Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 10. September 2006 bis Samstag 16. September 2006

Dreiundzwanzigste Woche im Jahreskreis

P. Daniel Polzer LC

Öffne Dich! Sonntag
Das rechte Maß Montag
Beim Namen genannt Dienstag
Selig, ihr Armen Mittwoch
Das Kreuz unserer Erlösung Donnerstag
Schmerzensmutter Freitag
Den Baum an seinen Früchten erkennen Samstag


Öffne Dich!

10. September 2006

Dreiundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

P. Daniel Polzer LC

Mk 7,31-37
Jesus verließ das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis. Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren. Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich! Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden. Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt. Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich bin nun wieder im Gebet bei dir. Auch wenn ich dich nicht sehen kann, sagt mir dennoch mein Glaube, dass du hier bist. Du bist bereit, mir zuzuhören und zu mir zu sprechen. Deine Anwesenheit gibt mir Hoffnung, denn du bist der Allmächtige, der Schöpfer des Himmels und der Erde. Du bist die Quelle alles Guten in meinem Leben. Nichts geschieht, ohne dass du davon weißt und es zulässt. Meine Hoffnung führt mich zur Liebe. Ich möchte in Geist und Seele eins mit dir sein, eins mit deinem göttlichen Willen. Herr, ich will dir durch diese Meditation wieder einen Schritt näherkommen.

Bitte: Herr, öffne meinen Verstand und meine Seele, damit ich dein Wort deutlich höre und es mit Überzeugung weitergebe.

1. Von der Menge weg.  Warum führt Jesus den Taubstummen weg von der Menge? Er möchte allein mit ihm sein, weg von Lärm und Getriebe der Menge. Er möchte mit ihm in Ruhe sprechen können. Auch mich lädt Jesus dazu ein, mich von der Menge zurückzuziehen, weg vom Lärm und der Unruhe des üblichen Lebens, weg von den Menschen und Ablenkungen: damit ich in Ruhe beten kann. Jesus lädt mich dazu ein, alleine mit ihm zu sein, so dass er sich meiner Seele mitteilen kann und alle Blockaden in mir heilen kann, die mich davon abhalten, seine Liebe und Wahrheit anderen mitzuteilen.

2. Physische Heilung.  Oftmals im Evangelium wirkt Christus ein Wunder durch ein einfaches Wort. Manchmal aber wirkt er es - so wie hier - durch einen physischen Akt. Er legt dem Taubstummen die Finger in die Ohren und berührt seine Zunge mit Speichel. Was sollen wir davon halten? Was können wir daraus lernen? Oft bedarf es für unsere Heilung einer physischen Anstrengung. Es muss etwas getan werden. Wir sind keine reinen Geistwesen, sondern bestehen aus Körper und Geist, die eng miteinander verbunden sind. Unsere körperliche Seite ist wichtig, sie spielt eine wesentliche Rolle. Wir knien beim beten. Wir begeben uns in die Gegenwart des heiligen Altarsakramentes. Wir lesen die Heilige Schrift. Wir tun all diese physischen Dinge, damit wir in unserem ganzen Sein, Körper und Seele, von der Sünde geheilt werden können und näher zu Christus kommen.

3. Klar gesprochen.  Die Frucht dieser Begegnung mit Christus und das Ergebnis seiner Tat ist Klarheit, ist offene Sprache. Der Nebel der Unvollkommenheit lichtet sich und der Taubstumme spricht mit der Klarheit und der Kraft der Wahrheit. So klar, dass die Leute hoch erstaunt sind. Wenn ich Christus wirklich begegne, dann werden sich die Nebel, die meinen Verstand verschleiern und meine Sprache verwirren, auflösen. Gottes Wahrheit wird dann so aus meinen Worten und Taten leuchten, dass die Leute erstaunt sein werden.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich möchte dein Jünger sein. Ich möchte, dass deine Wahrheit und Liebe in meinem Leben leuchtet. Öffne meinen Verstand, damit ich deine Wahrheit erkennen kann, wie sie wirklich ist. Lehre mein Herz, dich mit einer Liebe zu lieben, die so rein ist, dass sie in die Herzen der Menschen um mich ausströmt. Führe mich zu einem ruhigen Platz. Hilf mir, die Schritte tatsächlich zu tun, die nötig sind, das Wunder meiner Umwandlung in dich zu bewirken.

Vorsatz:  Ich werde mich heute bemühen, Zeit zu finden, mich vom Trubel des Tages zu entfernen und zu beten.


Das rechte Maß

11. September 2006

Montag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Daniel Polzer LC

Lk 6,6-11
An einem anderen Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. Dort saß ein Mann, dessen rechte Hand verdorrt war. Die Schriftgelehrten und die Pharisäer gaben Acht, ob er am Sabbat heilen werde; sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn. Er aber wusste, was sie im Sinn hatten, und sagte zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und stell dich in die Mitte! Der Mann stand auf und trat vor. Dann sagte Jesus zu ihnen: Ich frage euch: Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zugrunde gehen zu lassen? Und er sah sie alle der Reihe nach an und sagte dann zu dem Mann: Streck deine Hand aus! Er tat es und seine Hand war wieder gesund. Da wurden sie von sinnloser Wut erfüllt und berieten, was sie gegen Jesus unternehmen könnten.

Einführendes Gebet:  Herr, ich bin nun wieder im Gebet bei dir, um von dir zu lernen und in Heiligkeit zu wachsen. Du weißt nur zu gut, wie sehr ich deine Gnade brauche, um mein Leben nach deinem Willen zu leben. Schenke mir ein offenes Herz, das bereit ist, deine Lehren anzunehmen. Ich möchte die Dinge gerne klar und von deinem Standpunkt aus sehen, vom Standpunkt der Nächstenliebe und der Erlösung.

Bitte:  Herr, hilf mir, alles vom richtigen Standpunkt aus zu betrachten, damit ich gute Entscheidungen treffen kann.

1. Vom Standpunkt der Schriftgelehrten und Pharisäer.  Die Schriftgelehrten und Pharisäer bezogen alles auf das Gesetz. Das Gesetz des Moses gab ihnen die Richtschnur für die Beurteilung moralischer Fragen, für das Urteil, was richtig und falsch ist. Das war ja grundsätzlich nicht schlecht. Es war ja schließlich Gott, der ihnen das Gesetz gegeben hatte, und es war gut, diesem Gesetz zu folgen. Dennoch fehlte etwas in ihren Argumenten. Etwas war verdreht in ihren Gedanken, als sie darauf warteten, ob Jesus die verdorrte Hand des Mannes an einem Sabbat heilen würde. Mit welchen Augen betrachte ich die Taten Christi und meiner Mitmenschen?

2. Von Jesu Standpunkt.  Jesus setzt das Gesetz des Moses in die richtige Perspektive. „Ich frage euch: Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zugrunde gehen zu lassen?“ Das Gesetz ist kein Selbstzweck, es ist dazu da, Gutes zu tun, Leben zu retten. Gutes zu tun ist der höchste Maßstab. Die Negativregel, am Sabbat nicht arbeiten zu dürfen, ist nicht dazu da, gute Taten zu beschränken, sondern schlechte. Ihr Zweck besteht darin, Gott zu preisen, und in der Hilfe für Kranke und Lahme wird Gott sicherlich gepriesen. Wenn das Gesetz also in die rechte Perspektive gesetzt wird, dann sieht man, dass die Taten Jesu ein Lobpreis Gottes sind.

3. Rechte Absicht.  Der Plan der Schriftgelehrten und Pharisäer war es, Jesus in die Falle zu locken und ihn dazu zu bringen, etwas zu tun, das sie ihm später vorwerfen können. Ihre Absichten hinter der Befolgung der Gesetze waren nicht rein. Ihre Absicht war nicht, Gott zu preisen, sondern etwas zu finden, was sie gegen ihren Feind verwenden konnten. Wenn wir etwas nicht in rechter Absicht tun, werden wir immer Wege finden, die Wahrheit zu verbiegen und das, was in sich gut und recht ist, für unsere Zwecke missbrauchen. Unsere unreinen Absichten machen uns blind, und unsere Blindheit führt uns so weit, dass wir Ärger über das empfinden, was wirklich gut ist, so wie die Schriftgelehrten und Pharisäer von Wut über Jesu Tat erfüllt waren und berieten, was sie gegen ihn unternehmen könnten.

Gespräch mit Christus:  Herr, du weißt, dass meine Absichten oftmals nicht rein sind und dass ich die Wahrheit verdrehe und zurechtbiege, damit sich die Dinge so entwickeln, wie ich es möchte. Gib mir die Gnade, die Welt und die Umstände meines Lebens mit einem reinen Herzen zu sehen, mit einem Herzen, das nicht von Eigensinn, Neid, Ärger und Habgier getrübt ist. Hilf mir, alles, was man tun oder nicht tun soll, in der richtigen Perspektive zu behalten und Gott durch gute Taten zu preisen.

Vorsatz:  Ich werde mich heute besonders bemühen, meine Absichten hinter meinen Taten zu erkennen und meine moralischen Entscheidungen in die richtige Perspektive zu setzen.


Beim Namen genannt

12. September 2006

Dienstag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Daniel Polzer LC

Lk 6,12-19
In diesen Tagen ging er auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott. Als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel. (Es waren) Simon, dem er den Namen Petrus gab, und sein Bruder Andreas, dazu Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, Matthäus und Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, genannt der Zelot, Judas, der Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.

Jesus stieg mit ihnen den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon strömten herbei. Sie alle wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Auch die von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt. Alle Leute versuchten, ihn zu berühren; denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte.

Einführendes Gebet:  Herr, ich bin nun wieder hier bei dir im Gebet, um tiefer in das Geheimnis deines Rufes an meine Seele und deiner Liebe für mich einzutauchen. Eine ganze Nacht hast du im Gebet zu deinem Vater verbracht und mir gelingt es kaum, zehn Minuten zu beten, ohne von etwas abgelenkt zu werden. Lehre mich zu beten. Ich möchte mich bemühen, ebenso tiefe Gespräche mit dir zu haben, wie du sie mit deinem Vater hattest. Nimm mein heutiges Gebet als einen kleinen Schritt in meinen Bemühungen an, dich nachzuahmen und dir immer ähnlicher zu werden.

Bitte: Herr, hilf mir, es wirklich zu schätzen, dass du mich berufen hast, Apostel zu sein.

1. Jesus betet.  Eine ganze Nacht verbringt Jesus im Gebet mit seinem Vater. Wahrscheinlich besprachen sie, wer zu den Aposteln gezählt werden solle. Sie werden wohl der Reihe nach die Liste durchgegangen sein und die Stärken und Schwächen derjenigen, die erwählt werden sollten, diskutiert haben. Jesus setzte sich für die zukünftigen Apostel ein und bat seinen Vater um die Gnaden, die diese brauchen würden, um die Aufgaben zu erfüllen, die ihnen gegeben werden würden. Jesus beruft mich, ihm als Apostel zu folgen. Diese Berufung ist keine halbherzige unüberlegte Entscheidung. Jesus wägt meine Stärken und Schwächen ganz genau, bevor er mich beruft. Er kennt mich in- und auswendig und dennoch lädt er mich ein, sein Apostel zu sein und an seiner Mission teilzuhaben.

2. Beim Namen gerufen.  Ich stelle mir vor, wie es gewesen sein muss, in aller Frühe vor Christus versammelt zu sein und zu hören, wie er die Namen der Apostel verkündet. Was hätte ich empfunden, meinen Namen zu hören? Wenn Jesus meinen Namen ausspricht, dann ist das mehr als nur der bloße Name. Er beruft den ganzen Menschen, mein ganzes Sein mit meiner persönlichen Geschichte, meinen Talenten und Fehlern, Sünden und Tugenden, Tagträumen und meiner Großzügigkeit. Wie wunderbar ist diese Berufung! Jesus will mich, mein Sein von den Tiefen meiner Seele bis zu meiner äußeren Erscheinung. Er will, dass ich sein Apostel bin.

3. Die Mission, zu heilen.  Die Berufung durch Christus hat einen ganz konkreten und klaren Zweck: die Erlösung der Menschheit. Sie sehnt sich nach Heilung. Die Menschen kommen aus ganz Judäa und Jerusalem und von der Küstenregion von Tyrus und Sidon. Sie dürsten nach der Wahrheit der Worte Christi und nach der machtvollen Berührung durch seine Gnade. Jesus lädt mich dazu ein, an dieser seiner Mission teilzuhaben! Was für ein Privileg! Was für eine Ehre, Teil jenes Teams zu sein, das die Menschheit von ihrem Stolz, ihrer Sinnlichkeit und ihrem Egoismus befreien wird und sie zur Fülle eines Lebens in Liebe und Großzügigkeit führen wird.

Gespräch mit Christus:  Danke, Herr, für diese Zeit des Gebetes und des Nachdenkens. So oft vergesse ich, dass du mich berufen hast. Ich vergesse, dass ich nicht bloß ein Individuum bin, das für sich selbst lebt, sondern dass ich ein von dir ausgesandter Apostel bin. Ich weiß, dass du mich mit all meinen Fehlern und Schwächen berufen hast. Ich werde diese Tatsache dennoch nicht als Vorwand benutzen, mich nicht mehr zu bemühen, in meinen Tugenden zu wachsen und meine Schwächen zu überwinden. Ich werde daran arbeiten, ein besserer Apostel zu werden, werde das aber im Frieden und Gleichmut des Wissens tun, dass du mich ganz genau kennst und weißt, wen du berufen hast.

Vorsatz:  Ich werde den heutigen Tag nicht nur als ich leben, sondern dabei meinen Titel eines „Apostels Jesu Christi“ bedenken.


Selig, ihr Armen

13. September 2006

Mittwoch der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Johannes Chrysostomus, Bischof und Kirchenlehrer

P. Daniel Polzer LC

Lk 6,20-26
Er richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte:

Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.
Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen. Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.

Aber weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten.
Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern.
Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen.
Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, auch heute bin ich wieder bei dir im Gebet. Wenn ich dich auch nicht sehen kann, so sagt mir doch mein Glaube, dass du hier bist, bereit mir zuzuhören und zu mir zu sprechen. Deine Anwesenheit gibt mir Hoffnung, denn du bist der Allmächtige, der Schöpfer des Himmels und der Erde. Du bist die Quelle alles Guten in meinem Leben. Nichts geschieht in meinem Leben, ohne dass du davon weißt und es zulässt. Meine Hoffnung führt mich zur Liebe. Ich möchte in Geist und Seele eins mit dir sein, eins mit deinem göttlichen Willen.

Bitte: Herr, hilf mir, im Geiste arm zu leben, indem ich mein Herz von allem Materiellen löse und nur an dich hänge.

1. Armut: eine fundamentale Tugend.  Jesus setzt die Armut ganz oben auf die Liste der Seligpreisungen, denn wenn wir uns nicht von den materiellen Dingen dieser Welt lösen, können wir die himmlischen Dinge nicht erreichen. Der heilige Ambrosius schrieb: "Wer die Dinge der Welt verachtet, verdient die Dinge des Himmels; niemand gewinnt die Herrlichkeit des Himmels, solange ihn die Liebe für die Welt in Besitz nimmt und er sich nicht von ihr lösen kann.“ Diese Armut muss viel mehr sein, als einfach nur keine weltlichen Dinge zu besitzen. Es muss auch eine Armut der Neigungen sein. Mein Herz sollte sich nicht nach den Dingen der Welt sehnen, sondern nach den Dingen, die von Gott kommen.

2. Das Gute an der Trauer.  Nichts in dieser Welt kann unsere Sehnsüchte befriedigen. Dennoch macht es uns traurig, wenn wir damit aufhören, die Befriedigung unserer Sehnsüchte in den Dingen dieser Welt zu suchen. Wenn wir unsere menschlichen Leidenschaften besiegen, verursacht das einen gewissen Trennungsschmerz. Johannes Chrysostomus sagte in einer Predigt: „Wenn wir Traurigkeit empfinden wegen etwas, das wir für Gott tun, dann bringt uns das die Gnade der Buße, die wir brauchen, um Erlösung zu erreichen. Diese Traurigkeit ist die Grundlage des wahren Glücks.“

3. Die Gnade der Verfolgung.  Christus verkündet uns, dass es eine große Gnade ist, für seine Sache verfolgt zu werden. Das klingt wie ein großer Widerspruch. Meine menschliche Natur will nicht verfolgt werden. Ich will nicht, dass andere schlecht von mir denken. Ich will kein Außenseiter sein, will nicht beleidigt werden. Aber: ich muss Verfolgung mit den Augen des Glaubens sehen und den Worten Christi vertrauen, denn ich werde selig genannt werden. Christus wird mich niemals enttäuschen. Wenn er es als eine Gnade bezeichnet, für seinen Namen verfolgt zu werden, dann soll ich daran nicht zweifeln.

Gespräch mit Christus:  Herr, das Leben ist nicht einfach. Es ist nicht immer einfach, sich zu bemühen, dir treu zu sein. Manchmal fühle ich Traurigkeit, weil ich mich von jenen Dingen lossage, die mir das Leben leichter machen und mein Ego stärken. Hilf mir, wahrhaft arm zu werden und alles loszulassen, was nicht von dir kommt. Hilf mir, zu verstehen, dass nur darin die wahre Freude liegt.

Vorsatz: Ich werde mich heute bemühen, eine weltliche Annehmlichkeit aufzugeben, um dadurch Gott näher zu kommen.


Das Kreuz unserer Erlösung

14. September 2006

Donnerstag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Kreuzerhöhung

P. Daniel Polzer LC

Joh 3,13-17
Jesus sagte zu Nikodemus: Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.
Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

Einführendes Gebet:  Herr, an diesem Festtag der Kreuzerhöhung komme ich im Gebet zu dir. Ich glaube, dass du in meinem Leben für mich präsent bist und für mich erkennbar sein möchtest. Hilf mir, die Tiefen deiner Geheimnisse zu verstehen, besonders das Mysterium deines heiligen Kreuzes, dessen Fest wir heute begehen. Ich hoffe auf deine Liebe für mich. Ich möchte deine Liebe mit einer reinen und starken Liebe erwidern. Stärke meine Liebe zu dir durch diese Meditation.

Bitte: Herr, hilf, dass ich durch diese Betrachtung des heiligen Kreuzes deine Liebe zu mir immer tiefer verstehe.

1. Schau auf das Kreuz.  Moses machte eine Bronzeschlange und die Israeliten, die von Schlangen gebissen worden waren, schauten sie an und waren geheilt. Nun lädt uns Jesus ein, auf gleiche Weise auf das Kreuz zu schauen. Es geht dabei nicht um eine Art Magie. Viele blickten auf das Kreuz Christi und wurden nicht gerettet, denn ihre Herzen waren verhärtet. Wir müssen mit Glauben auf das Kreuz schauen, wir müssen glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist und das Kreuz der Weg zur Erlösung.

2. Der Sinn ist Liebe.  Jesus starb am Kreuz, weil es der Wille des Vaters war, und er wollte es, weil er uns liebt. Liebe hat etwas mit Opfer zu tun, daher gehört zu unendlicher Liebe ein unendliches Opfer. Am Ende ist es aber nicht das Leid, das übrigbleibt, sondern die Schönheit der Liebe. Der Sinn des Kreuzes ist nicht Tod und Zerstörung sondern das Öffnen der Tore zum ewigen Leben. Jesus verwandelte das Kreuz von einem grausamen Folterinstrument in die Quelle unserer Erlösung und unserer ewigen Freude. Alles ist Teil des Liebesplanes Gottes für unsere Seelen.

3. Zu erlösen, nicht zu verurteilen.  Jesus kam, um uns zu retten, nicht um uns zu verurteilen. Das kann und soll uns ein großer Trost sein. Jesus ist auf unserer Seite. Er beobachtet mich nicht, um etwas zu finden, dessentwegen er mich verurteilen kann, sondern damit er mir helfen kann. Es ist sein freier Wille mir die unendlichen Gnaden seines Leides und seines Todes zur Verfügung zu stellen. So wird das Kreuz zu einer Quelle der Danksagung und der Freude.

Gespräch mit Christus:  Herr, hilf mir, an diesem Fest der Kreuzerhöhung dafür dankbar zu sein, was du für mich getan hast. Hilf mir, das große Geheimnis von Leid, Tod und Auferstehung richtig verstehen zu lernen. Was der Welt ein schändliches Instrument des Leides ist, ist zur Standarte christlichen Ruhmes geworden. Hilf mir, dass ich mein Kreuz als Ehrenzeichen trage, als ruhmreiches Zeichen deines Sieges über Sünde und Tod.

Vorsatz:  Wenn ich heute das Kreuzzeichen mache, werde ich mir dabei dessen große Bedeutung bewusst machen.


Schmerzensmutter

15. September 2006

Freitag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Gedächtnis der Schmerzen Mariens

P. Daniel Polzer LC

Joh 19,25-27
Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Einführendes Gebet: Herr Jesus, auch heute bin ich wieder bei dir im Gebet. Wenn ich dich auch nicht sehen kann, so sagt mir doch mein Glaube, dass du hier bist, bereit mir zuzuhören und zu mir zu sprechen. Deine Anwesenheit gibt mir Hoffnung, denn du bist der Allmächtige, der Schöpfer des Himmels und der Erde. Meine Hoffnung führt mich zur Liebe. Ich möchte in Geist und Seele eins mit dir sein, eins mit deinem göttlichen Willen.

Bitte:  Herr, hilf mir, den tiefen Schmerz deiner Mutter zu verstehen.

1. Am Fuß des Kreuzes.  Wie muss es für Maria gewesen sein, als sie am Fuß des Kreuzes stand und ihren Sohn sterben sah? Sie leidet nicht physisch, so wie er es tut, aber sie fühlt das Gewicht des seelischen Leids. Wie ihr Sohn fühlt sie das Gewicht des Bösen und den Schrecken der Ungerechtigkeit. Ihr Herz ist verwundet durch die Sinnlosigkeit des Todes ihres Sohnes. Die Wut und der Hass derjenigen, die ihn gekreuzigt haben, erfüllt sie mit Schmerz.

2. Ohne Groll.  Dennoch gibt es in Marias Leid keinen Groll, keinen Zorn. Sie sieht alles mit den Augen des Glaubens. Sie nimmt alles an, denn sie weiß, es ist aus der liebenden Hand Gottes. In ihrem unbefleckten Herzen gibt es keinen Raum auch nur für die kleinste Imperfektion. Ihre Liebe zu Gott, zu ihrem Sohn, zur ganzen Menschheit ist so groß, dass sie nicht einmal eine Spur von Groll empfindet. Wie groß ist der Unterschied zwischen ihrer Art des Leidens und meinem? Wie oft ist mein Leid befleckt von nur scheinbar gerechtfertigtem Groll gegenüber jenen, die mein Leid verursachen.

3. Das Geschenk eines Sohnes, das Geschenk einer Mutter.  Jesus versteht das tiefe Leid seiner Mutter und möchte ihr den Schmerz erleichtern. Deshalb vertraut er sie dem Johannes an und gibt Johannes in ihre Obhut. Jesus will ihr den Schmerz nicht dadurch erleichtern, dass er vom Kreuz steigt. Er tut es, indem er ihr jemanden gibt, um den sie sich kümmern soll and der sich ihrer annehmen soll. Das Gegenstück zu reinem, selbstlosem Leid ist reine, großzügige Liebe.

Gespräch mit Christus:  Herr, hilf mir an diesem Gedächtnistag der Schmerzen deiner Mutter Maria, diese ihre Schmerzen, ihr Leid besser zu verstehen. Hilf mir, die Schmerzen zu verstehen, als ihr Herz vom Schwert der ungerechten Exekution ihres Sohnes durchbohrt wurde. Ich werde mich bemühen, jedes Leid, das ich erfahre, so anzunehmen, wie Maria es tat: in wahrem Glauben und ohne jeden Groll oder jede Selbstgerechtigkeit.

Maria, in deiner Trauer möchte ich dich mit kindlicher Liebe trösten. Ich hoffe, dass dir meine Verehrung und Freundschaft Trost ist.

Vorsatz:  Ich werde das Angelusgebet heute besonders intensiv beten.


Den Baum an seinen Früchten erkennen

16. September 2006

Samstag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Kornelius, Papst, und Cyprian, Bischof und Märtyrer

P. Daniel Polzer LC

Lk 6,43-49
Es gibt keinen guten Baum, der schlechte Früchte hervorbringt, noch einen schlechten Baum, der gute Früchte hervorbringt. Jeden Baum erkennt man an seinen Früchten: Von den Disteln pflückt man keine Feigen und vom Dornstrauch erntet man keine Trauben. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil in seinem Herzen Gutes ist; und ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil in seinem Herzen Böses ist. Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund. Was sagt ihr zu mir: Herr! Herr!, und tut nicht, was ich sage?

Ich will euch zeigen, wem ein Mensch gleicht, der zu mir kommt und meine Worte hört und danach handelt. Er ist wie ein Mann, der ein Haus baute und dabei die Erde tief aushob und das Fundament auf einen Felsen stellte. Als nun ein Hochwasser kam und die Flutwelle gegen das Haus prallte, konnte sie es nicht erschüttern, weil es gut gebaut war. Wer aber hört und nicht danach handelt, ist wie ein Mann, der sein Haus ohne Fundament auf die Erde baute. Die Flutwelle prallte dagegen, das Haus stürzte sofort in sich zusammen und wurde völlig zerstört.

Einführendes Gebet:  Herr, ich bin nun wieder bei dir im Gebet. Ich werde deine Worte betrachten. Ich will keiner von jenen sein, die nur rufen „Herr! Herr!“ aber niemals deinen Worten folgen. Nur zu gut weißt du, wie schwach ich bin, wie of ich mich auf meine eigene Stärke verlassen habe und dich beiseite geschoben habe. In Demut komme ich heute zu dir, um dich um dein Licht und deine Gnade zu bitten. Gib dich meiner Seele zu erkennen.

Bitte:  Herr, hilf mir, meine Leben auf ein festes Fundament zu bauen.

1. Gute Früchte von einem guten Baum.  Woran erkennen wir, was tief drinnen in unseren Seelen ist? Wir erkennen es an den Früchten, die wir hervorbringen. Wir wissen, wenn unser Leben voll ist von Nächstenliebe, Glaube, Geduld und Ehrlichkeit, dann wird unsere Seele gesund sein und stark. Wenn es hingegen geprägt ist von Ärger, Neid, Lust, Eigensinn und Faulheit, dann ist unsere Seele schwach und kränklich. Wenn wir uns ändern wollen, dann genügt es nicht, bloß Äußerlichkeiten zu verbessern: ein freundliches Gesicht zu machen oder die Fassade eines netten Menschen aufzuziehen. Früher oder später wird die Maske fallen, denn sie verdeckt nur, was innen drinnen an Schlechtem ist. Wir müssen uns von innen heraus ändern, tief hinunter an die Wurzeln unserer Fehler gehen, unsere Seele im Sakrament der Versöhnung heilen und ein Leben in Tugend vom Fundament her aufbauen.

2. Trügerische Sicherheit.  Solange die Sonne scheint und alles ruhig ist, dann erscheint ein Haus, das auf einem schwachen Fundament steht, stabil und fest. Kaum kann man sich vorstellen, dass es den Kräften von Regen, Wind und Fluten nicht widerstehen kann. Wir wiegen uns in unserem Leben manchmal in trügerischer Sicherheit, wenn alles gut läuft. Solange es keine großen Versuchungen gibt und die Wechselfälle und Schwierigkeiten des Lebens klein sind und leicht überwunden werden können, solange können wir uns selbst einreden, dass wir auf festem Untergrund stehen. Wir können uns im Glauben wiegen, dass unser geistliches Leben stark ist und dass wir nicht mehr sündigen werden. Wir müssen vorsichtig und so objektiv sein wie möglich, denn das könnte eine wahrhaft trügerische Sicherheit sein.

3. Der Test.  Unser Fundament wird erst wirklich auf die Probe gestellt, wenn der Regen anfängt, der Wind sich zu regen beginnt und die Fluten steigen. Der Test für unser geistliches Lebens beginnt mit Versuchungen, Schwierigkeiten, Enttäuschungen und Schicksalsschlägen. Wenn wir unser geistliches Leben auf eine feste Basis stellen und die Tugenden, Selbstverleugnung und die Nähe zu Gott üben, dann ist es gleich, wie sehr auch die Fluten heranbranden: wir bleiben fest. Wir dürfen nicht vergessen, dass in dem Moment, in dem die Fluten kommen, keine Gelegenheit mehr ist, das Fundament zu befestigen. Dafür ist es dann zu spät. An einem starken Fundament muss man bauen, wenn die Sonne scheint. Wir müssen den Worten Christi jetzt in diesem Moment folgen, solange noch Zeit ist.

Gespräch mit Christus:  Herr, danke für diese Zeit des Gebetes. Danke, dass du mir hilfst, klar zu erkennen, was ich in meinem Leben ändern soll. Erlaube nicht, dass ich mich in trügerischer Sicherheit wiege, nur weil mein Leben im Moment ohne Schwierigkeiten ist. Ich möchte bereit sein für den Test, bereit für die Fluten. Hilf mir, dass ich noch heute an der Befestigung der Fundamente meines geistlichen Lebens arbeite. Hilf mir, in den Tugenden zu wachsen. Ich möchte, dass mein Leben gute Früchte bringt. Früchte, die nicht nur schön anzusehen sind, sondern Früchte, die gut und gesund bis zum Kern sind, Früchte, die einem guten und reinen Herzen entspringen. Noch heute, während die Sonne scheint, werde ich an der Erreichung dieses Zieles arbeiten. Ich möchte nicht von den Fluten überrascht werden, wenn es zu spät ist.

Vorsatz:  Ich werde mich heute auf eine Tugend besonders konzentrieren, von der ich weiß, dass ich sie besonders üben muss.