Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 11. März 2007 bis Samstag 17. März 2007

Dritte Woche der Fastenzeit

P. Shane Lambert LC

Der Herr will Früchte finden Sonntag
Die Familie Gottes ist Liebe Montag
Vergebung – Schlüssel der Erlösung Dienstag
Die Bedeutung von Gesetz und Liebe Mittwoch
Gegner des Reiches Donnerstag
Naturgesetz der Liebe Freitag
Barmherzigkeit, nicht Opfer Samstag


Der Herr will Früchte finden

11. März 2007

Dritter Sonntag der Fastenzeit

P. Shane Lambert LC

Lk 13,1-9
Zu dieser Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, so dass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte. Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden - meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.

Einführendes Gebet:   Mein Herr und mein Gott! Pflanze einen Baum in meine Seele ein, um Früchte für das ewige Seelenheil zu tragen. Ich glaube, dass du als mein Erlöser kamst. Bewahre mich vor immerwährendem Unheil. Ich liebe dich, Herr. Hilf mir, meinen Nächsten zu lieben.

Bitte:  Lehre mich, Herr, umzukehren, zu lieben und deine Frohe Botschaft zu verbreiten.

1. Empörung über das Böse. Es kann vorkommen, dass Menschen empört sind oder an Gott zweifeln wegen des Bösen und der Leiden, die sie in der Welt um sich herum sehen. Christus zeigt uns, dass diese Haltung falsch ist, weil Gott sagt: „So wahr ich lebe … ich habe kein Gefallen am Tod des Schuldigen, sondern daran, dass er auf seinem Weg umkehrt und am Leben bleibt. Kehrt um, kehrt um auf euren bösen Wegen! …“ (Ez 33,11). Gott tut nichts Böses. Wir, seine Geschöpfe, sind es, die Böses tun; Gott trägt die Folgen des Bösen doppelt: er leidet, wenn wir ihn durch unsere Sünden zurückweisen, und er leidet noch einmal am Kreuz, indem er unsere Sünden auf sich nimmt, um uns zu erlösen. Wenn es jemanden gibt, der das Recht hat, sich über das Böse in der Welt zu beklagen, dann ist es Gott. Durch sein Vergeben zeigt uns Gott seine Macht und seine Liebe. Wir sollten uns nicht über das Böse empört zeigen, sondern unsere Seelen erforschen und Buße tun für unser eigenes sündiges Handeln.

2. Zorn Gottes oder Zorn des Menschen? „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh 3,16). Bin ich ein „Augenzeuge“ der Liebe Gottes oder ein blinder Führer, der global alles verurteilt? Ja, ich strebe nach Heiligkeit – ich bringe mich sogar ein in die Gegenwart Christi. Aber ich sehe andere, die sich auf demselben zerklüfteten und engen Weg abmühen und von der Macht dieser Welt zerrieben werden. Verzweifelt mein Herz? Geht mein Zweifel so weit, dass meine „schlechten Nachrichten“ nicht nur die Ohren der anderen voll stopfen, sondern auch mein Gespräch mit Christus beeinträchtigen? Wie sehr bin ich bereit, Christus zu mir sprechen zu lassen?

3. Der Herr will Feigen finden. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13). Wie wir im heutigen Tagesevangelium lesen, ist Jesus nach drei Jahren des öffentlichen Auftritts bereit, sein Leben für mich aufs Spiel zu setzen – aber findet der Menschensohn auch Glauben oder Liebe in meinem Herzen? „Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ (Joh 3,17). Unter Pontius Pilatus wird er bald sein Blut vergießen – für meine Sünden. Wird er meinen Baum unfruchtbar vorfinden und mir noch dieses eine letzte „Jahr“ Gnade gewähren? Oder wird er meinen Baum blühend vorfinden mit süß- duftenden Früchten der guten Werke, die ich aus Liebe zu ihm getan habe? Am Karfreitag wird er an einem toten Holz hängen und sein Körper, aus Liebe zu mir hingegeben, wird wirklich zu einer Frucht, einer Wasserquelle und zu einem Nährboden für meine ausgetrocknete Seele. Lass ihn einen fruchtbaren Feigenbaum aus mir machen, so dass sich andere auch meinetwegen bekehren mögen.

Gespräch mit Christus:  Lehre mich, Herr, umzukehren, zu lieben und deine Frohe Botschaft zu verbreiten. Ich glaube an deine Sendung, die Seelen zu retten, auch die meine. Ich hoffe auf dich, weil du mir die Zeit der Gnade gewährst. Ich möchte lieben, indem ich die Frohe Botschaft deiner Erlösung verbreite. Lass mich ein Bote deiner Liebe sein.

Vorsatz:   Ich will heute anderen dienen, indem ich in meinen Gesprächen die christliche Hoffnung zum Ausdruck bringe.


Die Familie Gottes ist Liebe

12. März 2007

Montag der dritten Woche der Fastenzeit

P. Shane Lambert LC

Lk 4,24-30
Jesus sagte zu den Leuten in der Synagoge von Nazaret: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman. Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich glaube, dass du der Sohn Gottes bist. Du bist gekommen, um mir zu zeigen, wie man als Kind lebt, das aus Gott geboren ist. Ich hoffe, dass du mein Leben so umgestalten wirst, dass ich nach deinem Vorbild lebe. Ich liebe dich, Herr. Lass mein Leben ein Spiegel deiner Liebe zu mir sein.

Bitte:  Herr, lass mich vor der Welt ein Zeugnis ablegen, dass ich ein Kind Gottes bin.

1. Das wirkliche Privileg. Jesus nennt zwei Fälle außergewöhnlicher Werke der Propheten zu Gunsten von Ausländern anstelle von Angehörigen des von Gott auserwählten Volkes. Warum entschied sich Gott, diesen Ausländern und nicht seinen geliebten Kindern zu helfen? Wir finden die Antwort in der Verschiedenheit des Plans Gottes und seiner Akzeptanz beim Menschen. Denn Gott hat uns für den Himmel vorherbestimmt; er möchte jedes einzelne seiner Kinder retten. Aber unsere Untreue und unsere Zurückweisung Gottes durch die Sünde können diesen Plan vereiteln. Dennoch wird er unseren freien Willen immer respektieren. Ebenso sehr wie Gott wünscht, dass wir mit ihm für alle Ewigkeit glücklich sind, wird er uns auch, wenn wir ihn und seine Botschaft zurückweisen, in die Pflicht nehmen, bei ihm zu sein. Der Weg zur Erlösung besteht in der Annahme Gottes und seiner Liebe durch die Befolgung seiner Gebote. So sagt Jesus selbst: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ (Joh 14,15).

2. Die Familie Gottes. Der Auftrag Jesu besagt, mein Leben und das der anderen zu verändern. „Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein.“ (Mt 10,34-36). Es sollte mich dann also nicht verwundern, wenn die mir am nächsten Stehenden mich manchmal nicht verstehen oder meine Bemühungen zu lieben ablehnen. Auch die Menschen zurzeit Jesu akzeptierten ihn nicht. Die Liebe Gottes rechtfertigt mein Verhalten. Jeder, der die Liebe Gottes und die Wahrheit sucht, wird den Willen des Vaters tun.

3. Eine gerechte Belohnung. Der Auftrag zu lieben kommt von Gott. Als die Leute Steine aufhoben, um mit ihnen nach Jesus zu werfen, wiesen sie seine Mission zurück und bestätigten das, was Jesus gesagt hatte, nämlich, dass kein Prophet in seiner Heimat anerkannt wird. Wenn ich mich der Liebe Gottes wegen nicht schäme, wird Gott sich auch meiner nicht schämen. Gott wird mich beschützen. Ich lebe für ihn, nicht für mich selbst. Ich muss die Reaktionen der anderen nicht persönlich nehmen. „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.“ (Mt 10,40-41). Meine Treue zu Christus wird anderen die Gelegenheit geben, die Liebe Gottes als gleiche Belohnung zu empfangen.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, hilf mir, wie ein Kind Gottes zu leben. Unser Vater im Himmel ruft uns in seiner Liebe zu einer neuen Familie zusammen. Diese neue Familie ist eine Gemeinschaft, vereinigt durch die Bande der Liebe. Du bist unser ältester Bruder, und du zeigst uns den Weg. Hilf mir, Zeugnis für die Liebe des Vaters abzulegen.

Vorsatz:   Heute will ich Freunden und Fremden gegenüber Nächstenliebe erweisen.


Vergebung – Schlüssel der Erlösung

13. März 2007

Dienstag der dritten Woche der Fastenzeit

P. Shane Lambert LC

Mt 18,21-35
Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal. Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist! Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war. Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast. Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich glaube, dass du dein Leben zur Sühne für meine Sünden hingegeben hast. Für mich gibt es keinen Weg, dir das zu vergelten, außer, durch ein Leben in deiner Gnade. Ich hoffe, dass du mein Herz so umformen wirst, dass ich nach deinen Maßstäben lieben kann.

Bitte:  Herr, lass mich unbegrenzt lieben, so wie du liebst.

1. In Rechnung gestellt, zu wessen Lasten? Ich kann Geld bei einer Bank nicht vom Konto irgendeines anderen abheben. Auch kann ich keine Zahlung von jemandem verlangen, der mir nichts schuldet. Auch habe ich niemanden loszukaufen. Vielmehr bin ich zu einem Preis erkauft worden (vergleiche 1 Kor 7,23). Ich habe also für Christus zu arbeiten, nicht für mich. Ich muss mein Konto bei Christus ausgleichen, andere haben keine Konten bei mir auszugleichen. Wenn ich auf Rechnung Christi, d.h. im Namen Christi mit anderen verhandle, dann werde ich zu einem Sachwalter unendlicher Gnade.

2. Sich Christus dem König unterwerfen. Ich kann nicht zwei Herren dienen. Ich werde mehr den einen lieben und den anderen hassen. Ich sollte Gott lieben bis zur Geringschätzung meiner selbst oder ich riskiere, mich zu lieben bis zur Geringschätzung Gottes. ( vgl. hl. Augustinus, Die Stadt Gottes 14,28). Wem diene ich? Christus ist mein König. „Durch sein Blut haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade.“ (Eph 1.7) Durch ihn bin ich reich; die Währung seines Reichs trägt das Bild seines Herzblutes. Ich muss Gott das zurückzahlen, was ihm zusteht. Ich habe ihm mein Leben zu widmen. Es ist wahr, dass ich für meine Frau, meine Kinder und meinen Besitz als treuer Untertan des Reiches Christi sorgen muss. Dennoch kann ich es mir nicht leisten, den Lohn der Erlösung zu verlieren. Andere sollten durch meinen Dienst für sie aus Liebe zu Christus einen Nutzen haben.

3. Kostenlos. Mein Erlöser hat mich gelehrt: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ (Mt 10,8). Andere sollten ein geduldiges und großzügiges Herz in mir entdecken. Wo mein Schatz ist, da ist auch mein Herz ( vgl. Lk 12,34). Meine Fähigkeit zu lieben wird insoweit unendlich, als sich mein Herz auf Christus stützt. Liebe vergibt und schenkt Frieden. Jeder möge Gottes Gnade der Vergebung mit mir teilen. Ich will also anderen die Hoffnung bekannt machen, die uns trägt: „Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.“ (Eph 1,18)

Gespräch mit Christus:  Jesus, öffne mir die Schätze deiner Erlösung. Erlöse mich durch dein Blut. Gib, dass die anderen deine Liebe und Gnade durch mich entdecken. Berufe alle, in dein Erbe einzutreten.

Vorsatz:   Ich will heute einen Liebesdienst als Wiedergutmachung für meine Sünden oder die anderer anbieten, „denn die Liebe deckt viele Sünden zu.“ (1 Petr 4,8).


Die Bedeutung von Gesetz und Liebe

14. März 2007

Mittwoch der dritten Woche der Fastenzeit

P. Shane Lambert LC

Mt 5,17-19
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich glaube, dass du mein Erlöser bist. Ich hoffe auf deine Gnade und vertraue darauf, dass du mir meine Sünden vergeben wirst. Du erfüllst das Gesetz vor dem Vater um meinetwegen, sogar da, wo ich versagt habe, die Gebote zu beachten. Ich liebe dich, Herr, denn du bist meine Gnade und mein Weg zur Gerechtigkeit vor dem Vater.

Bitte:  Herr, unterweise mich in deiner Liebe, so dass andere deine Liebe durch mich erfahren können.

1. Die Abschlussprüfung. Für einen Studenten ist jede Abschlussprüfung ein Augenblick der Beurteilung. Am letzten Tag werde ich beurteilt, wie ich mein Leben verbracht habe. Jesus ist nicht gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben, sondern um sie zu erfüllen und sie zur Fülle zu bringen. Darum lehrt er uns „ … Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele und mit all deinen Gedanken zu lieben und deinen Nächsten zu lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.“ (Mt 22,37-40). Jesus sagt uns nicht, dass wir nur vermeiden sollen, das Böse zu tun; er fordert uns auf, Gutes zu tun. Die Fülle, die er zu bringen gekommen ist, führt zu einer Änderung der Geisteshaltung, nicht nur, dass ich mich gegen das Böse wehre, sondern dass ich eine positive Einstellung zum Leben und zu meinen alltäglichen Aufgaben bekomme. So können wir die Prüfung mit Bravour bestehen.

2. Das Benutzerhandbuch. Häufig werden die Zehn Gebote als zehn Verbote angesehen („du sollst nicht…“). Dennoch habe ich sie in einem etwas anderen Licht entdeckt. Wenn man einen neuen Computer kauft, ist das erste, was man im Karton findet, das Benutzerhandbuch mit der Aufschrift „Zuerst lesen“. Wenn man die erste Seite öffnet, finden wir die Worte in fett gedruckten Grossbuchstaben „WARNUNG“. Dann folgt eine Liste von „Verboten“: „Stecken Sie diesen Computer nicht an eine Steckdose mit 110 Volt; lassen Sie den Computer nicht auf den Boden fallen; lassen Sie keine Flüssigkeit auf die Tastatur kommen; installieren Sie den Computer nicht unter direktem Sonnenlicht; etc.“ Der Hersteller weiß, was dem Computer schaden kann und schreibt alles so auf, dass wir mit unserem neuen Kauf richtig umgehen können. Dadurch wird gewährleistet, dass er für viele Jahre richtig funktionieren wird. Gott, unser Schöpfer, weiß, wie wir gemacht sind und welche Dinge uns schaden können. Er hat all dies schriftlich für uns festgehalten, so dass wir uns keinen Schaden zufügen. Wenn wir gegen die von Gott gegebenen Gebote verstoßen, sind wir dabei, uns selbst zu zerstören. Da sich die menschliche Natur nicht ändert, ändern sich auch die Gebote nicht „bis Himmel und Erde vergehen.“

3. Genug Legalismus … Es ist einfach, in die Versuchung zu fallen, das Gesetz nur zu erfüllen, weil es das Gesetz ist. Eine legalistische Einstellung ist nicht gesund. Es sollte ein höheres Motiv geben, warum ich die Gesetze befolge, nämlich meine Liebe zu Gott. Ich halte seine Gebote, weil er mich darum bittet. „Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.“ (Joh 15,10-11). Meine Glückseligkeit – mein wahres und ewiges Glück – ist im Leben und Weitergeben der Gnade Gottes begründet. „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ (Joh 13,15). Es gibt eine immerwährende Belohnung, wenn man das Gesetz in dieser Weise erfüllt.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, hilf mir, mein tägliches Kreuz zu umarmen. Du bietest mir ewige Erfüllung und Glück an, wenn ich Gott die Ehre gebe. Forme dein Bild deutlicher in meiner Seele, so dass ich dem Vater mehr gefalle. Lehre mich zu lieben.

Vorsatz:   Ich werde heute eine Tat der Nächstenliebe vollziehen, die Anderen zugute kommt.


Gegner des Reiches

15. März 2007

Donnerstag der dritten Woche der Fastenzeit

P. Shane Lambert LC

Lk 11,14-23
Jesus trieb einen Dämon aus, der stumm war. Als der Dämon den Stummen verlassen hatte, konnte der Mann reden. Alle Leute staunten. Einige von ihnen aber sagten: Mit Hilfe von Beelzebul, dem Anführer der Dämonen, treibt er die Dämonen aus. Andere wollten ihn auf die Probe stellen und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. Doch er wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Jedes Reich, das in sich gespalten ist, wird veröden, und ein Haus ums andere stürzt ein. Wenn also der Satan mit sich selbst im Streit liegt, wie kann sein Reich dann Bestand haben? Ihr sagt doch, dass ich die Dämonen mit Hilfe von Beelzebul austreibe. Wenn ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben dann eure Anhänger sie aus? Sie selbst also sprechen euch das Urteil. Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen. Solange ein bewaffneter starker Mann seinen Hof bewacht, ist sein Besitz sicher; wenn ihn aber ein Stärkerer angreift und besiegt, dann nimmt ihm der Stärkere all seine Waffen weg, auf die er sich verlassen hat, und verteilt die Beute. Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube an dich. Du bist der König, der vom Himmel gekommen ist. Ich hoffe, dass du alles, was nicht gut ist, aus meinem Herzen vertreibst. Ich liebe dich, weil du meine Seele besitzen willst. Behüte mich vor Schaden. Ich danke dir für das Geschenk deiner zärtlichen Liebe.

Bitte:  Herr, hilf mir, dein Reich auszubreiten.

1. Hoffnung auf den Retter. Christus selber interessiert sich für die Rettung jeder einzelnen Seele. Er ist gekommen, um mich von der Sünde zu befreien. So oft bringen meine menschliche Schwäche, meine Angst und meine Laster die Stimme des Gebets in meiner Seele zum Schweigen oder verhindern ein tugendhaftes Leben. Ich brauche ein offenes Herz für Christus, der alle schlechten Neigungen von mir nehmen möchte. Ich sollte ihn bitten: „Sag zu mir: Ich bin deine Hilfe.“ (Psalm 35, 3). Als mein Retter hat Christus die Macht, sogar Dämonen auszutreiben. Als Herr der Auferstehung hat er die Macht, mich von der Krankheit zu befreien und gesund zu machen und mich von der Sünde zur Gnade zu erheben. Ich sollte ihn anbeten mit der Hoffnung und dem Staunen des Glaubens: „Mit Leib und Seele will ich sagen: Herr, wer ist wie du? Du entreißt den Schwachen dem, der stärker ist, den Schwachen und Armen dem, der ihn ausraubt.“ (Psalm 35,10). Wenn Jesus in meinem Leben handelt, wird dies von anderen bemerkt. Es ist so, wie es in der heutigen Evangeliumsstelle beschrieben wird: der Stumme konnte reden; alle Leute staunten.

2. Ein schlechter Apfel. Nachdem die Leute das Wunder gesehen hatten, waren sie erstaunt über das, was Christus getan hatte. Aber es brauchte nur ein bis zwei Kritiker in der Menge, um die Meinung der Menschen umzudrehen. Sie sahen immer irgendeine schlechte Absicht in dem Guten um sie herum. Manche begannen, nach einem Zeichen zu fragen, als ob sie nicht gerade Zeugen einer gewaltigen Demonstration von Jesu Macht und Autorität gewesen wären. Wie muss dies das Heiligste Herz Christi betrübt haben. Zu Recht ruft Jesus aus, „ … O du ungläubige und unbelehrbare Generation! Wie lange muss ich noch bei euch sein und euch ertragen? ...“ (Lk 9,41). Ich glaube, dass Jesus uns vor den Zweiflern warnt und uns zu einer positiven Einstellung einlädt: „Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen.“

3. Sieg für das Reich Gottes. Christus setzt sich für die Seelen ein. Ein reuiger Sünder hat die Wahrheit auf seiner Seite. Satan ist einer Seele beraubt, die auf die Einladung der Gnade antwortet. Christus ist stärker. Er errichtet sein Reich, indem er das dunkle und stumme Böse austreibt und Seelen einlädt, an seiner Seite zu kämpfen. Wahrheit und Güte triumphieren früher oder später immer. Daher ist Satans Sache eine verlorene Sache. Der Sieg ist auf der Seite Christi und des Evangeliums. Christus ist mein Mittelpunkt, mein Maßstab und mein Vorbild. Er ist meine Botschaft, die Gute Botschaft, die ich besinge. Ich sollte auch Böses beim Namen nennen. „Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden“ (Mk 16,17). Lass meine Worte und Gesten von der Liebe Christi sprechen.

Gespräch mit Christus:  Herr, deine Gnade bringt himmlisches Licht in meine Seele. Lass mich durch die Kraft deiner Liebe leben. So wie mich deine Gnade erobert, lass mich dieses Licht zu anderen bringen, so dass sie durch dein Evangelium von der Sklaverei der Sünde befreit werden.

Vorsatz:   Heute werde ich jemandem helfen, eine Schwierigkeit zu überwinden, in dem ich die Liebe Christi in Wort und Tat umsetze.


Naturgesetz der Liebe

16. März 2007

Freitag der dritten Woche der Fastenzeit

P. Shane Lambert LC

Mk 12,28-34
Ein Schriftgelehrter ging zu Jesus hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen? Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden. Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr, und es gibt keinen anderen außer ihm, und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer. Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube, dass du mein Schöpfer bist. Du hast jede Person nach deinem Abbild und Ebenbild geschaffen. Ich hoffe, dass du dein Bild in mir mit noch größerem Glanz deiner Gnade neu gestalten wirst. Ich liebe dich, Herr, mein Gott.

Bitte:  Herr, hilf mir, meine Liebe zu dir durch Respekt anderen gegenüber, die nach deinem Abbild und Ebenbild geschaffen sind, auszudrücken.

1. In Gott verwurzelt. Genesis ist das erste Buch im Alten Testament. Das erste „Gebot“ Gottes war das schrittweise „Es-werde!“ der Schöpfung. Gott hat die Gesetze der Natur geschrieben – das Naturgesetz. Die menschliche Person ist der Höhepunkt der Schöpfung: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“ (Gen 1,27). Als er uns schuf, hat er uns ein Gewissen mitgegeben, damit wir richtig von falsch unterscheiden können und dieses Naturrecht erkennen. Er schuf uns, damit wir das Gute suchen. So wie der Evangelist heute, der die Psalmen betete, so möge ich die Einsicht des Guten Lehrers suchen: „Deine Hände haben mich gemacht und geformt. Gib mir Einsicht, damit ich deine Gebote lerne.“ (Psalm 119,73). Meine wesentlichste Beziehung ist jene zu Gott. Der Herr sollte meine beste Empfehlung sein, die ich für mein Herz, meine Seele, meinen Geist und meine Kraft finde.

2. Von Gott geformt. Als Adam Eva das erste Mal im Garten des Paradieses sah, rief er aus „Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch!“ (Gen 2,23). Kein Vogel oder wildes Tier trägt Gottes Abbild in sich wie der Mensch. Keine Person kann daher wie eine Sache behandelt werden. Jede einzelne Person sollte mit Respekt und Würde behandelt werden, weil wir als Abbild und Ebenbild Gottes geschaffen wurden. „Da wir also von Gottes Art sind, dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei wie ein goldenes oder silbernes oder steinernes Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung.“ (Apg 17,29). Ich soll meinen Nächsten lieben wie mich selbst, denn dadurch drücke ich meine Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer aller wertvollen Gaben aus – das Geschenk Gottes in jedem menschlichen Leben.

3. Von Gott geliebt. Die gefallene menschliche Natur bedarf der Gnade, damit ihr ursprünglicher Glanz wieder hergestellt werden kann. Diese Bemühung, Gott oder seinen Nächsten zu lieben, kann daher wie eine verbrannte Opfergabe sein. Sie ist wie süßer Weihrauch für den Herrn. Wie der Evangelist kann ich mutig vor Anderen die Notwendigkeit, entsprechend dem Gesetz der Gnade das Gesetz der Liebe zu leben, bekunden: „Herr, ich weiß, dass deine Entscheide gerecht sind; du hast mich gebeugt, weil du treu für mich sorgst. Tröste mich in deiner Huld, wie du es deinem Knecht verheißen hast.“ (Psalm 119,75-76). Wenn ich mit dem Adel der Gotteskindschaft lebe, tröstet Christus mich: „Du bist nicht fern vom Reich Gottes.“ Ich kann andere so lieben, wie Gott mich gemacht hat, oder so, wie Gott die anderen gemacht hat. Dies ist mein Leben, dies ist mein Opfer, dies ist mein Gebet.

Gespräch mit Christus:  Christus, lass dein Reich in meinem Herzen regieren. Lege in mein Herz den Schatz deiner Gnade, der wertvoller ist als Gold, Silber und Diamanten. Lass mich andere mit der innigen Liebe lieben, die ich von dir bei meiner Erschaffung empfangen habe. Lass andere deine Liebe erfahren durch die Hochachtung, die ich ihnen entgegenbringe.

Vorsatz:   Heute will ich jemandem Nächstenliebe entgegenbringen, die so groß ist wie die Liebe, mit der Christus mich liebt.


Barmherzigkeit, nicht Opfer

17. März 2007

Samstag der dritten Woche der Fastenzeit

P. Shane Lambert LC

Lk 18,9-14
Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, erzählte Jesus dieses Beispiel: Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube, dass du der Weg, die Wahrheit und das Leben bist. Nur du kannst mich rechtfertigen. Ich hoffe, dass du mir deine Barmherzigkeit zeigen wirst. Demütige mich, so dass du mich aufrichten kannst. Ich liebe dich dafür, dass du mich lehrst.

Bitte:  Oh Gott, sei mir Sünder gnädig.

1. Erinnere dich, du meine Seele. Gott betreibt keine Politik. Gewalt macht nicht gerecht. Die Menschheit mit allen ihren Tugenden entstand durch Gottes Macht, nicht durch die eines Geschöpfes. Ein Stolz, wie wir ihm im heutigen Evangelium begegnet sind, kann mich gottvergessen machen und meine Beziehung zu anderen verderben. Sogar meine „Dankbarkeit“ Gott gegenüber kann eine verdeckte Huldigung meiner selbst werden: „Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin … .“ Ich kann also von mir selbst so eingenommen sein, dass ich fest davon überzeugt bin, schon durch eigene Kraft Tugend erlangt zu haben, so dass meine Selbsthingabe Gott gefällt. Eine solche Einstellung findet sich anmaßend beim Satan wieder: „Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.“ (Mt 4,9). Gott schuldet mir keinen Respekt; ich bin nur ein sündiges Geschöpf. „Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.“ (Mt 4,10). Jesus treibt den Dämon des Stolzes aus mir heraus. Ich beginne, Gott zu ehren, in dem ich um Barmherzigkeit bitte. „ … ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen“ (Psalm 51, 19).

2. Schaue in dich hinein – aus einer gewissen Entfernung. Ich muss Gott erlauben, zuerst einmal meine Seele zu erobern, bevor ich meinerseits versuche, die Welt mit meiner vermeintlichen Tugend zu erobern. Wahre Demut beginnt mit einem wirklichen Verstehen seiner selbst: „Gott, sei mir Sünder gnädig“. Durch Gottes Gnade kann ich wieder aufgerichtet werden. Niemand möchte ein Angebot meiner persönlichen Stärke entgegennehmen, besonders dann nicht, wenn er durch meine Sündhaftigkeit verletzt wurde oder meine Unvollkommenheiten erfahren hat. Was andere von mir haben wollen ist das Geschenk, das ich von Gott bekomme: Vergebung meiner Sünden. Ich kann anderen nur insoweit gerechtfertigt begegnen, wenn ich erst in mich hinein geschaut und Gott um die Gnade gebeten habe, meine Mitmenschen mit mir zu versöhnen.

3. Vertrauen auf Gott. Ich irre mich, wenn ich Vertrauen in mich selbst setze. Ich bin kein Gegenstand des Glaubens – das ist Gott. Mein Vertrauen muss auf Gott gerichtet sein, der immer treu ist. Seine unendliche Barmherzigkeit muss dieses Vertrauen rechtfertigen. Ich muss Vergebung suchen, so dass ich, sobald mir vergeben wurde, Gottes Vergebung anderen weitergeben kann. Sie werden dann ihr Vertrauen auf mich setzen können, weil ich im Namen der Liebe Gottes handele. „Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ (Joh 3,17). Es gibt keine Rechtfertigung für mich, wenn ich selbstgerecht bin oder über andere urteile. Sobald ich einmal von Gott zurechtgewiesen worden bin, wird mich Geduld und Vergebung meinem Nächsten gegenüber auszeichnen und rechtfertigen.

Gespräch mit Christus:  Lass mich dich finden, Herr, wenn ich deinen Tempel betrete. Komm in das Heiligtum meines Herzens und finde mich dort im Gebet. Verzeihe mir alle meine Schwächen, die menschlichen und moralischen, denn ich war schwach und für die Sünde und die Versuchung anfällig. Stelle deine Wärme in meinem Herzen wieder her. Erlaube mir, deine Gnade anderen mitzuteilen.

Vorsatz:   Heute werde ich jemandem mit Nächstenliebe begegnen, eingedenk der Lehre Christi: „Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.“ (Mt 9,13).