Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 28. Mai 2006 bis Samstag 3. Juni 2006

Siebente Osterwoche

P. Walter Schu LC

Geheiligt in der Wahrheit: echte Liebe Sonntag
Pfingsten 2006: Eine Revolution der Liebe Montag
Das priesterliche Gebet Jesu: Liebe bis zum Äußersten Dienstag
Eine Begegnung mit dem Heiligen Geist: eine Vorahnung auf Pfingsten Mittwoch
Christliche Einheit durch den Heiligen Geist Donnerstag
Liebe antwortet auf Liebe Freitag
Am Vorabend von Pfingsten Samstag


Geheiligt in der Wahrheit: echte Liebe

28. Mai 2006

Siebenter Sonntag der Osterzeit

P. Walter Schu LC

Joh 17,11-19
Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

Einführendes Gebet:  Herr, vor der Himmelfahrt hast du die Aufgabe, Seelen zu retten, auch in meine armen, schwachen Händen gelegt. Hilf mir, der verwandelnden Kraft des Heiligen Geistes zu vertrauen, damit ich ein wahrer Vertreter, christlicher Liebe in dieser Welt bin

Bitte: Maria, hilf mir, die Wahrheit christlicher Liebe mit Begeisterung zu bezeugen, so wie es nach der Himmelfahrt die ersten Jünger gemacht haben. Hilf mir, mein Herz und meinen Willen für die Eingebungen des Heiligen Geistes zu öffnen.

1. „So habe auch ich sie in die Welt gesandt.” Jesus ist in den Himmel aufgefahren. Im heutigen Evangelium, einem Teil seiner Rede im Abendmahlsaal, übergibt Jesus seine Mission an die Jünger – und damit an jeden von uns. Was genau beinhaltet diese große Verantwortung, die Christus ganz in unsere Hände legt? Es ist nichts weniger als die ewige Rettung der Seelen. Es sind wirkliche, greifbare Personen, deren Geschick mit unserer Treue zu Christus verknüpft ist und damit auch mit unserem christlichen Bekenntnis. Haben wir keine Angst davor, schwach und sündig wie wir sind, eine solche Verantwortung zu übernehmen? Wie können wir hoffen, einer solchen Aufgabe gewachsen zu sein? Christus lädt uns ein, seine Freude vollkommen zu teilen. Nach seiner Himmelfahrt lässt er uns nicht im Stich, sondern verspricht uns die Heiligung im Geiste der Wahrheit – den Heiligen Geist, den großen Fürsprecher in unserer apostolischen Mission. Lasst uns diese Woche im Gebet auf die Liturgie der Kirche antworten, die uns darauf vorbereitet, den heiligen Geist an diesem großartigen Pfingstfest zu empfangen.

2. „Heilige sie in der Wahrheit.” Wer ist denn dieser Heilige Geist, die dritte Person der Heiligen Dreifaltigkeit, der wünscht, ein liebender Gast und Tröster unserer Herzen zu sein? Der heilige Geist ist die persönliche Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn. Die zweite Lesung in der Liturgie erinnert uns daran: „Gott ist die Liebe” (1 Joh 4,16). Dies sind auch die Worte von Papst Benedikt XVI. in seiner ersten Enzyklika „Deus Caritas Est”. Sie eröffnen uns in zentraler Weise, was es bedeutet, sich in der Wahrheit zu heiligen: in der Liebe geheiligt zu sein. Nur der Heilige Geist kann uns befähigen, „eros” (menschliche oder „begehrende“ Liebe – „aufsteigende Liebe”) zu reinigen, dass sie geheilt und ihre wahre Größe wiederhergestellt wird. (Deus Caritas Est, Nr. 4-5). Wenn wir diesen asketischen Weg des Entsagens gehen, dann wird am Ende „eros” zusammengeführt werden mit der „agape” (der christlichen oder sich schenkenden Liebe, die nur das Gute des anderen erstrebt – „absteigende Liebe”) (Nr. 7). Die durch den Heiligen Geist in uns gestärkte Liebe der „agape”, wird uns veranlassen, bedenkenlos das Heil der Seelen anzustreben.

3. „Und ich heilige mich für sie.” Wie heiligt sich Christus? Er macht es durch sein Leiden und Kreuz. Darum wird die Redewendung der Mutter Theresa von Kalkutta immer Gültigkeit haben: „Wahre Liebe muss weh tun!” Papst Benedikt XVI. konfrontiert uns direkt mit der Frage der für die wahre Liebe notwendigen Selbstüberwindung. Er stellt die Frage, ob die Kirche nicht die Liebe verderbe. „Vergällt uns die Kirche mit ihren Geboten und Verboten nicht das Schönste im Leben?” (Deus Caritas Est, Nr. 3). Die Antwort ist natürlich ein lautes „Nein!” Nur durch die Askese christlicher Keuschheit wird die Liebe so gereinigt und diszipliniert, dass sie sich über das rein sinnliche erhebt und zu einer persönlichen Handlung der Selbsthingabe wird. Es ist kein Zufall, dass nur bei der natürlichen Familienplanung Enthaltung notwendig ist, nicht aber bei den verschiedenen Verhütungsmitteln. Sind wir gewillt, uns zu der grundlegendsten Lehre der Kirche zur Bewahrung authentischer Liebe zu bekennen, selbst wenn wir dafür in der Welt verhasst sind?

Gespräch mit Christus:  Heiliger Geist, du bist der Ursprung der Liebe in meinem Leben, denn du bist die Liebe selbst. Hilf mir, alle Gnaden für die Herzen zu gewinnen, um die mich Christus bittet, indem ich mich in der Wahrheit heilige - in der Wahrheit des Kreuzes, des Verzichtes und der Reinigung - und dass ich wahre Liebe in Selbsthingabe lebe, ohne jegliche Mühen zu scheuen.

Vorsatz:  Ich will die Lehre der Kirche über die Keuschheit leben und verteidigen, insbesondere die natürliche Familienplanung, um dadurch authentische christliche Liebe zu leben.


Pfingsten 2006: Eine Revolution der Liebe

29. Mai 2006

Montag der siebenten Osterwoche

P. Walter Schu LC

Joh 16,29-33
Da sagten seine Jünger: Jetzt redest du offen und sprichst nicht mehr in Gleichnissen. Jetzt wissen wir, dass du alles weißt und von niemand gefragt zu werden brauchst. Darum glauben wir, dass du von Gott gekommen bist. Jesus erwiderte ihnen: Glaubt ihr jetzt? Die Stunde kommt, und sie ist schon da, in der ihr versprengt werdet, jeder in sein Haus, und mich werdet ihr allein lassen. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.

Einführendes Gebet:  Herr, ich will dir, auch inmitten meiner Schwächen und meines Versagens, vertrauen. Hilf mir, in meinem Leben der Kraft des Heiligen Geistes zu vertrauen.

Bitte:  Herr, hilf mir, in meiner Beziehung zum Heiligen Geist zu wachsen, damit ich in allen Angelegenheiten des heutigen Tages echte christliche Liebe lebe.

1. „Glaubt ihr nun?” Christus kennt die Herzen der Menschen. Er weiß, dass ihn seine Apostel bald verlassen werden, trotz aller Beteuerungen ihres Glaubens. Aber wie reagiert Christus darauf? Hier erhalten wir einen Einblick in das göttliche Herz. Er ist nicht über die Verletzung aufgebracht, die ihm seine treuesten Anhänger in dieser Stunde der Not durch ihre Flucht zufügen werden. Nein, seine einzige Sorge ist, dass sie auch nach ihrem Versagen und Verrat in Frieden leben können. Indem er ihnen ihre Untreue vorher prophezeit, zeigt er nicht nur, dass er ihnen vergibt; mehr noch, er zeigt ihnen, dass er ihnen auch weiterhin vertraut. Wie William Barclay in seiner Betrachtung über dieses Evangelium bemerkt: „Noch nie in der ganzen Welt waren Vertrauen und Vergebung so vereint” (The Gospel of John, 2. Band, Seite 202). Bin ich fähig, der Liebe und Vergebung Christi so zu vertrauen? Selbst inmitten meines eigenen Versagens?

2. „Damit ihr in mir Frieden habt.” Auf den ersten Blick erscheint dieser Satz unlogisch. Wie kann es den Jüngern Frieden bringen, wenn Jesus ihnen voraussagt, dass sie ihn verraten würden? Wenn ihnen aber Jesus sein Wissen über ihr Versagen nicht offenbart hätte, wären sie vielleicht, nachdem sie ihn allein gelassen hatten, in tiefe Verzweiflung gefallen. Aber die Vorhersage Christi ermöglichte es den Jüngern, nach ihrem Fall an sein Erbarmen zu glauben – genauso wie Christus ihnen weiterhin vertraut. Warum vertraut Christus seinen Jüngern weiterhin? Ist das nicht töricht von ihm? Es gibt nur eine Erklärung: Christus kennt die Kraft des Heiligen Geistes, den er zu Pfingsten auf seine Jünger herabsenden wird. Der Heilige Geist ist viel größer als ihre Schwachheit. Habe ich schon begonnen, eine innige Beziehung mit dem sanftmütigen Gast meines Herzens zu formen? Beachte ich aufmerksam sein Licht und seine Inspirationen? Übe ich innere Stille, um seine Stimme hören zu können?

3. „Habt Mut, ich habe die Welt besiegt.” Die Aufforderung Christi, Mut zu haben, sollte in unseren Herzen genauso widerhallen wie in den Herzen der ersten Jünger vor 20 Jahrhunderten. Es ist nicht schwer, die Notwendigkeit eines neuen Pfingsten zu erkennen, einer neuen Ausgießung des Heiligen Geistes auf die heutige Kirche. Man schätzt, dass mehr als 90% der Katholiken sich nicht an die Lehre der Kirche für echte Liebe halten, insbesondere in Bezug auf Familienplanung. Es ist eine Revolution der Liebe notwendig – und sie wurde von Papst Benedikt XVI. in Köln beim Weltjugendtag ausgerufen. Wir sollten die Macht des Heiligen Geistes, diese Revolution zu bringen, nicht unterschätzen. Der Gründer der Legionäre Christi, P. Marcial Maciel, weist auf die Früchte seiner eigenen nahen Beziehung mit dem Parakleten, dem Heiligen Geist hin: „Ich wünschte ihr könntet mein tiefes Verlangen verstehen, euch die Erfahrung und die Früchte der Freundschaft mit dem Heiligen Geist zu übermitteln, die ich glücklicherweise seit meiner Jugend pflegen durfte. Die Erfahrungen sind unbeschreiblich, die Resultate großartig.” (Brief vom 3. Mai 1986).

Gespräch mit Christus:  Herr, ich danke dir für das Vertrauen, das du trotz meiner Schwächen auch weiterhin in mich legst, indem du mich täglich neu dazu aufrufst, dein Apostel zu sein.

Vorsatz:  Ich will mich heute in innerer Stille üben, damit ich jede Eingebung des Heiligen Geistes treu befolgen kann. Ich will die kostbare christliche Liebe leben.


Das priesterliche Gebet Jesu: Liebe bis zum Äußersten

30. Mai 2006

Dienstag der siebenten Osterwoche

P. Walter Schu LC

Joh 17,1-11
Dies sagte Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war.

Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.

Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.

Einführendes Gebet:  Herr, ich sehne mich danach, einen Zugang zu deinem priesterliches Herzen zu bekommen, wie es am Ende deines liebevollen Lebens war. Hilf mir, in meiner Liebe für den Vater und für die Menschen zu wachsen, den einzigen zwei Lieben deines Lebens.

Bitte: Maria, hilf mir, das priesterliche Gebet Christi mit deinem mütterlichen Herzen zu betrachten, damit ich im glühenden Bemühen um die Verherrlichung des Vaters und in der Liebe für die Seelen der Menschen wachsen kann.

1. Das Gebet für alle Zeiten. Die wichtigste Stunde Jesu hat für ihn geschlagen. Christus denkt nicht an sich selbst, während er die Marter seiner bis zum äußersten selbstlosen Liebe erwartet. Das Herz Christi wendet sich seiner einzigen Liebe zu, dem Vater, für dessen Verherrlichung er jeden Schritt seines irdischen Seins getan hat. Diese unüberwindbare Liebe für den Vater aber umfasst gleichzeitig all jene, die ihm der Vater anvertraut hat. Christus hinterlässt seinen Anhängern ein endgültiges Vermächtnis, das zu allen Zeiten die mächtigste Quelle ihrer Zuversicht sein wird: sein priesterliches Gebet. Damit lehrt uns Christus, wie wir beten sollen. Christus betet zuerst, dass der Vater dadurch verherrlicht werden solle, dass der Sohn verherrlicht wird. Und was ist diese höchste Verherrlichung, in der das Leben des einzigen Sohnes Gottes seinen Höhepunkt finden wird? Die Antwort ist: sein blutiges Opfer am Kreuz.

2. Die Herrlichkeit des Kreuzes. „Das Wort ´Herrlichkeit´ bezieht sich auf den Glanz, die Ehre und die Macht, die Gott zustehen.” (The Navarre Bible: St. John, Seite 202). Wie kann es möglich sein, dass der demütigende Tod Christi am Kreuz und der Verrat seiner Anhänger, Gott Ehre geben kann und seine Herrlichkeit und Macht offenbart? Wie kann das Kreuz die höchste Verherrlichung Christi bedeuten? Erstens offenbart es eine grenzenlose Liebe, eine Liebe, die nicht dazu bewegt werden kann zu sagen: Bis dahin und nicht weiter. Die am Kreuz ausgestoßenen Worte Christi: „Vater, vergib ihnen,” geben Zeugnis für eine Liebe, die stärker als die Sünde ist. Die Auferstehung, die dem Kreuz folgt, ist Zeugnis für eine Liebe, die sogar stärker als der Tod ist. Zweitens ist das Kreuz die Erfüllung der Mission Christi. Sein Gehorsam zum Vater, sogar bis zum Tod hin, erlöst die ganze Menschheit. Habe ich in meinem Leben das Kreuz als den einzigen Weg der Nachfolge Christi erfasst? Das Kreuz anzunehmen ist der einzig sichere Weg, Christus zu lieben und den Vater zu verherrlichen.

3. Unerschütterliche Zuversicht in die Mission. Die Worte Christi an dieser Stelle des Evangeliums erklingen mit einer unerschütterlichen Zuversicht. Christus bleibt zuversichtlich, obwohl er sterben und in Qualen und in einer vermeintlich demütigenden Niederlage von seinen Jüngern verlassen wird. Er vertraut seinem Vater und den gleichen Jüngern, die ihn bald seinem Schicksal überlassen werden. Das Vertrauen unseres Herrn in uns als seine Anhänger, sollte uns immer mit einem festen Vertrauen in unsere Mission beflügeln, Seelen zu retten, andere zum Glauben an Christus zu bringen und die Gesellschaft selbst zu verwandeln. Uns selbst überlassen, können wir nichts vollbringen. Aber wir haben die Zusicherung des Gebetes Christi und die Ankündigung des Heiligen Geistes. Es ist der Heilige Geist, der in den Herzen all jener sprechen wird, für die Christus uns auffordert, sie ihm näher zu bringen. Lasst uns oft zu unserem großen Fürsprecher beten: „Heiliger Geist, gib mir ein, was ich denken, was ich sagen und was ich ungesagt sein lassen soll, damit ich für meine Brüder und Schwestern das Glück erreichen kann, meine Mission erfülle und dem Reich Christi zum Sieg verhelfe.”

Gespräch mit Christus:  Ich danke dir, Herr, dass du mich bis zum äußersten geliebt hast, indem du unter unbeschreiblichen Qualen am Kreuz gestorben bist. Ich danke dir für das Geschenk des Heiligen Geistes, der mir hilft, dir auf deinem Weg der selbstlosen Liebe nachfolgen zu können.

Vorsatz:  Ich will mich darauf besinnen, heute immer wieder mit dem Heiligen Geist zu sprechen, um mich dem Vater und den Seelen in jedem Kreuz, das Christus mir schickt, aufzuopfern.


Eine Begegnung mit dem Heiligen Geist: eine Vorahnung auf Pfingsten

31. Mai 2006

Mittwoch der siebenten Osterwoche
Mariä Heimsuchung

P. Walter Schu LC

Lk 1,39-56
Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria:

Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Einführendes Gebet:  Maria, an deinem Festtag sehne ich mich danach, durch den Heiligen Geist das Glück zu erfahren, dass dich und deine Cousine Elisabeth erfüllt hat. Möge der Heilige Geist mich dazu führen, in allen Angelegenheiten des Tages anderen Christus nahe zu bringen.

Bitte:  Maria, hilf mir in der Demut zu wachsen, so dass mich der Heilige Geist führt und mein Leben so erfüllt, wie er deine Seele erfüllt hat.

1. Maria machte sich eilig auf den Weg.  Was brachte Maria dazu, nicht nur die gefährliche Reise alleine zu unternehmen, sondern noch dazu in Eile? Eine unwiderstehliche Macht leitete Maria – die Gegenwart des Heiligen Geistes, der sie seit der Verkündigung überschattet und erfüllt hat. Der gleiche Heilige Geist erfüllt beim Gruß Mariens das Herz von Elisabeth und bewegt das Kind in ihrem Leib. Was ist die erste Frucht der Fülle des Heiligen Geistes? Papst Benedikt XVI. spricht über den Zusammenhang zwischen dieser Freude und der Wahrheit, die Christus selber ist: „Jesus Christus, der die Fülle der Wahrheit ist, zieht jedes Herz der Menschen an sich, vergrößert es und erfüllt es mit Freude. Nur der Wahrheit ist es möglich, in den Verstand einzudringen und ihn vollkommen froh zu machen. Diese Freude erweitert die Grenzen des menschlichen Geistes, enthebt es der Sorgen des Egoismus und macht es zu echter Liebe fähig.” (frei übersetzt aus der Rede an die Glaubenskongregation vom 10. Februar 2006.)

2. „Und wer bin ich, dass die Mutter des Herrn zu mir kommt?” Diese rührende Frage von Elisabeth zeigt die für den Empfang des Heiligen Geistes notwendige Tugend: Demut. Elisabeth ist sich zutiefst ihrer Niedrigkeit bei dem Besuch der Mutter des Herrn bewusst. Maria selber spiegelt diese Einstellung in ihrem Magnificat wider. Was ist der Grund dafür, dass der Schöpfer so Großes an ihr getan hat, so dass alle Generationen sie gesegnet nennen werden? Es ist nicht, weil sie Talente und Qualitäten hat. Auch hat sie den Allmächtigen nicht durch großartige Erhabenheit beeindruckt. Nein, Gott hat einfach „auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut.” Erfreue ich mich meiner eigenen Kleinheit im Wissen, dass es dem Heiligen Geist möglich macht, eine Wohnstätte in mir zu finden und großes für Christus in meinem Leben zu vollbringen?

3. „Meine Seele preist die Größe des Herrn.”  Maria ist so vom Heiligen Geist erfüllt, dass ihr ganzes Sein in Jubel und Lobgesang für den Allmächtigen entflammt. Papst Benedikt XVI. betrachtet den Jubel Mariens angesichts der Gegenwart des Herrn in ihrem Leib: „Das ist die Freude, die das Herz erfüllt, wenn wir im Glauben in Anbetung vor Jesus knien.” (frei übersetzt aus der Rede an die Glaubenskongregation vom 10. Februar 2005). Die Freude Christi, die Freude des Heiligen Geistes, die Dankbarkeit für alles Große, das der Herr in uns gewirkt hat, treibt uns dazu, unseren Herrn zu anderen zu bringen, genauso wie Maria ihn zu Elisabeth brachte, sogar schon vor seiner Geburt. Wie sie in ihrem Magnificat singt, verschließt sich Maria nicht in sich selbst, sie bedenkt, was Gott in ihr, im Hinblick auf seinen Heilsplan für alle Völker, gewirkt hat. Möge doch die Freude im Heiligen Geist ein neues Pfingsten bringen, das von unserem Leben ausstrahlt.

Gespräch mit Christus:  Ich danke dir Herr, für das große Geschenk des Heiligen Geistes, der unser Leben mit der unaussprechlichen Freude deiner Gegenwart in uns erfüllt. Hilf mir, dass ich, so wie Maria es tat, eilig den Impulsen des Heiligen Geistes zu Nächstenliebe folgen kann.

Vorsatz: Ich will nach Gelegenheiten Ausschau halten, bei denen ich mit anderen über Christus sprechen kann und Taten der Nächstenliebe für sie vollbringen kann, freudig und eilig, so wie Maria es uns im Evangelium vorgelebt hat.


Christliche Einheit durch den Heiligen Geist

1. Juni 2006

Donnerstag der siebenten Osterwoche

P. Walter Schu LC

Joh 17,20-26
Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

Einführendes Gebet:  Herr, mögest du durch die Kraft des Heiligen Geistes Einheit unter den Christen der Welt schaffen. Ich bitte dich, lass noch viel mehr Menschen auf dieser Erde durch das Zeugnis unserer echten christlichen Liebe Christen werden.

Bitte: Herr, hilf mir, durch die Kraft des Heiligen Geistes in echter christlicher Liebe zu wachsen. Ermögliche es mir, ein Werkzeug der Liebe zu sein, damit „die Welt glaubt”.

1. „Damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.”  „Die Mission Christi, des Erlösers, die der Kirche anvertraut wurde, ist noch lange nicht beendet.” Diese, unvergesslichen Worte, mit denen Papst Johannes Paul II. seine 1990 geschriebene Enzyklika „Redemptoris Missio” eröffnete, spiegeln die Dringlichkeit des Aufrufes des Heiligen Geistes für eine neue Evangelisierung wider. Das an den Vater gerichtete priesterliche Gebet Christi, dass alle eins seien, zeigt, was Papst Johannes Paul II. als das größte Hindernis zur Evangelisierung bezeichnet: der Mangel an Einheit. Papst Benedikt XVI. hat die Einheit der Christen als das Hauptziel seines päpstlichen Dienstes gemacht. Wie kann ich, als Glaubender, die Aufgabe der christlichen Einheit fördern? Vor allem durch das Gebet. Das 2. Vatikanische Konzil hat das Gebet als „die Seele der ganzen Bewegung für die Einheit des Christentums” definiert.

2. „Sie sollen eins sein”. Das Gebet Christi und unser Gebet. - In seinem erhabenen priesterlichen Gebet, nur Stunden vor seinem Leiden und Tod, kommt aus dem tiefsten Grund des Herzens Christi das Verlangen, dass alle Menschen mit ihm und dem Vater eins sind. Trotzdem bezeichnen sich 2.000 Jahre nach der Errettung durch Christus weniger als ein Drittel der Menschen dieser Welt als Christen. Wie dringend ist der Aufruf zur Einheit der Christenheit, „damit die Welt glaubt”! Unser Gebet sollte die ständige Bitte Christi an den Vater widerspiegeln, dass die verlorene Einheit der Christenheit wieder hergestellt werde. „Das Gebet stellt vor allem uns selbst vor den Herrn, reinigt unsere Absichten, Gefühle, unsere Herzen, und bewirkt die innere Bekehrung, ohne die es keine wirkliche Ökumene gibt.” (frei übersetzt aus Unitatis redintegratio, Nr. 7).

3. „Damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist”. An diesem Fest des heiligen Justin, des Märtyrers, können wir nicht umhin, uns eine tiefe Überzeugung unseres geliebten Papstes Johannes Paul des Großen vor Augen zu halten: Es gibt kein besseres Bekenntnis für Christus als das der Märtyrer. Die Märtyrer gaben Zeugnis für die Tiefe der Liebe Christi, indem sie ihr Blut für ihn gaben. Mit der Hilfe des Heiligen Geistes können auch wir in unserem Leben die christliche Liebe bekennen: das einzige Kraft, die imstande ist, alle Menschen in Christus zu vereinen. P. Marcial Maciel reflektierte über die Kraft des Heiligen Geistes, die uns befähigt, eine wirkliche christliche Liebe zu leben: „Sie lehrt uns zu lieben, sie lehrt uns zu verzeihen, Gutes zu tun ohne etwas zu erwarten, in Gott zu vertrauen und ihn über alles zu lieben.” (Brief vom 3. Mai 1986).

Gespräch mit Christus:  Herr, hilf mir, die Einheit der Christen glühend herbeizusehnen. Hilf mir, beständig für diese Einheit zu beten und in meinem Leben darauf hinzuarbeiten.

Vorsatz:  Ich will heute in besonderer Weise für die Einheit der Christen beten und etwas in christlicher Liebe tun, um jemanden näher zu Christus zu bringen.


Liebe antwortet auf Liebe

2. Juni 2006

Freitag der siebenten Osterwoche

P. Walter Schu LC

Joh 21,15-19
Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! Zum zweitenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Zum drittenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum drittenmal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

Einführendes Gebet: Herr, so wie du Petrus am Ufer des Sees von Galiläa gefragt hast, so frage auch mich in dieser Meditation: „Liebst du mich?” Hilf mir, meine Liebe für dich zu erneuern, indem ich sie dir anvertraue.

Bitte:  Herr, hilf mir, mit Liebe auf deine Liebe zu antworten, auf deine Liebe, in der du dich selbst bis zum Tod am Kreuze hingegeben hast.

1. „Liebst du mich?”  Die Zeit ist gekommen, die Christus seit seiner Auferstehung vorbereitet hat. Er ist mit Petrus alleine. Ihr letztes Zusammentreffen vor dem Tod Jesu war der traurige Moment, in dem Christus mit einem Blick den dreimaligen Verrat vergab. Nun nimmt Christus ihn beiseite und gibt ihm die Gelegenheit, dreimal seine Liebe zu beteuern. Die einzige, die höchste Bedingung Christi dafür, dass er Petrus’ Auftrag, seine Schafe zu weiden, erneuerte, war seine Liebe für seinen Herrn. Die Liebe ist eine Bedingung für jeden von uns, der Apostel sein möchten. Die Liebe von Petrus war durch seinen Verrat in der Passion geläutert worden. Sie wurde geprüft und gedemütigt. Nun vertraut Petrus alles, sogar seine Liebe, den Händen Christi an: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.” Befähigen mich meine Fehler, Christus mehr und mit größerem Vertrauen zu lieben?

2. „Kann Liebe befohlen werden?” Papst Benedikt XVI. stellt diese provokante Frage in seiner ersten Enzyklika “Deus Caritas Est” („Gott ist Liebe“). Wie kann Christus Liebe von uns verlangen, um seine Anhänger, seine Apostel zu sein? Papst Benedikt erklärt es so: „Liebe kann man nicht befehlen, sie ist doch ein Gefühl, das da ist oder nicht da ist, aber nicht vom Willen geschaffen werden kann.” (Nr. 16) Die Antwort auf dieses offensichtliche Paradox ist zweischichtig. Zuerst einmal kann Liebe befohlen werden, denn sie wurde uns zuerst gegeben: „Gott schreibt uns nicht ein Gefühl vor, dass wir nicht herbeirufen können. Er liebt uns, lässt uns seine Liebe sehen und spüren, und aus diesem ‚Zuerst’ Gottes kann als Antwort auch in uns die Liebe aufkeimen.” (Nr. 17) Zweitens: „Darüber hinaus wird in diesem Prozess der Begegnung auch klar, dass Liebe nicht bloß Gefühl ist. Gefühle kommen und gehen. Das Gefühl kann eine großartige Initialzündung sein, aber das Ganze der Liebe ist es nicht.” (Nr. 17).

3. „Liebe in ihrer radikalsten Form“ Was ist dann das Wesen der Liebe, dieser Liebe, die uns Christus zuerst gab und die er dann von uns, seinen Anhängern, verlangt? „Zur Reife der Liebe gehört es, dass sie alle Kräfte des Menschseins einbezieht, den Menschen sozusagen in seiner Ganzheit integriert. Die Begegnung mit den sichtbaren Erscheinungen der Liebe Gottes kann in uns das Gefühl der Freude wecken, das aus der Erfahrung des Geliebtseins kommt. Aber sie ruft auch unseren Willen und unseren Verstand auf den Plan. Die Erkenntnis des lebendigen Gottes ist Weg zur Liebe, und das Ja unseres Willens zu seinem Willen einigt Verstand, Wille und Gefühl zum ganzheitlichen Akt der Liebe.” (Deus Caritas Est, Nr. 17). Wie es Papst Johannes Paul der Große oft formulierte, ist die echte Liebe das Geschenk des ganzen Seins. Wo können wir reine Liebe in Vollkommenheit betrachten? Am Kreuz Christi. „Das ist Liebe in der radikalsten Form. Der Blick auf die durchbohrte Seite Jesu, (vgl. Joh 19,37), begreift, was Ausgangspunkt dieses Schreibens war: ‚Gott ist Liebe’ (1 Joh 4,8) Dort kann diese Wahrheit angeschaut werden. Und von dort her ist nun zu definieren, was Liebe ist. Von diesem Blick her findet der Christ den Weg seines Lebens und Liebens.” (Nr. 12).

Gespräch mit Christus:  Danke Herr, dass du mir durch Papst Johannes Paul den Großen und durch Papst Benedikt XVI., geholfen hast, die Bedeutung wahrer Liebe zu sehen. Ich danke dir für deine grenzenlose Liebe für mich. Deine Liebe ist das Vorbild, zu dem sich meine eigene arme Liebe erheben soll.

Vorsatz:  Ich will mich heute Christus in bewussten Taten der Liebe schenken, mit meinem ganzen Menschsein, Verstand, Willen und Gefühl. Ich will die gekreuzigte Liebe Christi nachahmen.


Am Vorabend von Pfingsten

3. Juni 2006

Samstag der siebenten Osterwoche
Heiliger Charles Lwanga und Gefährten, Märtyrer

P. Walter Schu LC

Joh 21,20-25
Petrus wandte sich um und sah, wie der Jünger, den Jesus liebte, (diesem) folgte. Es war der Jünger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer ist es, der dich verraten wird? Als Petrus diesen Jünger sah, fragte er Jesus: Herr, was wird denn mit ihm? Jesus antwortete ihm: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach! Da verbreitete sich unter den Brüdern die Meinung: Jener Jünger stirbt nicht. Doch Jesus hatte zu Petrus nicht gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an?

Dieser Jünger ist es, der all das bezeugt und der es aufgeschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist. Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste.

Einführendes Gebet:  Maria, hilf mir, an diesem Vortag zu Pfingsten, mein Herz für den Heiligen Geist zu öffnen, so wie auch du es, gemeinsam mit den Jüngern im Abendmahlsaal, getan hast. Hilf mir, aufs Neue dem Ruf Christi, „Folge mir nach”, zu folgen.

Bitte:  Heiliger Geist, sanfter Gast und Tröster meiner Seele, hilf mir, tiefer in die grenzenlosen Schätze Christi einzudringen, damit ich mich ihm mit größerer Liebe schenke und ein Werkzeug für einen neuen Frühling in der Christenheit werde.

1. „Folge mir nach.” Wir betrachten diese Szene des Evangeliums am Vorabend von Pfingsten, während sich Papst Benedikt XVI. darauf vorbereitet, Mitglieder der verschiedensten kirchlichen Bewegungen der ganzen Welt auf dem Petersplatz in Rom zu empfangen. Im Evangelium erneuert Christus seinen Ruf an Petrus: „Folge mir nach.” Durch die kirchlichen Bewegungen haben viele Tausende von Menschen diesen Ruf neu gehört und dieser Aufforderung, Christus zu folgen, mit ihrem ganzen Leben beantwortet. Der Heilige Geist, der Geist Christi, bringt einen neuen Frühling im Leben der Kirche hervor. Im Jahr 1998, beim Pfingstreffen der Bewegungen mit Papst Johannes Paul II., kommentierte Kardinal Ratzinger: „Es war für mich ein wundervolles Ereignis, als ich Anfang der siebziger Jahre zum ersten mal mit den Bewegungen in Kontakt kam ... und dabei ihre Begeisterung und Schwung erlebte, mit dem sie ihren Glauben lebten und sich verpflichtet fühlten, mit anderen die ihnen vermittelte Freude zu teilen.” (Frei übersetzt aus: Pilgrim Fellowship of Faith, Seite 176). Kardinal Ratzinger ist nun Papst Benedikt XVI.

2. Die grenzenlosen Reichtümer Christi. Zu welchen Entdeckungen in unserem christlichen Leben beruft uns der Heilige Geist im Besonderen? Zuallererst befähigt er uns, tiefer in die grenzenlosen Reichtümer Christi einzudringen. Der Heilige Johannes beschließt sein Evangelium mit der Zusicherung, dass alle Bücher der Welt diese Reichtümer nicht beschreiben könnten. Papst Paul VI. hat über diesen Schluss des Johannes Evangeliums meditiert: „Wenn man einmal damit beginnt, sich für Christus zu interessieren, dann endet dieses Interesse nicht mehr. Es gibt immer noch mehr zu wissen, zu sagen – unendlich viel mehr. Johannes beendet sein Evangelium mit genau dieser Aussage. Alles, was mit Christus zu tun hat, ist so reich, hat solche tiefen, die es sich lohnt zu erforschen; Licht, Kraft, Freude, Sehnsüchte haben ihre Quelle in ihm, und so scheint es unziemlich, unwissenschaftlich und respektlos jemals zu glauben, wir bräuchten und könnten nicht noch tiefer in die Betrachtung Jesu Christi eintauchen.“ (Papst Paul VI, Generalaudienz, 20. Februar 1974)

3. „Komm, Heiliger Geist!”  Der Gründer der Legionäre Christi, P. Marcial Maciel, sagte einmal, dass die Heilig-Geist-Lieder der Kirche einen hellen Lichtstrahl auf seine Rolle in unserem christlichen Leben werfen. Lassen Sie uns am Vortag von Pfingsten über einige der Verse des alten Hymnus “Veni Creator Spiritus” nachdenken und sie uns zu eigen machen:

Komm, Heil´ger Geist der Leben schafft,
erfülle uns mit deiner Kraft.
Dein Schöpferwort rief uns zum Sein:
nun hauch uns Gottes Odem ein.
Komm, Tröster, der die Herzen lenkt,
du Beistand, den der Vater schenkt;
aus die strömt Leben, Licht und Glut,
du gibst den Schwachen Kraft und Mut.

Dich sendet Gottes Allmacht aus
im Feuer und im Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund
und machst der Welt die Wahrheit kund.

Entflamme Sinne und Gemüt,
dass Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut
in deiner Kraft das Gute tut.

Die Macht des Bösen banne weit,
schenk´ deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn,
dass Unheil uns nicht schaden kann.

Lass gläubig uns den Vater sehn,
sein Ebenbild, den Sohn verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt
und uns das Leben Gottes bringt.

Amen.

Gespräch mit Christus:  Herr, hilf mir, in meinem Leben den Heiligen Geist zu empfangen, so wie ihn Maria und die Apostel beim ersten Pfingsten empfingen. Segne das Treffen von Papst Benedikt XVI. mit den kirchlichen Bewegungen auf dem Petersplatz in Rom mit reichen Früchten des Heiligen Geistes.

Vorsatz:  Ich will den Heiligen Geist bitten, mein Herz dafür vorzubereiten, ihn immer wieder während dieses Tages zu empfangen. Ich will alles dafür aufopfern, dass das Pfingsttreffen auf dem Petersplatz reiche Frucht bringt.