Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 16. Juli 2006 bis Samstag 22. Juli 2006

Fünfzehnte Woche im Jahreskreis

P. Jason Clark LC

Lernen, seinem Willen zu folgen Sonntag
Wen liebe ich wirklich? Montag
Ein reumütiges Herz ist Jesus wohlgefällig Dienstag
Teilweise enthüllt: Das verborgene Leben der Heiligen Dreieinigkeit Mittwoch
Drei Stufen mit Jesus steigen Donnerstag
Man kann schnell ein Fehlurteil treffen Freitag
Die wahre Liebe, die uns Jesus anbietet, ist für die Ewigkeit Samstag


Lernen, seinem Willen zu folgen

16. Juli 2006

Fünfzehnter Sonntag im Jahreskreis

P. Jason Clark LC

Mk 6,7-13
Er rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie. Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich, und ich glaube, dass ich deinem Willen in allem, was du für mich vorgesehen hast, folgen soll. Bitte hilf mir, dass ich meine Hoffnung auf all das setze, was du heute für mich geplant hast. Hilf mir, nicht auf die geschaffenen Dinge zu hoffen, sondern auf deinen heiligen Willen. Herr, ich liebe dich und ich möchte dich mit größerer Innigkeit lieben. Öffne mein Herz, damit ich deinen Willen mit Großzügigkeit und Freude beantworte.

Bitte: Herr, du hast deine Apostel ausgesandt, um eine große Mission zu erfüllen und du hast für jeden einen jeweils eigenen Weg vorgesehen. Bitte hilf mir, deinen Willen zu erkennen, damit ich ihn treu erfüllen kann.

1. Jeweils zwei gemeinsam.  Jesus sandte die Apostel nicht als isolierte Individuen aus sondern jeweils zu zweit. Jesus wollte ihnen zu verstehen geben, dass sie als Einzelner nicht stark genug sein würden, seinen Willen zu erfüllen. Als Einzelner würden sie Angriffen gegenüber anfällig sein. Sie würden eher den Versuchungen unterliegen und leicht entmutigt sein. Die Jünger Jesu waren in ihrer Mission nicht allein und auch wir sind es nicht. Die Mission der Nachfolge Christi kann manchmal schwierig sein. Jesus weiß das und er schickt uns Menschen, die uns auf unserem Weg unterstützen und helfen. Wir sollten erkennen, dass wir auf die Hilfe anderer angewiesen sind und dass auch andere unserer Hilfe bedürfen. Wir sind nicht allein!

2. Nehmt nichts mit.  Jesus wollte, dass die Jünger erkennen, dass er selbst für die große Mission verantwortlich ist. Jesus empfiehlt ihnen, Dinge zuhause zu lassen, die wir normalerweise als wesentliche Bestandteile für jede Reise betrachten würden. Das war eine radikale Lektion für die Jünger, so wie sie es auch für uns ist. Jesus will nicht, dass wir auf uns selbst vertrauen, auf die neueste, fortschrittliche Technik, oder auf andere Methoden oder Dinge, die wir erfinden, die wir uns ausdenken, um unsere Sicherheit oder unseren Erfolg zu garantieren. Er selbst ist der Ursprung jedes Erfolges in unserem Leben und er allein kann uns wahre Sicherheit verschaffen. Jesus lehrt die Jünger, außer ihm nichts mit auf die Reise zu nehmen.

3. Sie machten sich auf den Weg.  Die Apostel machten sich auf den Weg, um zu predigen und Kranke zu heilen. Sie vertrauten auf Jesus und die Mission, mit der er sie betraut hatte. Während ihrer Arbeit erkannten sie, dass ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt waren. Die Menschen, denen sie auf ihrem Weg begegneten, waren ihnen gegenüber offen. Sie stellten fest, dass sie das Leben der Mitmenschen ändern konnten. In unserem eigenen Leben ist es selten, dass die Menschen gegenüber der Botschaft Christi offen sind, diese auch eifrig anhören und dann ihr Leben ändern wollen. Wir erfahren oft eine feindliche Gesinnung und treffen auf Widerstand. Ob wir nun bei der Verkündigung des Reiches Gottes Erfolg oder Misserfolg haben, wir müssen auf ihn vertrauen und uns daran erinnern, dass wir dazu berufen sind, treu zu sein, selbst dann, wenn wir nach rein menschlichem Maßstäben, nicht erfolgreich sind.

Gespräch mit Christus:  Herr, du hast mich mit der Mission betraut, deine Frohe Botschaft meiner Familie, meinen Freunden und Kollegen und jedem, dem ich begegne, weiterzugeben. Hilf mir, dieser Mission treu zu bleiben und dass ich sie nicht meinen Vorlieben anpasse, sondern sie gemäß deinem Willen erfülle. Hilf mir, mich daran zu erinnern, dass der Erfolg an meiner Treue gemessen wird und nicht an oberflächlichem Erfolg.

Vorsatz:  Ich will heute meine Gebete großzügig und treu erfüllen.


Wen liebe ich wirklich?

17. Juli 2006

Montag der fünfzehnten Woche im Jahreskreis

P. Jason Clark LC

Mt 10,34-11,1
Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein.

Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig. Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.

Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist - amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

Als Jesus die Unterweisung der zwölf Jünger beendet hatte, zog er weiter, um in den Städten zu lehren und zu predigen.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, bitte vermehre meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe zu dir. Es gibt so vieles in der Welt, das in Konkurrenz zu meinem Glauben, meiner Hoffnung und Liebe steht. Es gibt so viele Götzen, die sich lautstark meine Huldigung fordern. Ich weiß, dass diese Götzen bedeutungslos sind und meine Liebe nicht verdienen, und doch werde ich oft versucht. Ich lade dich ein, mein ganzes Leben zu übernehmen und mein Herr für immer zu sein.

Bitte:  Herr, zeige mir dein heiliges Gesicht in dieser Meditation, auf dass die Welt und ihre vergänglichen Freuden keine Anziehungskraft mehr für mich haben.

1. Christus mehr als die Familie lieben.  Die heutige Evangeliumsstelle ist eine der schwierigsten. Diese Worte zwingen uns auf sehr eindringliche Weise, sehr ehrlich mit uns selber zu sein, und helfen uns unsere Liebe zu Christus wirklich objektiv zu messen. Es ist völlig legitim, unsere Familien zu lieben. Jesus bekräftigt damit, dass die Liebe für die Familie stark, edel und real ist, dass aber die Liebe zu ihm noch darüber hinaus gehen sollte. Wir sollen Jesus mehr als unsere Eltern, Geschwister, Kinder und Enkelkinder lieben. Sind wir nicht leicht versucht hier zu denken: „Wer ist Jesus, dass er einen solchen Anspruch an uns stellt?”

2. Jesus mehr als unseren Komfort und Bequemlichkeit lieben.  In der Fortführung unserer Meditation erkennen wir, dass Jesus sogar noch mehr von uns verlangt. Er will nicht nur unsere größte und innigste Liebe, sondern darüber hinaus, dass wir ihn mehr lieben als unseren Hang zum eigenen Wohlergehen und Glück. Er sagt, dass wir seiner nicht würdig sind, wenn wir nicht täglich unser Kreuz auf uns nehmen und ihm nachfolgen. In einer Welt der Schlagworte wie Aroma-Therapie, Trennkost und des „Ich habe keine Zeit für den Schmerz”-Aspirin, erinnert uns Jesus daran, dass er zuerst für uns litt und dass uns sein Leiden gerettet hat. Wenn wir mit ihm leiden, wirkt auch unser Leid erlösend.

3. Jesus mehr als unser eigenes Leben lieben.  Jesu Lehre erreicht mit diesen Worten einen Höhepunkt. Wie wertvoll ist uns unser Leben und wie sehr verlangen wir danach, es zu behalten! Und doch fordert uns Jesus auf, unser Leben zu verlieren, damit wir es wahrhaftig gewinnen werden. Deshalb sollen wir Jesus mehr als uns selbst lieben, mehr als unsere Gesundheit und unser eigenes Sein. Wir sind nun in der Lage, die Frage besser zu beantworten: „Wer ist Jesus, der so viel von uns verlangt?” Er ist die zweite Person der Heiligen Dreieinigkeit, er ist der Sohn Gottes, er ist der Gott-mit-uns. Er verdient unsere ganze Liebe und Huldigung. Er hat uns unser Leben und alles Gute darin geschenkt. Er hat das höchste Recht über uns und unser ganzes Sein.

Gespräch mit Christus:  Jesus, es ist nur natürlich, dass ich dich über alles liebe. Ich soll dich mehr als meine Familie, meine Bequemlichkeit, sogar mehr als mein eigenes Leben lieben. Diese Berufung zur höchsten Liebe ist schwierig und es kostet mich einiges, ich will dich aber von ganzem Herzen und ganzer Seele lieben. Bitte stärke mich für diese Aufgabe.

Vorsatz:  Ich will diese Woche mehr Zeit mit Jesus im Allerheiligsten verbringen.


Ein reumütiges Herz ist Jesus wohlgefällig

18. Juli 2006

Dienstag der fünfzehnten Woche im Jahreskreis

P. Jason Clark LC

Mt 11,20-24
Dann begann er den Städten, in denen er die meisten Wunder getan hatte, Vorwürfe zu machen, weil sie sich nicht bekehrt hatten: Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind - man hätte dort in Sack und Asche Buße getan. Ja, das sage ich euch: Tyrus und Sidon wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie euch. Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst bis zum Himmel erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen. Wenn in Sodom die Wunder geschehen wären, die bei dir geschehen sind, dann stünde es noch heute. Ja, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie dir.

Einführendes Gebet:  Herr, wir beginnen dieses Gebet so, wie wir alle Gebete anfangen sollten, und zwar mit Akten des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Du hast bei unserer Taufe diese Tugenden als Samen in unsere Seelen gelegt, und über die Jahre sind sie, mit deiner Gnade, gewachsen und haben Frucht getragen. Wir bitten dich, uns der Unentbehrlichkeit dieser Tugenden bewusster zu werden. Sie kommen nur von dir, deshalb bitten wir dich demütig um sie. Wir, deine Geschöpfe, bitten dich: Verlasse uns nicht.

Bitte: Herr, hilf mir, ein Werkzeug deiner Macht und Gnade zu sein.

1. Jesus wirkt seine machvollen Taten.  Im Evangelium wird einmal berichtet, dass das Volk ausrief: „Alles was er getan hat, hat er wohl getan!” Er schenkt Blinden das Augenlicht, lässt die Stummen sprechen, treibt Dämonen aus und heilt jede Form von Krankheit. Alles menschliche Elend wurde von seiner mächtigen Hand berührt und geheilt. Jesus beschränkt sich nicht darauf, unsere leiblichen Schwächen zu heilen, er macht uns auch seelisch gesund. Er vergibt uns unsere Sünden. Er wirkt diese Werke, nicht um Lob von den Massen zu erhalten, sondern weil er uns so sehr liebt. Er will alles tun, um uns unsere Leiden zu erleichtern und uns die Kraft zu geben, die wir brauchen, um sie zu ertragen. Sein so edles und gutes Herz möchte uns heilen und vollkommen machen.

2. Jesus tadelt uns, wenn es gut für uns ist.  Jesus liebt die Menschen innig, und doch zögert er nicht, uns Dinge zu sagen, die wir nicht gerne hören. Er zögert nicht, uns zu herauszufordern, besonders dann, wenn wir in die Irre gehen. In dieser Stelle des Evangeliums macht er den Städten Vorwürfe. Er will ihnen – und uns – die Konsequenzen unserer Taten vor Augen führen. Manchmal können diese Konsequenzen für die Ewigkeit sein. Lasst uns auf seine Worte hören und entsprechend handeln, damit seine Warnungen nicht umsonst sind.

3. Jesus ruft uns zur Umkehr auf.  Jesus will uns einfach dazu bewegen, unser Handeln zu prüfen und unsere Sündhaftigkeit mit reuevollem Herzen zu bekennen. Er sieht, dass sich viele durch ihre Hartherzigkeit seiner Barmherzigkeit entziehen. Er will der sündigen Menschheit die Schleusen seiner Barmherzigkeit öffnen. Aber nur zu oft bleiben unsere Herzen durch Stolz und Egoismus verschlossen. Er will, dass wir bekennen: „Ich habe gesündigt, und es tut mir leid.” Es scheint, als könne das Erbarmen Jesu einem reumütigen Herzen nicht widerstehen. Das einzige, was er von uns verlangt, ist Reue über unsere Sünden.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich danke dir für deine machtvollen Taten. Ich bekenne meine Sünden vor dir. Ich habe deine unendliche Güte beleidigt. Ich bitte um Verzeihung für diese Sünden und um deine Vergebung und die Kraft, die ich brauche, um in Zukunft diese Sünden zu vermeiden.

Vorsatz:  Falls meine letzte Beichte länger als zwei Wochen her ist oder wenn ich seither schwere Sünden begangen habe und mir diese bewusst sind, will ich so bald wie möglich zur Beichte gehen.


Teilweise enthüllt: Das verborgene Leben der Heiligen Dreieinigkeit

19. Juli 2006

Mittwoch der fünfzehnten Woche im Jahreskreis

P. Jason Clark LC

Mt 11,25-27
In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, bitte öffne mein Herz für dich, wenn ich nun diese kurze Zeit des Gebetes beginne. Du weißt, es gibt so viele Sorgen und Beschäftigungen, die mich ablenken und mein Gebet behindern. Hilf mir, das alles außer Acht zu lassen und meine ganze Aufmerksamkeit und Liebe auf dich zu richten, den Ursprung alles Guten.

Bitte:  Herr, in dieser Stelle des Evangeliums offenbarst du die Wärme und Liebe, die du und der Vater teilen. Ich danke dir dafür, dass du dein Herz geöffnet hast, damit ich sein Inneres betrachten kann. Bitte lasse mich, deinen demütigen Diener, eintreten und Zuflucht finden.

1. Den Herrn des Himmels und der Erde preisen.  Die Worte Jesu erinnern uns an den Anfang der Heiligen Schrift: „Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde” (Gen 1,1). Wir lesen im Johannesevangelium: „Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.” (Joh 1,3). Jesus, das fleischgewordene Wort, war schon bei der Schöpfung des Universums anwesend und ihr integraler Bestandteil. Jesus offenbart das Wunder dieses Augenblickes, ein Wunder, das ihn mit solchem Lobpreis erfüllt, und bei dem er gar nicht anders kann, als es uns freudig mitzuteilen. Dies ist eine Freude, die auch wir erfahren sollten. Das innere Leben der Heiligen Dreieinigkeit ist nichts anderes als selbstlose Liebe, frei gegeben und frei erhalten. Wir sind dazu berufen, an diesem göttlichen Leben teilzuhaben und das Sein mit Gott in Ewigkeit zu genießen.

2. Den Unmündigen offenbart.  Das Geheimnis dieser Liebe kann denen nicht offenbart werden, die immer berechnen und abwägen, wie viel sie von ihrer Liebe Gott geben werden. Wir können nicht eine Einstellung haben, die sagt: „Ich liebe Gott nur bis hier hin,” oder „Wenn Gott von mir verlangt, dass ich über diese Grenze hinausgehe, nun, das werde ich nicht tun”. Jesus zeigt uns, dass wir großzügig in der Nachfolge Christi und gegenüber den Ansprüchen unseres katholischen Glaubens sein sollen, ob uns das nun gefällt oder nicht. Unsere Treue muss umso größer sein, je größer der Anspruch unseres Glaubens an uns ist. Das ist, was Jesus unter Unmündigkeit versteht: ein Herz, das Gott lieben will, egal was es uns kostet.

3. Der Vater hat dem Sohn alles übergeben.  Als ich einmal ein Auto gemietet hatte, sagte ich am Schluss der Verhandlung zu dem Händler: „Gottes Segen.” Er war höflich, entgegnete aber, dass Gott ihn nicht segnen könne, nur Jesus. Ich weiß nicht, was er genau damit meinte, aber das vorliegende Evangelium widerspricht seiner geäußerten Auffassung. Der Vater hat dem Sohn alles übergeben. Wenn der Vater nicht segnen könnte, dann könnte es der Sohn auch nicht. Der Sohn erhält seine Macht zu segnen von dem Vater. Der Vater und der Sohn teilen alles. Der Vater vertraut dem Sohn, und der Sohn vertraut dem Vater. Zwischen ihnen ist ein totales Vertrauen und eine immerwährende, liebende Mitteilung.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich danke für diese kurze Zeit im Gebet mit dir. Danke, dass du mir gezeigt hast, wie eng die Beziehung zwischen dir und dem Vater ist. Bitte stärke uns so, dass wir an dieser Liebe für alle Ewigkeit teilhaben können.

Vorsatz: Ich will mir heute während des Tages mehrmals die Zeit nehmen, um die Heilige Dreieinigkeit durch das Gebet zu preisen: „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen”.


Drei Stufen mit Jesus steigen

20. Juli 2006

Donnerstag der fünfzehnten Woche im Jahreskreis

P. Jason Clark LC

Mt 11,28-30
Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, am Anfang des heutigen Gebets möchte ich dich wissen lassen, dass ich glücklich bin, bei dir zu sein. Wenn ich bedenke, was du für mich alles getan hast, wie könnte ich dir dann diese wenigen Augenblicke meines Tages verweigern? Ich opfere dir diese kurzen Augenblicke des Gebets mit einem dankerfüllten Herzen auf, um dir für alles, was du für mich getan hast, zu danken.

Bitte: Herr, hilf mir, deine gnädige Einladung mit Großzügigkeit zu beantworten. Ich möchte mein Gebet als eine besondere Zeit des Tages nutzen, in der ich zu dir kommen und in dir ruhen darf.

1. Die Einladung Jesu.  Die Einladung Jesu sollte unser Herz und unseren Sinn mit großer Freude erfüllen. Er liebt uns und will uns versichern, dass er uns liebt. Deshalb sagt er: „Kommt!” Er sagt, dass wir in einer Weise geliebt sind, die wir uns nicht vorstellen können. Er liebt uns und will uns nahe sein. So oft sind wir versucht zu glauben, dass wir vergessen und verlassen sind. Jesus sagt uns heute, dass diese Momente des Zweifels eine Illusion sind, eine Täuschung, die vom Feind unserer Seele stammt. Jesus ist immer nahe und bereit, seine Liebe und sein Leben mit uns zu teilen.

2. Diejenigen, die für diese Einladung in Frage kommen.  Diese Einladung ist nicht für jedermann. Jene, die ohne Hindernisse, Leiden und Schwierigkeiten leben, sind von diesem Aufruf nicht betroffen. Er ist für diejenigen von uns bestimmt, die Schweres erfahren, seelisches Leid, Depressionen, Trauer, Hoffnungslosigkeit, Krankheit, Verletzung, Überarbeitung, Verfolgung, Missverständnisse... Die Aufzählung könnte endlos weiter gehen. All diese Schwierigkeiten helfen uns zu erkennen, dass dieser Aufruf an uns gerichtet ist. Unser Leiden wird zur Gelegenheit für uns, zu Jesus zu gehen.

3. Was dabei herauskommt, wenn wir die Einladung annehmen.  Jesus verspricht uns, dass er uns helfen wird, wenn wir in unserer Not zu ihm kommen. Gibt uns Jesus den kleinsten Anlass, seine Aufrichtigkeit zu bezweifeln? Verspricht uns Jesus etwas und lässt uns dann im Stich? Nein, nein und nochmals nein! Wir müssen Jesus vertrauen. Wir müssen uns im Gebet an ihn wenden und unsere größten Kämpfe und Probleme vor ihm ausbreiten. Wenn wir einen schlechten Tag haben und unsere Herzen innerlich zerrissen sind, warum sollten wir so beten, als ob alles in bester Ordnung wäre oder das Thema einfach auslassen? Wir sollten im Gebet ehrlich sein und ihm unsere Sorgen unterbreiten, damit er uns die Kraft und den Frieden der Seele geben kann, die wir zur Bewältigung unserer Probleme brauchen.

Gespräch mit Christus:  Herr, bitte hilf mir, meine Schwierigkeiten und Kämpfe zu betrachten und ihnen mutig zu begegnen. Mit deiner Gnade und Kraft gibt es nichts, was ich nicht bewältigen könnte – besser gesagt, es gibt nichts, was „wir” nicht zusammen bewältigen könnten.

Vorsatz:  Heute will ich zu Jesus Christus im Allerheiligsten kommen und ihm meine Kämpfe und Schwierigkeiten anvertrauen. Ich will ihn um die Kraft bitten, sie wie ein wahrer Jünger zu bewältigen.


Man kann schnell ein Fehlurteil treffen

21. Juli 2006

Freitag der fünfzehnten Woche im Jahreskreis

P. Jason Clark LC

Mt 12,1-8
In jener Zeit ging Jesus an einem Sabbat durch die Kornfelder. Seine Jünger hatten Hunger; sie rissen deshalb Ähren ab und aßen davon. Die Pharisäer sahen es und sagten zu ihm: Sieh her, deine Jünger tun etwas, das am Sabbat verboten ist. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren - wie er in das Haus Gottes ging und wie sie die heiligen Brote aßen, die weder er noch seine Begleiter, sondern nur die Priester essen durften? Oder habt ihr nicht im Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel den Sabbat entweihen, ohne sich schuldig zu machen? Ich sage euch: Hier ist einer, der größer ist als der Tempel. Wenn ihr begriffen hättet, was das heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer, dann hättet ihr nicht Unschuldige verurteilt; denn der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.

Einführendes Gebet: Herr Jesus, am Anfang meines Tages weihe ich dir diese Zeit. Ich beginne mein Gebet mit dem tiefempfundenen Bewusstsein, dass ich es brauche. Es ist entscheidend für mein Leben als dein Jünger. Öffne mein Herz, damit ich so bete, wie ich es sollte, und dass ich deinen heiligen Eingebungen gegenüber aufmerksam bin.

Bitte:  Herr, ob ich will oder nicht, ich richte oft meine Mitmenschen. Ich bin oft der Richter, Schöffe und sogar der Henker. Schenke mir die Gnade, gut von meinen Mitmenschen zu denken und zu sprechen.

1. Die Taten seiner Jünger.  Die Jünger Jesu waren einfach hungrig und brauchten etwas zu essen. Wie menschlich sie sind! Sie sind in vielerlei Hinsicht so wie wir. Die Verfasser der Evangelien haben ihre Fehler kaum beschönigt. Dies sollte uns mit großer Hoffnung erfüllen. Jesus hat große Wunder im Leben dieser Menschen gewirkt, und er kann das gleiche auch in unserem Leben tun.

2. Die Antwort der Pharisäer.  Wenn wir in der Zeit der Pharisäer gelebt hätten, wäre unsere Reaktion der ihrigen vielleicht ziemlich ähnlich gewesen. Die hungrigen Jünger verletzten das Sonntagsgebot. Was sollten die Pharisäer anderes denken? Wenn wir manchmal andere beobachten, vielleicht einen unserer Lieben oder einen Freund, kommen wir schnell zu dem Ergebnis, dass er auf dem falschen Weg ist. Man hat ihm oder ihr schnell etwas vorgeworfen und etwas gesagt, was man später bereut. Das Beispiel der Pharisäer zeigt uns, dass wir andere mit einem Fehlurteil und harten Worten verletzen können, anderseits aber auch, dass wir fähig wären, mit freundlicher Absicht und liebevollen Worten zu heilen. Wir sollten das letztere wählen, die christliche Art und Weise.

3. Jesus löst das Problem.  Jesus macht es deutlich, dass er diese Art und Weise zu handeln vorzieht. Er möchte, dass wir die anderen mit Erbarmen behandeln. Das ist die schönste Eigenschaft Gottes: sein Erbarmen gegenüber denen, die in Demut und Reue zu ihm kommen. Wenn wir dafür sorgen, dass dies die normale Einstellung in unserer Seele ist, dann fühlen wir uns selten befugt, unsere Mitmenschen zu richten.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, als du am Kreuz hingst, batest du den Vater, deinen Peinigern zu vergeben. Du hast sogar Entschuldigungen für sie gefunden. Hilf mir, gegenüber allen meinen Mitmenschen innerlich und auch nach außen mitleidig und verständnisvoll zu reagieren, seien es nun Familienmitglieder, Freunde oder Fremde.

Vorsatz:  Ich will das Gute in den Menschen suchen und darüber mit anderen sprechen.


Die wahre Liebe, die uns Jesus anbietet, ist für die Ewigkeit

22. Juli 2006

Samstag der fünfzehnten Woche im Jahreskreis
Maria Magdalena

P. Jason Clark LC

Joh 20,1-2,11-18
Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, es ist so, wie der heilige Paulus es sagt: wir wissen nicht, wie wir beten sollten. Ich kann bestätigen, dass dies nur allzu wahr ist. Bitte erleuchte mein Herz und meinen Sinn, damit ich dir diese Gebetszeit wahrhaftig widme.

Bitte:  Herr, du nimmst den reumütigen Sünder freudig auf und zeigst ihm den Weg zu einem neuen Leben. So wie du Maria Magdalena nach deinem Tod getröstet und ihr die Gnade gegeben hast, als erste deine Auferstehung verkünden zu dürfen, so gib auch mir bitte die Kraft, meinen Mitmenschen die Hoffnung zu bringen, die das leere Grab gebracht hat.

1. Maria Magdalena hat die wahre Liebe gefunden. Maria Magdalena war eine Sünderin, die sich in ihrem Leben weit von Gott entfernt hatte. Sie war Gott und ihrer Glaubensgemeinschaft entfremdet. Sie war, durch ihre Sünden, eine Ausgestoßene. So bald sie von Jesus und seiner Vergebung hört, wagt sie sich in einen Wirbelwind geistiger Abenteuer. Beim Abendmahl im Haus des Pharisäers Simon wäscht sie die Füße Jesu mit ihren Tränen und trocknet sie mit ihren Haaren. Sie ist bei vielen Wundern Jesu anwesend. Zum Schluss ist sie Zeugin seines Leidens und Todes. Der einzige, der ihr vergab, der an sie glaubte, der Gutes in ihr gesehen hatte und sie wahrhaftig liebte, er ist tot!

2. Diese Liebe wurde ihr genommen.  Sie war am Ende. An diesem Morgen zum Grab zu gehen, um den Körper Jesu einzusalben, gehörte sicher zu den schwierigsten Augenblicken ihres Lebens. Sie erwartete sicher nicht, dass der Tote nicht mehr da war. Sie blickte nur in eine Zukunft, in der sie eine verlorene Liebe betrauern würde. Bittere Traurigkeit war der einzige Begleiter an diesem dunklen Morgen, kurz vor Sonnenaufgang.

3. Die Liebe wurde ihr wiedergeschenkt und gestärkt.  Als sie das leere Grab sah, begriff sie nicht, was das bedeutete. Sie war in blinder Trauer gefangen. Als Jesus jedoch ihren Namen aussprach, erkannte sie ihn sofort und fiel vor ihm nieder. Wenn wir doch nur einen kleinen Teil dieser Liebe erfahren könnten, einen kleinen Teil dieser Erleichterung, die sie erfuhr, wie sie Jesus ihren Namen aussprechen hörte. Wenn wir uns doch nur auf gleiche Weise von Jesus gerufen hören könnten! Diese Art von Beziehung sollten wir mit Jesus haben. Wie auch Maria Magdalena, so sind auch wir Sünder, denen vergeben wurde. Wie Maria von Magdala, so müssen auch wir die Wunder, aber auch das Leiden und Sterben Jesu bezeugen. So wie Maria Magdalena sollen auch wir mit unbeschreiblicher Freude daran teilhaben, dass Jesus auferstanden ist, wie er es vorausgesagt hat, und dass er in Ewigkeit mit uns sein wird.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich stelle mir vor, was ich empfinden würde, wenn du mich beim Namen riefest. Sprich meinen Namen, Herr. Rufe mich und gebiete mir, zu dir zu kommen! Bitte, lass mich immer nahe bei dir sein und verhindere, dass mich irgendetwas dir entfremdet.

Vorsatz:  Ich will heute zweimal geistige Kommunion halten, einmal am Morgen und einmal am Abend, und dabei Jesus bitten, geistig in mein Herz zu kommen und es nie mehr zu verlassen.