Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 10. Dezember 2006 bis Samstag 16. Dezember 2006

2. Woche im Advent

P. Walter Schu LC

Gott tritt in die Geschichte ein Sonntag
Wer ist es, der da kommt? Montag
Unsere Antwort zur Freude Dienstag
Das Joch der Liebe Mittwoch
Ein Himmelreich für die Gewalttätigen? Donnerstag
Einfachheit des Herzens Freitag
Bethlehem und das Kreuz Samstag


Gott tritt in die Geschichte ein

10. Dezember 2006

2. Adventssonntag

P. Walter Schu LC

Lk 3,1-6
Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. (So erfüllte sich,) was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.

Einführendes Gebet:   Herr, du kennst mein aufrichtiges Verlangen, die Zeit mit dir zu verbringen. Schon mit Beginn dieser Meditation glaube ich, dass du bei mir bist und mich niemals verlässt. Weil ich dich liebe, ist mein einziger Wunsch, dir zu gefallen und dich in deinem Alleinsein im Tabernakel zu trösten. Ich hoffe auf deine grenzenlose Gnade, die deiner Menschwerdung zugrunde liegt. Mögen wir uns eines Tages in deinem himmlischen Reich wieder treffen.

Bitte:  Herr, hilf mir zu sehen, was ich in meinem Leben ändern muss, welche Schluchten ich auffüllen und welche Berge ich senken muss, um mich auf dein Kommen vorzubereiten.

1.  Geschichte – kein Mythos   Der heilige Lukas zeigt uns im Evangelium der zweiten Adventswoche, wie sich das Christentum von allen anderen Weltreligionen unterscheidet. Das Christentum beruht nicht auf einem Mythos oder auf dem gebrechlichen Bemühen des Menschen, seine irdische Existenz zu übersteigen, um einen flüchtigen Einblick in das Göttliche zu bekommen. Vielmehr ist das Christentum in seinem innersten Wesen eine „historische“ Religion. Mit der Menschwerdung tritt Gott selbst als Person wirklich in die Geschichte ein. Seit dem letzten öffentlichen Eingreifen Gottes in die Geschichte Israels durch die Propheten herrschte eine lange Pause. Da ergeht plötzlich in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Der Auftrag des Johannes besteht darin, ihn, den Sohn Gottes, den Erlöser, zu verkünden, dessen Kommen die ganze Geschichte bestimmen wird. Lukas beschreibt für das Auftreten des Johannes präzis den Zeitpunkt mit drei abnehmenden konzentrischen Kreisen, diese sind: die Welt unter der römischen Kaiserherrschaft, die politische Situation Palästinas und die religiöse Situation in Jerusalem.

2.  „Bereitet den Weg“   Johannes der Täufer wird unser strenger Adventsbegleiter. Er fordert: „Bereitet den Weg“, so dass Christus in unser Leben eintreten kann. Was ist als erstes notwendig, um die Wege für Gott gerade zu machen? Wir sind aufgefordert, unsere „Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden“ im Beichtsakrament zu erneuern. Jede Beichte ist einer Erneuerung der Taufgnade. Wenn wir uns vorbereiten, dieses Sakrament durch eine sorgfältige Gewissenserforschung zu empfangen, können wir uns mit den Worten des Propheten Jesajas fragen: „Welche Berge habe ich bei mir zu ebnen, welche Täler muss ich auffüllen?“ Diese innere Umstellung meines Lebens ist die Frucht dieses Sakramentes und macht die Wege für Christus gerade, um von neuem in unser Leben mit Freude und Kraft zu Weihnachten einzutreten.

3.  „Das Heil von Gott“   Das zentrale Thema des Lukasevangeliums ist die Erlösung. Er gebraucht das Wort „retten“ im Evangelium und in der Apostelgeschichte nicht weniger als dreißig Mal. Christus ist in seiner wichtigsten Funktion unser Retter. Er rettet uns nicht nur durch sein Leiden und Tod am Kreuz, sondern auch mit jedem Wunder, das er vollbringt, jeder Unterweisung, die er uns gibt, und mit jeder Handlung, die ihn als den versprochenen Messias ausweist. Johannes der Täufer wiederholt die Prophezeiung des Jesaja (Jes 40,3-5) aus dem „Buch der Rettung Israels“: „Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt“. Diese Prophezeiung ist in der Gestalt des personifizierten Erlösers überreichlich erfüllt worden. Jedes Mal, wenn wir auf Christus in der Eucharistie blicken, sehen wir seine Erlösung in unserem Leben gegenwärtig, weil er bei uns und der ganzen Menschheit bleibt bis zum Ende der Zeit.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich danke dir für die Zeit mit dir allein und für die Erleuchtung durch deinen Heiligen Geist sowie für alles, was du zu mir in der Stille meines Herzens, in dem inneren Heiligtum meines Gewissens, gesagt hast. Gib mir die Kraft, treu meine Vorsätze, die du mir eingegeben hast, zu erfüllen.

Vorsatz:   Ich werde das Sakrament der Versöhnung mindestens einmal in der Adventszeit empfangen, um meine Seele auf das Kommen Christi zu Weihnachten vorzubereiten.


Wer ist es, der da kommt?

11. Dezember 2006

Montag der zweiten Woche im Advent

P. Walter Schu LC

Lk 5,17-26
Eines Tages, als Jesus wieder lehrte, saßen unter den Zuhörern auch Pharisäer und Gesetzeslehrer; sie waren aus allen Dörfern Galiläas und Judäas und aus Jerusalem gekommen. Und die Kraft des Herrn drängte ihn dazu, zu heilen. Da brachten einige Männer einen Gelähmten auf einer Tragbahre. Sie wollten ihn ins Haus bringen und vor Jesus hinlegen. Weil es ihnen aber wegen der vielen Leute nicht möglich war, ihn hineinzubringen, stiegen sie aufs Dach, deckten die Ziegel ab und ließen ihn auf seiner Tragbahre in die Mitte des Raumes hinunter, genau vor Jesus hin. Als er ihren Glauben sah, sagte er zu dem Mann: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer: Wer ist das, dass er eine solche Gotteslästerung wagt? Wer außer Gott kann Sünden vergeben? Jesus aber merkte, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Was habt ihr für Gedanken im Herzen? Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Und er sagte zu dem Gelähmten: Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Im gleichen Augenblick stand der Mann vor aller Augen auf. Er nahm die Tragbahre, auf der er gelegen hatte, und ging heim, Gott lobend und preisend. Da gerieten alle außer sich; sie priesen Gott und sagten voller Furcht: Heute haben wir etwas Unglaubliches gesehen.

Einführendes Gebet:   Herr, ich trete heute vor dich hin, wohl wissend, dass ich deiner Gnade bedarf. Seitdem du den Gelähmten geheilt hast, vertraue ich darauf, dass du mir die Gnaden, die ich besonders brauche, nicht versagst. Aber vor allem möchte ich dir ganz besonders für alles danken, was du mir fürsorglich geschenkt hast. Obwohl ich es nicht verdient habe, hast du mich nicht mit leeren Händen weggeschickt. Ich möchte dich so lieben, wie du mich geliebt hast.

Bitte:  Heilige Maria, stärke bitte meinen Glauben an Christus, deinen Sohn und unseren Erlöser. Hilf mir, sein leidenschaftlicher Apostel zu sein.

1.  Die Gnaden des Advents   Eine der Kernbotschaften des Advents lautet: alle Hindernisse beseitigen und dem Herrn, der nun kommt, einen geraden Weg zu bereiten. Das ist es genau, was der Gelähmte und seine Freunde machen mussten. Es gibt so viele Hindernisse auf unserem Weg und in unserem Bemühen, Christus näher zu kommen. Aber für einen gläubigen Menschen ist kein Hindernis unüberwindlich. Alles, was wir brauchen, ist, wirklich zu glauben, auf Gott zu vertrauen und im unerlässlichen Bemühen nicht nachzulassen. Wir werden Wunder sehen, denn Gott ruht nicht.

2.  „Wer außer Gott?“   Die Pharisäer fragen mit Recht: „Wer außer Gott kann Sünden vergeben?“ Ja, wer? Sicherlich hat der Sohn des Zimmermanns aus Nazareth gerade Gott gelästert, in dem er sagte: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Aber ein ebenso mühelos von Christus gesprochenes Wort: „Steh auf“ bringt die Pharisäer zum schweigen. Als der Gelähmte vor aller Augen aufstand und Gott lobte, hat sich das Wort des Propheten Jesaja erfüllt: „Dann springt der Lahme wie ein Hirsch“ (Jes 35,6).

3.  „Heute haben wir etwas Unglaubliches gesehen“   Wie können wir uns auf die Begegnung mit dem Sohn Gottes zu Weihnachten vorbereiten, der zu unserem Heil Mensch geworden ist? Was war das Geheimnis des Gelähmten, dessen Begegnung mit Christus sein Leben für immer geändert hat? Er suchte Christus nicht allein. Sein eigener Glaube an den Erlöser wurde unterstützt durch den seiner Freunde. Nur gemeinsam und mit viel Aufwand schaffen sie es, den Gelähmten an Christus heranzubringen. Jesus vergibt ihm seine Sünden und bewirkt das Wunder, als er ihren Glauben sieht. Auch wir sollen Christus suchen, nicht nur für uns selbst, sondern auch, um ihn allen zu bringen, die Gott in geheimnisvoller Weise unserer Fürsorge anvertraut hat. Papst Johannes Paul II. erinnert uns in seiner Enzyklika Redemptoris Missio: „Der Glaube wird stark durch Weitergabe“. Ein lebendiger und tatkräftiger Glaube wird uns am Weihnachtsmorgen ausrufen lassen: „Heute haben wir etwas Unglaubliches gesehen“.

Gespräch mit Christus:  Ich danke dir, Herr, für das großartige Geschenk deiner Menschwerdung. Ich danke dir auch dafür, dass du mir eine Aufgabe in deinem Erlösungsplan zugewiesen hast. Hilf mir, dein selbstloser und mutiger Apostel zu sein, der andere zu dir bringt, ebenso wie die Freunde des Gelähmten den Gelähmten.

Vorsatz:   Ich werde heute meinen Glauben an Christus mit mindestens einer Person teilen.


Unsere Antwort zur Freude

12. Dezember 2006

Dienstag der zweiten Woche im Advent
Unsere liebe Frau von Guadalupe

P. Walter Schu LC

Lk 1,39-47
Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, meine Seele preist voll Freude den Herrn, mein Geist ist voll Jubel über Gott, meinen Retter.

Einführendes Gebet:   Ich danke dir, Herr, für das Geschenk des Glaubens. Durch ihn hast du es mir ermöglicht, dich besser kennenzulernen und zu lieben. Auch wenn mein Glaube schwach sein mag, so bleibt meine Sehnsucht, den Glauben zu vertiefen, unverändert. Ich möchte lieben lernen, wie Maria liebte, die ihr ganzes Leben für die Erfüllung deiner Pläne hingab, wie schwer und unverständlich auch immer diese sein würden.

Bitte:  Herr, hilf mir den wahren Geist dieses Festtages zu leben, in dem ich anderen die Freude deiner Gegenwart weitergebe und leidenschaftlich das Leben der ungeborenen Kinder verteidige.

1.  Maria reiste „in Eile“   Die vorherrschende Atmosphäre dieser Bibelstelle kann mit einem Wort beschrieben werden: Freude! Von dem Zeitpunkt der Botschaft des Engels an ist Maria erfüllt von Freude. Sie treibt sie, in Eile zu reisen, um ihrer Cousine Elisabeth zu helfen und mit ihr ihre Freude zu teilen, die Maria nicht für sich behalten kann. Diese Freude strahlt von Maria aus und auch auf das noch ungeborene Kind (Johannes den Täufer), das vor Freude im Leib seiner Mutter springt. Was ist der Grund für Marias Freude? Es ist die Gegenwart des Einen in ihrem Leib, empfangen durch den Heiligen Geist, der kommen wird. Es ist die Gegenwart des Einen, den die besorgte Menschheit seit dem Fall Adams ersehnte; der eine, den die Propheten verheißen haben; der Eine, für den jedes Herz geschaffen wurde; der lang ersehnte Messias, unser Retter, Christus der Herr.

2.  Wer bin ich, dass dies mir geschieht?   Ein bekanntes spanisches Gedicht, ein Gespräch mit Gott, beginnt mit den folgenden Worten: “¿Qué tengo yo, que mi amistad procuras?” „Wer bin ich, dass du meine Freundschaft suchst?“ In diesem Gedicht findet sich Elisabeths demütige Frage wieder: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Elisabeths Demut öffnet ihre Seele dem Heiligen Geist, der sie überwältigt mit der Erfahrung der Freude Marias. Sollten wir nicht auch erstaunt sein darüber, dass Christus wünscht, von neuem zu Weihnachten als ein hilfloses Kind zu uns zu kommen, still bittend um einen heimlichen Blick aus den Augen unseres armen Herzens? Werden wir ihm diese Umarmung der Liebe, für die er alles hingegeben hat, verweigern?

3.  „Mein Geist jubelt“   Auch wenn Christus zu umarmen bedeutet, auch sein Kreuz des Leidens zu tragen, ist das Christentum zuerst und vor allem eine Religion der Freude. Maria ruft aus „mein Geist jubelt über Gott meinen Retter“. Als unsere liebe Frau von Guadalupe auf dem Hügel von Tepeyac erschien, brachte sie dem heiligen Juan Diego Freude. Sie brachte Freude einem ganzen Volk, das unterdrückt durch Armut und Abergaube bald eifriger Nachfolger ihres Sohnes wurde. Als Patronin Amerikas brachte sie weiterhin Freude und Hoffnung all jenen Christen, die sich bemühen, die Familie zu unterstützen und das Recht auf Leben jedes ungeborenen Kindes im Mutterleib zu verteidigen. Wird nicht die Freude über das Kommen des Sohnes Gottes als ein neugeborenes Kind zu Weihnachten das Verlangen in uns wecken, das Leben aller ungeborenen Kinder zu schützen? Was werden wir unternehmen, um sie zu retten?

Gespräch mit Christus:  Herr, auch mein Geist jubelt über das, was du für uns getan hast, und über das Wunder deiner Menschwerdung. Hilf mir, die Freude, dein Jünger zu sein, auch in Zeiten der Prüfung und der Sorgen zu erleben. Hilf mir, diese Freude an andere weiter zu geben.

Vorsatz:   Ich werde etwas Konkretes tun, um das Leben der ungeborenen Kinder zu verteidigen.


Das Joch der Liebe

13. Dezember 2006

Mittwoch der zweiten Woche im Advent
Heilige Luzia

P. Walter Schu LC

Mt 11,28-30
Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.

Einführendes Gebet:   Herr, du kennst mein aufrichtiges Verlangen, Zeit mit dir zu verbringen. Schon mit Beginn dieser Meditation glaube ich, dass du bei mir bist und mich niemals verlässt. Weil ich dich liebe, ist mein einziger Wunsch, dir zu gefallen und dich in deinem Alleinsein im Tabernakel zu trösten. Ich hoffe auf deine grenzenlose Gnade, die deiner Menschwerdung zugrunde liegt. Mögen wir uns eines Tages in deinem himmlischen Reich wieder treffen.

Bitte:  Heilige Maria, du bist das vollkommene Vorbild der Demut. Hilf mir gütig und demütig zu sein wie Christus, dein Sohn, der aus Liebe zu mir ein hilfloses Kind zu Bethlehem wurde.

1.  „Wer ist dieser Mensch?“   Wer ist dieser Mensch, der in dieser Bibelstelle vor uns steht – ein Mensch, dessen Blick in die geheimsten Winkel unserer Seele schaut und findet, was dort verborgen liegt? Ein Mensch, der erkennt, dass wir arbeiten, dass wir durch die Anforderungen des Lebens belastet sind, dass wir niedergedrückt sind durch unsere Sünden und Fehler und dass wir unter der Last unserer Launen und unerfüllten Sehnsüchte leiden. Wer ist dieser Mensch, der zu versprechen wagt, was wir schon immer in unserem inneren Heiligtum unseres Gewissens ersehnt haben, was wir uns selbst nicht einmal zu hoffen getraut haben? Wer könnte solch eine einfache, freundliche und attraktive Einladung zu etwas aussprechen, das mehr ist, als wir uns selbst jemals für würdig halten würden: „Komm zu mir… und ich werde dir Ruhe verschaffen“? Wer sonst als Gott selbst?

2.  Wie können wir zu ihm kommen?   Wie können wir die Einladung von dem Einen annehmen, der Gott ist und Mensch wird? Wie können wir zu ihm kommen? Wie können wir erlangen, was unsere Seele jeden Tag unseres Daseins ersehnt hat? Christus selbst gibt uns die Antwort: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig“. Er ist so demütig, dass er nicht einmal unsere Antwort auf seine Einladung abwartet. Er macht sich so klein, dass er an Weihnachten zuerst zu uns kommen kann.

3.  „Ein Geheimnis der Demut und der Liebe“   Bethlehem ist ein Geheimnis der Demut und der Liebe. Erscheint uns Christus nicht demütig und verkleinert in ein hilfloses Kind? Er lehrt ohne Worte und ohne Reden, er ist eine lebendige Lektion, die wir mit der höchsten Intensität, zu der wir fähig sind, fühlen und es dabei zulassen müssen, dass sich die Konsequenzen von selbst ergeben. Können wir uns irgendeinen anderen Zustand vorstellen, der die Güte und Demut Gottes klarer und eindringlicher ausstrahlt? Vor einem hilflosen Kind, das der Mensch gewordene Gott aus Liebe zu uns ist, sind wir klein geworden, schweigen wir und staunen. Alle eitlen Ambitionen schwinden dahin, aller Ärger und bittere Gefühle sind abgeschwächt, alle trägen Neigungen sind weit weg von unserem Herz vertrieben. Das Joch, das uns belastet, die Fuchtel unseres Vorgesetzten, ist zerbrochen und ersetzt vom Licht und vom leichten Joch der Liebe.

Gespräch mit Christus:  Herr, hilf mir, tiefer das Geheimnis deines Kommens für mich als hilfloses und unschuldiges Kind zu Bethlehem zu erfassen. Hilf mir, in der Güte des Herzens zu wachsen, damit ich diese Güte an jene um mich herum verbreite.

Vorsatz:   Den Tag hindurch werde ich Christus, gütig und demütig in der Krippe zu Bethlehem, betrachten, um dieser liebenden Demut in meinem Leben nachzueifern.


Ein Himmelreich für die Gewalttätigen?

14. Dezember 2006

Donnerstag der zweiten Woche im Advent
Heiliger Johannes vom Kreuz

P. Walter Schu LC

Mt 11,11-15
Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er. Seit den Tagen Johannes' des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan; die Gewalttätigen reißen es an sich. Denn bis hin zu Johannes haben alle Propheten und das Gesetz (über diese Dinge) geweissagt. Und wenn ihr es gelten lassen wollt: Ja, er ist Elija, der wiederkommen soll. Wer Ohren hat, der höre!

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube, dass du hier bei mir bist, so wie ich demütig vor dir knie und dich ehre und preise. Ich sehne mich nach der Belohnung, die du jenen versprochen hast, die dich mit ungeteiltem Herzen lieben. Mein Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir.

Bitte:  Herr, hilf mir, tiefer zu erfahren, wie es im Himmel sein wird – die unbeschreibbare Freude – und führe mich, damit ich im Gebet und in der Gnade verbleibe, so das ich eines Tages in deiner Herrlichkeit im Himmel verweilen kann.

1.  “Niemand ist größer als Johannes.“   Mit einer Spur von Bewunderung macht Christus an dieser Stelle Johannes dem Täufer die höchsten Komplimente: „Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer.“ Und Christus offenbart warum: Johannes ist der letzte Prophet; er ist derjenige, der die Zeit des Gesetzes und der Propheten beendet. Aber er ist sogar mehr. Er ist Elias, derjenige, der vor dem verheißenen Messias gesandt ist, um diesem den Weg zu bereiten. Dann kommt die unerwartete Wende: „Doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.“ Wecken Christi Worte nicht in unseren Herzen ein glühendes Verlangen nach dem Himmel? Was sonst könnte in unserem Leben bedeutend sein, wenn nicht dort anzukommen, wo der letzte von uns größer sein wird als der größte auf dieser Erde?

2.  Verlangen nach dem Himmel   Wie sehr verlangen wir wirklich danach, unser letztes Ziel zu erreichen? Spiegelt unsere Haltung nicht manchmal die des heiligen Augustinus während seines Bekehrungsprozesses wider, bevor er die letzte, entscheidende Gnade, sein Leben völlig Gott anzuvertrauen, empfing? Müssen wir nicht zugeben, dass wir häufig zu Gott sagen „Herr, bring mich bitte in den Himmel – aber noch nicht jetzt!?“ Der heilige Cyprian betrachtet dieses Phänomen in einer seiner Predigten: „Wie unvernünftig ist es zu beten, dass Gottes Wille geschehe, ihm aber dann nicht sofort zu gehorchen, wenn er uns aus der Welt abberuft! Stattdessen kämpfen wir und widersetzen uns wie starrköpfige Sklaven und werden mit Kummer und Klage in die Gegenwart des Herrn gebracht; wir stimmen unserem Abschied nicht freiwillig zu, sondern nur gezwungenermaßen. Dennoch erwarten wir, mit himmlischen Ehren belohnt zu werden von ihm, zu dem wir gegen unseren Willen gekommen sind!“

3.  „Dem Himmelreich wird Gewalt angetan“   Ein wahres Verlangen nach dem Himmel ist notwendig, weil es nicht einfach ist, dorthin zu kommen. Christus versichert uns, „dem Himmelreich wird Gewalt angetan“. Was meint unser Herr mir dieser rätselhaften Zusicherung? Sicherlich beabsichtigt er nicht, seinem eigenen neuen Gebot der Liebe zu widersprechen? Diese „Gewalt“, von der Christus spricht, muss allein von uns selbst ausgehen. Wir müssen den Fußspuren des heiligen Johannes vom Kreuz, dessen Fest wir heute feiern, folgen und unsere irdischen Neigungen abtöten, um zu den Höhen der Heiligkeit zu gelangen. Bin ich bereit, aufzugeben, was häufig der innerste Teil von uns zu sein scheint? Kann ich den Herrn um Demut bitten? „Dass andere mehr geliebt werden als ich. Dass andere gerufen werden, Positionen einzunehmen, ich aber vergessen werde. Dass andere in allem mir vorgezogen werden. Herr Jesus, mache dies zu meinem Gebet“ (aus der „Litanei der Demut“, traditionelles Gebet).

Gespräch mit Christus:  Herr, du zeigst mir, dass der Himmel nicht für die Schwachen und Weichen ist, sondern für solche, die im Abtöten ihrer selbst stark sind und die für dich und die Rettung der Seelen leben. Hilf mir, an Kraft zu wachsen, um den Himmel zu gewinnen.

Vorsatz:   Heute werde ich eine besondere Geste der Demut üben, in dem ich jener Person in der Familie diene, die ich am wenigsten mag.


Einfachheit des Herzens

15. Dezember 2006

Freitag der zweiten Woche im Advent

P. Walter Schu LC

Mt 11,16-19
Jesus sagte zu der Menge: Mit wem soll ich diese Generation vergleichen? Sie gleicht Kindern, die auf dem Marktplatz sitzen und anderen Kindern zurufen: Wir haben für euch auf der Flöte (Hochzeitslieder) gespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt euch nicht an die Brust geschlagen. Johannes ist gekommen, er isst nicht und trinkt nicht, und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagen sie: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder! Und doch hat die Weisheit durch die Taten, die sie bewirkt hat, recht bekommen.

Einführendes Gebet:   Herr, es ist schwierig, in der Welt zu sein, ohne von der Welt zu sein. Wegen der täglichen Nöte vergesse ich häufig all die Gnaden, die ich von dir empfangen habe. Hilf mir, alle Dinge mit den Augen des Glaubens zu sehen und deine Güte und Liebe in jeder Situation meines Tages zu entdecken.

Bitte:  Herr, hilf mir, in der Tugend der Einfachheit des Herzens zu wachsen.

1.  „Böses finden, wo es nur Gutes gibt“   Es kommt nicht häufig vor, dass Christus sich selbst eine Frage laut stellt. Er macht dies nur, wenn etwas sein Herz tief anrührt. „Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?“ (Mk 4,30). Im heutigen Evangelium ist Christi Herz durch die perverse menschliche Natur verletzt, weil beide, Johannes, sein Vorgänger, und Christus selbst von vielen, zu deren Rettung er gekommen ist, abgelehnt werden. Beide werden abgelehnt aus genau gegenteiligen Gründen. Wir sehen klar die allzu menschliche Neigung, unser eigenes Verhalten zu rechtfertigen, in dem wir Sünde sehen, wo nur Tugend ist. Der heilige Papst Gregor der Große beschreibt dies folgendermaßen: „Wenn sie etwas finden, das offensichtlich gut ist, so suchen sie darin, um herauszufinden, ob nicht doch noch etwas Schlechtes darin verborgen ist“ (Moralia 6,22).

2.  Einfachheit des Herzens   Das heutige Evangelium offenbart die dramatischste Realität: Wir sind frei, Gott abzulehnen. Dazu müssen wir nur unserer gefallenen Natur nachgeben. Was ist das Heilmittel? Wie können wir vermeiden, Christus zu verurteilen, wie die Menge im Evangelium, und stattdessen zulassen, dass seine Wege der Maßstab und Standard unseres Lebens sind? Eine Schlüsseltugend dazu ist die Einfachheit des Herzens.

3.  Nichts kann eine Hoffnung zunichte machen   Wer ist nicht berührt bei der Betrachtung der zweiten Person der Dreifaltigkeit, die als hilfloses Kind geboren wird und im Stroh einer Krippe liegt, um uns zu erlösen? Einige werden das Kind mit Verachtung betrachten und versuchen, es zu töten; andere werden gleichgültig an ihm vorübergehen, sich seiner wahren Identität nicht bewusst sein; andere jedoch werden in seine Gegenwart gelangen und ihn ehren und ihm Geschenke machen. Ungeachtet meines Verhaltens schlägt das Herz Christi für mich, für jeden meiner Brüder und Schwestern – in dieser heiligen Nacht. Wer kann begreifen, was dies für das Leben des Menschen, für die Geschichte der Menschheit und für die kleine Geschichte jeder einzelnen Seele bedeutet!? Nichts kann eine Hoffnungsblüte zunichte machen, weil sie Wurzeln schlägt im Herzen Gottes selbst.

Gespräch mit Christus:  Ich danke dir, Herr, dass du an mich gedacht hast, als du in der kalten Winternacht zu Bethlehem in diese Welt gekommen bist. Danke für die neue Hoffnung und den Sinn, den du meinem Leben – und jedem Leben – gegeben hast durch deine Liebe, die keine Grenzen kennt.

Vorsatz:   Ich werde alle Ereignisse meines heutigen Tages mit Einfachheit sehen und andere mit der Güte des Herzens betrachten.


Bethlehem und das Kreuz

16. Dezember 2006

Samstag der zweiten Woche im Advent

P. Walter Schu LC

Mt 17,9a,10-13
Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist. Da fragten ihn die Jünger: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elija kommen? Er gab zur Antwort: Ja, Elija kommt, und er wird alles wiederherstellen. Ich sage euch aber: Elija ist schon gekommen, doch sie haben ihn nicht erkannt, sondern mit ihm gemacht, was sie wollten. Ebenso wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer sprach.

Einführendes Gebet:   Herr, deine Jünger versuchten ernsthaft, deine Identität zu verstehen und an dich zu glauben. Ich komme heute vor dich mit meinen Zweifeln und Problemen, und ich hoffe, in diesem Gebet eine Antwort auf meine tiefsten Sehnsüchte zu finden. Ich möchte standhaft glauben und dich mit frommem Herzen lieben. Ich biete dir diese Zeit des Gebetes als ein Zeichen meiner Dankbarkeit an für alles, was ich von dir empfangen habe.

Bitte:  Heilige Maria, hilf mir, Gottes Willen in meinem Leben zu befolgen, so wie Christus den Plan seines Vaters für unsere Erlösung befolgt hat.

1.  „Johannes der Täufer als Elias“   Wieder einmal verweist das Evangelium auf Johannes den Täufer in seiner Rolle als Vorbereiter für den, der kommen wird. Durch den Propheten Maleachi wuchs die Hoffnung der Juden auf die Rückkehr von Elias, der den Weg für den verheißenen Messias bereiten wird. Aber die Juden sahen den Messias als eine Person mit viel Macht, als jemanden, der Menschen hinwegfegen wird. Daher konnten sie die Anwesenheit Elias’ in der Person des Johannes des Täufers nicht erkennen. Dessen einzige Macht ist die des Heiligen Geistes, der alle Menschen zur Bekehrung des Herzens ruft, um Christus zu empfangen.

2.  „Bethlehem und das Kreuz“   Warum wurde Christus als ein hilfloses Baby in Bethlehem geboren? Warum nahm er einen zerbrechlichen, menschlichen Körper an? Nur so konnte er für uns leiden, um uns zu erlösen. Was bedeutet dies für unser Leben als Christen? Es bedeutet nichts weniger als die Tatsache, dass das Leiden ein Geschenk von Gott ist. Es ist des Vaters zarte Liebkosung, uns nach dem Bild seines Sohnes zu prägen. Das Kreuz ist die Quelle unserer Fruchtbarkeit, nicht nur für unser persönliches geistiges Wachstum, sondern auch für die Mission, Gnaden für andere zu erlangen, für all die Seelen, die Gott auf geheimnisvolle Weise unserer Fürsorge anvertraut hat.

3.  „Gehorsam bis zum Tod“   Christi Bereitschaft zu leiden, entspringt seinem liebenden Gehorsam gegenüber dem Plan seines Vaters – bedingungs- und grenzenlos. Dieser liebende Gehorsam gibt dem Leiden seinen erlösenden Wert. Seit dem Zeitpunkt seiner Geburt in Bethlehem zeigt Christus uns, was es heißt, mit Liebe zu gehorchen. Bethlehem ist eine Schule des Gehorsams. In Bethlehem lehrt uns Christus, dass nur Gehorsam frei macht, dass nur Gehorsam erlöst und heiligt und dass nur Gehorsam reich macht. Gehorsam allein rettet uns, Gehorsam allein macht uns frei von der Sünde und Gehorsam allein gefällt Gott. Umarme das Kreuz des Gehorsams in den Herausforderungen des Alltags, in den Prüfungen der vergangenen Jahre und im Schmerz, der uns bedrückt, wenn Gott einen unserer Lieben zu sich ruft. Liebender Gehorsam ist der Weg zur Heiligkeit, der Weg zum Haus des Vaters.

Gespräch mit Christus:  Ich danke dir, Herr, dass du uns zu Bethlehem eine Schule des Gehorsams durch dein ganzes Leben hindurch und durch deinen Tod am Kreuz gegeben hast. Hilf mir, das Leiden zu umarmen, wie du es getan hast, und von seiner Macht, mich heilig zu machen und Gnaden für die Seelen zu gewinnen, überzeugt zu sein.

Vorsatz:   Ich werde diesen Tag verbunden mit Maria verbringen und dem Willen Gottes in allem, wie er sich offenbart, gehorchen.