Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 15. Oktober 2006 bis Samstag 21. Oktober 2006

Achtundzwanzigste Woche im Jahreskreis

P. James Swanson LC

Eine geistige Wand Sonntag
Jesus verspricht ein Zeichen Montag
Die Pharisäer versagen im Wesentlichen Dienstag
Qualitäten für die Mission Mittwoch
Scheinheiligkeit in der Nachfolge Gottes Donnerstag
Gehenna und Vergebung Freitag
Treue zu den Eingebungen des Heiligen Geistes Samstag



Eine geistige Wand

15. Oktober 2006

Achtundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

P. James Swanson LC

Mk 10,17-30
Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich. Da sagte Petrus zu ihm: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen: Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben.

Einführendes Gebet:  Ich komme zu dir, mein Freund und Lehrer, damit ich auf dich höre und dich so immer mehr verstehe, immer mehr von dir lerne und ganz annehme, was immer von mir in deiner Nachfolge verlangt wird.

Bitte: Hilf mir, Herr, großzügig die Opfer anzunehmen, die deine Nachfolge heute von mir verlangt.

1. Eine ehrliche Frage.  Jesus trifft einen Mann, der willens ist, alles zu vollbringen, was nötig ist um das ewige Leben zu erlangen. Woher wissen wir das? Als Jesus ihm als Erklärung dafür, was er tun muss, um das ewige Leben zu erhalten, die Gebote aufzählt, antwortet er, dass er diese seit seiner Jugend beachtet hat. Wenn er die Gebote bisher nicht befolgt hätte, wäre seine Frage bereits beantwortet gewesen. Er hätte nur nach Hause gehen und den Geboten folgen müssen. Er fährt aber fort: „Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt.“ Das ist wahr. Markus erzählt uns weiter: „Jesus sah ihn an und liebte ihn.“ Wenn der Mann nicht die Wahrheit gesagt hätte, hätte Jesus ihn darauf aufmerksam gemacht. Vielleicht indem er sein Gewissen angesprochen hätte, um ihm bei der Erkenntnis zu helfen, was er in der Befolgung der Gebote noch besser machen könnte. Jesus macht das mit uns jeden Tag, wenn wir ehrlich sind und uns täglich fragen, ob wir wirklich Gottes Willen befolgen. Er hat keine Bedenken, uns zu sagen, worin wir versagen und uns zu helfen, besser zu werden.

2. Ein ehrliches Leben.  Offensichtlich sagt dieser Mensch die Wahrheit. Er hat sich immer ernsthaft angestrengt und war erfolgreich in der Erfüllung von all dessen, was der jüdische Glauben verlangt – wenigstens insoweit, wie er Gottes Gebote versteht. Vielleicht wünschen wir uns, dass auch wir mit dem gleichen guten Gewissen antworten können: „Ich habe alle diese Gebote gehalten.“ Jedoch, so wie wir Menschen sind, sind wir auch schwach. Wir können jederzeit fallen. Was Gott von uns erwartet ist nicht ein Leben ohne Sünde, sondern dass wir nach Reue streben und nach schneller Umkehr zum Gehorsam, wenn wir gefallen sind. Ein Mensch, der seine Sünden leicht nimmt, selbst in kleinen Dingen, zerstört sein Gewissen. Im Gegensatz dazu zeigen wir, wenn wir die Verantwortung für unsere Sünden auf uns nehmen, bereuen und uns nach unserem Sturz schnell wieder erheben, unsere Verpflichtung für die moralischen Ansprüche der Gebote Gottes, und bereiten den Boden dafür, die Gnade moralischer Vollkommenheit zu erhalten, die wir von uns aus nicht erreichen können.

3. Er kann sich aber nicht überwinden, den nächsten Schritt zu tun.  Der Mann tut alles, was sein jüdischer Glaube von ihm verlangt, und er will noch mehr für Gott tun. Er hat Gott nie etwas abgeschlagen. Jesus sieht, er ist bereit für den nächsten Schritt. Er beruft ihn zum Apostel. Er ruft ihn auf, alles andere in seinem Leben zu verlassen und ihm nachzufolgen. Da er bisher Gott nie etwas abgeschlagen hat, könnte man meinen, dass er „ja” sagen könne. Er kann es aber nicht. Es ist zu viel. Obwohl es ihm nicht bewusst ist, gibt es Dinge in seinem Besitz, die er mehr liebt als Gott. Er vertraut Gott nicht genug. Manchmal machen wir Fortschritte in unserem geistigen Leben, geben alles, was Gott von uns verlangt, bis zu dem Tag, an dem er uns um etwas bittet, das wir nicht bereit sind, ihm zu geben. Unser geistiges Leben ist festgefahren – manchmal für Jahre – bis wir willens sind, das zu geben, was Jesus von uns erbittet. Jesus beruft alle Menschen zur Vollkommenheit; dazu, Gott über alles zu stellen. Er verspricht, wenn wir uns selbst hingeben, um ihm nachzufolgen, dann wird er unser Leben mit sich selbst erfüllen.

Gespräch mit Christus:  Lieber Jesus, ich habe mich bemüht, dir treu nachzufolgen. Du weißt, dass es manchmal ein Kampf war. Manchmal habe ich dir großzügig Opfer gebracht. Manchmal habe ich dir gegeben, was du von mir erbeten hast, selbst wenn es schwierig für mich war. Das waren die schönsten Momente unserer Beziehung und ich denke gerne daran zurück. Auch heute erbittest du etwas von mir. Vielleicht hast mich schon früher darum gebeten, und ich wollte es dir nicht geben. Vielleicht habe ich es für Jahre zurückbehalten, und vielleicht ist deshalb mein geistiges Leben lau. Hilf mir, mich zu überwinden. Hilf mir, alles, was ich dir vorziehe, aufzugeben. Hilf mir, heute so großzügig zu sein, wie du es von mir erhoffst.

Vorsatz:  Gibt es an Sonntagen etwas, das ich zumeist nicht nach Gottes Willen tue? Heute werde ich mich bemühen, es besser zu machen.


Jesus verspricht ein Zeichen

16. Oktober 2006

Montag der achtundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. James Swanson LC

Lk 11,29-32
Als immer mehr Menschen zu ihm kamen, sagte er: Diese Generation ist böse. Sie fordert ein Zeichen; aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Jona. Denn wie Jona für die Einwohner von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn für diese Generation sein. Die Königin des Südens wird beim Gericht gegen die Männer dieser Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Hier aber ist einer, der mehr ist als Salomo. Die Männer von Ninive werden beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie haben sich nach der Predigt des Jona bekehrt. Hier aber ist einer, der mehr ist als Jona.

Einführendes Gebet:  Ich komme zu dir, Herr Jesus Christus, mein Freund und mein Meister, sodass ich, indem ich auf dich höre, mehr von dir entdecke, erfahre und von dir lerne. Ich wünsche, dass mein Glaube stark genug wird, mich durch alle Prüfungen meines Lebens zu tragen.

Bitte:  Herr Jesus, hilf mir, heute ganz meinem Namen als Christ gerecht zu werden.

1. Zeichen sehen.  Wann immer im Alten Testament Gott einen Boten sandte, zeigte dieser Bote ein Zeichen, um zu beweisen, dass er tatsächlich von Gott gesandt war. Die Propheten zeigten Zeichen, und das sicherste Zeichen, dass sie von Gott kamen, war, dass sich ihre Prophezeiungen erfüllten. Einen falschen Propheten konnte man daran erkennen, dass seine Worte sich nicht erfüllten. Wenn Engel von Gott zu den Menschen kamen, mussten auch sie Zeichen setzen. Als Gabriel Maria verkündete, dass sie die Mutter des Erlösers werden würde, erhielt sie das Zeichen der wunderbaren Schwangerschaft von Elisabeth. Auch vom Messias wurde erwartet, dass er mit Zeichen auftrat, damit kein Zweifel über seine Identität aufkommen konnte.

2. Die Zeichen Jesu sind mehr als reichlich.  Das Problem besteht darin, dass Jesus bereits viele Zeichen gewirkt hatte. Wo auch immer er predigte, bestätigte er seine Lehre mit Heilungen und der Austreibung von bösen Geistern. Obwohl er täglich heilte und böse Geister vertrieb, kennen wir auch andere Wunder, die er vollbrachte. Er speiste zweimal Tausende von Menschen, indem er ein paar Brote und Fische vermehrte. Er ging auf dem Wasser. Er beruhigte Stürme. Zumindest drei Mal erweckte er Tote zum Leben. Einige dieser Wunder waren genau diejenigen, die man von dem Messias erwartete. Trotz allem wollten die Leute immer noch ein Zeichen haben. Jesus war darüber sicherlich etwas ungehalten. Was soll ich noch tun, dass sie mich wirklich als den Messias erkenne? Wie viele böse Geister muss ich austreiben? Was wird ihnen genügen? Auch wir erbitten manchmal Zeichen, wenn uns Jesus in Wahrheit bereits jeden Beweis erbracht hat, dass er in unserem Leben handelt.

3. Das Zeichen des Jona ist ausreichend.  Jesus verspricht ihnen das Zeichen des Jona. Wenn sie die Wunder, die er für jeden sichtbar erwirkte, nicht annehmen wollen, was kann er dann noch bieten? Er wird von den Toten auferstehen. Genau wie Jona, der nach drei Tagen aus dem Bauch des Wales wieder erschien, so wird Jesus drei Tage nachdem er im Bauch der Erde begraben war, wieder erscheinen. Die Apostel waren die Zeugen der Auferstehung Jesu. Sie verkündeten, dass Jesus der Messias war, dass er leiden musste und gekreuzigt wurde, dass er begraben wurde, dass er am dritten Tage auferstand und vom Vater verherrlicht wurde. Das war genug. Sie predigten es, und ohne dass sie es selber gesehen hatten, wurden innerhalb weniger Generationen, viele Menschen bekehrt. Das Zeichen des Jona genügte ihnen.

Gespräch mit Christus:  Lieber Jesus, deine Auferstehung hat genügt, um viele Menschen zu bekehren. Sie haben es nicht selber gesehen. Nur die Apostel und wenige andere sahen dich auferstanden von den Toten. Sie predigten es und die Menschen glaubten. Es ist das gewaltigste Wunder in der Weltgeschichte. Es hat das Leben so vieler Menschen verwandelt. Hilf, dass mein Glaube an deine Auferstehung nicht nur in meinem Verstand sitzt. Mach ihn zu einem tiefempfundenen Glauben, der mein Leben verwandelt. Deine Auferstehung muss in meinem Leben täglich von Bedeutung sein, nicht nur am Sonntag, nicht nur, wenn ich bete. Bitte schenke mir die Gnade eines wirklichen Glaubens.

Vorsatz:  Gibt es Dinge in meinem täglichen Leben, in denen ich nicht die Fülle meiner Berufung als Christ lebe? Ich werde heute in zumindest einem dieser Dinge das richtige tun.


Die Pharisäer versagen im Wesentlichen

17. Oktober 2006

Dienstag der achtundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Ignatius von Antiochien, Bischof und Märtyrer

P. James Swanson LC

Lk 11,37-41
Nach dieser Rede lud ein Pharisäer Jesus zum Essen ein. Jesus ging zu ihm und setzte sich zu Tisch. Als der Pharisäer sah, dass er sich vor dem Essen nicht die Hände wusch, war er verwundert. Da sagte der Herr zu ihm: O ihr Pharisäer! Ihr haltet zwar Becher und Teller außen sauber, innen aber seid ihr voll Raubgier und Bosheit. Ihr Unverständigen! Hat nicht der, der das Äußere schuf, auch das Innere geschaffen? Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, den Armen, dann ist für euch alles rein.

Einführendes Gebet:  Ich komme zu dir, Herr Jesus, mein Freund und Meister, sodass ich, indem ich auf dich höre, dich mehr erfahre, mehr von dir lerne und meinen Glauben aus ganzem Herzen lebe.

Bitte: Hilf mir, Herr, heute meinen ganzen Tag in Liebe zu dir zu leben.

1. Die Pharisäer: Männer der Tat.  Die Pharisäer konnten manches sehr gut. Sie taten alles, was das Gesetz Gottes ihnen vorschrieb. Wenn sie bestimmte Opfer an bestimmten Tagen bringen sollten, taten sie das auch. Wenn sie bestimmte Gebete zu bestimmten Zeiten darbringen sollten, machten sie das. Wenn sie vor dem Essen ihre Hände in bestimmter Weise waschen sollten, taten sie das auch. Wenn eine Regel zweideutig schien, diskutierten sie das untereinander solange, bis sie alle in gleicher Weise Gott anbeteten, so wie es ihnen richtig erschien. Während der Mission Jesu waren viele der Juden, die Interesse an seiner Mission zeigten, Pharisäer. Warum? Von außen betrachtet schien er ihnen sehr ähnlich zu sein.

2. Auf das Herz kommt es an.  Das Wort „äußerlich” ist der Schlüssel zur Unterscheidung von Jesus und der Mehrzahl der Pharisäer. Das Problem bestand darin, dass die Pharisäer auf äußerliche Dinge ausgerichtet waren. Von außen gesehen schauten sie wie große Nachfolger Gottes aus. Sie hielten sich in Anbetung und Gebet an das Buch. Sie hatten aber ihr Herz nicht Gott geschenkt. Innerlich waren sie genauso schlimm, wie vor der babylonischen Gefangenschaft. In jenen Zeiten brachten sie Gott im Tempel ihre Opfer dar, zuhause aber beteten sie ihre Hausgötzen an. Aus diesem Grund erlaubte Gott den Babyloniern, sie zu überwinden, trotz ihrer Opferdienste. Die Pharisäer waren raffinierter. Ihr Leben erschien äußerlich sehr religiös, in ihrem Herzen jedoch gab es keine Liebe für Gott. Das war der ganze Unterschied.

3. Am Wesentlichen festhalten.  Jesus versucht, ihnen die Augen zu öffnen. Jesus ist der Rabbi der Apostel. Wenn er ein Pharisäer wäre, würde von ihm erwartet werden, dass er sich an die rituellen Waschungen der Juden hält. Jesus weiß aber, dass das nicht zum Grundsätzlichen gehört. Er besteht auf ihrer Liebe zu Gott und den Mitmenschen. Daran nehmen die Pharisäer Anstoß. Da sie sich so auf die äußerlichen Aspekte des Glaubens ausrichten und so wenig auf die inneren, versäumen sie ganz und gar das Ziel der Religion – Gott über alles zu lieben. Ihre Ausrichtung auf das Unwesentliche trivialisiert ihren Glauben. Lasst uns auf das Wesentliche ausgerichtet sein, indem wir das Äußerliche dafür benutzen, die Liebe Gottes in unserem Herzen widerspiegeln lassen.

Gespräch mit Christus:  Lieber Jesus, ich achte manchmal zu sehr auf das äußerliche der Religion und nicht genug darauf, dich zu lieben. Vielleicht nehme ich nur mechanisch an religiösen Handlungen teil oder nur deshalb, damit mich die anderen sehen, während mein Herz sich mit anderen Dingen beschäftigt. Hilf mir zu erkennen, dass das Äußere wohl seine Wichtigkeit hat, dass es aber das Wichtigste ist, dir mein Herz zu geben. Hilf mir, es dir heute zu schenken.

Vorsatz:  Ich will mir heute das Schwerste, was Gott von mir will, vornehmen, und mich nach Kräften bemühen, es aus Liebe zu tun, statt es nur zu tolerieren.


Qualitäten für die Mission

18. Oktober 2006

Mittwoch der achtundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Lukas, Evangelist

P. James Swanson LC

Lk 10,1-9
Danach suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs! Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.

Einführendes Gebet:  Ich komme zu dir, Herr Jesus, mein Freund und Lehrer, sodass ich, indem ich auf dich höre und dich mehr erfahre, mehr von dir lerne und all das, was du heute von mir erbittest, in Demut und Bescheidenheit vollbringe.

Bitte: Herr, sei meine beständige Hilfe, während ich mich bemühe, die Gute Nachricht zu verbreiten.

1. Eifer, so viele wie möglich zu erreichen.  Jesus ist ein Experte in Organisation und Durchführung einer Mission. Er sendet 72 Jünger aus, die ihm vorausgehen und den Weg vorbereiten sollen. Er will so viele Menschen wie möglich erreichen. Er weiß, dass er nur ein paar Jahre hat, um seine Mission zu vollenden. Er sendet die Männer voraus, um sein Kommen anzukündigen und den Weg vorzubereiten. Sie haben die Macht, Wunder zu vollbringen, hauptsächlich die Kranken zu heilen. Die Leute werden sie predigen hören, die Wunder sehen und zueinander sagen: „Wenn das schon die Jünger sind, dann will ich den sehen, der ihnen das alles beigebracht hat.“ Wenn dann Jesus in der Stadt ankommt, sind alle bereit. Dann ist er imstande, zu sagen, was er will und kann weitere Zeichen dafür geben, dass er der Messias ist. Er kann versichert sein, sein Besuch wird die Höchstzahl von Menschen erreichen, weil die Vorbereitung so gründlich war. Diejenigen, die dem Glauben gegenüber offen sind, werden für die Taufe bereit sein, wenn die Zeit dafür da ist.

2. Die Botschaft, nicht der Botschafter.  Jesus lehrt seine Jünger, bevor er sie aussendet. Es werden ihnen Verhaltensregeln mitgegeben, die verhindern sollen, dass sie nach ihrem eigenen Willen handeln. Sie werden vom Volk gut aufgenommen. Sie sind befähigt, in einer Weise zu predigen, dass davon Tausende angezogen werden. Die Menschen sind dankbar für die Wunder, die sie bewirken. Wie leicht könnten sie stolz darauf sein. Vielleicht sind sie nicht sofort willkommen, sobald man aber sieht, was sie vollbringen können, wird sie jeder in sein Haus einladen wollen. Die Apostel könnten denken: „Immerhin bin ich ein Apostel Jesu, und ich verdiene das Beste.“ Gedanken dieser Art könnten sich negativ auf ihre Mission auswirken. Jesus verhindert das schon von vornherein: „Ihr bleibt im gleichen Haus, esst, was auch immer sie euch vorsetzen und konzentriert euch auf das Predigen und Heilen. Kümmert euch weder um euch selbst, noch um euren Ruf. Wichtig ist nur die Botschaft.“

3. Ich muss etwas tun.  Auch heute sind die Arbeiter immer noch wenige; nicht weil Gott nur einzelne beruft, sondern weil nur wenige großzügig genug sind, ihrer Berufung zu folgen. Das geht über die Berufung zum Priestertum und Ordensleben hinaus, denn wir sind alle berufen, den Glauben zu verbreiten, auch wenn viele von uns darauf nicht antworten. Wir benutzen unsere Talente und Fähigkeiten dazu, uns selber zu dienen, statt Gott. Obwohl die Laien nicht berufen sind, Gott in gleicher Weise zu dienen wie Priester und Ordensleute, sind sie nicht frei von allen Verpflichtungen. Genau wie Jesus seine Mission organisierte und 72 Jünger vorausschickte, um sicherzugehen, dass er die Zeit am besten nutzte, so sollte auch ich alles, was ich für Gott tue, so organisieren, dass ich meine Zeit am besten nutze. Wie auch die Jünger von Jesus gelehrt wurden, die Mission nicht durch Stolz und Egoismus zu behindern, so sollte auch ich meinen eigenen Stolz und meine Selbstsucht zügeln, damit die Menschen, mit denen ich in Kontakt komme, nicht Gott entfremdet werden.

Gespräch mit Christus:  Lieber Jesus, die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter. Hilf mir, der bestmögliche Arbeiter bei der Ernte zu sein, die du mir anvertraut hast. Hilf mir, effizient zu sein, damit ich meine Zeit am besten nutze. Hilf mir demütig zu sein, damit ich die Menschen nicht mit einer hochmütigen Einstellung abstoße. Hilf mir, mich selbst als Diener zu sehen, so wie es auch Maria tat. Was immer auch ich für dich tue, ich will es mit dem größtmöglichen Maß an Liebe vollbringen. Ich möchte, dass meine Arbeit große Früchte bringt, wie die Arbeit der Apostel.

Vorsatz: Ich will die Menschen um mich Jesus näher bringen, indem ich mich bemühe, heute Demut zu üben.


Scheinheiligkeit in der Nachfolge Gottes

19. Oktober 2006

Donnerstag der achtundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. James Swanson LC

Lk 11,47-54
Weh euch! Ihr errichtet Denkmäler für die Propheten, die von euren Vätern umgebracht wurden. Damit bestätigt und billigt ihr, was eure Väter getan haben. Sie haben die Propheten umgebracht, ihr errichtet ihnen Bauten. Deshalb hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und sie werden einige von ihnen töten und andere verfolgen, damit das Blut aller Propheten, das seit der Erschaffung der Welt vergossen worden ist, an dieser Generation gerächt wird, vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der im Vorhof zwischen Altar und Tempel umgebracht wurde. Ja, das sage ich euch: An dieser Generation wird es gerächt werden.

Weh euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel (der Tür) zur Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die, die hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert.

Als Jesus das Haus verlassen hatte, begannen die Schriftgelehrten und die Pharisäer, ihn mit vielerlei Fragen hartnäckig zu bedrängen; sie versuchten, ihm eine Falle zu stellen, damit er sich in seinen eigenen Worten verfange.

Einführendes Gebet:  Ich komme zu dir, Herr Jesus, mein Freund und Meister, so dass ich, indem ich auf dich höre, dich mehr erfahre, mehr von dir lerne und meinem Gewissen treuer folge. Hilf mir, dir mehr zu vertrauen und dich mehr zu lieben. Danke, Jesus, für alles, was du für mich getan hast.

Bitte: Herr, schenke mir die Gnade eines gebildeten Gewissens und die Demut, ihm zu folgen.

1. Scheinheiligkeit im Zeugnis.  Um eifrig in ihrem Glauben zu scheinen, erbauten und besuchten die Pharisäer Denkmäler für die Propheten. Sie wollten sich mit der Mission der Propheten verbinden, so erscheinen, als wären sie Nachfolger der Propheten. Gleichzeitig jedoch hatten sie viele Gebräuche, in denen sie das, was Gott durch die Propheten gelehrt hatte, ignorierten. Jesus zeigt einiges davon in den Versen unmittelbar vor dem heutigen Evangelium auf. Er weist auf ihre Scheinheiligkeit hin, wenn sie Denkmäler bauen, aber dann den Lehren der Propheten nicht folgen. Ironischerweise macht sie das Bekenntnis ihres Lebens zu Nachfolgern derjenigen, welche die Propheten umbrachten, statt zu Nachfolgern der Propheten selbst. Wenn wir den Lehren Jesu nicht treu sind, gilt der gleiche Vorwurf auch uns.

2. Meine Ambitionen Gottes Willen vorziehen.  Die Scheinheiligkeit der Schriftgelehrten und Pharisäer ist noch deutlicher in ihrer Einstellung Jesus gegenüber zu sehen. Sie haben das gleiche Problem, das auch ihre Vorfahren mit den Propheten hatten. Wenn die Propheten Dinge predigten, die gegen die Pläne der führenden Männer von Israel waren, dann wurden sie verfolgt. Es war ihnen gleichgültig, dass der Prophet möglicherweise von Gott gesandt war. Sie hatten ihre Pläne und man konnte dem Propheten nicht erlauben, sie zu durchkreuzen. Die Schriftgelehrten und Pharisäer behandeln Jesus in gleicher Weise. Er gefährdet ihre Pläne. Das Volk beachtet ihn mehr als sie. Sie sehen, dass sie in der Wertschätzung des Volkes schlechter wegkommen, und sie müssen dagegen etwas unternehmen. Trotz aller Wunder beschließen sie, dass dieser Jesus nicht der Messias sein kann. Er muss ausgeschaltet werden, denn er behindert ihre Ambitionen. Manchmal können wir genauso sein, wenn Christus unseren Ambitionen im Weg zu stehen scheint.

3. Unbequeme Wahrheiten nicht zur Kenntnis nehmen.   Wie zu den Zeiten Jesu, so haben auch heute viele führende Menschen Ambitionen, die sie nicht von der Lehre Jesu behindert sehen wollen. Wenn diese Lehre ein Hindernis ist, dann muss sie aus dem Weg geräumt werden. Es sind jedoch nicht nur die führenden Menschen, die die Lehre Jesu unbequem finden können. Viele von uns finden hin und wieder auch unsere eigenen Ambitionen durch eine Begegnung mit der Lehre Christi, durch seine Lebensart, durch ihn selbst, beschnitten. Wie reagieren wir? Sind wir fähig, unser Haupt zu beugen und von unseren Plänen Abschied zu nehmen, wenn sie nicht mit der Lehre Christi in Einklang zu bringen sind? Oder sind wir eher ein wenig störrisch und versuchen, Jesus aus dem Weg zu schaffen, weil er uns unbequem ist?

Gespräch mit Christus:  Lieber Jesus, deine Lehre wird immer 'unbequem' für mich sein. Manchmal wünschte ich, dass ich kein Gewissen hätte, damit ich sie unbeachtet lassen könnte. In deiner Güte jedoch hast du mich immer wieder, vorsichtig aber bestimmt, an deine Seite zurückgerufen. Wie oft wollte ich in eine Richtung gehen, die nicht gut für mich oder die anderen gewesen wäre. Die Kenntnis deiner Lehre half mir, große Fehler zu vermeiden, die mich und so viele andere geschmerzt hätten. Manchmal aber habe ich mein Gewissen verraten. Ich habe versucht, meinen Willen durchzusetzen und dich nicht zu beachten. Ich bin weit weg von dir gelaufen und habe mir die Ohren zugehalten, um deine freundliche Stimme nicht zu hören, die mich zurückrief. Manchmal bin ich erst dann zurückgekehrt, wenn ich genug hatte. Ich danke dir für deine Geduld. Danke, dass du mich wieder annimmst. Danke, dass du mir hilfst, kein Pharisäer zu sein.

Vorsatz:  Heute will ich mir die Zeit für ein besonderes Dankgebet für all jene Augenblicke nehmen, in denen Gott mir die Gnade gegeben hat, an seiner Seite zu bleiben, statt abzuirren. Ich will ihm danken für die Augenblicke, in denen er mich wieder angenommen hat und mir meine Irrwege vergab. Oder, wenn ich immer noch auf Abwegen bin, will ich heute zurückkehren und meine Sünde beichten.


Gehenna und Vergebung

20. Oktober 2006

Freitag der achtundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. James Swanson LC

Lk 12,1-7
Unterdessen strömten Tausende von Menschen zusammen, so dass es ein gefährliches Gedränge gab. Jesus wandte sich zuerst an seine Jünger und sagte: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei. Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Deshalb wird man alles, was ihr im Dunkeln redet, am hellen Tag hören, und was ihr einander hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, das wird man auf den Dächern verkünden.

Euch aber, meinen Freunden, sage ich: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, euch aber sonst nichts tun können. Ich will euch zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der nicht nur töten kann, sondern die Macht hat, euch auch noch in die Hölle zu werfen. Ja, das sage ich euch: Ihn sollt ihr fürchten. Verkauft man nicht fünf Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch vergisst Gott nicht einen von ihnen. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.

Einführendes Gebet: Ich komme zu dir, Herr Jesus, mein Freund und Meister, sodass ich, indem ich auf dich höre, dich mehr entdecke, dich mehr erfahre und mehr von dir lerne. Ich wünsche mir, dass mein Herz auf das ausgerichtet ist, was im Leben am wichtigsten ist – die Wahrheit, die mich zum Himmel führen wird.

Bitte:  Herr, gewähre mir die Gnade, mich auf das auszurichten, was in meinem Leben wichtig ist. Und gewähre mir die Gnade, nicht von dir weg abgelenkt zu werden.

1. Den Wald vor lauter...  Wir konzentrieren uns auf unsere täglichen Probleme. Wenn wir Familie haben, konzentrieren wir uns darauf, sie in die Schule, zum Sport oder anderen Aktivitäten zu bringen. Dann gibt es all die persönlichen Sorgen innerhalb der Familie. Wir sorgen uns um die Noten der Kinder. Wir machen uns über ihre Freunde Gedanken. Wir fragen uns, ob wir genug Geld haben. Wir sorgen uns um die Arbeit. Hab eich einen sicheren Arbeitsplatz? Ist mein Chef mit meiner Arbeit zufrieden? Wird er mich an dem von mir gewünschten Projekt arbeiten lassen? Wie kann ich den Menschen in der Arbeit meiden, mit dem ich nicht zurechtkomme? Alle diese Sorgen sind berechtigt, sie sind aber nicht das Wichtigste in unserem Leben. Wir sollten es nicht zulassen, dass so viel unserer Zeit in Anspruch nehmen.

2. Die Enthüllung meiner dunklen Geheimnisse.   Wir sollten unsere Aufmerksamkeit von den äußerlichen Anforderungen zu den inneren wenden. Es ist wichtiger, was wir sind, als was wir tun. Wie ist meine Einstellung Gott gegenüber? Wie ist meine Einstellung zu den Mitmenschen? Das sind die Fragen unserer Seele. Obwohl vielleicht niemand anders davon weiß, wird doch am Ende unsere Einstellung zu Gott und anderen wichtiger sein, als alles andere was wir tun. Wer könnte auch nur einen Moment daran zweifeln, dass einem Menschen, der vielleicht viel Schlechtes getan hat, aber wahrhaftig reumütig vor Gott ist, vergeben wird? Wer könnte bezweifeln, dass ein Mensch, der vielleicht scheinbar niemand etwas getan hat, aber Gott und die Mitmenschen verachtet, verdammt werden wird? Was in meinem Herzen ist, wird offenbar werden, und ich werde danach gerichtet werden. Meine Taten sind sicherlich wichtig, aber meine Werke werden an meinen Einstellungen gemessen.

3. Zuallererst bedenke Gottes Liebe.  Jesus sagt uns, dass unsere Geheimnisse offenbar werden werden, denn er will, dass wir uns in Acht nehmen. Erstens weil es einen Ort gibt, den wir Hölle (Gehenna) nennen und es Menschen gibt, die dort hingehen. Er sagt uns, dass es ratsam sei, das zu vermeiden. Zweitens sagt er uns, dass alles in unserem Herzen geoffenbart werden wird, und wir danach gerichtet werden. Nichts wird geheim bleiben. Wenn wir also ein Geheimnis haben, von dem wir nicht wollen, dass irgendjemand davon weiß, dann wäre es besser hier und jetzt etwas in dieser Sache zu unternehmen. Drittens erinnert er uns daran, wie sehr Gott uns liebt, denn der Gedanke, in die Hölle zu kommen und unsere dunklen Geheimnisse enthüllt zu sehen, könnte uns deprimieren und uns schwermütig machen.

Gespräch mit Christus:  Lieber Jesus, ich werde so eingenommen von meinen täglichen Geschäften, dass ich vergesse, auf das zu schauen, was wirklich wichtig ist. Ich sollte mich in meiner Gebetszeit mehr auf meine Beziehung zu dir konzentrieren. Ich sollte sicherstellen, dass meine Liebe für dich weiter wächst, und dass beides, meine Gebetszeit und meine Liebe für dich, durch meine Beschäftigung mit alltäglichen Dingen nicht stagniert oder sogar schrumpft. Hilf mir, mich auf die größeren Wahrheiten meines Seins auszurichten, und, falls sie mich ängstigen, mich an die Größe deiner Liebe zu erinnern und auf dich zu vertrauen.

Vorsatz:  Hilf mir, mich im Gebet mehr zu konzentrieren und weniger durch meine Sorgen abgelenkt zu werden. Ich werde mich bemühen, Gott mehr zu lieben und ihm näher zu kommen, statt in Sorgen und Schwermut zu verfallen.


Treue zu den Eingebungen des Heiligen Geistes

21. Oktober 2006

Samstag der achtundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. James Swanson LC

Lk 12,8-12
Ich sage euch: Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird auch vor den Engeln Gottes verleugnet werden. Jedem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben. Wenn man euch vor die Gerichte der Synagogen und vor die Herrscher und Machthaber schleppt, dann macht euch keine Sorgen, wie ihr euch verteidigen oder was ihr sagen sollt. Denn der Heilige Geist wird euch in der gleichen Stunde eingeben, was ihr sagen müsst.

Einführendes Gebet:  Ich komme zu dir, mein Freund und Lehrer, um auf dich zu hören und dich so immer mehr zu entdecken, dich mehr zu erfahren und mehr von dir zu lernen. Ich möchte im Einklang mit den Eingebungen deines Heiligen Geistes leben.

Bitte:  Herr, schenke mir heute die Gnade, für meinen Glauben einzustehen.

1. Zu feige für das Märtyrertum.  Es ist manchmal sehr schwierig, sich vor anderen zu Jesus zu bekennen. Wir bedenken die Möglichkeit des Märtyrertums und wir fragen uns alle, ob wir wohl Jesus treu bleiben würden, falls das den Tod bedeutete. Wir könnten der Meinung sein, dass wir im täglichen Leben ganz gut zu seinen Lehren stehen, ist das aber wirklich so? Wir hören uns ohne Widerspruch Angriffe auf Jesus und seine Kirche an. Manchmal zeigen wir sogar ein Nicken oder Lächeln, als ob wir damit einverstanden wären. Wir würden ja nie solche Sachen selber sagen, aber stehen nicht wirklich zu Jesus, selbst wenn das kein Märtyrertum bedeutet. Wie vielen fällt es furchtbar schwer, auch nur ein Kreuzzeichen an einem öffentlichen Ort zu machen.Ich tue es immer, wenn ich mich zu Hause zu Tisch setze, aber irgendwie fällt es mir in einem Restaurant furchtbar schwer, obwohl doch das einzige Problem dabei ist, „dass die Leute merken würden, dass ich Katholik bin“.

2. Die Wahrheit annehmen.  Die Lehre Christi über Gotteslästerung könnte uns beunruhigen, weil wir denken könnten, dass es eine Sünde gibt, die nicht vergeben werden kann. Dennoch, es gibt keine Sünde, die nicht vergeben werden kann. Die Liebe und das Erbarmen Gottes ist gegenüber der Sünde allmächtig. Gotteslästerung gegen den Heiligen Geist wird von der Kirche als die Unbußfertigkeit bis zum Tod (KKK 1864) verstanden, nämlich, dass der Heilige Geist uns von der Sündhaftigkeit unserer Taten überzeugen möchte, und wir das nicht annehmen. Wenn wir uns vor unserem Tod noch überzeugenlassen, dann sind wir nicht der Gotteslästerung gegen den Heiligen Geist schuldig. Wenn wir aber sterben, ohne die Wahrheit anzunehmen, dann werden wir der Gotteslästerung gegenüber dem Heiligen Geist schuldig sein. Erlaube ich dem Heiligen Geist, mich von meiner Sündhaftigkeit zu überzeugen? Gibt es etwas, das die Kirche als falsch lehrt, ich es aber nicht als solches annehmen will? Gibt es Sünden, von denen ich denke, dass sie nicht so schlimm sind, weil ich sie zu einem Teil meines Lebens machen will? Gibt es noch andere Punkte, bei denen ich mich dagegen wehre, mein Gewissen vom Heiligen Geist zur Wahrheit hin formen zu lassen? Sünden, die nicht als solche angenommen werden, können auch nicht vergeben werden.

3. Zeugnis mit meinem Leben geben.  Vielleicht sorgen wir uns nicht so sehr darum, dass wir wegen unseres Christentums vor Gericht geschleppt werden könnten, trotzdem sollten wir täglich für unseren Glauben Zeugnis ablegen. Es spielt keine Rolle, wohin wir gehen oder was wir tun, wir sind Zeugen für unseren Glauben an Christus. Das griechische Wort Märtyrer bedeutet „Zeuge“. Ich sollte den Heiligen Geist durch mich sprechen lassen, wenn ich vor anderen stehe. Es gibt viele, die wissen, dass ich ein Christ bin. Sie werden nicht nur mich, sondern alle Christen an meinen Werken beurteilen. Deshalb sollte ich die Liebe leben als das Kennzeichen eines echten Christen. Wenn ich die Liebe lebe, wird es ein Zeichen für alle sein, dass, was Jesus lehrt, die Wahrheit ist. Ich sollte die Demut eines Menschen üben, der auf die Größe und Heiligkeit Gott des Vaters schaut und doch die eigene Unbedeutsamkeit und Sündhaftigkeit erkennt. Ich sollte alle diese Tugenden in ganz konkreten Situationen meines Alltags leben. Ich kann das alles nur dann, wenn ich den Heiligen Geist durch meine Taten sprechen lasse, sodass mein Leben das Zeugnis ist, das es für andere sein soll.

Gespräch mit Christus:  Lieber Jesus, du rufst mich zu einer engeren Beziehung mit dir. Ich möchte dir näher kommen, doch fühle ich auch manchmal ein Zögern. Hilf meinem schwachen Willen. Entflamme mein Herz mit einer größeren Liebe für dich, damit ich wahrhaftig ein Märtyrer sein kann, ein Zeuge für deine treue Liebe. Öffne mein Herz dem Heiligen Geist, dass ich als ein echter Christ lebe.

Vorsatz:  Wenn ich vor anderen stehe, will ich mir immer dessen bewusst sein, dass ich ein Zeuge für die Wahrheit der Offenbarung Christi bin, und ich will versuchen, den Heiligen Geist durch meine Taten sprechen zu lassen.