Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 22. April 2007 bis Samstag 28. April 2007

Dritte Osterwoche

P. James Swanson LC

Jesus belässt den Menschenfischer in seinem Amt Sonntag
Glauben kommt vom Herzen, nicht vom Verstand Montag
Das Innerste Jesu zu sehen bekommen Dienstag
Die Zeit für Heiligkeit ist gekommen; die Zeit für Wunder ist vorbei Mittwoch
Wie wird das Leben im neuen Jerusalem sein? Donnerstag
Streben nach einem erfüllten Herzen Freitag
Christlicher Glaube hat mit Überzeugung zu tun, nicht mit Verstehen Samstag


Jesus belässt den Menschenfischer in seinem Amt

22. April 2007

Dritter Sonntag in der Osterzeit

P. James Swanson LC

Joh 21,1-19
Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling), Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt. Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.
Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

Einführendes Gebet:   Herr Heiliger Geist, hilf mir, dir mein Herz ganz zu öffnen. Ich will dir nicht etwas erzählen, was du meiner Meinung nach hören willst. Ich will dir gegenüber ganz offen sein, um dir das zu erzählen, was wirklich in meinem Herzen ist.

Bitte:  Herr, hilf mir und schenke mir die Liebe, die ich brauche, um deinen Willen heute zu erfüllen.

1. Petrus besitzt wenig, was ihn für seine Führungsrolle geeignet machen könnte. Der Herr hat Petrus eine Aufgabe anvertraut, und er erwartet von ihm, dass er sie erfüllt. Petrus musste erfahren, wie unwürdig er ist, als er Jesus drei Mal im Hof des Hohenpriesters in der Nacht, als jener gefangen genommen wurde, verleugnet hat. Gerade dann, als Jesus ihn am meisten gebraucht hat, hat er sich von ihm abgewandt. Wie reagiert Jesus? Nimmt er Petrus die Führungsrolle weg und gibt sie jemandem anderen? Hat nicht Johannes den Beweis geliefert, dass er mehr dazu geeignet ist, der Anführer der Apostel zu sein, der Fels zu sein, auf den Jesus seine Kirche bauen kann? Er hat Jesus nie verleugnet, obwohl er den Hohenpriester kannte, und bestimmt wusste dieser, dass er ein Jünger Jesu war; die Gefahr bestand also sehr wohl, dass er ihn zusammen mit Jesus hätte töten lassen können. Aber Jesus nimmt Petrus nicht sein Amt weg und gibt es Johannes. Im Gegenteil, er wendet sich erneut an Petrus und spricht ihm sein Vertrauen aus.

2. Petrus überschätzt sich selbst aufgrund seines Stolzes. Petrus hatte eine starke Liebe zu Jesus, aber sie war nicht stark genug. Am Abend des letzten Abendmahls dachte er, dass er für Jesus sterben wollte, dabei irrte er sich aber. Als die Prüfung kam, versagte er. Wie Petrus tendieren auch wir dazu, uns selbst zu überschätzen, was unsere Bereitschaft betrifft, Jesus nachzufolgen. Unter gewöhnlichen Umständen gelingt uns das, sobald aber Schwierigkeiten auftreten – Versuchungen, Widerstand, Verfolgung – versagen wir wie Petrus. Wir lieben den Herrn, aber nicht genug. Jesu Reaktion ist dieselbe: Er verliert nicht sein Vertrauen in uns. Er lässt uns nicht fallen. Er wartet geduldig darauf, dass wir in unsere Aufgabe hineinwachsen.

3. Das ist eure Aufgabe; bemüht euch, sie immer besser zu erfüllen. Warum versagt Petrus? Er liebt Jesus nicht genug. Seine Liebe war echt, es gab aber Dinge, die größer als seine Liebe waren – zum Beispiel seine Furcht. Am Abend des letzten Abendmahls rannte er weg, als Jesus verhaftet worden war. Er verleugnete Jesus drei Mal. Jedes Mal war seine Furcht größer als seine Liebe. Um der erste Papst zu werden, musste seine Liebe viel stärker werden. Er brauchte eine abgrundtiefe Liebe. Darum fragte ihn Jesus drei Mal: „Liebst du mich?“ Er sagt Petrus, dass er für sein Amt eine Liebe ohne Grenzen braucht. Er braucht eine Liebe ohne Grenzen, um der Fels zu werden, auf den Christus seine Kirche bauen kann. Jesus lässt ihn nicht fallen. Er gibt sein Amt nicht einem Anderen. Petrus muss beständig nach dieser Liebe streben, so wie wir nach einer grenzenlosen Liebe streben sollen, um für die Aufgaben bereit zu werden, die Jesus uns anvertraut hat.

Gespräch mit Christus:  Herr, manchmal wäre ich am liebsten alle meine Verantwortlichkeiten los, die du mir gegeben hast. Manchmal wünschte ich mir, dass du sie den Menschen gibst, die viel besser als ich dazu geeignet sind. Ich weiß, dass du mir die notwendigen Gnaden gegeben hast, um meine Verantwortlichkeiten zu erfüllen. Du weißt, dass ich die Fähigkeiten habe, um die Talente, die ich brauche, zu entwickeln. Hilf mir, dir nicht träge oder unverantwortlich zu dienen. Bewahre mich davor, zu denken, dass meine Arbeit gut ist, wenn sie es gar nicht ist. Gib mir neuen Mut, so wie du Petrus ermutigt hast, damit ich all das erfüllen kann, was du von mir in diesem Leben erwartest.

Vorsatz:   Ich will heute an mir arbeiten. Vielleicht finde ich ein geistliches Buch, das mir hilft, Gott näher zu kommen. Vielleicht besuche ich einen Vortrag oder nehme an einem christlichen Kurs teil, um Klarheit darüber zu erlangen, was Gott von mir erwartet – Kinder betreuen, Gebet, Werke der Nächstenliebe, usw. – und entschließe mich fest dazu.


Glauben kommt vom Herzen, nicht vom Verstand

23. April 2007

Montag der dritten Woche in der Osterzeit

P. James Swanson LC

Joh 6,22-29
Am nächsten Tag sah die Menge, die am anderen Ufer des Sees geblieben war, dass nur noch ein Boot dort lag, und sie erfuhren, dass Jesus nicht mit seinen Jüngern ins Boot gestiegen war, sondern dass die Jünger allein abgefahren waren. Von Tiberias her kamen andere Boote in die Nähe des Ortes, wo sie nach dem Dankgebet des Herrn das Brot gegessen hatten. Als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus. Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen? Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt. Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.

Einführendes Gebet:   Herr Heiliger Geist, hilf mir, die Wahrheit zu erkennen und anzunehmen. Lass mich vor allem die Wahrheit über meine eigene Seele erkennen, damit ich mein Leben realistisch planen kann.

Bitte:  Herr, hilf mir, davon überzeugt zu sein, dass ich nicht glücklich werden kann, wenn du nur eine Nebenrolle in meinem Leben spielst, sondern nur, wenn du der Mittelpunkt meines Lebens bist.

1. Neugierde genügt für den Anfang. Nachdem Jesus die Fünftausend gespeist hatte, zieht er sich zurück. Die Leute, die er gespeist hatte, suchen ihn, weil sie wieder hungrig sind. Sie suchen ihn, weil sie hoffen, dass er sie wieder speisen wird oder weil sie vielleicht ein anderes Wunder miterleben wollen, nur so aus Neugierde. Unsere erste Begegnung mit Jesus fängt oft auf diese Weise an. Wenn wir beginnen, ihm nachzufolgen, werden wir gleich von ihm beschenkt. Das Gebet macht uns Freude. Es ist interessant, immer mehr von ihm zu erfahren. Probleme, die ich schon lange mit mir herumgetragen habe, verschwinden über Nacht. All das bewirkt, dass ich ihm mit steigendem Interesse nachfolge. Vielleicht ist es auch nur deshalb, weil ich mich an den Gebeten erfreue, die ich spreche. Vielleicht aber auch deshalb, weil ich mich nach den schönen Dingen für mein Leben sehne, die mein Interesse an ihm vertiefen. Vielleicht ist es einfach Neugierde. Was auch immer der Grund war, es ist gut, über die Zeit nachzudenken, in der meine Beziehung zu Jesus ihren Anfang nahm, um meine Liebe zu ihm zu vertiefen. Welches sind die wichtigsten Punkte meiner Bekehrung? Ich sollte sie wie einen Schatz bewahren. Ich sollte über sie meditieren.

2. Sich in Jesus verlieben bedeutet, in die Tiefe zu wachsen. So wunderbar diese Momente auch waren, wir müssen über sie hinausgehen. Wir müssen tiefer gehen. Es ist gut, Jesus nachzufolgen, egal aus welchem Beweggrund: Neugierde, Freude, und so weiter. Es ist aber besser, ihm aus Liebe nachzufolgen. Die Beziehung zu ihm, die aus irgendeinem anderen Grund begonnen hat, muss sich neu auf die Liebe gründen. Das trifft auf alle guten Beziehungen in unserem Leben zu. Ich lerne jemanden kennen. Ich entdecke in ihm einen Schatz, der auch ein Teil meines Lebens werden soll. Ich fühle in meinem Herzen den Wunsch, mich dieser Person für ein Leben lang zu hinzugeben. Ist meine Überzeugung die gleiche, was die Beziehung zu Jesus betrifft? Führt sie mich dazu, dass Jesus in meinem Leben immer wichtiger wird?

3. Christlicher Glaube ist die feste Überzeugung, dass Jesus für mein Glück unerlässlich ist. Wir müssen nach der Speise suchen, die zum ewigen Leben führt, und das Entscheidende bei dieser Suche ist die Liebe zu Jesus. Wenn wir jemanden fest lieben, werden wir alles tun, damit diese Person ein Teil unseres Lebens wird und wir werden alles tun, um diese Person glücklich zu machen. Dasselbe ist wahr in unserer Beziehung zu Jesus. Liebe ich ihn tief genug, so dass kein Opfer zu groß ist, um ihn zu einem Teil meines Lebens zu machen, um ihn glücklich zu machen? Erinnern wir uns auch daran, dass dies einen wesentlichen Teil unseres Glaubens an Jesus ausmacht. Wir machen einen großen Fehler, wenn wir meinen, dass der christliche Glaube nur bedeutet, eine Tatsache, eine Lehre oder ein Dogma anzunehmen. Nein. Der christliche Glaube ist die feste Überzeugung, dass Jesus nicht nur existiert, sondern dass er für mein Glück, für meine Erfüllung, unerlässlich ist. Mein Glaube an Jesus muss mich dazu bewegen, alles zu tun, was notwendig ist, um ihn in mein Leben einzulassen und ihn nie mehr zu verlieren. Nur dann ist es ein wahrer christlicher Glaube. Nur dann „erfüllen wir die Werke Gottes“. Nur dann „nehmen wir den an, der er gesandt hat.“

Gespräch mit Christus:  Lieber Herr, mein Glaube ist oft so schwach. Ich möchte mit einem wirklichen christlichen Glauben an dich glauben. Ich möchte, dass mein Glaube mehr ist, als die verstandesmäßige Annahme der Tatsache, dass du existierst, dass du für mich am Kreuz gestorben bist. Ich möchte, dass mein Glaube aus dem Herzen kommt. Bitte hilf mir, die feste Überzeugung zu haben, dass ich ohne dich in meinem Leben nicht glücklich werden kann, damit ich alles tue, was jeden Tag in meinem Leben notwendig ist, dass du ein Teil meines Lebens wirst.

Vorsatz:   Ich will heute Abend mein Gewissen erforschen und mich fragen, welches die Beweggründe für das Leben dieses heutigen Tages waren – Neugierde oder andere menschliche Neigungen? Oder eine tiefe Liebe zu Jesus?


Das Innerste Jesu zu sehen bekommen

24. April 2007

Dienstag der dritten Woche in der Osterzeit

P. James Swanson LC

Joh 6,30-35
Die Leute sagten zu Jesus: Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen. Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.

Einführendes Gebet:   Heiliger Geist, erleuchte mich in dieser Betrachtung, damit ich klar erkennen kann, was du mir sagen möchtest. Hilf mir, immer die Wahrheit im Gebet zu suchen und zu finden und davon überzeugt zu sein, dass ich die Wahrheit im Gebet finden muss, bevor ich sie irgendwo sonst finden kann. Denn du bist die Wahrheit.

Bitte:  Herr, hilf mir, dass ich mich nicht für Zeichen, sondern vielmehr für die Begegnung deiner Liebe interessiere, vor allem bei meiner Gewissenserforschung.

1. Was hast du in letzter Zeit für mich getan? Die Menge bittet Jesus um ein Zeichen und das ist seltsam. Ist es nicht die gleiche Menge, die er einen Tag zuvor mit fünf Broten und zwei Fischen gespeist hat (vergleiche Joh 6,1-14)? Sagten sie damals nicht: „Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll.“ (Joh 6,14)? Musste sich Jesus nicht von ihnen zurückziehen, weil sie ihn zum König machen wollten (vergleiche Joh 6,15)? Wie konnten sie so schnell ihre Einsichten vergessen, zu denen sie erst gestern kamen? Sie sollten alles haben, was sie brauchen, um an Jesus zu glauben; dennoch fragen sie nach einem weiteren Zeichen. Manchmal bin ich genauso. Es gibt eine Überfülle an Wohltaten, die Jesus mir erwiesen hat. In dem Augenblick, in dem sie mir zuteil werden, empfange ich sie mit Freude. Vielleicht bin ich dankbar, aber meistens schenke ich Jesus nicht genug Vertrauen. Auch wenn ich nicht vergesse, ihm zu danken, scheine ich schon am nächsten Tag (manchmal sogar noch eher) alles vergessen zu haben. Ich bitte wieder um neue Gaben. Vielleicht glaube ich, dass er nie etwas für mich tut. Wie ist es möglich, dass ich so unfähig bin, alle Zeichen seiner Liebe, die er mir jeden Tag gibt, zu erkennen?

2. Die Menge wird ausgerechnet durch den Psalm, den sie Jesus vorhalten, verurteilt. Die Menge zitiert die Schrift, um Jesus dazu zu bringen, Brote zu vermehren: „Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen“ (Psalm 78,24). Sie suchten ihren eigenen materiellen Vorteil und wollten ihn dazu bringen, ein Wunder zu bewirken, das sie jeden Tag ernähren würde, wie das Manna in der Wüste, das ihre Vorfahren vierzig Jahre lang nährte. Jedoch verurteilen ihre eigenen Worte sie. Psalm 78 spricht von der Hartherzigkeit ihrer Vorfahren in der Wüste, trotz des Mannas und anderer Zeichen, die der Herr für sie getan hat: „Da aßen alle und wurden satt; er hatte ihnen gebracht, was sie begehrten…. Doch sie sündigten trotz allem weiter und vertrauten nicht seinen Wundern.“ (Psalm 78,29,32). Behandelt mich Jesus nicht mindestens ebenso gut wie die Hebräer in der Wüste? War er nicht immer bereit, mir zu helfen? Hat er mir nicht immer gegeben, was ich brauche, sogar in den hoffnungslosesten Situationen meines Lebens, solange ich bereit bin, seine Hilfe anzunehmen?

3. Jesus gibt uns immer Besseres als das, worum wir bitten. Sie bitten um mehr gewöhnliches Brot, aber Jesus verspricht ihnen etwas Besseres – Brot, um die Seele zu nähren. Jesus macht es immer so. Er beginnt mit Alltäglichem, indem er über einfache Dinge spricht, und leitet dann das Gespräch auf mehr geistige Dinge über. Uns ist wohl bewusst, wie sehr wir gewisse Dinge täglich brauchen, wie das Brot zum Beispiel. Jesus gibt uns zu verstehen, dass wir ebenso etwas brauchen, wenn nicht sogar mehr, was unsere Seele nährt. Die Menge aß gestern und war gestern zufrieden. Heute sind sie wieder hungrig und kommen zu Jesus in der Hoffnung, dass ihnen etwas wie das Manna gegeben wird, das sie jeden Tag sättigen wird, so dass sie sich nicht wieder Sorgen wegen des alltäglichen Hungers machen müssen. Jesus geht darüber hinaus und spricht zu ihnen von einem Brot, das kommt, ein Brot, das ihre Seele so nähren wird, dass sie nie mehr nach einer anderen geistigen Quelle suchen müssen. Er gib ihnen etwas bei weitem Besseres als das, um was sie ihn baten: das Brot seines eigenen Leibes.

Gespräch mit Christus:  Lieber Jesus, so häufig sehe ich die Dinge nur aus meiner Perspektive der Selbstsucht. Ich denke nur an mich selbst und sehr materialistisch, wobei ich all das nicht erkenne, was im übernatürlichen Bereich geschieht, als da sind die himmlischen Gaben, die du mir jeden Tag schenkst. Hilf mir, mich mehr um meine Seele zu kümmern und weniger selbstsüchtig zu sein. Ich möchte nicht wie die Menschen in der Menge sein, die immer wieder dieselben Fehler wie ihre Vorfahren machen. Ich möchte dieser Kurzsichtigkeit entkommen und die Freude erfahren, dich zu kennen, die Freude, dir jeden Tag in der Eucharistie zu begegnen.

Vorsatz:   Ich will heute einen Weg finden, Jesus in der Eucharistie zu begegnen. Wenn dies allerdings unmöglich ist, werde ich die geistliche Kommunion machen und Jesus bitten, in mein Herz zu kommen, auch wenn ich ihn in diesem Augenblick nicht empfangen kann, um ihn zu bitten, meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe zu ihm zu stärken.


Die Zeit für Heiligkeit ist gekommen; die Zeit für Wunder ist vorbei

25. April 2007

Mittwoch der dritten Woche in der Osterzeit
Heiliger Markus, Evangelist

P. James Swanson LC

Mk 16,15-20
Jesus erschien den Elfen und sagte zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden. Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.

Einführendes Gebet:   Heiliger Geist, hilf mir, meine Gebetszeit großzügig zu bemessen und während dieser Zeit nicht an anderes, was zu tun wäre, zu denken, ganz gleich, wie notwenig es sein mag. Gewähre mir eine stärkere Sehnsucht, die Zeit mit dir zu verbringen und sie niemals als vertan zu betrachten.

Bitte:  Herr, hilf mir, meinen Verstand und mein Herz für den ständigen Kampf um Heiligkeit, die du von mir erwartest, vorzubereiten.

1. Jesus bringt den Ball ins Rollen. Bis zu dieser Stelle im Evangelium war alles von Jesus abhängig. Er verbrachte die letzten drei Jahre damit, die Frohe Botschaft zu verkünden und alles zu erklären, was wir für unser Heil brauchen. Er hat die Wunder vollbracht, die die Propheten als Zeichen des messianischen Zeitalters angekündigt haben, vor allem Heilung der Kranken und Austreibung von Dämonen. Dies tat er häufig in Städten, Dörfern und abgelegenen Orten. Er vollbrachte gelegentlich auch andere Arten von Wundern: Speisung Tausender mit nur ein paar Broten und Fischen, Gehen auf dem Wasser, sogar Erweckung der Toten in mindestens drei Fällen. Es ist für jeden Unvoreingenommen klar, dass er der Messias sein muss, auf den sie gewartet hatten, und dass auf ihn gehört werden musste. Tausende und Abertausende hatten seine Botschaft empfangen.

2. Jesus bereitet andere vor, sein Werk fortzusetzen. Diese ganze Zeit hindurch war Jesus nicht allein. Als erstes sammelte er eine Gruppe von Jüngern; das Wort Jünger bedeutet „Schüler“. Da er den Lebensstil eines wandernden Rabbis annahm – was damals in Galiläa nichts Ungewöhnliches war- wussten seine Jünger vom ersten Tag an, was von ihnen erwartet wurde. Ein wandernder Rabbi ging von Ort zu Ort, lehrte und legte in den Dörfern die Schrift für das Volk aus, das keinen eigenen Rabbi hatte. Offensichtlich gab es auch ein paar Rabbinerschulen in Galiläa und diese Rabbiner sammelten Jünger um sich, deren Aufgabe es war, zuzuhören und von ihnen zu lernen, sich ihre Lehre einzuprägen und diese dann im ganzen Land zu verbreiten. Die Apostel hatten alles, was Jesus sie gelehrt hatte, gelernt. Darüber hinaus hatte er ihnen geboten, in seinem Namen zu predigen, und auch die Macht gegeben, zu heilen und Dämonen auszutreiben, ebenso wie er es tat. Sie waren bereits hinausgegangen und hatten es – mit überwältigendem Erfolg – getan, wie er es ihnen aufgetragen hatte. Sie waren auf den nächsten Schritt, den Jesus vorhatte, vollkommen vorbreitet: seine Kirche zu gründen.

3. Für Wundertäter ist die Zeit vorbei. Jesus macht nun diesen Schritt. Er übergibt alles den Aposteln. Gleichzeitig gibt er ihnen neue Kräfte. Diese Kräfte sind nicht für ihren eigenen Ruhm bestimmt, sondern nur als Zeichen dafür, dass sie von Gott gesandt sind. Diese Kräfte sind heute in der Kirche noch immer sichtbar als Zeichen dafür, dass ihre Mitglieder teilhaben an der gleichen Gemeinschaft, die vor langer Zeit von Jesus gegründet und von den Aposteln weiterentwickelt wurde. Warum sind diese Geschenke nicht allgemein verbreitet? Weil sie den Glauben in denen entfachen sollen, die unvoreingenommen sind. Heutzutage haben sich die meisten Menschen schon entschieden, zu den Gläubigen oder den Ungläubigen zu gehören. Viele Ungläubige sind voreingenommen. Es gibt nur wenige, die nicht glauben, weil sie von Christus noch nichts gehört haben. Sie empfangen immer noch Wunder, aber Wunder bewirken um eines Spektakels willen, ist nicht die Art Gottes. Solche Wunder würden nur dazu dienen, den Stolz der Wundertäter aufzublähen, aber sie würden nicht Gott die Ehre geben oder den Glauben vermehren. Damals brauchte die Kirche Wunder als Zeichen, dass sie ein Werk von Gott war. Heute braucht sie die viel weniger auffällige, aber umso wichtigere Arbeit im täglichen Kampf um Heiligkeit.

Gespräch mit Christus:  Lieber Jesus, ich finde so viele Ausflüchte, die Arbeit an meiner Heiligkeit beiseite zu schieben, aber gerade sie forderst du am meisten von mir. Manchmal möchte ich sagen, ich sei zu beschäftigt. Ein andermal möchte ich sagen, es sei zu schwer. Manchmal versuche ich sogar, sie zu verzögern, weil ich denke, dass ich irgendein Zeichen verdiene. Aber alle notwendigen Zeichen wurden mir gegeben. Hilf mir, deinem Gebot zu folgen, ernsthaft heilig zu werden, und noch heute damit zu beginnen.

Vorsatz:   Da Heiligkeit vor allem aus tätiger Nächstenliebe besteht, werde ich heute versuchen, Nächstenliebe in der Weise zu üben, dass der Empfänger nicht merkt, wer es tat, so dass er mir nicht danken kann. Ich möchte es aus reiner Liebe zu Gott und den anderen tun, und nicht, um für mich etwas davon zu haben.


Wie wird das Leben im neuen Jerusalem sein?

26. April 2007

Donnerstag der dritten Woche in der Osterzeit

P. James Swanson LC

Joh 6,44-51
Jesus sagte zu den Leuten: Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt; und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Bei den Propheten heißt es: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen. Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen. Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt.

Einführendes Gebet:   Heiliger Geist, hilf meinem Bemühen, dieses Gebet gut zu verrichten, so dass ich alles begreife, was du mir sagen möchtest. Hilf mir zu erkennen, dass die vollständige Hingabe im Gebet niemals vergebens ist und dass sie das sicherste Zeichen für gutes Beten ist.

Bitte:  Herr, lass mich zuversichtlich alles annehmen, was du mich durch deine Kirche lehrst, auch das, was ich nicht verstehe.

1. Jesus versucht, die Menge zum Glauben zu führen. Jesus bereitet die Menge auf eine „Bombe“ vor. Er erklärt gerade seine Lehre von der Eucharistie und er weiß, dass sie eine harte Prüfung für sie sein wird, sie anzunehmen. Er bereitet sie vor, indem er sie nachdrücklich mahnt, Glauben zu haben. Zuerst sagt er ihnen, dass sie seine Nachfolger nur sein und ihn als Messias nur annehmen können, wenn sie von Gott dem Vater „zu ihm geführt“ werden. So wie es Simon Petrus ergangen ist, als er bezeugte: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16). Darauf sagte Jesus, dass Petrus dies nur wusste, weil es ihm von Gott dem Vater durch die Gnade des Glaubens offenbart worden war. Glaube ist ein Geschenk Gottes. Wir können ihn nicht durch eigene, noch so eifrige Anstrengungen erlangen. Wir müssen Gott um ihn bitten. Nur diejenigen, die das Geschenk des Glaubens vom Vater erhalten, werden verstehen können, was Jesus über die Eucharistie sagt. Habe ich das Geschenk des Glaubens vom Vater empfangen und bin ich dadurch bereit, alle Lehren seiner Kirche anzunehmen, auch wenn ich nicht unbedingt verstehe, warum sie sie so und nicht anders lehrt? Wenn ich es noch nicht kann, werde ich demütig darum bitten?

2. Jesus offenbart die Gnaden des neuen Jerusalems. Jesus fährt fort: „Und alle werden Schüler Gottes sein.” Das ist eine Anlehnung an Jesaja: „Alle deine Söhne werden Jünger des Herrn sein, und groß ist der Friede deiner Söhne.“ (Jes 54, 13). Erinnern wir uns daran, dass, wenn Jesus einen Vers zitiert, wir immer den ganzen Text betrachten müssen, nicht nur den Vers allein. Dieser Vers bezieht sich auf diejenigen, die in dem neuen Jerusalem wohnen werden, ein Symbol der Kirche. Dieser Stelle folgt unmittelbar die letzte Passage des leidenden Dieners in Jesaja, eine Sammlung von vier Prophezeiungen, die besagen, dass der Messias zu leiden haben wird. Jesus scheint das zu bestätigen, während viele seiner Zeitgenossen nicht bereit sein werden, das anzunehmen, was er gerade zu ihnen sagt; es wird erst von allen angenommen werden, wenn die Kirche errichtet ist – nach seinem Leiden und Tod. Es ist sein Leiden, das alle Gnaden freisetzen wird, die denen versprochen sind, die zum neuen Jerusalem gehören. Er möchte, dass sich die Zuhörer an das, was er sagte, erinnern, auch wenn sie es jetzt noch nicht annehmen können. Sie werden es in der Zukunft annehmen, als Glieder der Kirche. Begreife ich, dass ich in diesem versprochenen neuen Jerusalem lebe, nach dem die Propheten sich sehnten? Nutze ich all die himmlischen Geschenke der Gnade, die vom Vater angeboten werden? Lasse ich mich von Gott belehren oder betrachte ich die Kirche nur als eine andere Gruppe von Menschen, anstatt sie als den von Gott errichteten Ort zu sehen, an dem wir alle Gnaden, die in der Bibel von Gott versprochen wurden, empfangen können?

3. Jesus offenbart zum ersten Mal seine Lehre über die Eucharistie. Schließlich offenbart Jesus zum ersten Mal in der Geschichte die Lehre über das Sakrament der Eucharistie. Er hat sein Bestes gegeben, um die Menge darauf vorzubereiten. Er hat ihnen gesagt, dass sie diese Lehre nur annehmen werden können, wenn der Vater ihnen die Gnade dazu gibt. Er sagt unmissverständlich, dass dies nur eine der Wahrheiten ist, die die Bewohner des neuen Jerusalems glauben und schätzen werden. Sie müssen besorgt und erregt gewesen sein zu hören, was er sagen wird. Schließlich sagt er es ihnen. Es wird eine neue Art Brot geben, versinnbildlicht durch das Manna in der Wüste, aber dieses Brot wird ewiges Leben geben und er, Jesus, wird dieses Brot sein. Sein Fleisch wird der Welt Leben geben. Wie werden sie auf diese Aussage reagieren? Es wird schwierig sein, sie anzunehmen, aber Jesus hat sie gewarnt zu urteilen, auch wenn sie nicht verstehen, und geduldig zu sein, weil sie, um zu verstehen, den von Gott dem Vater gewährten Glauben benötigen. Jesus schaut sie besorgt an. Werden sie ihre Herzen für diese ganz wichtige Lehre öffnen, die so notwendig ist für ihr Heil oder werden sie sie ablehnen, trotz aller Vorbereitung, die er ihnen gegeben hat? Halte ich mich mit meinem Urteil über die Lehren der Kirche zurück, die ich nicht verstehe, und warte und bitte um Glauben; oder lehne ich törichterweise ab, was ich nicht verstehe, und denke, weil ich es nicht verstehe, kann es nicht wahr sein?

Gespräch mit Christus:  Lieber Jesus, manchmal ist der Glaube so schwierig für mich. Ich neige dazu, alles daraufhin zu überprüfen, ob ich es verstehe, und lehne ab, was ich nicht verstehe. Das hat zur Folge, dass ich in großer seelischer Not lebe und so viele geistige Reichtümer entbehre, die du mir geben willst, die ich aber nur durch die Tugend des Glaubens haben kann. Bitte deinen Vater, dass er mir den Glauben schenkt, der mich zu dir führt, so dass ich mein Leben leben kann, reich an all den Geschenken, die du mir durch die Kirche, das neue Jerusalem, geben möchtest.

Vorsatz:   Ich werde heute meinen Glauben stärken, indem ich ein Schreiben des Heiligen Vaters lese (vielleicht „Sacramentum Caritatis“ über die Eucharistie, online auf der Vatikan Webseite www.vatican.va). Ich werde Gott um den Beistand des Heiligen Geistes bitten, damit ich alles annehme, was der Heilige Vater sagt.


Streben nach einem erfüllten Herzen

27. April 2007

Freitag der dritten Woche in der Osterzeit

P. James Swanson LC

Joh 6,52-59
Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit. Diese Worte sprach Jesus, als er in der Synagoge von Kafarnaum lehrte.

Einführendes Gebet:   Heiliger Geist, gib mir die Kraft, dir weiter zuzuhören und weiter nach deinem Willen zu forschen, auch wenn ich müde bin oder mein Gebet nicht gut zu verlaufen scheint. Hilf mir, von der Notwendigkeit des Gebetes überzeugt zu sein, so dass ich nie auf dem wichtigsten aller geistigen Kampfplätze aufgebe – auf dem des Gebetes.

Bitte:  Herr, wenn ich Zweifel oder Schwächen an meinem Glauben feststelle, hilf mir, niemals aufzugeben, sondern dir unbeirrt im Glauben zu folgen.

1. Die Juden versuchen zu verstehen. Die Juden haben einen kritischen Punkt erreicht. Sie sind Jesus bis zu diesem Punkt gefolgt, weil er am vorangegangenen Tag die Brote und Fische vermehrte, um die Menge zu speisen. Sie erkennen, dass es hier um etwas Außergewöhnliches geht, dass Jesus der Messias sein könnte, oder zumindest ein Prophet. Sie sind so neugierig geworden, dass sie ihm weiter folgen und Fragen stellen. Alles was er gesagt hat, hat ihnen gefallen – bis jetzt. Manches haben sie nicht ganz oder nicht richtig verstanden, aber es erinnerte sie an das, was sie zu hören gewohnt waren, so dass es ihnen keine großen Schwierigkeiten bereitete, zu verstehen. Sie fahren fort, Fragen zu stellen, suchen zu verstehen, besonders ein Verstehen, mit dem sie gut leben können.

2. Jesus wird den Juden unverständlich. Jetzt hat Jesus wirklich etwas Erschreckendes gesagt. Er möchte, dass sie sein Fleisch essen und sein Blut trinken! Er möchte sie schockieren. Er möchte von ihnen bekommen, was über das hinausgeht, was sie ihm bisher angeboten haben. Bis dahin waren die meisten von ihnen bereit, ihn als einen Brot-Versorger zu akzeptieren. Er gab ihnen gestern zu essen; vielleicht wird er es wieder tun, wenn sie nur lange genug herumhängen. Ihre Vorstellungen vom Messias sind zu materialistisch und nur auf die Wiederherstellung des Reiches Davids auf Kosten der Römer ausgerichtet. Jesus möchte sie auf eine neue Ebene heben. Er möchte sie in das Geheimnis der liebenden Großzügigkeit Gottes einführen. So gut das Manna in der Wüste auch war, er möchte etwas viel Besseres geben. So wundervoll Davids Königreich war, er möchte ein viel großartigeres Königreich geben. Es geht so weit über das hinaus, was sie suchen, dass sie nicht im Stande sind zu verstehen, was er anbietet. Es wird im Glauben angenommen werden müssen.

3. Die größten Geschenke müssen im Glauben empfangen werden. Wir können vieles verstehen, auch viele geistige Dinge. In seiner Güte hat Gott uns so viel Verstand gegeben, dass wir einige Wahrheiten über ihn begreifen können. Aber diese sind die einfacheren Wahrheiten, die nicht die volle Herrlichkeit Gottes offenbaren. Sie sind nicht so vollkommen wie die wichtigeren Wahrheiten über ihn. Jesus möchte uns sein Fleisch zum Essen und sein Blut zum Trinken geben. Er offenbart es den Menschen, aber sie verstehen ihn nicht, da sie keinen Glauben haben. Manche streifen umher, um einen anderen „Wundertäter“ zu finden. Wieder Andere suchen zu verstehen und ziehen herum, um nach einem „Lehrer“ zu suchen, den sie verstehen. Aber einige suchen auch voller Hoffnung nach der Offenbarung des Geheimnisses Gottes, dem größten Geschenk, das Gott geben kann. Sie wollen nicht ihren Bauch oder ihren Kopf füllen. Sie suchen nach etwas, was ihre Herzen erfüllt. Das ist die Art von Geschenken, die Jesus uns in Fülle geben möchte.

Gespräch mit Christus:  Herr, so häufig erbitte ich materielle Geschenke von dir. Ein andermal wünsche ich mir, deine Geheimnisse zu verstehen. Hilf mir zu erkennen, dass die größten Geschenke, die du gibst, mein Verstehen übersteigen; aber wenn ich bereit bin, sie im Glauben anzunehmen, werden sie mein Herz erfüllen. Vielleicht wird es mit der Zeit möglich, auch davon etwas zu verstehen, aber die Größe des Glaubens liegt darin, dir zu vertrauen.

Vorsatz:   Welches spirituelle Geschenk brauche ich am dringendsten? Glaube? Nächstenliebe? Demut? Etwas anderes? Ich werde mir heute Zeit nehmen, Gott im Gebet darum zu bitten, mir dieses Geschenk zu gewähren.


Christlicher Glaube hat mit Überzeugung zu tun, nicht mit Verstehen

28. April 2007

Samstag der dritten Woche in der Osterzeit

P. James Swanson LC

Joh 6,60-69
Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören? Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher. Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Einführendes Gebet:   Heiliger Geist, hilf mir, mein Gebet so zu verrichten, dass ich alle Gnaden empfange, die du mir geben möchtest. Hilf mir, in dieser Meditation tief in meine Seele vorzudringen und gewähre mir, im Glauben alles anzunehmen, was du mich lehrst.

Bitte:  Herr, gewähre mir den Glauben, der mir deine Geheimnisse zugänglich machen wird.

1. Vernunft bleibt auf der Strecke, wenn es um die Eucharistie geht. Der Evangelist Johannes schreibt, dass Jesus weiß, was in den Herzen seiner Jünger vor sich geht. Er sagt, dass Jesus „von Anfang an“ wusste, wer ihm nicht glauben würde. Ihr Unglaube nahm seinen Anfang, als er zu ihnen über die Notwendigkeit sprach, seinen Leib zu essen und sein Blut zu trinken. Für viele von ihnen war es das erste Mal, dass sie sich schwer taten anzunehmen, was Jesus sagte. Bis jetzt war so viel von dem, was er sagte, so hilfreich und so einfach zu verstehen, dass sie es bereitwillig annahmen. Bis dahin „verstanden“ sie, was Jesus ihnen sagte, aber das Verstehen wird ihnen hier nicht helfen. Hier brauchen sie Glauben und dieser fehlt ihnen. Sie verlassen Jesus.

2. Christlicher Glaube kommt von Gott allein. Jesus geht weiter und sagt, dass Glaube nur vom Vater gewährt wird. Das ist etwas, was wir hören müssen. Zu häufig denken wir, dass wir alles selbst meistern können. Wir vertrauen zu sehr uns selbst. Schließlich gelangen wir an einen Punkt in unserem Leben wie jenen, den die Jünger heute erreichen. Es übersteigt unsere Fähigkeiten weiter vorwärts zu gehen, indem wir einfach auf unsere eigenen Talente und Fähigkeiten vertrauen. Wir können nichts erreichen, was die Gewährung von Gnade betrifft, wenn wir nicht auf Gott vertrauen. Nur Gott kann uns den Glauben schenken. Glauben kommt nicht von mir. Er kommt von Gott allein. Wenn wir nicht wie die Jünger im heutigen Evangelium enden wollen, müssen wir aufhören, auf uns selbst zu vertrauen, und stattdessen auf Gott und seine Gnade setzen.

3. Das Scheitern des Judas. Warum erwähnt der Evangelist Johannes den Verrat des Judas im gleichen Satz wie den Unglauben der Jünger? Nur deswegen, weil beides den gleichen Ursprung hat. Diejenigen, die Jesus verlassen, konnten die Rede vom „Brot des Lebens“ nicht akzeptieren, weil sie darauf beharrten, etwas verstehen zu wollen, wofür sie nicht das „Werkzeug“ hatten. Judas verrät Jesus später, weil auch er nicht die Rede vom „Brot des Lebens“ akzeptieren kann. Er denkt wahrscheinlich nicht schon im ersten Augenblick seines Zweifels an einen Verrat, aber weil er darauf beharrte zu verstehen, es aber nicht schaffte, konnte er zu der Annahme kommen, dass Jesus der falsche Messias war. Wenn Judas überzeugt war, dass Jesus der falsche Messias war, dann sollte er auch die Gruppe verlassen und etwas machen, woran er glauben konnte. Genau dies schlägt Jesus seinen Aposteln vor, wenn er sie fragt: „Wollt auch ihr weggehen?“ Aber Judas geht nicht weg. Er bleibt in der Gruppe, jedoch überzeugt, dass Jesus nicht der Messias sein kann, wenn er so spricht. Weil er die Gruppe nicht verlässt, wird Judas ein Heuchler und gerät auf den Weg, der ihn zu seinem Versagen führen wird. Lasst uns den Herrn bitten, uns vor Heuchelei zu bewahren, indem wir uns für den Glauben öffnen.

Gespräch mit Christus:  Lieber Herr, so häufig komme ich zu dir in einer Haltung, die nicht demütig genug ist. Ich beharre darauf, alles sofort verstehen zu wollen, was du mich lehrst. Hilf mir, geduldig zu sein. Hilf mir, demütig zu sein. Ich weiß, dass ein Mensch unmöglich alles über dich verstehen kann, auch nicht alle Wunder und Geheimnisse, die du für uns vorgesehen hast. Gewähre mir, bitte, den nötigen Glauben, damit ich alles, was du mich lehrst, in Bescheidenheit und Aufrichtigkeit annehme.

Vorsatz:   Ich werde mein Gewissen erforschen, um herauszufinden, ob es irgendwelche Lehraussagen der Kirche gibt, die ich im Glauben nicht angenommen habe. Ich werde mir vornehmen, dies zu beichten. Auch wenn ich keine Zweifel oder Schwierigkeiten habe, werde ich trotzdem versuchen, zur Beichte zu gehen, da eine häufige Beichte eine gute Hilfe für meinen Glauben ist.