahreskreis

P. Robert DeCesare LC

Lk 10,38-42
Sie zogen zusammen weiter und Jesus kam in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube, dass du mein Gott und mein Ein und Alles bist. Du hast mich geschaffen, und du willst, dass ich glücklich mit dir bin. Herr, ich hoffe auf dich, weil ich darauf vertraue, dass du mich nicht irreführen wirst. Ich liebe dich, Herr, weil du der Weg, die Wahrheit und das Leben bist. Niemand kommt zum Vater außer durch dich, Herr, und ich liebe dich dafür, dass du der Mittler vor dem Vater bist.

Bitte:  Herr, vergrößere meine Liebe zu dir, damit ich dich zum Zentrum, Maßstab und Vorbild für mein Leben mache.

1. „Du machst dir viele Sorgen.“ Es scheint so, dass die Dinge sich immer schneller ändern und dass mehr und mehr Sachen um meine Zeit wetteifern. Ich diene der Familie als Chauffeur, ich verbringe einen großen Teil meiner Zeit damit, die Kinder bei nachmittäglichen Aktivitäten zu begleiten, und hier und da wollen Leute mit mir reden. Unsere Kultur verlangt fast, dass ich all diese Dinge tue. Was schlimmer ist, manchmal scheint es, als ob niemand mein Dilemma verstünde. Ich versuche zu tun, was richtig ist, ich versuche verantwortungsbewusst zu sein, und es scheint, als ob ich der Einzige sei. Ich identifiziere mich selbst mit Marta, Herr, in einer Welt, die so aktiv ist und in der die Zeit so schnell zu verfliegen scheint. Hilf mir, die richtigen Entscheidungen zu treffen und deinen Willen zu erfüllen.

2. „Nur eines ist notwendig.“ Christus lieben. Für ihn zu leben. Wenn das Leben fortschreitet und die Ewigkeit sich nähert, bleibt nur die Liebe Christi. Ich will Christi Liebe zum Schatz machen, für den ich alles verkaufe, sogar mein Geltungsbedürfnis, meinen Stolz und meine Eitelkeit, bis ich die wahre Freude darin haben kann, ein Samenkorn zu sein, das in der Erde stirbt. Herr, du bist alles, was ich brauche. Wenn mein Leben zu Ende geht, wird allein meine Liebe zu dir zählen. Wer sonst kann meine Seele mit Zufriedenheit und Frieden füllen? Wer sonst gibt meinem Leben Sinn, wenn nicht du? Erinnere mich daran, weil es mir sonst so schnell passiert, dass ich meine Richtung in der Welt verliere und andere Dinge an die erste Stelle setze.

3. “Wähle das Bessere.” Herr, deine Worte zu Marta berühren mein Herz. Der Lärm und die Ablenkungen um mich herum können mein Herz einnehmen und mich fehlleiten, und das bringt noch mehr Verwirrung und Unwohlsein. Aber wenn ich dich wähle, was für eine große Zuversicht bringt es mir, zu wissen, dass du mir nicht genommen wirst. Jeder will glücklich sein. Jeder möchte erfüllt sein. Warum sollte ich mich selbst zum Narren machen und das Glück in der Welt suchen, wenn du es anbietest, Herr? Warum sollte ich mich nicht für den besseren Teil entscheiden, den du mir geben willst? Sollte ich nicht aufgeregt sein, weil ich zu deinen Füßen sitzen und meine Zeit mit dir verbringen darf, wenn du mich lehren willst, heilig zu werden und so das Beste aus mir zu machen?

Gespräch mit Christus:  Herr, gib mir die Zuversicht, zu wissen, dass du alles bist, was ich brauche. Ich möchte mich mit nichts anderem ablenken. Ich möchte zu deinen Füßen sitzen. Ich möchte hören, was du mir sagen willst. Ich möchte so gerne von dir lernen.

Vorsatz:   Ich werde Christus nach der heiligen Messe besuchen und ihm dafür danken, dass ich ihn in der heiligen Eucharistie empfangen durfte, und ich nehme mir die Zeit, zu hören, was er mir sagen will.


Die Größe Christi

23. Juli 2007

Montag der sechzehnten Woche im Jahreskreis

P. Robert DeCesare LC

Mt 12,38-42
Zu dieser Zeit sagten einige Schriftgelehrte und Pharisäer zu Jesus: Meister, wir möchten von dir ein Zeichen sehen. Er antwortete ihnen: Diese böse und treulose Generation fordert ein Zeichen, aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Innern der Erde sein. Die Männer von Ninive werden beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie haben sich nach der Predigt des Jona bekehrt. Hier aber ist einer, der mehr ist als Jona. Die Königin des Südens wird beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Hier aber ist einer, der mehr ist als Salomo.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube, dass du mein Ein und Alles bist. Ich glaube, dass du mir das Leben gegeben hast. Herr, ich vertraue auf dich, denn du bist mein Herr und mein Gott. Ich vertraue darauf, Herr, dass du mich nicht irreführen wirst. Herr, ich liebe dich, weil du mich zuerst geliebt hast. Ich liebe dich, Herr, weil du mein Erlöser, mein Herr und mein Gott bist.

Bitte:  Herr, gib mir die Gnade, eine Ahnung deiner Größe zu bekommen, damit ich glauben kann, dass ich mit dir alles vollbringen kann.

1. „Wir wollen ein Zeichen sehen.“ Herr, manchmal bin ich wankelmütig. Oft fordere ich, dass du mir etwas zeigst in dem Glauben, dass ich ein Zeichen verdiene. Immerhin bin ich getauft und sehne mich wirklich danach, ein authentisches Leben zu führen. Doch seit du mich geschaffen hast, verdanke ich dir alles, was ich habe, außer meiner Sünden. Wer bin ich, dass ich irgendetwas von dir verlange? Herr, ich glaube, dass du wirkst, wann du willst, wie du willst und wie lange du willst. Wenn ich nur gut genug schauen würde, würde ich vielleicht überall Zeichen deiner Gegenwart sehen, und ich würde verstehen, dass alles ein Geschenk von dir ist: der neue Tag, das Geschenk des Lebens, die Feier der Eucharistie, meine Rettung. Christus, du offenbarst dich mir auf viele Weisen. Öffne meine Augen und heile meine Blindheit.

2. „Wonach suchen wir?“ Herr, ich suche nach Sinn in meinem Leben, nach Erfüllung, so gut wie ich kann. Herr, ich finde all dies in dir, weil niemand sonst mich zu solch erhabenen Zielen und hohen Idealen drängt wie du. Niemand sonst fordert mich heraus, ein authentisches Leben zu führen, zu sein, wer ich sein sollte: ein Kind Gottes, das den Stand der Gnade erstrebt. Ich entdecke in dir, wonach ich suche. Mehr noch, was ich in dir finde, macht mich zufrieden. Wenn ich mich meinen Leidenschaften und Gefühlen hingebe, wenn ich meine eigene Befriedigung und Maßlosigkeit suche, finde ich Unglück, Elend und oft Sünde. Es wird mich nicht glücklich machen, nach den Dingen dieser Erde zu suchen.

3. „Hier ist einer, der mehr ist.“ Herr, du bist alles, was ich brauche. Du bist „mehr als Jona“, weil nichts anderes die Sehnsüchte meines Herzens erfüllen kann. Meine Sicht ist zu oft so eng. Du erweiterst meinen Horizont. Du öffnest meine Augen. Kenne ich dich wirklich? Erkenne ich, wie groß du wirklich bist? Ist mir aufgegangen, dass alles, was ich bin und habe, von dir kommt? Mir begegnen viele Herausforderungen und Schwierigkeiten, aber habe ich entdeckt, wie klein und unbedeutend sie im Vergleich zu deiner Größe sind? Bei all den Herausforderungen und Schwierigkeiten, die mir begegnen, bist du da, um mir zu helfen. Du bist immer da, um mir weiterzuhelfen.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich erkenne, wie klein die Hindernisse, mit denen ich Tag für Tag konfrontiert werde, im Vergleich zu dir sind. „Alles vermag ich durch den, der mich stark macht“ (Phil 4,13). Herr, du bist derjenige, der mir Kraft gibt. Du bist wahrhaft mehr als Jona, denn du bist wahrer Mensch und wahrer Gott.

Vorsatz:   Ich werde die Schwierigkeiten, die mir begegnen, aushalten und mich in meinem Beruf, zuhause oder in der Schule nicht entmutigen lassen.


Gottes Wille ist meine Heiligkeit

24. Juli 2007

Dienstag der sechzehnten Woche im Jahreskreis

P. Robert DeCesare LC

Mt 12,46-50
Als Jesus noch mit den Leuten redete, standen seine Mutter und seine Brüder vor dem Haus und wollten mit ihm sprechen. Da sagte jemand zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir sprechen. Dem, der ihm das gesagt hatte, erwiderte er: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

Einführendes Gebet:   Herr, ich beginne meine Meditation im Bewusstsein, dass ich deiner Gnade und deiner Hilfe bedarf. Ohne dich, Herr, kann ich nichts, aber mit dir, Herr, kann ich alles. Ich glaube, dass du in der Eucharistie wahrhaft gegenwärtig bist. Verborgen in der Gestalt des Brotes bleibst du bei mir. Ich vertraue auf dich, Herr, weil du meinem Leben einen Sinn gibst. Ich vertraue dir, weil du deinen Versprechen treu bist. Herr, ich liebe dich, weil du mir den Schatz des katholischen Glaubens gegeben hast. Du hast mir dieses Geschenk gegeben, um es mir zu ermöglichen, dem Weg zum Himmel zu folgen und dort für immer bei dir zu sein.

Bitte:  Herr, gib mir die Gnade, deinen Willen zu erkennen und ihn in meinem Leben zu befolgen.

1. Warum hat Gott mich gemacht? Dies ist die grundlegende Frage nach unserem Sinn im Leben. Der Vater schuf uns, damit wir ihn erkennen, lieben und ihm in dieser Welt dienen, um mit ihm für immer in der nächsten Welt glücklich zu sein. „Von allen sichtbaren Geschöpfen ist einzig der Mensch ‚fähig, seinen Schöpfer zu erkennen und zu lieben’. Er ist ‚auf Erden das einzige Geschöpf, das Gott um seiner selbst willen gewollt hat’, und er allein ist berufen, in Erkenntnis und Liebe am Leben Gottes teilzuhaben. Auf dieses Ziel hin ist er erschaffen worden“ (KKK 356). Um uns zu helfen, gab uns Gott seinen Sohn, damit wir ihm folgen und von ihm lernen, um so den Plan in unserem Leben zu erfüllen, den er für uns hat. Und deshalb folgen wir ihm und hören ihm zu, denn so gelangen wir zur Vollendung.

2. Ich habe eine Lebensaufgabe. Unsere Lebensaufgabe ist es, zur Vollendung zu gelangen. Also ist die Erfüllung unserer Sendung eine grundlegende Sache für unser Gewissen. Die direkte Norm für den richtigen Gebrauch unseres Gewissens könnte so formuliert werden: „Alles, das mir hilft, meine Sendung zu erfüllen, ist gut für mich; alles, das zwischen mir und meiner Sendung steht, ist schlecht für mich“. Oder, um Christi Worte zu benutzen: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu vollenden“ (Joh 4,34); „Ich tue allezeit, was ihm wohlgefällt“ (Joh 8,29). Der Grund ist offensichtlich: Die Tat folgt dem Sein; was wir sind, entscheidet darüber, was wir tun. In ähnlicher Weise ergibt sich die apostolische Sendung aus unserem Christsein. Was wir sind und was wir tun sind zwei Seiten derselben Medaille.

3. “Hier sind meine Mutter und meine Brüder.“ An einer anderen Stelle im Evangelium sagt Christus: „Wer immer den Willen Gottes tut, ist mir Bruder und Schwester und Mutter“ (Mk 3,35). Die Familie Christi ist ewig. Er heißt diejenigen willkommen, die seinen Willen tun, weil wir dafür erschaffen wurden, seinen Willen zu tun. Wenn wir unserer Berufung treu sind und so zur Vollendung gelangen, dann entsprechen wir den Hoffnungen und Träumen, die der Herr für uns hat. Er will, dass wir heilig sind. Er hat uns für sich selbst geschaffen. Nichts würde ihm mehr gefallen als am Ende sagen zu können: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, erbt das Reich, das euch von der Erschaffung der Welt an bereitet ist“ (Mt 25,34).

Gespräch mit Christus:  Herr, ich will Teil deiner Familie sein. Ich will deinen Willen tun, weil ich weiß, dass es mich heilig machen wird. Dein Wille heiligt uns. Mach du mich heilig, Herr. Gib mir die Gnade, deinen Willen zu erkennen, zu lieben und zu erfüllen.

Vorsatz:   Ich werde meinen Tag noch einmal durchdenken, bevor ich heute zu Bett gehe, und erforschen, wie ich Gottes Willen heute erfüllt habe.


Wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein

25. Juli 2007

Mittwoch der sechzehnten Woche im Jahreskreis
Heiliger Apostel Jakobus

P. Robert DeCesare LC

Mt 20,20-28
Damals kam die Frau des Zebedäus mit ihren Söhnen zu Jesus und fiel vor ihm nieder, weil sie ihn um etwas bitten wollte. Er fragte sie: Was willst du? Sie antwortete: Versprich, dass meine beiden Söhne in deinem Reich rechts und links neben dir sitzen dürfen. Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagten zu ihm: Wir können es. Da antwortete er ihnen: Ihr werdet meinen Kelch trinken; doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die mein Vater diese Plätze bestimmt hat. Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über die beiden Brüder. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Einführendes Gebet:   Herr, als dein Geschöpf verdiene ich keine Extras von dir. Ich habe dich mit meinen Sünden verletzt, und doch wolltest du mir deine große Liebe zu mir zeigen, indem du am Kreuz für mich gelitten hast und gestorben bist. Ich glaube, dass der Vater dich in die Welt gesandt hat, um uns den Weg zur Erlösung zu zeigen. Herr, ich hoffe auf dich, weil du der Freund bist, der sein Leben für seine Freunde hingibt. Ich liebe dich, weil du mich zu einem Kind Gottes machen wolltest. Du wolltest mich durch meine Taufe in deine Familie eingliedern. Ich danke dir dafür, dass du mir deine Freundschaft angeboten hast.

Bitte:  Herr, gib mir die Gnade, die Nächstenliebe so zu leben, wie du sie uns vorgelebt hast.

1. Was ist Größe? „Manche werden groß geboren, manchen wird die Größe aufgedrängt“, sagt das Sprichwort. Wir verwechseln Größe oft damit, eine Berühmtheit oder jemand mit sehr viel Geld zu sein. Man wird nicht groß, weil man etwas hat. Größe kommt daher, wer man ist. Sie kommt daher, die Person zu sein, die man sein sollte. Große Menschen sind nicht groß, weil die Leute sie bewundern. Große Menschen sind groß, weil sie etwas für andere tun. Große Menschen erkennen, dass sie eine Spur hinterlassen, wenn sie etwas für Gott und für ihren Nächsten tun, weil dies der einzige Weg ist, die Geschichte zu beeinflussen.

2. „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.“ „Es geht nicht um mich.“ Das Leben ist nicht für mich. Das Leben ist für andere da. Wir sind nicht für uns selbst geschaffen, und niemand ist eine Insel. Wir verehren zu oft die „Unheilige Dreifaltigkeit“ – mir, mich und Ich –und denken, dass wir der einzige Grund und das einzige Ziel unserer Existenz sind. Aber Gott hat uns nicht geschaffen, damit wir uns selber erhöhen. Er schuf uns, damit wir anderen dienen. Gott gibt sich selbst als das Beispiel par excellence, das wir nachahmen sollen, und er lädt uns ein, ihm zu folgen. Er zeigt uns seine Größe dadurch, dass er sich am Kreuz hingibt, und bietet uns die Möglichkeit an, sein Beispiel wahrer Größe nachzuahmen.

3. “Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen.“ Christus versteht, dass seine Größe von ihm verlangt, der Kleinste von allen zu sein. Wenn wir seine Größe nachahmen wollen, dann bedeutet „wie Christus zu werden“ für uns, ihn darin nachzuahmen, anderen zu dienen. „Wenn man also im Licht dieser Haltung Christi nur wirklich »herrschen« kann, indem man »dient«, verlangt »das Dienen« gleichzeitig eine solche geistige Reife, die man geradezu als »herrschen« bezeichnen muß. Um würdig und wirksam den anderen dienen zu können, muss man sich selbst zu beherrschen vermögen, muss man jene Tugenden besitzen, die diese Beherrschung ermöglichen. Unsere Teilnahme an der königlichen Sendung Christi - an seinem »Königsamt« (munus) - ist eng verbunden mit jedem Bereich der christlichen und zugleich menschlichen Moral“ (Johannes Paul II, Redemptor Hominis, 21).

Gespräch mit Christus:  Herr, du lehrst mich, was es bedeutet, groß zu sein. Du hast dich selbst am Kreuz entäußert, um mir zu zeigen, wie weit ich gehen sollte, wenn ich in diesem Leben wirklich groß sein will. Hilf mir, die Berufung zur Größe zu leben, eine Berufung, die von mir verlangt, dass ich meinen Brüdern und Schwestern diene.

Vorsatz:   Ich werde heute zweimal jemandem dienen, ohne dass er es merkt.


„Selig bist du!“

26. Juli 2007

Donnerstag der sechzehnten Woche im Jahreskreis
Heiliger Joachim und heilige Anna, Eltern der Jungfrau Maria

P. Robert DeCesare LC

Mt 13,10-17
Da kamen die Jünger zu Jesus und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? Er antwortete: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu erkennen; ihnen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen, weil sie hören und doch nicht hören und nichts verstehen. An ihnen erfüllt sich die Weissagung Jesajas: „Hören sollt ihr, hören, aber nicht verstehen; sehen sollt ihr, sehen, aber nicht erkennen. Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden und mit ihren Ohren hören sie nur schwer und ihre Augen halten sie geschlossen, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören, damit sie mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen, damit sie sich nicht bekehren und ich sie nicht heile.“ Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören. Amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.

Einführendes Gebet:   Herr, ich danke dir, dass du mich erschaffen und mir das Leben geschenkt hast. Ich danke dir für die Gnade, dich zu kennen. Ich glaube, Herr, dass du mich durch die Taufe in deine Familie aufgenommen hast, und dass du mich zu einem Kind Gottes gemacht hast. Ich hoffe auf dich, Herr, weil du dich selbst für mich hingegeben hast. Vergrößere meine Hoffnung, Herr. Ich liebe dich dafür, dass du mich dich erkennen lässt. Ich liebe dich für das Geschenk des katholischen Glaubens und dafür, dass du mich berufen hast, ihn ganz zu leben.

Bitte:  Herr, gib mir die Gnade, gut zu nutzen, was du mir gegeben hast.

1. „Euch ist es gegeben, das Himmelreich zu erkennen.“ Gott erlaubt uns, ihn zu kennen. In einer Welt, in der zwei Drittel der Bevölkerung Christus immer noch nicht kennen, und in der viele Menschen, die getauft wurden, ihn nicht mehr kennen, haben wir das Geschenk, ihn zu kennen. Dieses Geschenk, das wir haben, ist nichts, was man vergeuden oder auf die leichte Schulter nehmen dürfte. Es hatte seinen Grund, dass Gott wollte, dass wir das Himmelreich erkennen. Er wollte, dass wir ihn kennen, damit wir ihn eines Tages in der Ewigkeit erfahren können. Er hat uns erlaubt, etwas über das Reich Gottes zu wissen, damit wir erkennen, warum wir hier sind und wohin wir gehen, dass die Zeit, die wir auf der Erde haben, kurz ist, und dass es wichtig für uns ist, unsere Zeit zu nutzen, um unser ewiges Ziel zu erreichen.

2. „Wer hat, dem wird noch mehr gegeben.“ Das Wissen von Gott ist etwas, das wir mit anderen teilen müssen. Gott will, dass alle Menschen erlöst werden. Wir dürfen unser Wissen von Gott nicht für uns selbst behalten. Wir haben es, und Gott will uns mehr geben, aber mehr wird uns nur dann gegeben, wenn wir das, was wir haben, bewahren, einsetzen und darauf aufbauen. Gott hat uns so viele Geschenke gegeben: das Geschenk, zu seiner Kirche zu gehören, das Geschenk, ihn zu kennen, das Geschenk seines Sohnes. Indem er uns das alles schenkt, hofft Gott, dass wir es gut nutzen. Er lädt uns ein, jeden Moment unserer Zeit als Gott gegebene Möglichkeit zu nutzen, etwas für ihn und für das Wohl unserer Brüder und Schwestern zu tun.

3. Wie selig sind wir! So viele Menschen sind verzweifelt, weil sie Christus nicht kennen. Der Herr hat unserem Leben durch die Gnade, dass wir ihn kennen, eine Bedeutung gegeben. Jeder will Erfüllung. In Christus lernen wir sowohl die Intensität dieser Sehnsucht kennen, als auch, wie wir sie erfüllen. Was für ein Geschenk hat Christus uns dadurch gegeben, dass wir ihn kennen, lieben und erfahren dürfen! Es ist das, was jeder braucht, was jeder in seinem tiefsten Innern will, und was doch so wenige finden. Welch ein Segen ist es, in Freundschaft mit Christus zu leben.

Gespräch mit Christus:  Herr, du hast mich so sehr gesegnet durch das Geschenk, zu deiner Kirche zu gehören, dich zu kennen und dich zu lieben. Herr, ich glaube, dass du mir Freude und Glück geben willst. Hilf mir, mit dir zusammen zu arbeiten, damit ich nicht verschwende, was du mir gegeben hast, und damit ich das Beste aus dem mache, was du mir geben willst.

Vorsatz:   Heute werde ich einem Freund etwas von der Kirche erzählen.


Wie ist mein Boden?

27. Juli 2007

Freitag der sechzehnten Woche im Jahreskreis

P. Robert DeCesare LC

Mt 13,18-23
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Hört also, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet. Immer wenn ein Mensch das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt alles weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; hier ist der Samen auf den Weg gefallen. Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt, aber keine Wurzeln hat, sondern unbeständig ist; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er zu Fall. In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum und es bringt keine Frucht. Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht, hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.

Einführendes Gebet:   Herr, ich bin sehr schwach und brauche deine Gnade. Ohne deine Hilfe bleibt mein Boden trocken und unfruchtbar. Ich glaube, Herr, dass du meinen Boden nähren willst. Ich hoffe auf dich, Herr, weil du mein Herr und mein Gott bist. Du, Herr, bist meine Hoffnung. Ich liebe dich, Herr, weil du viel für mich tun willst, um mir beizustehen und mir zu helfen. Dieses Gebet sei ein Zeichen meiner Liebe zu dir.

Bitte:  Herr, nähre meinen Boden mit deinem Wort und deiner Liebe.

1. Der Weg. Wir können bisweilen unkooperativ sein und behindern Gottes Gnade in unserem Leben. Oft will er viel tun, aber wir beachten ihn nicht oder ignorieren ihn. Dies passiert mit dem Samen, der auf den Weg fällt. Er ist da, auf dem offenen Feld, klar auf dem Boden, und wartet darauf, dass der Weg sich öffnet und ihn aufnimmt. Aber der Weg lehnt den Samen ab. Er ist hart, unwillig und unnachgiebig. So können wir mit Gott sein. Gott will in unsere Herzen kommen, vielleicht um uns etwas Offensichtliches zu sagen, das wir um unserer selbst willen hören müssen. Aber wir beachten nicht, was er uns sagt. Wir ignorieren ihn, und so geschieht es, dass der Böse kommt und uns das Gute wegnimmt, das wir emfpangen hätten, wenn wir für die Eingebungen des Herrn offen gewesen wären.

2. Der felsige Boden. Oft sehen wir das Ziel. Wir wissen, was wir wollen. Aber wenn es darum geht, das, was wir wollen, in die Tat umzusetzen, versagen wir. Wir geben schnell auf. Wir beginnen voll Enthusiasmus den Weg zur Heiligkeit, doch der Enthusiasmus lässt schnell nach. Dies geschieht oft, weil wir die Mühe scheuen, die es kostet, tiefe Wurzeln zu schlagen. Wir sollten immer innere Ausgeglichenheit suchen, beharrlich im Gebet und im Empfang der Sakramente sein und uns selbst ganz Gott hingeben. Diese Hingabe besteht in einer ernsten und praktischen Überwindung unseres Egoismus. Ein wirklicher und objektiver täglicher Kampf ist nötig für jede Seele, die mit Gott kooperieren will. Jemand, der diese Dinge tun will, weiß, dass er nicht oberflächlich sein darf. Die Wurzeln müssen tief sein, und dies braucht Geduld und Zeit.

3. Der fruchtbare Boden. Der fruchtbare Boden empfängt das Wort Gottes und nimmt es auf. Es geht tief. Die Wurzeln des Samens breiten sich unterirdisch aus und bekommen einen starken Halt, um die Pflanze, die bald gedeihen wird, zu stützen. Der Boden liefert den Grund für den Samen, Halt zu fassen. Dies geschieht durch Gebet, Opfer, die Sakramente und die Ausübung der Tugenden. Der Samen hingegen bettet sich in den Boden ein. Er verwurzelt sich selbst im Boden durch die heiligmachende Gnade, die Eingebungen des Heiligen Geistes. Wer solch einen Boden besitzt, ist bereit, solche Wurzeln sich ausbreiten zu lassen. Solcher Boden ermöglicht es dem Samen, zu sprießen und eine reiche Ernte aus der empfangenen Gnade hervorzubringen.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich will dir fruchtbaren Boden geben. Ich will dir geben, was ich kann, damit dein Samen in mir Frucht tragen kann. Ich erkenne, Herr, dass es nicht genug ist, dein Wort zu empfangen. Es liegt auch an mir. Ich muss meinen Teil tun und mithelfen. Gib mir Ohren, die dein Wort hören und Boden, es gut aufzunehmen, so dass ich eine reiche Ernte bringe.

Vorsatz:   Ich werde ein Opfer bei einer Mahlzeit bringen, um meinen Willen zu formen und in der Selbstbeherrschung zu wachsen.


Der Herr ist gnädig und barmherzig

28. Juli 2007

Samstag der sechzehnten Woche im Jahreskreis

P. Robert DeCesare LC

Mt 13,24-30
Und Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube an deine Kirche. Ich glaube, dass sie das Sakrament der Erlösung ist, das mich in den Himmel führen wird. Herr, ich hoffe auf dich. Ich hoffe auf dich, weil du mir einen Platz im Himmel bereitet hast. Ich liebe dich, weil du mich zuerst geliebt hast. Ich liebe dich, weil du dich selbst am Kreuz für mich hingegeben hast.

Bitte:  Vergib mir, Herr, dass ich dich verletzt habe, und ermutige mich, fortzufahren, wie du es willst.

1. Mein Acker. Herr, du hast mir das Geschenk der Taufe gegeben, und das Geschenk, dein Kind sein zu dürfen. „Die Taufe ist die schönste und herrlichste der Gaben Gottes“ (KKK 1216). Diese Gabe von dir ist etwas, das ich nicht verdiene. Ich wurde mit der Erbsünde geboren, und doch hat es Gott in seiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit gefallen, meinen unfruchtbaren Acker zu nähren und mir das Himmelreich anzubieten. Durch die lebensspendenden Wasser des Sakraments der Taufe nimmt er einen Acker, der Ödland und Wüste war, und lässt ihn gedeihen. Dann säht er Weizen auf den Acker, so dass er im Überfluss Frucht bringt.

2. Warum verderbe ich meinen Acker? Herr, obwohl du mich durch die Taufe in deine Familie aufgenommen hast, gibt es Zeiten, in denen ich mein Lebensziel, den Himmel, vergesse. Ich bin schwach, und wegen meiner Schwäche verderbe ich meinen Acker bisweilen mit Unkraut. „Im Getauften verbleiben jedoch gewisse zeitliche Folgen der Sünde: Leiden, Krankheit, Tod, Gebrechen, die mit dem Leben gegeben sind (wie etwa Charakterschwächen), sowie eine Neigung zur Sünde, die von der Tradition als Konkupiszenz (Begierlichkeit) oder, bildhaft, als ‚Herd der Sünde’ (fomes peccati) bezeichnet wird. Da die Begierlichkeit ‚für den Kampf zurückgelassen ist, kann sie denen, die (ihr) nicht zustimmen und mit Hilfe der Gnade Christi Jesu mannhaft widerstehen, nicht schaden. Vielmehr wird sogar, ‚wer recht gekämpft hat, den Kranz erhalten’“ (KKK 1264).

3. Deine Barmherzigkeit. Herr, obwohl ich Unkraut auf meinen Acker, auf dem vorher nur Weizen war, gesät habe, gibst du mir Zeit dafür, dass das Gute auf dem Acker wächst. Du weißt, dass noch nicht alles verloren ist. Es gibt immer noch Hoffnung und immer noch Zeit. Obwohl ich dich durch meine Sünden verletzt habe und obwohl ich mich selbst und meine Neigung zur Sünde nicht bekämpft habe, erfahre ich immer noch deine Liebe. Du hast mich nicht aufgegeben, obwohl es mir so erscheinen mag, als habe ich mich oft selbst aufgegeben. Du schenkst mir Zeit, damit ich sie nutze, um wieder gutzumachen, was ich getan habe, um meinen Acker wiederherzustellen und den guten Weizen zu vermehren, so dass die Ernte, die ich einbringe, fruchtbar und reich sein mag.

Gespräch mit Christus:  Herr, danke für das Geschenk deiner Barmherzigkeit. Danke, dass du geduldig mit mir bist, dass du mich so liebst, wie ich bin und dass du mich ermutigst, weiter so zu wachsen, wie ich es sollte.

Vorsatz:   Ich werde mir Zeit dafür nehmen, eine gute Beichte vorzubereiten.