Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 5. November 2006 bis Samstag 11. November 2006

Einunddreißigste Woche im Jahreskreis

P. Michael Goodyear LC

Dem Reich Gottes nicht fern Sonntag
Sei mein Gast! Montag
Was ist deine Entschuldigung? Dienstag
Was ist der Plan? Mittwoch
Eifer für die Ordnung im Haus Donnerstag
Was höre ich da von dir? Freitag
An der Weggabelung Samstag


Dem Reich Gottes nicht fern

5. November 2006

Einunddreißigster Sonntag im Jahreskreis

P. Michael Goodyear LC

Mk 12,28-34
Ein Schriftgelehrter hatte ihrem Streit zugehört; und da er bemerkt hatte, wie treffend Jesus ihnen antwortete, ging er zu ihm hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen? Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden. Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr, und es gibt keinen anderen außer ihm, und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer. Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.

Einführendes Gebet:   Jesus Christus, an wen kann ich mich täglich wenden, wenn nicht an dich? Eines Tages werde ich mich dir sogar endgültig zuwenden können, und dann wird es für die Ewigkeit sein. Wie überall, gibst du das Tempo vor, ergreifst die Initiative und bist der Handelnde. Du wendest dich mir zu und schaust zuerst auf mich, und ich für meinen Teil versuche täglich dir zu antworten und auf dich zu schauen. Ich möchte, dass dieses Gebet eine Übung für die endgültige Hinwendung zu dir ist. Amen.

Bitte:  Herr, lehre mich den Weg selbstloser Liebe.

1.  Der Weg   Wir alle bewundern eine umfassende und treue Liebe. Bei dem Gespräch mit dem Schriftgelehrten im heutigen Evangelium wird uns diese Liebe beschrieben. Das ist das größte Gebot. Das ist der Schlüssel zu unserem Leben. Das ist das einfache, allumfassende Prinzip, nach dem wir leben sollten. Das ist darüber hinaus genau das, was in der heutigen Welt des „Startknopfdrückens“ verlangt wird. Wir wollen unser Leben vereinfachen. Christus macht uns die Landkarte unseres Lebens einfach. Wir sollten aus der Liebe für Gott heraus handeln und in diesem Bemühen unsere ganze Kraft, Herz, Seele und Sinn vereinen: Gott lieben. Machen wir uns unser Leben unnötig schwer?

2.  Die Augen auf das Ziel richten!   Jesus Christus lebte sein Leben als ein vollkommenes Beispiel dafür, wie wir leben sollen. Er zeigte uns eine uneingeschränkte Liebe. Er ist wahrhaftig aufrichtig! Er liebt seinen Vater von ganzem Herzen, ganzer Seele und Kraft. Wir sollten unsere Augen auf Christus als unser endgültiges Ziel gerichtet halten. Wir können ihn in seiner Liebe für den Vater nachahmen. Wie Romano Guardini es ausdrückte: „Das gesamte Leben unseres Herrn hat seinen Ursprung im Willen des Vaters. Aber es ist in seiner Weisheit, dass er wirklich er selber ist. Er ist darin er selber, dass er nicht seinen eigenen Willen sondern den Willen das Vaters tut, und so erfüllt er sein tiefstes und persönlichstes Prinzip seines Seins. Es gibt dafür ein Wort: Liebe!“ Könnte etwas einfacher als das sein?

3.  Es ist nicht weit!   Wenn wir ein Ziel erreichen wollen ist die gerade Linie der kürzeste Weg. Wenn wir Gott von ganzem Herzen, Seele, Verstand und Kraft lieben, dann begradigen wir die Bahn. Wenn wir anderen Dingen und Vorlieben anhängen, die zu unserer Liebe zu Gott in Konkurrenz stehen, die Gott aus unserem Leben hinausdrängen, die unsere Kräfte verstreuen, dann werden wir uns vom Reich Gottes entfernen. Können wir uns nicht ganz auf die Liebe zu Gott konzentrieren? Wenn uns das gelingt, dann wird uns jedes E-Mail, jeder Telefonanruf, jede Mahlzeit, jede Sportveranstaltung, jede Erledigung, jede Geschäftsbesprechung, jede Schule, absolut alles, zum Reich Gottes führen und nicht davon fernhalten.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich möchte ein zielgerichtetes Leben führen. Ich wurde für dich geschaffen, und mein Herz wird ruhelos sein, bis es in dir ruht. Lehre mich in der Liebe zu dir, lehre mich durch alles, was ich heute und während meines ganzen Lebens tue, bis ich dir mein Herz, meine Seele, meinen Verstand und meine Kraft für alle Ewigkeit übergebe.

Vorsatz:   Ich will an diesem Tag so oft wie möglich einen bewussten Akt der Liebe zu Gott setzen und ihm jeden Augenblick, Handlung und Gebet aufopfern.


Sei mein Gast!

6. November 2006

Montag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Michael Goodyear LC

Lk 14,12-14
Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus Christus, du hast dich deiner Herrlichkeit beraubt, um zu uns als Mensch zu kommen. Als Mensch hast du dich verbraucht und dein Leben für uns geopfert. Ich möchte, dass mich diese Zeit des Gebetes lehrt, deine Großzügigkeit und Liebe nachzuahmen, damit ich so geben und lieben kann, wie du es getan hast.

Bitte:  Herr, lehre mich die selbstlose Liebe.

1.  Gast und nicht Kontakt.   Wir haben vielleicht schon alle die Redewendung gehört: „Es ist nicht bedeutsam was wir wissen, sondern wen wir kennen!“ In unserem Leben sind wir oft in diesem Prinzip gefangen und wir bemessen vielleicht manchmal die Wichtigkeit der Menschen daran, mit wem sie uns in Kontakt bringen könnten, wie sie uns weiterbringen können. Vielleicht waren wir schon unter diesem Motto bei einer Veranstaltung? „Hallo Robert...“ Während dieser Begrüßung überlegen wir uns: „Robert, Robert... nein, er hat keine Bedeutung.“ Und dann sagen wir so etwas wie „Nett sie zu sehen“, und gehen zum nächsten weiter. Christus sah jeden Menschen als eine einzigartige Person und dachte nicht bloß daran, was ihm diese Person bringen könnte, sondern was er ihr geben könnte. Er kam nicht um bedient zu werden, sondern um zu dienen. (Mt 20,28). Behandeln wir jeden Menschen wie Christus ihn behandeln würde, als Gast in unserer Gegenwart und nicht als einen „Kontakt“?

2.  Gast und nicht Kunde.   Ein anderer Schauplatz, der dieses christliche Prinzip selbstloser Liebe prüfen kann, ist die beständige Suche nach Kunden, die heute so weit verbreitet ist. So schnell können wir uns dabei ertappen, dass wir jemanden nicht als Freund oder Gast sehen, sondern als einen potentiellen Kunden. Immer wenn wir uns bei anderen nur auf unsere Interessen und Geschäften konzentrieren, sind sie nicht wirklich mehr unsere Gäste, sondern wir erwarten eine Gegenleistung. Das ist nicht die Handlungsweise, die uns Christus in dem heutigen Evangelium zeigt. Ist sie unsere?

3.  Gast und nicht Investition.   Wenn wir jemals eine Einladungsliste aufgestellt haben – sei es eine tatsächliche oder nur in Gedanken – was waren die Kriterien für diese Aufstellung? Vielleicht sehen wir Zeit mit unseren Gästen als Investition. Wenn wir diesen und jenen einladen, werden sie.... Und wir rechnen uns vielzählige Ergebnisse, Vorteile oder Dividenden aus, die wir erhalten werden. Folgen wir dem Angebot Christi: unterhalten wir Gäste, nicht Kunden, Kontakte oder Investitionen!

Gespräch mit Christus:  Herr, ich möchte, dass du mehr Einfluss hast in meinem Herzen und in meiner Umgebung. Erlaube mir, in selbstloser Liebe zu wachsen und alle um mich herum mit der Liebe zu behandeln, die du mich durch dein Leben und deine Liebe lehrst.

Vorsatz:   Ich will bewusst die Art und Weise analysieren, wie ich andere heute behandle, damit jeder Mensch ein Gast in meiner Gegenwart ist.


Was ist deine Entschuldigung?

7. November 2006

Dienstag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Michael Goodyear LC

Lk 14,15-24
Als einer der Gäste das hörte, sagte er zu Jesus: Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf. Jesus sagte zu ihm: Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein. Als das Fest beginnen sollte, schickte er seinen Diener und ließ den Gästen, die er eingeladen hatte, sagen: Kommt, es steht alles bereit! Aber einer nach dem andern ließ sich entschuldigen. Der erste ließ ihm sagen: Ich habe einen Acker gekauft und muß jetzt gehen und ihn besichtigen. Bitte, entschuldige mich! Ein anderer sagte: Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und bin auf dem Weg, sie mir genauer anzusehen. Bitte, entschuldige mich! Wieder ein anderer sagte: Ich habe geheiratet und kann deshalb nicht kommen. Der Diener kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Da wurde der Herr zornig und sagte zu seinem Diener: Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen herbei. Bald darauf meldete der Diener: Herr, dein Auftrag ist ausgeführt; aber es ist immer noch Platz. Da sagte der Herr zu dem Diener: Dann geh auf die Landstraßen und vor die Stadt hinaus und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird. Das aber sage ich euch: Keiner von denen, die eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus Christus, wie oft und geduldig lädst du mich ein, deine Liebe und Güte zu erfahren. Wie oft hast du mir gesagt: „Alles ist bereit!“ Herr, wenn ich nicht zu dir gerannt komme, ist es deshalb, weil ich dich nicht kenne. In dieser Zeit des Gebetes erlaube mir, dich besser kennen zu lernen und zu erkennen, dass du die Perle von unschätzbarem Wert bist, der Schatz meines Lebens.

Bitte:  Herr, richte meine Augen auf die Ewigkeit und nicht auf diese Welt.

1.  Einer nach dem anderen!   „Aber einer nach dem anderen ließ sich entschuldigen.“ Mit den Worten Christi in diesem Gleichnis sehen wir, wie sich die zum Festmahl Eingeladenen umdrehen und weggehen. Was für ein bekanntes Schauspiel! Christus weinte über Jerusalem, als sie sich von ihm abwandten. Im Evangelium ist wenigstens einmal festgehalten, dass er sich an seine Apostel wandte und sie fragte: „Wollt auch ihr weggehen?“ (Joh 6,67). Überlegen wir ein wenig diese scheinbar unendlich vielen Ausflüchte, die dem Einen gegenüber vorgetragen werden, der unendliche Liebe ist. Stellen wir uns das ewige Echo unter denen vor, die sich dafür entschieden haben, sich selbst zu lieben und die Liebe Gottes nicht anzunehmen.

2.  Was ist deine Ausrede?   Und dann gibt es unsere eigene Ausreden. Haben wir welche? Benutzen wir sie wieder und wieder dem Herrn gegenüber und lassen wir ihn auf unsere Entgegnung, auf unsere Liebe warten? Scheinbar halten uns so viele Dinge davon ab, uns für Christus Zeit zu nehmen, Dinge, die scheinbar dringender sind.

3.  Kostet und seht!   „Kostet und seht wie gütig der Herr ist!" (Ps 34,9) Das ist die Einladung, aber, wie wir gesehen haben, wird sie oft ignoriert. In dem Gleichnis spricht der Herr von der Teilnahme an seinem Mahl. Das ist natürlich nur eine Redewendung. Wer kann kosten und sehen was keine Auge gesehen, kein Ohr gehört, noch eine Zunge gekostet hat? (vgl. 1 Kor 2,9) Wer kann voraussagen, wie es im Himmel sein wird? Wer hat es probiert? Vielleicht ist es einen Versuch wert, besonders wenn es uns dazu bewegt, des Herrn Einladung anzunehmen. Lasst es uns heute versuchen.

Gespräch mit Christus:  Öffne die Augen meines Herzens, Herr, um einen Vorgeschmack zu bekommen von deiner Güte, deinem Frieden, deiner Freundlichkeit, Liebe, Macht und deinem unendlichen Sein. Ich will mich nicht mit dieser Welt zufrieden geben, sondern das ewige Hochzeitsmahl in deiner Gegenwart anstreben. Herr, es scheint so weit entfernt, so jenseits meiner Auffassungsgabe in dieser so praktischen, empirischen Welt. Bitte gib mir einen Vorgeschmack, damit mein Verlangen nach dir immer größer werde.

Vorsatz:   Ich will mich heute ernsthaft bemühen, an der heiligen Messe teilzunehmen und die heilige Eucharistie zu empfangen.


Was ist der Plan?

8. November 2006

Mittwoch der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Michael Goodyear LC

Lk 14,25-33
Viele Menschen begleiteten ihn; da wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen. Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus Christus, als du auf dieser Erde zu deinem Vater sprachst, schienst du immer über deine Mission gesprochen zu haben. Erleuchte mich nun in meinem eigenen Gebet. Zeige mir was ich tun soll und gib mir die Kraft es zu tun. Amen

Bitte:  Herr, nicht mein, sondern dein Wille geschehe.

1.  Kenne den Plan.   In seinem Gebet hat Jesus Christus offensichtlich immer über seine Mission gesprochen, dem Heilsplan. Wie oft geschah es, dass Christus vom Gebet aufstand und die Jünger rief, die an seinem Plan und seiner Aufgabe teilhaben sollten. Er macht ihnen klar, dass er noch andere Städte und Dörfer aufsuchen müsse, um seine Mission zu erfüllen. Er betont ausdrücklich, dass er den Plan seines Vaters erfüllen will und nicht seinen eigenen, so schwer es auch sein mag. Christus entdeckte diesen Plan, diese Mission im Gebet. Auch wir müssen das tun.

2.  Liebe den Plan.   Den Plan Gottes in unserem Leben und im Heilsplan zu erkennen, bedeutet, ihn zu lieben. Gott ist nur Liebe und kann nur lieben. Wenn er einen Plan für mich hat, dann kann es nur ein liebevoller sein. Diese Liebe ist nicht sentimental sondern sie hat das Geben im Mittelpunkt. Wie auch das menschliche Herz das Blut nicht für sich selbst behält sondern es durch den ganzen Körper pumpt, so teilt sich auch die Liebe anderen durch die Selbsthingabe mit. Wir sollten uns den Menschen, die Gott uns anvertraut, als ein verlängerter Arm seiner Liebe hingeben.

3.  Lebe den Plan.   Wirkliche Liebe ist ein Impuls. Sie treibt uns an. Sie bewegt uns vorwärts. Wenn wir wirklich den Plan und die Liebe Gottes in unserem Leben erkennen, wenn uns die Aufgabe bewusst ist und wir sie lieben, werden wir sie deshalb auch vollbringen. Die Seele, die Gott wirklich liebt, erreicht große Dinge für ihn. Selbstverleugnung ist keine Überraschung für den, der liebt und seine Aufgabe erfüllen will.

Gespräch mit Christus:  Herr, lehre mich deine Wege und besonders den Weg, den ich in dieser Welt zu leben habe. Hilf mir, die Tragweite zu begreifen, die mein Leben und meine Treue in deinem Heilsplan haben. Bitte lasse mich nicht zum Hindernis in deinem rettenden Wirken werden. Ich bin bereit, dir in Selbstverleugnung zu folgen, wie das Samenkorn, das vergeht, um Frucht zu bringen.

Vorsatz:   Ich will die Bitte in dieser Meditation zum Motto dieses Tages machen und sie oft wiederholen.


Eifer für die Ordnung im Haus

9. November 2006

Donnerstag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Weihetag der Lateranbasilika

P. Michael Goodyear LC

Joh 2,13-22
Das Paschafest der Juden war nahe, und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus, und ihre Tische stieß er um. Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich. Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen läßt du uns sehen als Beweis, daß du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reisst diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut, und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, daß er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.

Einführendes Gebet:   Herr, ich komme, um Zeit mit dir zu verbringen, weil du mich darum bittest. Das ist deine Zeit. Du verlangst danach, in diesen Minuten viel zu erreichen und mir so viele Gnaden anzubieten. Bitte, lass mich nicht kurzsichtig sein. Lass mich nicht von meinen kümmerlichen Interessen verzehrt werden und deiner unermesslichen und innigen Liebe gegenüber taub sein.

Bitte:  Herr, bringe einen Funken deiner starken und brennenden Liebe in mein Herz.

1.  Meines Vaters Haus.   Abba! Vater! Wer kann wissen, wie oft Jesus während seiner Jahre hier auf Erden zu seinem Vater gesprochen hat! Wer weiß, wie viele Male er uns von seines Vaters Liebe, Erbarmen und rettendem Plan erzählt hat! Wir wissen, dass dieser Vater uns alles Gute geben wird (Lk 11,13) und dass er unsere Bedürfnisse kennt, bevor wir darum bitten (Mt 6,32). Dieses Wissen, dass wir diesen Vater haben, führt uns dazu, uns als Kinder zu erkennen, Kinder, die danach verlangen, bei ihrem Vater und seinen Anliegen zu sein (Lk 2,49).

2.  Eifer für sein Haus.   Die Liebe für den Vater macht uns so eifrig für des Vaters Haus wie es auch Christus war. Wenn ein Kind seine Mutter und seinen Vater liebt, ist es bereit, alles für sie zu tun. Oft vergisst es dabei seine eigenen Grenzen. Liebe wird in Eifer verwandelt; sie wird eine handelnde, kraftvolle Liebe. Christus setzte alle seine Fähigkeiten für die Liebe seines Vaters ein und so kann er es nicht ertragen, seines Vaters Haus zu einem Marktplatz verkommen zu sehen.

3.  Ein guter Hausputz.   Wir könnten sagen, dass all dies dazu führte, dass Christus Ordnung im Haus schaffte. Er säuberte den Tempel. Auf den ersten Blick erscheint der Regen von Münzen auf den Boden und das Umstürzen von Tischen nicht gerade als guter Hausputz, aber nachdem alles gesagt und getan war, hatte die Säuberung stattgefunden. Wir sollten auch die Sanftheit bemerken, mit der Jesus seine Selbstkontrolle in den weniger harten Worten zu den Taubenverkäufern zeigte: „Schafft dies hier weg!“ Kein Taubenkäfig ist umgeworfen, keine Taube vertrieben. Eifer ist keine unkontrollierte Leidenschaft, sondern hat ihre Wurzeln in der Liebe.

Gespräch mit Christus:  Jesus Christus, bringe echte Liebe und Eifer in mein Herz, so wie du sie hast. Gib mir alle die Gnaden, die du mir einpflanzen willst. Ich habe dein Leben betrachtet, und ich sehe und bewundere dein Beispiel. Befähige mich durch meine Liebe für dich zu einer besseren Nachahmung. Komme in das Haus meines eigenen Körpers, das der Tempel Gottes ist, und säubere es von allem, das nicht von Gott ist.

Vorsatz:   Ich werde Christus in der heutigen Gewissensprüfung erlauben, einen guten Hausputz in meiner Seele zu machen. Was sollte umgeworfen, vertrieben oder weggebracht werden?


Was höre ich da von dir?

10. November 2006

Freitag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Leo der Große, Papst und Kirchenlehrer

P. Michael Goodyear LC

Lk 16,1-8
Jesus sagte zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich. Doch - ich weiß, was ich tun muß, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Faß Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib «fünfzig». Dann fragte er einen andern: Wieviel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreib «achtzig». Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.

Einführendes Gebet:   Vater, dein Sohn, Jesus Christus, wünscht von mir, dass ich mir diese Augenblicke des Gebets für jeden Tag vornehme. Was wird er dabei tun? Ich glaube, er wird mich etwas über dich lehren, denn das scheint sein Lieblingsthema zu sein. Er hat mich wissen lassen, dass du Liebe und Erbarmen bist, und dass du es verstehst, uns, deinen Kinder, gute Dinge zu geben. Schau gnädig auf diese Augenblicke des Gesprächs und empfange mich tiefer in deiner Liebe durch Christus, meinen Herrn. Amen.

Bitte:  Herr, erlaube mir, tiefer von der Erfahrung deiner Liebe zu trinken.

1.  Was höre ich?   „Was höre ich da über dich?“ Das ist natürlich nur ein Gleichnis. In Wirklichkeit braucht Gott nichts über uns zu „hören“, da er allwissend ist. Doch könnte er durchaus zu uns sagen: „Was höre ich!“ wenn er den Ablauf unseres Lebens prüft und uns daran erinnert, dass wir verantwortlich für unsere freien Handlungen sind. Lasst uns in unserem Gebet jetzt auf das Gesicht des Vaters schauen, der fragt: „Was höre ich!“ Drückt das nicht eine Sorge über eine Wunde in unserer Seele aus, über etwas, das die Schönheit unseres Bildes, als Söhne und Töchter seines Vaters, verunstaltet hat?

2.  Volle Abrechnung.   Ja, wir werden diese volle Abrechnung leisten müssen. Das Sakrament der Versöhnung, die Beichte, gibt uns nach Vorbereitung in Gebet und Gewissenserforschung die Gelegenheit zu solch einer Abrechnung. Schritt für Schritt können wir uns damit auf die große Abrechnung am Ende vorbereiten. Was für eine Gnade! Ziehen wir Nutzen aus diesem Vorteil?

3.  Verschwender.   Könnte uns Gott vorwerfen, dass wir Verschwender sind? Das ist nicht die einzige Stelle im Evangelium, wo solch ein Vorwurf zu lesen ist. Ich erinnere mich, dass der Verlorene Sohn beschuldigt wurde, seines Vaters Reichtum verschleudert zu haben. Etwas zu verschleudern ist ein Missbrauch, genauso wie es Verschwendung und unvernünftiger und extravaganter Gebrauch sind.. Wie steht es mit all den Gnaden, die Gott uns gegeben hat: unseren Glauben, die katholische Kirche, die Sakramente, die Heilige Schrift, das Beispiel der Heiligen, der Reichtum der katholischen Tradition, die Mittel, die uns heute in die Hände gelegt worden sind, die Zeit und die Talente, die uns gegeben sind. Sind wir Verschwender? Verschleudern wir?

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, mache mich aufmerksam für deine Gaben und mache mich eifrig und großzügig, sie für deine Verherrlichung zu gebrauchen, für das Wohl der Kirche und für meine Brüder und Schwestern, die du mir zur Seite gestellt hast. Hilf mir durch meine tägliche Gewissenserforschung, ein guter Verwalter zu sein, sodass ich eines Tages bei dir ankomme und dich im Paradies als meinen ewigen Lohn genießen darf.

Vorsatz:   Ich will heute die Zeit meiner Gewissenserforschung dafür nutzen, Gott für alle Gnaden und Segnungen, die er mir geschenkt hat, zu danken. Ich werde über das, was Gott in meine Hände gelegt hat, sorgfältig Rechenschaft ablegen.


An der Weggabelung

11. November 2006

Samstag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Martin, Bischof von Tours

P. Michael Goodyear LC

Lk 16,9-15
Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht. Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen. Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann euer (wahres) Eigentum geben? Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. Das alles hörten auch die Pharisäer, die sehr am Geld hingen, und sie lachten über ihn. Da sagte er zu ihnen: Ihr redet den Leuten ein, dass ihr gerecht seid; aber Gott kennt euer Herz. Denn was die Menschen für großartig halten, das ist in den Augen Gottes ein Greuel.

Einführendes Gebet:   Jesus, wie oft hast du uns ohne den Lärm von Worten gelehrt, durch deine Worte und Beispiel, durch Ermahnungen und Reden direkt zu unseren Seelen. Wann werde ich mich zurücknehmen und mich verzehren lassen von deiner Liebe und Macht? Lehre mich in diesen kurzen Momenten des Gebets deine handelnde Liebe in meiner Seele zu erkennen, damit ich dich beständiger verehre.

Bitte:  Herr, lehre mich, dich in meinem Alltag zu erkennen.

1.  Die Gabelung.   Mehrmals am Tag kommen wir zu Weggabelungen unseres Lebens, an denen wir eine Wahl treffen müssen, wo wir nach rechts und links schauen und Gott auf der einen Seite und das Geschaffene an der anderen Seite sehen. Nicht dass das Geschaffene in sich selbst böse wäre – es ist es nicht. Es kommt darauf an, wie wir es benutzen und welchen Platz wir ihm in unserem Leben geben. Wie oft wähle ich das Geschaffene statt Gott?

2.  Die Wahl.   Die Freiheit ist etwas, was wir jeden Tag erfahren. Wir sind frei, eine Wahl zu treffen – sonst wäre das Wort „Wahl“ bedeutungslos. Wir wählen entweder, die Gegenwart Gottes in unserem Leben zu vermehren, indem wir seine Liebe annehmen – wenn auch eine schmerzliche und läuternde Liebe – oder, indem wir diese Liebe ablehnen und unseren eigenen Weg wählen, einen Weg der eigenen Verwöhnung, den einfachen Weg.

3.  Die Konsequenzen.   Jede Wahl hat ihre Konsequenzen. Wenn wir an der Weggabelung, den Weg zur rechten nehmen, erreichen wir ein anderes Ziel, als wenn wir links gehen. Nicht nur das, sondern eine Entscheidung für den einen Weg wird uns, wenn wir sie nicht ändern, immer weiter von dem anderen Weg wegbringen. Wir werden enden, wie der Herr es uns sagt, indem wir: „zu dem einen halten und den anderen verachten.“

Gespräch mit Christus:  Wenn ich es mir zur Gewohnheit mache, Herr, mit dir zu sprechen und dich um Rat zu fragen, wie könnte ich jemals in die falsche Richtung laufen? Ich habe mit dir in diesen Augenblicken gesprochen, und ich habe die Ohren meiner Seele so gut geöffnet, wie ich es nur kann. Mein Wunsch, deine Stimme zu erkennen und deinen Willen in meinem Leben zu suchen, soll dir gefallen. Erfülle meine Seele mit dem Wissen über deinen Willen, der Erfahrung deiner Liebe und der Stärke deines Geistes. Amen.

Vorsatz:   Ich will es mir zur Gewohnheit machen, den Herrn während des Tages um Rat zu bitten.