Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 26. November 2006 bis Samstag 2. Dezember 2006

Vierunddreißigste Woche im Jahreskreis

P. Edward Hopkins LC

Eine Frage des Königtums Sonntag
Die reichste Gabe Montag
Einen Tempel bauen, der Bestand hat Dienstag
Sprich den Namen Mittwoch
Eine entscheidende Erwiderung Donnerstag
Das Reich ist nahe Freitag
Bereit oder nicht bereit? Samstag


Eine Frage des Königtums

26. November 2006

Vierunddreißigster Sonntag im Jahreskreis
Christkönig

P. Edward Hopkins LC

Joh 18,33-37
Pilatus ging wieder in das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt? Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier. Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.

Einführendes Gebet:   Lieber Jesus, ich glaube, dass du die Wahrheit selbst bist; dass du die Grundlage für jedes moralische Urteil bist. Ich vertraue darauf, dass du dich wirklich um mich kümmerst und mir die Fähigkeit gibst, die Bedürfnisse anderer zu erkennen. Ich liebe dich, Herr, und ich will dir das jetzt mit meinem Wunsch zu beten zeigen. Segne mein Verlangen und verwandele es in ein lebendiges Geschenk meiner selbst. Ich möchte die „Wahrheit in Liebe tun.“

Bitte:  Mache deine Wahrheit zu meinem Leben, Herr!

1.  Meine eigenen Fragen stellen.   Wir bilden uns jeden Tag unzählige Urteile. Oft basieren sie mehr darauf, was andere gesagt haben, als darauf, was wir wissen. Es wird uns oft gesagt, was wir denken sollen: von den Massenmedien, der Regierung und sogar von Kollegen. Das Urteil von Pilatus basierte darauf, was andere gesagt hatten. Seine Frage an Jesus war die eines Funktionärs; nicht eines Menschen der ehrlich nach der Wahrheit sucht. Jesus spürte diese Schwäche und konfrontierte ihn damit. Pilatus’ Entschuldigung war, dass er keine Jude war, wie könnte er auch nur eine Hoffnung haben, zu verstehen? Ich selbst werde eines Tages danach gerichtet werden wie ich gerichtet habe. Wie fair, wie ehrlich und, wie wirklich interessiert bin ich an anderen? Behandle ich sie so, als ob sie mir wirklich etwas bedeuteten?

2.  Jesus steht über dieser Welt.   Die von Pilatus in Worten ausgedrückten Gedanken und die Anschuldigungen der Sanhedrin gegen Jesus stammen von dieser Welt. Es ist eine Welt, in der einmal angeklagte Menschen bereits gerichtet sind; in der die meisten Urteile verborgen bleiben und doch durch Handlungen und Unterlassungen Rufmord für den betroffenen Menschen bedeuten; eine Welt in der „was andere von mir denken“ am wichtigsten ist. Das ist nicht der Weg Jesu, und diese Denkweise kann ihn auch nicht im entferntesten beurteilen Er rechtfertigt sich vor Gott allein, so wie er nur lebt, um seinem Vater zu gefallen. Gehöre ich zu dieser Welt? Wie sehr hält mich diese Welt gefangen? Wie weit ist mein Verhalten von ihren Urteilen beeinflusst?

3.  Zum Königtum der Wahrheit gehören.   Was relativ ist kann niemals das Absolute beurteilen, genausowenig wie die sich ändernden Jahreszeiten die menschliche Natur definieren. Nur ein Richtspruch vom Absoluten kann wirkliche Werte für alle feststellen. Schon vor seiner Wahl zum Papst nannte Kardinal Joseph Ratzinger die Überbewertung subjektiver, persönlicher Werten eine „Diktatur des Relativismus, die nichts als definitiv anerkennt und deren endgültiges Ziel einzig in dem eigenen Ich und seinem Begehren besteht. (Kardinal Ratzinger, Predigt vom 18. April 2005). In der gleichen Predigt stellte er dieser relativistischen „Wahrheit“ die Freundschaft mit Christus gegenüber. Wirkliche Freundschaft mit Christus ist das einzige Licht, das uns führen kann. Das setzt voraus, dass wir ihr alles andere, von dem wir glauben, dass es uns führen könnte, unterordnen: unser Ego, unsere eigenen Gefühle und unsere selbstsüchtigen Wünsche. Seine Wege, Liebe und Wahrheit, stehen an der Stelle der Selbstsucht. Ohne diesen Anker, diesen König, schlittert unsere schwache, gefallene Natur in jede Ideologie oder neue Gedankenschule, die gerade modern ist. Pontius Pilatus war hin- und hergetrieben von den Wellen des Zeitgeistes seiner Zeit. Weder Pilatus noch die Welt können Jesus richten. Und nur er kann uns richten. Gott kann und will uns danach richten, ob wir in dem Reich der Ewigen Wahrheit gelebt haben oder nicht. In welchem Königtum lebe ich?

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, du bist mein König und dein Königtum ist die Wahrheit. Forme meinen Verstand, dass ich alles im Verhältnis zu dir erkenne. Forme mein Herz, dass ich alle Menschen im Verhältnis zu deiner Liebe beurteile. Befreie mich von den Täuschungen durch Stolz, Menschenfurcht und Eigenliebe. Ich möchte, dass nur deine Liebe in meinem Herzen regiert!

Vorsatz:   Diese Woche will ich jede Beurteilung unterlassen, die sich auf Hörensagen gründen. Ich will sie mit einem Gebet für diese Menschen ersetzen und sie im Zweifelsfalle als unschuldig betrachten und sie der Obhut unseres Herrn anvertrauen.


Die reichste Gabe

27. November 2006

Montag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Edward Hopkins LC

Lk 21,1-4
Jesus blickte auf und sah, wie die Reichen ihre Gaben in den Opferkasten legten. Dabei sah er auch eine arme Witwe, die zwei kleine Münzen hineinwarf. Da sagte er: Wahrhaftig, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle anderen. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss geopfert; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat ihren ganzen Lebensunterhalt hergegeben.

Einführendes Gebet:   Lieber Jesus, ich glaube, dass du mich mit Leben und lebendigem Glauben gesegnet hast, damit ich dir diese Zeit und dieses Gebet widmen kann. Ich liebe dich und ich bitte dich, mich mir Großzügigkeit zu schenken, damit heute alles was ich bin und alles was ich habe, zu einem frohen Geschenk für dich wird.

Bitte:  Herr, lehre mich, mit frohem Herzen alles zu teilen, was ich empfangen habe.

1.  Einige wohlhabende Leute.   Jesus saß vor dem Opferkasten. Was sah Jesus als er herumschaute? Er sah mehr als wir sehen. Er sah die Herzen. Reichtum hält uns oft in Begehrlichkeiten gefangen und versklavt uns mit den Sorgen, die er bringt. Jesus sah, dass viele der Herzen nur eine paar Tropfen aus ihrer reichen Sicherheit „herausquetschten“, ein bloßes Symbol, das weder schmerzte noch schwer zu geben war. Dieser Akt der Erfüllung einer – zumindest als solche von ihnen verstandenen - Pflicht Gott gegenüber, ließ sie in Selbstzufriedenheit aufstrahlen. Manche waren schon richtig stolzgebläht darüber, was sie gegeben hatten. Dennoch war es bei ihnen keine Tat wahrer Selbsthingabe. Sie gaben mit gewohnheitsmäßiger Gleichgültigkeit. Ihrem Geben fehlte die Liebe. Was sieht Jesus in meiner täglichen oder wöchentlichen Gabe? Gebe ich Jesus großzügig mein ganzes Selbst, wenn ich ihn am Altar sehe? Gebe ich ihm großzügig alles in mir, wenn ich im Gebet auf meinen Knien bin? Gebe ich ihm alles in mir, wenn ich den ganzen Tag in der Arbeit auf den Füßen bin?

2.  Eine arme Witwe.   Nur Jesus konnte erkennen, dass diese Witwe nun total von Familien oder Freunden abhängig war. Sie gab mehr, weil sie sich selbst gab mit einem Herzen voll von totaler Ergebung. Gibt es denn irgendetwas, das wir Gott geben können, das er nicht vorher uns gegeben hat? Wir können Gott unsere vertrauensvolle Hingabe schenken. Die Witwe gab Gott mit Vertrauen, da sie wusste, dass Gott auch weiterhin für sie sorgen würde. Sie hatte keinen anderen Wunsch, als mit ihm zusammen zu sein und von ihm bereichert zu werden. Ihr Geben war heiter und ihrem Schicksal ergeben, nicht verzweifelnd, sondern voller Hoffnung. Ihre Hoffnung war die eines Menschen, der in seinem Innersten weiß, wie sehr Gott ihn liebt. Wie oft vertraue und verlasse ich mich auf ihn, besonders dann, wenn andere Sicherheiten zu schwinden drohen?

3.  Mein ganzes Leben hingeben.   Für Jesus hat es große Bedeutung, wie wir geben, nicht nur was wir geben. Was wir haben – unsere Besitztümer und das, was wir in gewisser Weise unser eigen gemacht haben – sind nicht für uns. Wir haben sie, damit wir geben können. Und wir sollten sie Gott zurückgeben, denn sie gehören ihm. Wir geben sie als einen Ausdruck unserer Liebe für Gott. Ich gebe mein Leben hin, wenn ich sorgfältig arbeite, Nächstenliebe übe, bete oder aus Liebe für Christus aufopfere. All diese Taten kann ich, wenn sie nicht schon ursprünglich als Geschenk an Christus gedacht waren, gedanklich in der Messe auf die Patene legen, damit sie zusammen mit den Hostien geweiht werden und damit zum Geschenk an den Herrn werden. Schenke ich ihm mein ganzes Leben?

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, mache mich aufmerksam für alles, was du für mich bist, und lass mich alles erkennen, was du mir geschenkt hast. Ich möchte nie aufhören, dir zu danken durch meine eigene Selbsthingabe. Du bist meine lebendige und beständige Einladung, großzügiger zu sein, öfter und mit mehr Liebe zu geben. Öffne mein Herz, Herr, für dein Werk!

Vorsatz:   Im Gebet will ich eine Liste mit allem, was ich diese Woche für Christus tun kann, aufstellen, und ich will sie ihm diese Woche anbieten. Am Sonntag will ich dann all die Opfer, die ich während der Woche gebracht habe, gedanklich zur Weihe mit auf die Patene legen, als ein wahres in Glauben und Liebe gegebenes Geschenk für ihn.


Einen Tempel bauen, der Bestand hat

28. November 2006

Dienstag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Edward Hopkins LC

Lk 21,5-11
Als einige darüber sprachen, daß der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden. Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, daß es beginnt? Er antwortete: Gebt acht, daß man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach! Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, laßt euch dadurch nicht erschrecken! Denn das muß als erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort. Dann sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere. Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen, und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.

Einführendes Gebet:   Lieber Jesus, reinige mein Herz, damit ich dich am Anfang dieses Gebetes suche und finde. Ich vertraue auf und glaube an den dauernden Wert deiner Freundschaft und Liebe. Offenbare mir die Eitelkeit und vergängliche Natur aller der Dinge, die mich faszinieren, und den eitlen Ruhm aller Dinge, die ich tue. Ich möchte, dass meine ganze Liebe von dir ausgeht und zu dir zurückführt.

Bitte:  Herr, sei die Wurzel und Eingebung all dessen, was ich tue.

1.  Anbetung   Wir sind schnell von den Werken der Menschen beeindruckt. Als das Volk auf die äußere Erscheinung des Tempels schaute, waren sie erstaunt und ehrfurchtsvoll. Sein Reichtum und Größe sprach von einer Ehre, die Gott zugedacht war. Wir beten Gott an, aber wir messen unseren eigenen Werken mehr Beachtung und Bedeutung zu. In diesem Evangelium erinnert uns Jesus daran, dass alle diese Dinge, die wir sehen, bestaunen und auf die wir stolz sind, eines Tages zerstört sein werden. Was für einen Tempel baue ich in meiner Arbeit? Wessen Ehre verteidige ich? Wird er Bestand haben?

2.  Nach Zeichen suchen.   Nachdem der Herr begann, die Prüfungen anzudeuten, die auf die Erde zukommen werden, bestand das Volk darauf, Einzelheiten kennenzulernen. Die Menschen brauchen das, damit sie „ihr Leben im Griff haben“. Sag mir nur wann, und dann werde ich damit schon fertig. Ja, eine genaue Antwort wird nicht gegeben, da der Ereignisse so viele sein werden und das Ende nicht sofort kommt. Wenn ich meine Zukunft auf solche Steine aufbaue, oder vielmehr auf Sand, der zerbröselt, dann werde ich Grund zur Sorge haben. Wenn aber meine Zukunft in Liebe und Aufopferung auf den Felsen aufgebaut ist, der Christus ist, dann kann mich nichts meiner Sicherheit berauben, denn sie ist in Christus verborgen. In den Worten des heiligen Paulus: „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott“ (Kol 3,3-4)

3.  Verankert.   Der heutige Mensch wird gebeutelt vom Wind des Relativismus. Er hat keinen Anker, nichts Absolutes. Wir sorgen uns zu sehr darum, was andere tun, oder um unsere eigene Sicherheit in einer zerbrechlichen Welt. Der Glaube verankert uns im Leben Christi. Wir müssen der Versuchung widerstehen, Götzen zu folgen, die behaupten Gott zu sein. Diese falschen Götter erscheinen oftmals als das, was beliebt, einfach und bequem ist, und lassen uns oft ohne festen Boden unter den Füßen zurück. Der Glaube, die Liebe und die Kirche sind realer als alles, was glitzert. Die Familie, die Sakramente und die Verpflichtung zur Liebe, all das verankert uns im Leben Christi. Das hat einen Preis, wird aber nie zulassen, dass wir uns von dem entfernen, was wirklich und dauerhaft ist. Bin ich verankert? Wie stark sind die Stricke des Seiles, das meinen Anker sichert?

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, hilf mir zu erkennen, was wirklich wertvoll ist, damit ich nicht von den populären und „glitzernden“ Dingen dieser Welt abgelenkt werde. Ordne meine Prioritäten im Licht des Glaubens und mit der Standhaftigkeit der Liebe. Führe mich dazu, meine Bemühungen dafür einzusetzen, dein Reich aufzubauen, in meiner Familie, in meiner Pfarrgemeinde und in der Gesellschaft Gemeinschaft. Ich lege alles in deine Hände, damit du es so fügst, wie du es für richtig hältst. Lass nie zu, dass wir voneinander getrennt werden!

Vorsatz:   Ich will heute meine Arbeit mit einem einfachen Gebet beginnen, dass alles was ich tue, von meiner Liebe zu Christus kommt und zu ihm führt und zu denen, die er mir anvertraut hat.


Sprich den Namen

29. November 2006

Mittwoch der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Edward Hopkins LC

Lk 21,12-19
Aber bevor das alles geschieht, wird man euch festnehmen und euch verfolgen. Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten der Synagogen übergeben, ins Gefängnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen. Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können. Nehmt euch fest vor, nicht im voraus für eure Verteidigung zu sorgen; denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, so daß alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können. Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern, und manche von euch wird man töten. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.

Einführendes Gebet:   Lieber Jesus, ich glaube an deinen Namen; vermehre meinen Glauben. Ich will mehr vertrauen, damit nicht die Furcht mein Zeugnis zum Schweigen bringt. Ich liebe dich und ich möchte eine reine Widerspiegelung deiner starken und treuen Liebe sein, hier, jetzt und heute.

Bitte:  Hilf mir, heute deinen Namen auszusprechen!

1.  Der Name, der zur Verfolgung führt.   Keiner von uns mag Konflikte. Wir tun geradezu alles, um sie zu vermeiden. Aber können wir sie immer vermeiden? Jesus warnt uns, dass er ein „Zeichen des Widerspruchs“ sei. Sein Name wird Verfolgung bringen. Sein Leben und das Leben der Kirche bestätigen diese Worte. Und doch erwarten wir, von Hass und Prüfung befreit zu werden. Wie ist das möglich? Bin ich nur oberflächlich mit Christus und seinem Werk verbunden? Verwahre ich seinen Namen still in meiner Brust? Bin ich ein Komplize in den heutigen antichristlichen Werten und Botschaften durch mein Schweigen? Ist sein Name mein Name und immer auf meinen Lippen?

2.  Zeugnis ablegen.   Warum lässt Jesus zu, dass seine Jünger so viele Konflikte erfahren? Jenseits der Ehre, an Christi Leben teilzuhaben steht die große Notwendigkeit, Zeugnis zu geben. Die Botschaft Christi ist so klar wie immer. Christus ist nicht mehr sichtbar unter uns. wer soll also dem „post-christlichen“ Menschen die Wahrheit und Bedeutung dieser Botschaft zeigen? Das kann nur das Zeugnis! Genauso wie das Leiden Christi seinen Worten Macht gab, so hat auch das Zeugnis der Märtyrer, der Jungfrauen und Bekenner das Evangelium bis zum heutigen Tag bestätigt. Heute mehr als je ist das immer neue Bekenntnis gefordert, um die Menschen zu erreichen. Widerstände, Verfolgung und Prüfungen sind die Versuchsanstalten und Bühnen, wo die Botschaft geprüft and der Welt vorgestellt wird. Was sind die Bekenntnisse, die wir heute bezeugen, und was noch wichtiger ist, was ist mein Bekenntnis?

3.  Die rettende Beständigkeit   Es scheint für das, was wir erwarten können, wenn wir bloß die Bezeichnung „Christen“ tragen keine Grenzen zu geben. Ich „werde von allen gehasst werden“. Wie kann ich einem solchen Angriff widerstehen? Selbst mit der Weisheit, die er mir gibt, habe ich dafür nicht den Magen. Aber es gibt eine Verheißung hier: „kein Haar wird uns gekrümmt werden“. Keine Angst, alles was ich tun muss, ist, mich festzuhalten, treu im gegenwärtigen Augenblick zu bleiben. Gott wird den Rest vollbringen. Selbst wenn es zu meinem Tode führt, werde ich meine Leben bewahren, wenn ich heute für ihn leide. Das Leben, das ich mir bewahre, ist das Leben der Gnade, des Glaubens, meine persönliche Beziehung mit dem Einen, der für mich gestorben ist. Ich muss das aber heute tun, heute ausharren, mir selbst heute in irgendeiner Form sterben und damit näher zu dem kommen, dessen Name uns rettet.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, das Licht deines Herzens sei ein Licht für meine Angst, damit ich nicht fliehe oder die Gelegenheit versäume vor der Welt Zeugnis abzulegen und mich zu dir zu bekennen. Schenke mir die Kraft, ruhig und beständig ein Beispiel der Gerechtigkeit und Liebe zu sein, für die du gelebt hast und gestorben bist. Hilf mir, einfach die Anforderungen und Herausforderungen des heutigen Tages zu leben, ohne Zögern und ohne Sorge für das morgen.

Vorsatz:   Ich will durch Gebet und Vertrauen auf Christi Hilfe eines der Probleme meines Lebens in Angriff nehmen, das ich bisher nur vor mir hergeschoben habe.


Eine entscheidende Erwiderung

30. November 2006

Donnerstag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Andreas, Apostel

P. Edward Hopkins LC

Mt 4,18-22
Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort liessen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verliessen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.

Einführendes Gebet:   Lieber Jesus, ich glaube, dass du mich dazu berufen hast, dir heute noch mehr nachzufolgen. Ich vertraue darauf, dass du mir in diesem meinem Gebet hilfst, die konkrete Bedeutung dessen zu erkennen, was es heißt, deinem Willen zu folgen. Ich liebe dich und deshalb will ich allen deinen Bitten entsprechen, die du heute und in Zukunft an mich stellst. Schenke mir, was du von mir willst.

Bitte:  Herr, mache mich zu einem Menschenfischer, hier und jetzt!

1.  Als Jesus vorbei ging.   An einem sommerlichen Nachmittag geschah es, dass ein Priester in der Gegend war und uns besuchte. Innerhalb von drei Jahren folgten zwei meiner Brüder und ich Christus auf dem Weg zum Priestertum. Jesus ging nicht zufällig vorbei an diesen zwei Brüderpaaren! Er hatte ganz bewusst diese Brüder eingeladen, „Menschenfischer“ zu werden! Wieviel geschieht in meinem Leben, von Gott vorbereitet und beabsichtigt, um mir zu helfen, ihm näher nachzufolgen? Und alles, was ich darin sehe, ist wie ein Versehen, ein Zufall? Frage ihn, wann er das letzte Mal vorüber ging.

2.  Sogleich folgten sie ihm.   Jesus beruft nie gerade dann, wenn es total bequem ist, wenn dieser Mensch gerade nichts anderes zu tun hat. Nein, er ruft genau dann, wenn wir mitten in unserem Leben stecken, wenn wir das vollbringen, was wir am besten können und am meisten tun „unsere Netze auswerfen oder reparieren“. Scheinbar ein zum Misserfolg führendes Vorgehen! Was ist es aber genau, was er von uns will, wenn er ruft? Er will eine Entgegnung, eine Antwort der Liebe. In der Liebe geht es um Präferenzen und Prioritäten. Wenn ich ihn mehr als mich selber liebe, dann folge ich ihm „sogleich“. Wenn ich ihn meinen anderen Aktivitäten und meinem Leben vorziehe, dann folge ich ihm „sofort“. Wie ist meine Antwort der Liebe, die ich Jesus heute in meinem Leben gebe oder geben möchte?

3.  Sie lassen etwas zurück.   „Pro Choice“ das ist, was Gott ist. Er will, dass wir wählen. Es ist ihm aber nicht gleichgültig, was wir wählen. Jede Wahl bedeutet die Abwahl der anderen Optionen. Wir können nicht jemandem folgen, ohne etwas und jemand zu verlassen und zurückzulassen. Petrus und Andreas ließen ihre Netze zurück. Jakobus und Johannes ließen ihr Boot und ihren Vater zurück. Das war ihnen nur möglich, weil sie Jesus vor sich hatten. Wir jedoch versuchen zu oft, Christus nachzufolgen, ohne die Dinge und Andere zurückzulassen: die Welt, ihre Annehmlichkeiten und meine Vorlieben. Wir glauben, wir könnten alles haben. Wir können es nicht. Wir sind in der Gefahr, den „Glauben zahm zu machen“, uns den Ansprüchen unserer Leidenschaften und dem Nachdruck der Welt zu beugen. Die Liebe verlangt eine Wahl. Eine Wahl für den wirklichen, ganzen Jesus. Sie bittet mich, etwas in mir zurückzuweisen, das nicht in ihm ist. Wie vollständig bin ich in der Nachfolge Christi?

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, du hast mich gerufen und rufst mich während des ganzen Tages. Hilf mir, in Liebe zu antworten, einer Liebe die über allen meinen anderen Wünschen und Begierden steht. Ich will nicht, dass du auf mich warten musst, Herr. Zeige mir nur, was du willst und gib mir, unabhängig davon, was es mich kostet, den Mut und die Großzügigkeit, es dir zu geben.

Vorsatz:   Ich will heute etwas aufgeben, das die Aufmerksamkeit einschränkt, die ich meinem Ehepartner, meiner Familie oder meinen Freunden gebe.


Das Reich ist nahe

1. Dezember 2006

Freitag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Edward Hopkins LC

Lk 21,29-33
Jesus gebrauchte einen Vergleich und sagte: Seht euch den Feigenbaum und die anderen Bäume an: Sobald ihr merkt, daß sie Blätter treiben, wisst ihr, daß der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr (all) das geschehen seht, dass das Reich Gottes nahe ist. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich glaube an dich und an das Reich, das du in mir und durch mich baust. Ich glaube an den Wert meiner mit dir vereinten Opfer und Anstrengungen. Ich hoffe im Himmel anzugelangen, wenn du sagst, dass es dafür Zeit ist. Erwecke mit diesem Gebet meine Liebe, damit ich mich mit dir für die verausgabe, die ich am meisten lieben sollte.

Bitte:  Dein Reich komme, jetzt und für immer!

1.  Seht selber!   Jesus antwortet auf die gespannte Frage nach dem „wann“ und dem „mit welchen Zeichen“. Er nennt einige Zeichen, die dem Fall Jerusalems und dem Kommen des Menschensohns „auf den Wolken“ vorausgehen werden. Es werde aber alles sehr offensichtlich sein, so wie das Kommen des Sommers. Es sollte für mich also nicht so wichtig sein, das „wann“ herauszufinden. Ich sollte mich darauf konzentrieren, das Reich Gottes hier und heute zu leben und es zu kennen.. Wie schnell sind wir abgelenkt durch das, was um uns herum geschieht, und wie schwierig ist es, auf das Reich Gottes nicht zu vergessen, auf die Ansprüche, die es an unser Herz und unsere Beziehungen, zu den Menschen in unserem Leben stellt. Welche Anstrengungen unternehme ich, um die Ansprüche des Reiches Gottes in meinem Leben zu entdecken und zu erkennen?

2.  Das Reich Gottes wird kommen.   Jesus hat viele Bilder verwendet, um das Reich Gottes zu beschreiben. Wie der Senfsamen ist es am Anfang schwer zu erkennen. Es fängt winzig an und wächst langsam. Es wird aber kommen, und so sollte unser tägliches Gebet sein: „Dein Reich komme!“ Dabei müssen einer sehr realen Versuchung widerstehen. Nahezu unbewusst erwarten wir ein weltliches Reich, das zu unseren Lebzeiten kommt. Ich arbeite und bete, als ob ich bald mein Ziel erreicht hätte und von meinen geistlichen Bemühungen ausruhen könnte. Dies führt dazu, dass ich von den geringen Fortschritten in Gebet und Tugenden entmutigt bin, wie auch von den Problemen um mich herum. Nein, ich muss mit Hoffnung leben, vorwärts streben, aber mit dem wachsenden Vertrauen, dass der Herr sein Reich zur Erfüllung bringen wird, in mir und in der Welt, und zwar dann, wenn die Zeit reif ist. Welches Reich suche ich?

3.  Meine Worte werden nicht vergehen.   Eine andere Versuchung in der Erwartung des Reiches ist, angesichts der Prüfungen, durch die wir hindurch müssen, zu verzweifeln. In den Worten der heiligen Theresa von Jesus aber heißt es: „alles vergeht“, nur Gott bleibt. Nichts von dem, was wir erleiden, wird übrig bleiben, wenn das Reich kommt. Und doch sind diese „Prüfungen“ die wertvollsten und stärksten Mittel, das Reich im Leben anderer herbeizuführen, besonders in denen, die sich verirrt haben, aber auch in unserer eigenen Seele. Wir sollten die Werkzeuge des Reiches benutzen, Prüfungen mit Glauben erleiden und mit einer Liebe beantworten, die ihnen ewigen Wert gibt. Wir sollten keinen Augenblick versäumen, in dem wir Gnaden erreichen und das kommende Reich aufbauen können. Denn am Ende wird nur das übrigbleiben, was wir für Gott und unsere Brüder und Schwestern getan haben.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, schenke mir einen größeren Glauben und das Vertrauen, dass jedes Kreuz und jede Last, so klein und unbedeutend sie auch sein mögen, ein Mittel zur Liebe sind. Ich will dein Reich mit dir aufbauen. Erhalte mich in der Konzentration auf die Gelegenheiten und Anforderungen des gegenwärtigen Augenblicks. Ich möchte geduldig dafür arbeiten, anderen in ihren materiellen und geistigen Bedürfnissen zu helfen, damit auch sie dich erkennen und lieben lernen und froh in dein Reich eintreten.

Vorsatz:   Ich will heute ein kleines Opfer bei einer der Mahlzeiten bringen, für jemanden, dem ich wünschte mehr helfen zu können.


Bereit oder nicht bereit?

2. Dezember 2006

Samstag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Edward Hopkins LC

Lk 21,34-36
Jesus sagte zu seinen Jüngeren: Nehmt euch in acht, daß Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht, (so) wie (man in) eine Falle (gerät); denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich glaube, dass du hier bist, um mich zum Gebet zu rufen. Eines Tages, der nicht so weit weg ist, wirst du mich heim zu dir rufen. Erwecke mein Herz, so dass ich dich in Arbeit und Gebet mehr liebe. Ich vertraue darauf, dass du mir all die Freude, Liebe und Tugend eingeben wirst, die ich brauche, um zu leben. Erhalte mich wachsam, dass ich auf deine Stimme höre und aufmerksam bin für deine Gnade.

Bitte:  Erhebe mein Herz, Herr, damit ich in dir lebe!

1.  Schläfrige Herzen.   Unser Leben ist eine Zeit der Vorbereitung, nicht nur für eine ewige Freundschaft mit Gott, aber auch für die Angriffe und Kümmernisse, die davor kommen müssen. Der geistige Kampf ist real, ob wir davon wissen oder nicht, ob wir es wollen oder nicht. Wir kämpfen jeden Tag und in vielfacher Weise, aber der Kampf wird letztendlich in der Tiefe unserer Herzen gewonnen. All das, was unser Herz einschläfert und uns ein falsches Gefühl der Sicherheit gibt, muss vermieden werden. Es kann schon sein, dass wir uns ohnehin nicht „Rausch und Trunkenheit“ hingeben, aber kann es sein, dass ich meine Zufriedenheit zu sehr von der Welt erwarte? Bin ich in meinen Urteilen zu oberflächlich? Lasse ich mich von den materiellen Dingen, meiner Arbeit und meinen Sorgen so sehr einnehmen, dass ich unfähig bin, mich auch genügend meinem spirituellen Leben zu widmen?

2.  Jener Tag.   Es scheint so, als würde keiner von uns den Prüfungen der Letzten Tage entrinnen können. Für manche wird es unvermutet und schmerzhaft sein, für andere langwierig und schwierig. Wir sind aber alle sterbliche Geschöpfe. Die großen Heiligen lebten mit ihrem Ende vor Augen. Den Tod meditativ zu betrachten half ihnen, jeden Tag in Fülle zu leben. Der Tod ist die Tür zu meinem wirklichen Leben. Die Erwartung jenes Tages muss uns nicht die Freude rauben, stattdessen sollte er uns zur Liebe aufrufen. Wie ich heute lebe, wird bestimmen, wie ich „jenen Tag“ und den ewigen Tag des ewigen Lebens mit Gott leben werde. Wie will ich diesen Tag leben?

3.  Wachsamkeit und Gebet   So hat Jesus seine engsten Freunde eingeladen „jenen Tag“ seines Leidens zu leben: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallt.“ (Mt 26,41) Die letzten Worte des Vater Unser sollten einen Widerhall in dem finden, wie ich lebe. Wachsamkeit setzt ein Bewusstsein der Feinde und der Bedrohungen um mich herum voraus, aber auch um die Schwächen in mir selber. All diese sind täglich um mich herum, und so muss ich jeden Tag darüber wachen, ihren Einfluss einzudämmen. Diese Einstellung sollte für mich wichtig sein, ich sollte sie aber auch in Gelassenheit leben. Jedenfalls aber muss sie mich immer zu Christus führen, ich muss immer ehrlich und vertrauensvoll im Gebet vor ihm stehen. Gebet und Wachsamkeit bedingen sich gegenseitig. Wenn wir nicht die Luft, die wir atmen, zum Gebet machen, werden wir in einer verschmutzten Welt ersticken. Wieviel Bedeutung gebe ich meinen Gewohnheiten und meinem Gebetsleben?

Gespräch mit Christus:  Schenke mir, Herr, einen Sinn der Dringlichkeit. Erwecke mich von meiner Schläfrigkeit und geistigen Sorglosigkeit. Erlaube mir, beides zu erkennen, die Bedrohungen und die Chancen für mein Leben in der Gnade. Halte mir ständig die wirkliche Bedeutung meines Lebens vor Augen und die begrenzte Zeit, die ich zu Überwindung meiner selbst und für das Wachstum in der Liebe habe. Ich will hören und unverzüglich reagieren und fest auf alle Eingebungen antworten, die du mir schickst.

Vorsatz:   Ich will heute für die Seele im Fegefeuer beten, die am meisten abgelenkt und am wenigsten vorbereitet waren auf den Tag ihres Todes.