Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 25. Juni 2006 bis Samstag 1. Juli 2006

Zwölfte Woche im Jahreskreis

P. Shawn Aaron LC

Jesus im Boot Sonntag
Das Maß der Liebe Montag
Der Weg, der zum Leben führt Dienstag
An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen Mittwoch
Für wen haltet ihr mich? Donnerstag
Die heilende Kraft der Beichte Freitag
Ein erstaunliches Vorbild Samstag


Jesus im Boot

25. Juni 2006

Zwölfter Sonntag im Jahreskreis

P. Shawn Aaron LC

Mk 4,35-41
Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. Sie schick-ten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hin-ten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich, und es trat völli-ge Stille ein. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?

Einführendes Gebet:  Allmächtiger und barmherziger Gott, dein Sohn hat schwaches menschliches Fleisch angenommen, um die Schwäche der Menschen zu überwinden. Durch das Mysterium seines Todes und seiner Auferstehung beschütze uns vor der Macht der Sünde und des Todes, gegen die wir uns nicht aus eigener Kraft behaupten können. Darum bitten wir dich durch Christus unseren Herrn.

Bitte: Jesus, ich vertraue dir. Stärke mein Vertrauen.

1. „Wellen schlugen in das Boot.“ Nur weil Jesus im Boot ist, bedeutet das nicht, dass die Wellen nicht gegen unser Schiff stoßen werden. Dementsprechend können wir uns nicht zufrieden geben, nur weil wir in der Gnade Gottes leben, ein gutes Gebetsleben haben und die heiligen Sakramente häufig empfangen. Nur weil wir das tun, wozu wir verpflichtet sind, dürfen wir nicht glauben, dass das Leben zwangsläufig glatt verläuft und sich alles so entwickelt, wie wir es uns wünschen. Für uns ist es das Wichtigste, dass sich Jesus „im Boot“ unseres Lebens befindet, ganz besonders dann, wenn sich Krisen und Schwierigkeiten einstellen. Seine Gegenwart in unserem Leben ist das Fundament, das uns Zuversicht und Kraft schenkt, gleichgültig, ob die Gewässer still oder aufgewühlt sind. „In schwierigen und schmerzhaften Lebenslagen sind Glaube und Gebet die beste Medizin und der si-cherste Schutz des Christen. Durch den Glauben lernen wir, in diesen Prüfungen Gottes Hand zu erkennen, und nehmen das Kreuz an, das er in un-serem Leben mit Liebe, Geduld und großer Hoff-nung zulässt. Für einen Christen haben körperliche und seelische Schmerzen eine tiefere Bedeutung und einen erlösenden Wert, wenn sie Gott durch Christus, den Gekreuzigten, aufgeopfert werden. Bei ihm finden wir unsere Kraft, unseren Trost und die Lösung all unserer Probleme“ (P. Marcial Ma-ciel, Envoy III, 48).

2. „Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“ Jeder, der schon mal die Wogen der Versuchung, der Schmerzen, der Ungerechtigkeit und der Verwirrung, die das Boot seiner Seele überfluten, erlebt hat, wird verstehen, wie selbstverständlich diese Frage aus dem Herzen der Jünger her-ausgesprudelt ist. Momente, in denen wir auf Kräfte stoßen, die wir nicht immer unter Kontrolle haben, führen uns unsere eigene Gebrechlichkeit und, gelegentlich, unsere eigene Sterblichkeit vor Augen. Was die Probleme zu vergrößern scheint, ist das Gefühl, dass sie Gott irgendwie gleichgültig zu sein scheinen. Dann wendet sich das Herz unwillkürlich an Gott und fragt: „Kümmert es dich nicht?“ Oder mit anderen Worten: „Liebst du mich nicht?“ Genau hier erkennen wir, wie wichtig es für uns ist, Gottes Liebe und Barmherzigkeit zu erfahren. „Denk daran, neben der Sünde ist die Entmutigung das größte Hindernis zur Heiligkeit. Nur die, die nicht auf Gott vertrauen, verlieren den Mut“ (Brief des P. Marcial Maciel vom 8. März 1952).

3. „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“ Der heilige Paulus berichtet uns, dass er nur zu gut die Worte „die Wellen schlagen in das Boot“ nachempfand als er Gott bat, ihm einen Stachel aus dem Fleisch zu ziehen. Die Antwort, die er erhielt, ist eine wichtige Lektion für das Christentum: „Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit“ (2 Kor 12,9). Sobald wir unser Leben aus freiem Willen in Christi Hände gegeben haben (oder ihn in unser Boot eingeladen haben), wird er immer erwarten, dass wir ihm glauben, vertrauen und ihn lieben. Der Weg, den er uns vorgibt, soll unseren Glauben, unsere Hoffnung und Liebe stärken, damit diese wachsen und reifen. Im Gegenzug (zu dieser seiner Erwartung) gewährt er uns seine Gnade. Das ist eine seiner zahlreichen Botschaften, „Ich bin mit euch im Boot und das genügt stets.“

Gespräch mit Christus:  Gnädiger Gott, du kennst meine Schwächen und Unzulänglichkeiten. Trotz allem glaube ich aufrichtig, dass ich mit dir alles in meinem Leben tun kann, was du verlangst. In deiner Güte gewähre mir die Gnade, auf dich zu schauen, auch wenn der Wind und die Wellen des Lebens mein Wohlergehen bedrohen. Mutter, du Reinste, lass mein Herz nur Jesus gehören.

Vorsatz:  Ich will Jesus heute zehn Minuten im heiligen Sakrament besuchen.


Das Maß der Liebe

26. Juni 2006

Montag der zwölften Woche im Jahreskreis

P. Shawn Aaron LC

Mt 7,1-5
Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet wer-den, und nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden. Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! - und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

Einführendes Gebet:  Mein Gott, lass uns alles, was wir tun, mit deiner Inspiration beginnen, mit deiner Hilfe fortführen und unter deiner Führung zur Vollendung bringen. Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.

Bitte:  Jesus, hilf mir ein gütiges Herz zu formen, das mit kindlichen Augen sieht.

1. „Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden.“  Täglich geben wir Urteile über zahllose Dinge ab und beurteilen sie als gut oder schlecht, richtig oder falsch. So arbeitet eben der menschliche Verstand und genau so hat Gott ihn geschaffen. Was Jesus hier anspricht ist eine Verzerrung dieser intellektuellen Tätigkeit, ein weit verbreitete Tendenz des durch die Sünde ruinierten menschli-chen Herzens - eine hässliche Neigung, die Hand-lungen und Motive des Nächsten mit Argwohn zu betrachten. Wenn jemand diese Neigung zur Ge-wohnheit werden lässt, wird er seine Urteile nur selten für sich behalten sondern sie oftmals in die Gespräche mit der Familie, mit Freunden und Bekannten einfließen lassen. Was vorher nur Gedanken waren, wird in Worte gefasst und nimmt die Form von Klatsch und Kritik an. Im Extremfall endet dies in Verleumdung, übler Nachrede und Rufschädigung. Was einst ein harmloser Gedanke zu sein schien, kann in einer schweren Sünde enden und zu einem ernsthaften Hindernis in meiner Beziehung zu Gott und meinem Nächsten werden.

2. „Nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden.“  Wie großmütig bin ich, wenn ich die kleinen Mängel und Fehler der Menschen um mich herum übersehe? Manchmal können die persönlichen Eigenarten der Menschen um mich herum eines der besten Mittel der Läuterung sein, die Gott vorgesehen hat. Es mag nichts Böswilliges an dem sein, was sie tun; es ist gerade die Art und Weise, wie sie es tun. Oder es ist vielleicht einfach wegen der Person, die es tut. Etwas stört mich daran und ich weiß nicht genau, was es ist. Das Warum ist nicht wirklich von Bedeutung. Wesentlich ist hingegen, dass ich großzügig bin und diese kleinen Dinge übersehe, weil ich weiß, dass Jesus außerordentlich geduldig mit mir gewesen ist (und ich außerdem weiß, dass ich ebenso manchen verrückt mache mit dem, was ich tue). Wenn das Ertragen dieser kleinen Schwächen meines Nächsten ein kleines oder größeres Kreuz für mich wird, dann muss ich Gott ständig um die Gnade bitten, damit großzügig und liebevoll umzugehen.

3. „Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge“.  Mit diesem Beispiel zeigt uns Jesus, wie gut er das menschliche Herz kennt. Auch drängt er uns, niemals zuzulassen, dass Sünde und sündhafte Neigungen unser Leben beherrschen. Deshalb verlangt er: „Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge“. Angriff ist die beste Verteidigung. Gegenüber der Sünde ist das Christentum seiner Natur nach offensiv, nicht defensiv. „Es ist für einen Christen nicht genug, sich nicht zu verschwören und nicht zu verleumden. Er sollte weit davon entfernt sein und immer mehr wachsen in Hilfsbereitschaft und Sanftmütigkeit im Umgang mit Anderen. Sei immer hilfsbereit und aufmerksam“ (P. Marcial Maciel LC, Envoy I, 28). Sanftmut ist die moralische Stärke, die man braucht, um Zorn und strenges Urteil zu bekämpfen. Wir erwerben diese Tugend durch die Gebete, die Sakramente und eine gemeinsame Anstrengung, die Menschen mit den Augen eines Kindes zu sehen. „Ein guter Mensch sieht alles mit den Augen eines Kindes“ (P. Marcial Maciel LC, Envoy I, 20). Es ist genau der richtige Weg zur Beseitigung dieses Balkens aus unserem Leben, wenn wir uns in der Tugend der Sanftmut üben.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, hilf mir, meine Augen so auf dich zu richten, dass ich deine liebende Geduld nachahme. Es ist leicht, andere zu kritisieren, du aber lädst mich auf den Weg zu einer reifen, geduldigen Liebe ein. Gib mir den Mut, meine eigenen Fehler zu erkennen, und eine echte Liebe, die andere unterstützt und ermutigt, ihr wahres Potential zu erreichen. Mutter, du Reinste, lass mein Herz nur Jesus gehören.

Vorsatz:  Ich will mindestens fünfmal am Tag etwas Positives über eine Person (oder über Personen) sagen, die ich bisher nicht genug ermutigt oder gelobt habe.


Der Weg, der zum Leben führt

27. Juni 2006

Dienstag der zwölften Woche im Jahreskreis

P. Shawn Aaron LC

Mt 7,6,12-14
Gebt das Heilige nicht den Hunden, und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.

Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.

Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn.

Einführendes Gebet:  Vater, hilf uns so zu sein, wie Christus, dein Sohn, der die Welt liebte und starb, um uns zu erlösen. Erleuchte uns durch seine großzügige Liebe und lenke uns durch sein selbstloses Vorbild, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht, als ein Gott jetzt und in Ewigkeit.

Bitte: Jesus, führe mich zur Freude der selbstlosen Liebe.

1. „Das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit.“  Unser Herr weist auf den Weg hin, der ins Verderben führt. Die Entscheidungen, die dorthin führen, sind nicht schon an sich zwangsläufig sündhaft, aber im Laufe der Zeit beginnen sie, die Selbstsucht zu fördern. Sie führen zu einer Reihe weiterer Entscheidungen, die sich nur daran orientieren, was ich will (Egoismus) und nicht daran, was ich tun sollte (Verantwortung) oder wer ich werden sollte (Berufung). Ich finde es niemals als schwierig, mich für etwas zu entscheiden, was mir angenehm ist. Das ist tatsächlich so natürlich, dass, wenn ich diese Sichtweise zulasse, sie wirklich anfangen kann, mich zu beherrschen, mich als Person zu verändern. Das bedeutet natürlich nicht, dass alles, was mir angenehm ist, mich deswegen schon direkt auf den Weg des Verderbens bringt. Aber systematisch und dauernd nur das zu wählen, was mir gefällt – was sich gut anfühlt, Vergnügen bereitet und Kummer vermeidet – das führt zur Schwächung des Willens, der dann nur noch fähig ist, der Neigung aber nicht der Verantwortung, den eingegangenen Bindungen und Verpflichtungen zu folgen. Mit anderen Worten: ein Wille, der überwiegend dazu neigt, sich selbst zu lieben, ist unfähig zum Verzicht, der aber für die Nächstenliebe erforderlich ist. Stellen Sie sich vor, welche Auswirkungen solches Verhalten auf Freundschaft, die Ehe oder die Beziehung zu Gott hat.

2. „Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal.“  Wenn sich Liebe in Eigenliebe verwandelt und selbstsüchtig wird, dann wird sie mich und die Beziehungen, die ich unterhalten möchte, zerstören. Selbstlose Liebe dagegen gibt der Seele Leben, weil der Mensch für die Nächstenliebe geschaffen ist. So hat auch Papst Johannes Paul II. oft betont, dass der Mensch dazu bestimmt ist, ein Geschenk zu sein, indem er sich selbst in Liebe dem anderen schenkt. Damit eine Liebe selbstlos ist, muss sie in gewisser Weise aufopferungsvoll sein. Wir erkennen, dass unser Ich sterben muss, um einander zu lieben. Es ist das Kreuz, an dem Jesus die ganze Fülle der Liebe offenbart hat - Liebe, zu der wir alle berufen sind. Nur in der Nachfolge Christi auf diesem schmalen Weg begeben wir uns auf den Weg des Lebens – und schenken Liebe. Der Weg ist schmal, aber die Liebe nicht.

3. „Und nur wenige finden ihn.“  Vielleicht ist das deshalb so, weil so wenige ihn suchen. Die heutige Gesellschaft treibt einen ungeheuren Aufwand zur Befriedigung ihrer individuellen Bedürfnisse, getarnt als „Rechte“. „Du hast dies verdient“ und „Du hast jenes verdient“, auch dann, wenn das anderen, mit denen du das Leben teilst, zum Nachteil gereicht. Weil diese Mentalität überall zu finden ist, fällt es ziemlich leicht, sich der attraktiven Gewalt dieser Strömung hinzugeben. Aus diesem Grund sind Beharrlichkeit in selbstloser Liebe, in der Ehe oder die Verpflichtung zur Wahrheit kein bloßes Gerede. Das erfordert eine Kraft, die wir im Gebet und in den Sakramenten finden müssen. Doch manchmal sind auch mit dieser Kraft die Versuchungen groß, die wir als schlecht erkannt haben und obwohl wir sie als schlecht erkannt haben. Deshalb müssen wir uns entschließen, Opfer zu bringen, um zu bewahren, was gut, heilig und wahr ist. „Wir können ohne Kampf nichts erreichen, und es ist ein schwerer Fehler, zu glauben, wir können unsere Ideale erreichen, gleichgültig wie schön und edel sie auch sind, wenn wir nicht entschlossen sind, zu kämpfen und zwar beharrlich zu kämpfen.“ (P. Marcial Maciel LC, Brief vom 23. März 1947).

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, die Freude, die der Liebe zu dir entspringt, gibt dem Kampf um wahren Glauben einen Sinn. Wenn ich das Kreuz betrachte, begreife ich ein wenig, wie viel dir die Seele jedes Einzelnen bedeutet. Gewähre mir, in deiner Güte zu lernen, mich immer stärker auf deine Liebe einzulassen, eine Liebe, die heilt und nicht verletzt. Ich kann das nicht ohne die Kraft, die aus der Erfahrung deiner Liebe für mich erwächst. Bitte lass mich die Erfahrung dieser Liebe machen. Mutter, du Reinste, lass mein Herz nur Jesus gehören.

Vorsatz:  Heute will ich fünf kleine Akte der Selbstverleugnung für die Erneuerung der Familie in der Gesellschaft aufopfern.


An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen

28. Juni 2006

Mittwoch der zwölften Woche im Jahreskreis
Hl. Irenäus, Bischof und Märtyrer

P. Shawn Aaron LC

Mt 7, 15-20
Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie (harmlose) Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen? Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten. Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.

Einführendes Gebet:  Vater, gib mir den Mut, Zeugnis von deiner Wahrheit zu geben, und die Kraft, die Sünde und das Böse zu besiegen. Das gewähre mir durch Christus unseren Herrn.

Bitte:  Jesus, hilf mir, in meinem täglichen Leben gute Früchte hervorzubringen.

1. „Hütet euch vor falschen Propheten.“  „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“ Die Wege, die uns entweder zur selbstlosen oder selbstsüchtigen Liebe führen, versprechen uns Glück, aber nur einer von ihnen führt tatsächlich dorthin. Jesus und seine Kirche laden uns ein, uns frei auf seine Leben spendende Liebe, die sich nach uns sehnt, einzulassen, und die Liebe zur Wahrheit über Gott und den Menschen zu erlernen. Der Teufel und seine Verbündeten verführen uns andererseits in Richtung auf ein scheinbares Glück, das letztlich Gott dem Menschen und ebenso den Menschen seinem Inneren entfremdet. Die Mächte der Finsternis versprechen ewige Wonne, aber am Ende ist das einzig Dauerhafte, was sie vorweisen können, Leere und Tod. „Die größte Täuschung, die häufigste Ursache des Unglücks ist die Illusion, das Leben finden zu können und dabei ohne Gott auszukommen, die Freiheit zu finden und hierbei die moralischen Wahrheiten und persönlichen Verantwortlichkeiten auszuschließen. “ (Papst Johannes Paul II, Homilie vom 28. Juli 2002).

2. „An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.“  Jesus rät uns, kein Urteil über die Absichten einer Person zu fällen. Dennoch erinnert er uns daran, dass wir gegenüber bestimmten Personen, Gruppen, Aktivitäten und Milieus kritisch sein sollen. „Es ist wahr, das uns beides, die menschliche Weisheit und die Gebote der Heiligen Schrift sagen, dass wir nicht über andere oder deren Haltung urteilen sollen. In gleicher Weise ist es wahr, dass wir, selbstverständlich mit der erforderlichen Nächstenliebe und mit Respekt, dennoch ohne Zögern alles zurückzuweisen haben, was uns von Gott oder unserem Glauben trennen könnte.“ (P. Marcial Maciel LC, Envoy II,89). An erster Stelle hat in diesem Wahrnehmungsprozess mein eigenes Leben zu stehen. Wenn ich mich dazu bekenne, Christ zu sein, muss mein Leben die Früchte hervorbringen, die Christus von seinen Anhängern erwartet. Der heilige Paulus nennt einige der Früchte, von denen wir erwarten können, dass sie in einer christlichen Seele zu finden sind: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue,
Sanftmut und Selbstbeherrschung“ (Gal 5,22-23). Damit soll nicht gesagt sein, dass nicht auch ein guter Mensch wütend werden kann oder von Zeit zu Zeit selbstsüchtig ist oder es ihm an Freundlichkeit fehlt. Die Sünde befällt jeden von uns. Aber wenn wir die Früchte, die der heilige Paulus aufgezählt hat, im Leben einer Person durchweg antreffen, dann können wir erkennen, dass die Quelle dieser Früchte gut ist.

3. „Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen.“  „Das christliche Leben ist nicht das asketische Ergebnis einer übermenschlichen Seele. Es ist eher die Frucht daraus, dass die göttliche Gnade in denen wirksam wird, die sie großzügig wirken lassen und aktiv mit ihr zusammenarbeiten“ (P. Marcial Maciel, Envoy III, 43). Genauso, wie Gott nichts Böses tun kann, kann auch die Gnade keine schlechten Früchte hervorbringen. Gottes Gnade ist die entscheidende Quelle für gute Früchte. Wenn wir also vorbehaltlos mit dieser Gnade zusammenarbeiten, wird das Ergebnis immer die gute Frucht der Heiligkeit und unsere Umformung zu Christus hin sein. Das war die Erkenntnis, die der gute Räuber gehabt hatte. Als er am Kreuz neben Christus litt, konnte er die Geduld, die Liebe und die Barmherzigkeit zutiefst bezeugen, mit denen Jesus auf den Hass und die Beschimpfungen, die ihm entgegengeschleudert wurden, antwortete. In diesem Augenblick der Gnade konnte er begreifen, dass nur ein wirklich guter Mensch imstande ist, in einem solchen Grad der Verzeihung und Selbsthingabe zu leben.

Gespräch mit Christus:  Lieber Gott, du verlangst von mir eine Frucht, die gut ist, eine Frucht, die andauert. Gib mir die Gnade, die Frucht hervorzubringen, die du von mir erwartest. Mein Herz ist bereit; gib mir die Kraft. Säe den Samen deiner Güte in mein Herz, und ich will mich mit Sorgfalt um sein Gedeihen bemühen. Mutter, du Reinste, lass mein Herz nur Jesus gehören.

Vorsatz: Heute will ich zehn Minuten über die Auflistung der Früchte des Geistes, die der heilige Paulus genannt hat, intensiv nachdenken, um festzustellen, in welchen Punkten ich noch wachsen muss.


Für wen haltet ihr mich?

29. Juni 2006

Donnerstag der zwölften Woche im Jahreskreis
Peter und Paul, Apostel

P. Shawn Aaron LC

Mt 16,13-19
Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Sohn des Jonah; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Einführendes Gebet:  Gott unser Vater, mit dem heiligen Petrus und dem heiligen Paulus gabst du deinem gläubigen Volk ein Licht. Du machtest sie zu Hirten der Kirche, damit sie deine Schafe mit ihrem Wort speisen und sie durch ihr Beispiel unterweisen. Auf ihre Bitten hin hilf uns, dass wir den Glauben, den sie uns lehrten, bewahren und ihrem Leben, das sie uns vorlebten, nachfolgen. Gewähre uns dies durch Christus unseren Herrn.

Bitte: Jesus, gib mir die Gnade, das zu leben, wozu ich mich bekenne.

1. „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“  Was haben die Boulevardblätter über Jesus von Nazareth zu sagen? Und die Talkmaster der Talkshow? Was haben deine Freunde über ihn zu sagen? Mit anderen Worten, was hörst du in der Öffentlichkeit? Bei einer solchen Vielzahl der Meinungen kann man versucht sein, zu glauben, dass es nahezu unmöglich sei, eine einheitliche Wahrheit zu finden. „Einen klaren Glauben nach dem Credo der Kirche zu haben, wird oft als Fundamentalismus abgestempelt, wohingegen der Relativismus, das sich »vom Windstoß irgendeiner Lehrmeinung Hin-und-hertreiben-lassen«, als die heutzutage einzige zeitgemäße Haltung erscheint. Es entsteht eine Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Gelüste gelten läßt.“ (Predigt von Kardinal Joseph Ratzinger in der heiligen Messe zur Wahl des Papstes“ am 18. April 2005).

2. „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“  Die Frage, die Jesus seinen Jüngern stellt, durchzieht die Jahrhunderte in der Absicht, jedem von uns eine persönliche Antwort zu entlocken. Diese Frage ist an jene Menschen gerichtet, die ihn am besten kennen sollten. „Du, mein lieber Christ, du bist mir jetzt eine Zeit lang gefolgt. Wer bin ich in deinem Leben?“ In Freuden und Versuchungen des täglichen Lebens finden wir Jesus, der uns fragt: „Für wen hältst du mich wirklich? Glaubst du an mich? Vertraust du mir? Liebst du mich?”

3. „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“  Die Antwort, die Petrus auf diese Frage gegeben hat, ist von so großer Bedeutung, dass sie die Kirche täglich in der Liturgie der heiligen Messe immer wieder betrachtet. Sie findet auch besondere Beachtung im Advent, zu Weihnachten, in der Fastenzeit und zu Ostern; zu diesen Zeiten wird immerfort tiefgehend die unergründliche Wahrheit über Jesus und seine erlösende Liebe betrachtet. Der erklärte Glaube an die göttliche Sohnschaft Christi ist die immerwährende Frucht der Meditation der Kirche über seine Person. So ist das Glaubensbekenntnis des heiligen Petrus zur ständigen Verkündigung der Kirche geworden, wie es auch in besondere Weise von den Päpsten bekundet wurde: „Es war Petrus, der als erster im Namen der Apostel das Glaubensbekenntnis ausgesprochen hat: ‚Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes’ (Mt 16,16). Das ist die Aufgabe aller Nachfolger des Petrus: Führer zu sein im Bekenntnis des Glaubens an Christus, den Sohn des lebendigen Gottes“ (Papst Benedikt XVI., Homilie vom 7. Mai 2005).

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich glaube, dass du der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes bist. Ich glaube Herr; vermehre meinen Glauben. Ich glaube an deine Kirche und dass du immer für sie sorgen wirst. Ich glaube an deinen Plan für mich. In den Höhen und Tiefen meines Lebens hilf mir, deine Hand zu ergreifen und an deinem Plan für mich festzuhalten. Wenn du aus Liebe bereit bist, meine Menschlichkeit anzunehmen, dann weiß ich, dass dein perfekter Plan für mein Leben stets in der Liebe begründet ist. Mutter, du Reinste, lass mein Herz nur Jesus gehören.

Vorsatz:  Heute will ich aus dem Katholischen Katechismus die Nummern 436 – 445 lesen.


Die heilende Kraft der Beichte

30. Juni 2006

Freitag der zwölften Woche im Jahreskreis

P. Shawn Aaron LC

Mt 8,1-4
Als Jesus von dem Berg herabstieg, folgten ihm viele Menschen. Da kam ein Aussätziger, fiel vor ihm nieder und sagte: „Herr, wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.“ Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: „Ich will es - werde rein!“ Im gleichen Augenblick wurde der Aussätzige rein. Jesus aber sagte zu ihm: „Nimm dich in acht! Erzähl niemand davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Opfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis (deiner Heilung) sein.“

Einführendes Gebet: Vater, höre auf die Gebete derer, die dich anrufen, vergib die Sünden denen, die sie dir beichten, und in deiner barmherzigen Liebe gib uns Vergebung und deinen Frieden. Dies gewähre uns durch Christus unseren Herrn.

Bitte:  Herr, hilf mir, mich von der Sünde abzuwenden.

1. „Herr, wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.“ Immer wenn wir zur Beichte gehen, möchten wir die Worte dieses demütigen Aussätzigen sprechen: „Jesus, du kannst mir helfen, mich von dem, was mich schmerzt, nämlich von meinen Sünden, zu heilen. Dieser Glaubensakt des Aussätzigen ist vergleichbar mit dem Glauben des guten Räubers. Obwohl er neben unserem Herrn ans Kreuz genagelt war, sagte er: „Jesus, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ In beiden Fällen sahen die Männer mit den Augen des Glaubens über das hinaus, was ihnen die Augen ihres Körpers mitteilen. Wenn wir mit den Augen des Glaubens unsere Sünden beichten, wollen wir über den Priester hinaus Jesus sehen, ihn, der nicht nur unsere Sünden vergibt, sondern auch unsere Seelen heilt.

2. „Jesus streckte die Hand aus und berührte ihn.“  Die Pharisäer fragten einst die Jünger: „Wie kann
euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?“ (Mt 9,11). Jesus fürchtet sich nicht vor meiner Lepra; er fürchtet sich nicht vor meiner Sünde. Seine Liebe ist einfach viel stärker als irgendeine Sünde, mag sie noch so schwer sein. Er hat weder Angst, mit Sündern zu verkehren, noch Leprakranke zu berühren. Es war dieselbe Liebe, die das „Wort“ dazu bewegte, Fleisch anzunehmen, das unter uns gewohnt hat (Joh 1,14). Er hat selbst die menschliche Natur angenommen und „streckte seine Hand aus und berührte uns“. Wenn wir Jesus unsere Sünden übergeben, nagelt er sie an das Kreuz - und wir entdecken direkt am Kreuz zwei Dinge: die wahre Wesensart der Sünde und die unendliche Liebe, die Jesus veranlasst, uns zu berühren.

3. „Ich will es – werde rein.“  Jesus wollte, dass der Aussätzige geheilt wird; ebenso will er, dass du und ich geheilt, rein und vollkommen sind. Durch die Hände des Priesters streckt uns Jesus seine eigene Hand entgegen und lädt uns ein, rein zu sein, so dass wir nicht wieder in die Sünde zurückfallen. Die Sünde pocht an die Tür unseres Lebens, aber dank Jesus müssen wir nicht in ihr verbleiben. Wenn Jesus uns heilt, gibt er uns auch die Kraft (Gnade), gesund zu bleiben. Er heilt uns, so dass wir frei mit ihm gehen und ihn in unserem Leben nachahmen können. Aber möchte ich wirklich von all meinen Sünden ablassen? Würde der ehemalig Aussätzige sich jemals wünschen, zu seinen Leprakranken zurückzukehren? Letztlich ist es das Herz, das rein werden muss durch das ständige Gebet, die Sakramente und ein aufrichtiges Bemühen, das zu tun, was Gott gefällt.

Gespräch mit Christus:  Jesus, du weißt, wann ich sitze und wann ich stehe. Bevor ein Wort auf meinen Lippen ist, kennst du es bereits ganz; du bist vertraut mit all meinen Wegen (Psalm 139). Ich vertraue auf dich, weil du mein ganzes Vertrauen verdienst. Hilf mir, in dem Licht zu Leben, das deiner Gnade entspricht, und die heilsame Freude zu erfahren, die der Freundschaft mit dir entspringt. Mutter, du Reinste, lass mein Herz nur Jesus gehören.

Vorsatz:  In dieser Woche will ich zur Beichte gehen und mir die Zeit nehmen, mich gut darauf vorzubereiten.


Ein erstaunliches Vorbild

1. Juli 2006

Samstag der zwölften Woche im Jahreskreis

P. Shawn Aaron LC

Mt 8,5-17
Als er nach Kafarnaum kam, trat ein Hauptmann an ihn heran und bat ihn: Herr, mein Diener liegt gelähmt zu Hause und hat große Schmerzen. Jesus sagte zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Da antwortete der Hauptmann: „Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst; sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund. Auch ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Jesus war erstaunt, als er das hörte, und sagte zu denen, die ihm nachfolgten: Amen, das sage ich euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemand gefunden. Ich sage euch: Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; die aber, für die das Reich bestimmt war, werden hinausgeworfen in die äußerste Finsternis; dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen. Und zum Hauptmann sagte Jesus: Geh! Es soll geschehen, wie du geglaubt hast. Und in derselben Stunde wurde der Diener gesund.

Jesus ging in das Haus des Petrus und sah, dass dessen Schwiegermutter im Bett lag und Fieber hatte. Da berührte er ihre Hand, und das Fieber wich von ihr. Und sie stand auf und sorgte für ihn.

Am Abend brachte man viele Besessene zu ihm. Er trieb mit seinem Wort die Geister aus und heilte alle Kranken. Dadurch sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Er hat unsere Leiden auf sich genommen und unsere Krankheiten getragen.

Einführendes Gebet:  Gott unser Vater, stärke unseren Glauben an dich, vertiefe unsere Demut und führe unseren Glauben zur verheißenen Vollendung in der Freude deines Reiches. Gewähre uns das durch Christus unseren Herrn.

Bitte:  Herr, lass meinen Glauben wachsen.

1. „Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst.“ Der Hauptmann verfügt nicht nur über einen starken Glauben; er besitzt auch große Demut. Seine Demut war nicht vorgetäuscht, denn die Situation war für ihn zu bedeutend, als dass er Demut vorspiegeln konnte, zumal Jesus bereits zugesagt hatte, zu kommen und seinen Diener zu heilen. Seine Demut ist auch nicht die Folge geringer Selbstachtung. Vielmehr ist ein gewaltiges Vertrauen in seinem Verhalten Jesus gegenüber sichtbar. Seine Demut entspringt einem Vertrauen, das versteht, wer Jesus ist. Das ist die Demut, an der uns die Kirche jedes Mal einlädt, Anteil zu nehmen, wenn wir unserem Herrn in der heilige Kommunion innerhalb der heilige Messe begegnen: „Herr, du bist viel zu groß, um zu mir zu kommen, aber ich danke dir für dein Kommen, denn ohne dich würde ich sterben“.

2. „Jesus war erstaunt, als er das hörte.“  Nun, das ist erstaunlich, wenn wir überlegen, was nötig ist, um Jesus in Erstaunen zu versetzen. . Hier haben wir die Antwort: Vertrauen – Vertrauen in seine Person, in seine Macht, in den Lebensplan für uns. Einmal hat Jesus den heiligen Petrus gerügt, als unser Herr seine Hand ergriff, um ihn vor dem Ertrinken zu retten: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“ (Mt 14,31). Die Bedeutung dieser Frage wird klarer, wenn sie anders gestellt wird: „Was ist es in mir, das mich dir gegenüber misstrauisch macht?“ Die Antwort ist: Nichts. Ein gewisse Unzulänglichkeit steckt in uns, und diese muss offen durch das Gebet beseitigt werden, insbesondere in der Betrachtung der bedeutenden Glaubenswahrheiten: Menschwerdung, Passion, Tod und Auferstehung Jesu; die Sakramente, insbesondere die Taufe, die Beichte und die Eucharistie. Wenn Jesus über unseren Glauben erstaunt ist, können wir zu Recht daraus schließen, dass er durch unseren Mangel an Glauben und Vertrauen in ihn verletzt ist.

3. „Es soll geschehen, wie du geglaubt hast.“  Christus hat hier etwas gesagt, das dem, was wir im Vaterunser beten, ähnlich ist: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Hier sagen wir: „In dem Maß, wie ich anderen vergebe, soll auch mir vergeben werden.“ Indem Jesus diese Worte an den Hauptmann richtete, zeigte er, dass der Grad unseres Glaubens der Maßstab dafür ist, was wir von dem erhalten, was wir von Gott erbitten. Im ersten eucharistischen Gebet der heiligen Messe beten wir: „Du weißt, wie fest wir an dich glauben und wir uns selbst dir hingeben.“ Das ist beides: tröstend und alarmierend. Es ist tröstend, weil Christus den Grad unseres Glaubens genau kennt – er kennt die Aufrichtigkeit unseres Herzens. Wir müssen ihm nicht unser Selbst erklären. Es ist alarmierend, dass wir auch wissen, dass unser Glaube nicht immer so fest ist, wie er sein sollte. Deshalb wollen wir wiederholen, was jemand einmal zu Jesus gesagt hat: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ (Mk 9,24).

Gespräch mit Christus:  Lieber Herr, du bist meines ganzen Glaubens würdig. Wie dem Hauptmann und den großen Heiligen hilf mir, meinen Blick im Glauben ganz auf dich zu richten, überzeugt, dass es immer zu meinem besten gereicht, was du von mit verlangst. Mutter, du Reinste, lass mein Herz nur Jesus gehören.

Vorsatz:  Heute will ich mir einige Minuten Zeit nehmen, das Kapitel 11 aus dem Brief an die Hebräer zu lesen und darüber nachzudenken.