Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 14. Mai 2006 bis Samstag 20. Mai 2006

Fünfte Osterwoche

P. Edward Hopkins LC

Wie wir in Ihm bleiben können Sonntag
Ein Gespräch der Liebe Montag
Die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe Dienstag
Frucht bringen Mittwoch
Bleibt in meiner Liebe Donnerstag
Das Gebot der Liebe Freitag
Um meines Namens willen Samstag


Wie wir in Ihm bleiben können

14. Mai 2006

Fünfter Sonntag der Osterzeit

P. Edward Hopkins LC

Joh 15,1-8
Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, daß ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Einführendes Gebet:  Ich glaube an dich, Herr. Du bist mein Leben und der Ursprung all meines Glücks. Ich vertraue darauf, dass ich wachsen werde, wenn ich mir deine Eingebungen zu Herzen nehme und deine Gebote halte. Ich liebe dich, Herr. Hilf mir bei meinem Gebet, bestärke meine Liebe und erhalte mein Leben in dir. Herr, hilf mir zu reifen.

Bitte: Ohne dich, Jesus, kann ich nichts bewirken. Herr, lass mich in dir bleiben.

1. „Wer nicht glaubt...”  „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.” (Joh 3,18). In der heutigen Zeit werden Wahrheit und Glauben als „relativ“ betrachtet. Jesus war aber sehr spezifisch und fordernd in seiner Lehre. Sind seine Worte für mich wertvoll und wichtig? Wie gut kenne ich meinen Glauben? Bemühe ich mich darum, studiere ich und beschütze ich ihn als das, wovon meine Rettung abhängt? Wie gut kann ich meinen Glauben anderen erklären? Die Märtyrer sind für den Glauben gestorben. „Wer durch den Glauben und Taufe Christus angehört, muss seinen Taufglauben vor den Menschen bekennen.“ (Katechismus der kath. Kirche, No. 14)

2. „Wenn ihr meine Gebote nicht haltet”  „Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, ” (Joh 15,10).
Es ist nicht genug, nur mit Herz und Verstand zu glauben oder Lippenbekenntnisse abzulegen. Wir müssen die Lehre Christi auch in unserem Leben ausleben. Jesus erinnert den reichen jungen Mann an die Gebote, als den ersten Schritt zum ewigen Leben (Mt 19,16-22) und auch der Hl. Paulus erinnert die ersten Christen daran: „Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden?” (1 Kor 6,9).

Das Leben Christi, das Leben des Weinstockes, besteht in Heiligkeit, Tugend und aufopfernder Liebe. Ich bleibe in ihm, wenn ich wachse. Wie sehr wachse ich moralisch und in der Nachfolge Christi? In welchen Bereichen wünscht Jesus am meisten, dass ich wachse? Glaube ich, dass ich dies kann, wenn ich mit dem Weinstock verbunden bleibe? Oder glaube ich, dass ich es „ohne ihn” schaffen werde? „Wer an Christus glaubt, wird Kind Gottes. Diese Annahme an Kindes Statt gestaltet den Menschen um und lässt ihn dem Vorbild Christi folgen. Sie befähigt ihn, richtig zu handeln und das Gute zu tun. In Vereinigung mit seinem Erlöser gelangt der Jünger zur Vollkommenheit der Liebe, zur Heiligkeit“ (KKK, No. 1709).

3. „Wenn ihr nicht betet.” Der Hl. Petrus wurde von Christus gewarnt, dass er ohne das Gebet nicht treu bleiben würde. (Mt 26,41). Unser gesamtes moralisches Leben hängt von dem Grad unserer inneren Vereinigung mit Christus ab. „Durch die Gnade des Heiligen Geistes wird seine Person zur lebendigen inneren Richtschnur unseres Handelns.“ (KKK. No. 2074). Seine Gnade, Inspiration und Kraft machen es uns möglich, unsere Schwächen zu überwinden und den Willen das Vaters zu tun. Solange wir in unserem Gebet Gott nicht erfahren, wird unser Leben von Selbstsucht geleitet und beherrscht sein. Durch das Gebet, und in besonderer Weise durch die Sakramente, wird unsere Verbindung mit Christus gestärkt, werden unsere Handlungen von Liebe motiviert, unser Verstand mit seinen Worten erfüllt und unser Leben durch seine Gegenwart ermutigt.

In dieser geschäftigen Welt sind wir manchmal versucht, das Gebet auf spontane Akte des Glaubens oder dringende Hilferufe zu reduzieren. Wir sind zu sehr in Gewohnheiten festgefahren, um uns Zeit für Christus zu nehmen und so überlassen wir ihm nur die Reste. Erwarte ich mir, ohne entsprechender Hinwendung zum Gebet bedeutende apostolische Früchte zu gewinnen, apostolische Früchte für die immer wichtiger werdende Aufgabe, die Welt durch Christus zu verwandeln? Berücksichtige ich, im Lärm des Lebens, mein Bedürfnis für solide, ausschließliche und tiefe Augenblicke mit Christus? Jesus hat sich entschlossen, im Geschenk der Eucharistie bei mir zu bleiben. Wie oft bleibe ich bei ihm vor dem Allerheiligsten?

Gespräch mit Christus:  Lieber Herr, hilf mir, dich und deine Liebe im Gebet zu erfahren. Mache mich fähig, meine Beziehung zu dir zu vertiefen, und zwar dadurch, dass ich aufmerksam auf deine Worte höre, die authentisch durch die Kirche gelehrt werden. Gib meinem Glauben und meinen Worten Gültigkeit durch mein Leben. „Ich will in dir bleiben Herr und auf deine Sehnsucht nach Liebe hören. Ich möchte dich mit größter Liebe in der Eucharistie empfangen... dich umarmen, indem ich auf mich selbst verzichte, mich für deine größere Ehre aufopfere... mich hingebe für das Wohl der Seelen und ihrer Rettung, damit du deine göttliche Güte und Liebe in mir aufstrahlen lassen kannst.” ( P. Macial Marciel, Brief vom 8. Nov. 1937).

Vorsatz:  Ich will heute, vorzugsweise vor dem Allerheiligsten, über das Evangelium meditieren und Jesus fragen, was ich noch brauche, um in ihm zu bleiben.


Ein Gespräch der Liebe

15. Mai 2006

Montag der fünften Osterwoche

P. Edward Hopkins LC

Joh 14,21-26
Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. Judas - nicht der Judas Iskariot - fragte ihn: Herr, warum willst du dich nur uns offenbaren und nicht der Welt? Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.

Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich glaube, dass du mir die Liebe Gottes offenbart hast. Ich vertraue darauf, dass du durch die Kirche zu uns sprichst und dass du uns aussendest, diese Liebe anderen zu offenbaren. Verwandle meine Liebe durch deine Liebe, damit ich mich selbst vergesse und die Not der anderen besser sehen und tiefer empfinden kann. Hilf mir, die Dringlichkeit deiner Mission zu erkennen.

Bitte:  Offenbare mir deine Liebe zu mir, o Herr!

1. Die Welt. „Warum willst du dich nur uns offenbaren und nicht der ganzen Welt?” Mit dieser Frage hilft uns der Hl. Judas die oft gestellte Frage zu stellen: „Warum ich, Herr?” Eine andere Form die gleiche Frage zu stellen, könnte sein: „Warum die Kirche?” Die Antwort ist im Geheimnis der Liebe zu finden. Es geschieht in einer Liebesbeziehung, dass Menschen sich anderen offenbaren, sich anderen öffnen, sich geben und austauschen. Das geht sogar so weit, dass man sich damit verwundbar macht. In dieser Beziehung ist die Welt defensiv, sie fürchtet und misstraut Gott. Der Ungehorsam, auf sein Wort nicht zu hören, ist eine Ablehnung der Liebe Gottes und seiner Selbstoffenbarung eingeschlossen. Die Sünde macht uns blind und für das Wort Gottes taub. Wie verschlossen bin ich den Wegen Gottes gegenüber? Welche Anhänglichkeit oder Furcht ist die Wurzel meines Misstrauens?

2. Der Jünger. Ein Jünger ist ein Mensch, der zuhört. Jede Offenheit oder Bereitschaft, zu hören, erlaubt dem Wort Gottes Eingang in das Herz des Jüngers. Es ist vor allem die Liebe, die Vertrauen in einem Jünger hervorruft. “Wenn wir Christus in unser Leben hineinlassen, verlieren wir nichts, nichts, aber auch gar nichts, was das Leben frei, schön und groß macht” (Papst Benedikt XVI, Predigt am 24. April 2005).

Gott will mehr als nur die Gebote offenbaren. Er will sich selbst offenbaren – seine Liebe. In ihr respektiert Gott unsere Würde und Freiheit: dem Jünger, der auf seine Liebe antwortet und der seine Gebote erfüllt, wird eine noch tiefere Offenbarung geschenkt, die Verinnerlichung der Liebe Gottes. Ein Jünger erkennt, dass der Herr immer auf eine Antwort wartet. Wie tief glaube ich, dass Gott in mir wohnt, zu mir spricht und mein Leben verwandelt? Was ist meine Antwort auf das, was er von mir erbittet?

3. Der Geist. Der Herr offenbart sich der Welt durch mich. Wie? Durch die Gaben des heiligen Geistes, der in uns wohnt, uns lehrt, uns erinnert und dabei anleitet, der Welt Gott und seine Liebe zu offenbaren. Warum fällt es uns so schwer, die Mission Jesu zu unserer eigenen zu machen? Warum erscheint uns diese Aufgabe als so unbewältigbar? Wir vergessen manchmal, dass es der heilige Geist, das Geschenk Jesu, ist, der den Großteil dieser Aufgabe erledigt. Wir vergessen, dass das Geschenk des Glaubens nicht nur für mich alleine offenbart wurde. Wir vergessen, dass die Liebe das Geheimnis der Selbsthingabe ist. Wie sehr ich darauf antworte, indem ich Gottes Liebe anderen zeige, ist der Maßstab dafür, wie sehr ich ihm erlaubt habe, sich mir zu offenbaren.

Gespräch mit Christus:  Lieber Herr Jesus, hilf mir, an deine Liebe zu glauben, so viel zu vertrauen, dass ich mein Herz deinen Worten öffne. Lass es nicht zu, dass ich deine tief persönlichen Worte unbeantwortet lasse. Ich will darauf mit echter Dankbarkeit und Liebe antworten. Sende deinen Heiligen Geist, um mir im Gebet zu helfen. Hilf mir, deine Liebe in der Welt widerzuspiegeln.

Vorsatz:  Ich will die Bibel zur Hand nehmen und eine Bibelstelle betrachten, um zu hören, was Gott von mir will.


Die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe

16. Mai 2006

Dienstag der fünften Osterwoche

P. Edward Hopkins LC

Joh 14,27-31
Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt. Ich werde nicht mehr viel zu euch sagen; denn es kommt der Herrscher der Welt. Über mich hat er keine Macht, aber die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und so handle, wie es mir der Vater aufgetragen hat. Steht auf, wir wollen weggehen von hier.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich glaube an deine Gegenwart. Ich glaube an die Größe deiner Liebe, die mir in meiner Schwachheit vergibt und mich stärkt. Ich vertraue darauf, dass ich in dir stark bin, wenn ich deinen Willen erfülle. Ich liebe dich, Herr. Ich möchte deine Wünsche und deinen Willen kennen und in deinem Frieden bleiben.

Bitte: Zeige mir die Macht deiner Liebe, Herr!

1. Meinen Frieden. Für die Welt bedeutet Friede bloß die Abwesenheit von Konflikten und Gewalt. Diese Definition ist aber nichts für uns Christen, da wir nicht aus dieser Welt sind. Christen werden immer in Konflikt mit den Prioritäten, Werten und Wegen stehen, wie sie Welt hat. Christus kam, um genau dafür eine Änderung zu bringen: „Seit den Tagen Johannes’ des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan; die Gewalttätigen reißen es an sich.” (Mt 11,12). Aber dieser Wandel, oder diese Bekehrung, bringt eine andere Art von Frieden. Es ist der Friede, in dem Gedanken, Worte und Werke aus einem Guss sind; der Friede eines guten Gewissens; der Friede in dem Wissen „ich erfülle Gottes Willen”. Das ist ein sicherer und dauernder Friede, keiner kann ihn uns nehmen. Die Welt verspricht einen vergänglichen Frieden. Christus schenkt uns einen Frieden, der sogar in Leid und Verfolgung andauert. Nach welchem Frieden strebe und arbeite ich Tag für Tag?

2. Sorgen. Trotz des Friedens Christi sind unsere Herzen oftmals, unruhig., Die Wurzel dieser Unruhe liegt in der Unsicherheit und der Angst, alleine zu sein, schwach und unfähig, mit den uns bedrohenden Übeln fertig zu werden. Wenn wir mehr Glauben hätten, würden wir wissen, dass wir nicht alleine sind. Die Wiederkehr Christi ist so sicher, wie seine Freundschaft treu ist. Und doch sind wir beunruhigt, weil wir nicht an ihn denken: „Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe.” (Joh 14,28) Wir sind manchmal einfach zu beschäftigt mit unseren eigenen, um uns kreisenden Sorgen. Wenn ich in Christus bleibe, dann hat die Welt keine Macht über mich. Ich muss aber auf ihn ausgerichtet sein, auf seinen Frieden, den er mir gegeben hat. Dann werde ich mich freuen, selbst wenn Leiden und Schwierigkeiten mein Leben erfüllen. Die Freude aus Christus ist größer und wirklicher als alle Schwierigkeiten der Welt. Worauf richte ich meine Gedanken und mein Interesse?

3. Meine Liebe. Jesus versichert seinen Jüngern, dass er gehen muss, um den Frieden und die Freude, die er ihnen gegeben hat, sicherzustellen. Schwierigkeiten und Ängste werden in diesem Leben über uns kommen, wenn wir unserer eigenen Schwäche überlassen sind. Der Mensch glaubt, er sollte sich auf seine eigene Kraft verlassen und diese Kraft liege darin, alles zu haben, was man haben kann. Dieser Irrglaube ist durch den Tod und die Auferstehung Christi zunichte gemacht worden. Die Kraft des Menschen wurzelt nun in Christus und dem Glauben, der auf Gottes Liebe vertraut. Es ist Gehorsam, nicht Selbstbehauptung, was vor Gott Wert hat. In der Selbsthingabe, im Gehorsam liebt der Mensch Gott, dem er nun vertraut. Liebe ist Gehorsam. Gott liebt den Menschen und der Mensch kann nun Gott, im Gehorsam Christi, lieben. „Die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe, und so handle, wie es mir der Vater aufgetragen hat.”

Gespräch mit Christus:  Herr, erfülle mich mit deinem Frieden, dem Frieden der alles mich Belastende übersteigt. Zeige mir deinen Willen und schenke mir die Gnade, diesen Willen in Freude zu erfüllen. Wenn ich nur deinen Willen erfüllen kann, Herr, dann wird meine Liebe zu dir echt sein. Lass meine Augen auf dich gerichtet sein, Herr, mit deinem Geschenk eines großen Glaubens, sodass keine Schwierigkeit oder Angst mein Herz erschüttern kann oder mir erlaubt, Zweifel an deiner Liebe und Gegenwart zu hegen.

Vorsatz:  Ich will heute meine Sorgen und Schwierigkeiten vertrauensvoll in Gottes Hände legen.


Frucht bringen

17. Mai 2006

Mittwoch der fünften Osterwoche

P. Edward Hopkins LC

Joh 15,1-8
Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Einführendes Gebet:  Lieber Herr Jesus Christus, Ich glaube an deine Liebe und dass du willst, dass ich anteil an dieser Liebe habe. Ich vertraue darauf, dass du geistige Früchte in meinem Leben hervorbringen wirst, solange ich mich dir jeden Tag nach deinem Willen aufopfere. Ich liebe dich für alles, was du mir geschenkt hast, Herr, und weil du mir dein Wort anvertraut hast, um es an meine Brüder und Schwestern weiterzugeben. Alleingelassen kann ich nichts tun, aber mit dir viel.Du wirkst Wunder. Mache mich großzügig. Benutze mich nach deinem Wohlgefallen.

Bitte:  Herr, segne die Früchte meiner Arbeit!

1. Nur die Reben.  Die Früchte sitzen nicht am Weinstock. Es sind nur die Reben, an denen wir die Früchte finden. Gott hätte unsere Erlösung ohne unser Mitwirken erreichen und vermitteln können. Er entschied sich aber dafür, uns in die Arbeit der eigenen Erlösung und der von anderen einzubeziehen. Um die Worte des Hl. Augustinus zu umschreiben: der Gott, der uns ohne uns erschaffen hat, wird uns nicht ohne uns retten. Was für eine Ehre und Verantwortung hat Gott uns auferlegt! Der Sohn Gottes hat den ersten Schritt der Erlösung von dem „Fiat” Mariens abhängig gemacht. Er macht die Rettung der mich umgebenden Menschen von meinem Beispiel, meinen Worten und Werken abhängig. Ich habe eine Mission in meinem Leben, dessen Kern die Ewigkeit ist. Was für eine Priorität gebe ich dieser Mission? Bin ich bereit, mit reichen Früchten und erfolgreich vollbrachter Mission vor Gott zu treten? (vgl Mt 25,1-30).

2. Ein heiliges Leben. „Die Frucht, von der hier die Rede ist, ist die Heiligkeit eines durch die Vereinigung mit Christus fruchtbaren Lebens“ (KKK, No. 2074). „Alle sind zur Heiligkeit berufen“ (KKK, No. 2013). Viele von uns gelingt es, sich einzureden, dass wir ohnehin ein heiligmäßiges Leben leben oder doch wenigstens „gut genug”. Wir rechtfertigen unsere Handlungen und versuchen, uns auf das zu konzentrieren, was bei uns gut ausschaut. Uns selbst überlassen, reduzieren wir Gottes Willen auf das herab, was wir vorziehen. Der Schlüssel zu objektiver Heiligkeit jedoch ist der Wille Gottes, erfüllt mit dem Geiste der Liebe und des Opfers. Wir müssen unseren Willen am Maßstab der Lehre der Kirche, der Stimme Christi in unserem Gebet und dem Rat unseres Beichtvaters und geistlichen Begleiters prüfen. Das versorgt uns mit der nötigen Korrektur und Ermutigung. Gott segnet uns, wenn wir uns seinem Willen unterordnen.

„Zur Erreichung dieser Vollkommenheit sollen die Gläubigen die Kräfte, die sie nach Maß der Gnadengabe Christi empfangen haben, anwenden, um, seinen Spuren folgend und seinem Bild gleichgestaltet, dem Willen des Vaters in allem folgsam, sich mit ganzem Herzen der Ehre Gottes und dem Dienst des Nächsten hinzugeben. So wird die Heiligkeit des Gottesvolkes zu überreicher Frucht anwachsen, wie es die Kirchengeschichte durch das Leben so vieler Heiliger strahlend zeigt.“ (Lumen Gentium, Nr. 40)

3. Die Kirche aufbauen.  Der Vater ist verherrlicht, wenn mehr Menschen zum Leben in Christus und seiner Kirche gebracht werden. Die Ehre steht Gott zu, genau deshalb, weil keiner von uns – die Reben – die Fähigkeit hat, Herzen in dieser Weise zu berühren. „Ohne mich könnt ihr nichts tun”. Nur der Vater, der „Winzer”, in Christus, kann diese geistigen Früchte hervorbringen. Dennoch erwartet er etwas von uns. „Geht und verkündet es allen Nationen” (Mt 28,19); „Liebe deinen Nächsten” (Lk 10,27-37)

Es gibt so viele Wege, unsere Taufverpflichtung zum Aufbau der Kirche zu erfüllen. Ich, eine Rebe, muss über mich hinauswachsen, sogar über meine Familie (jedoch von ihr ausgehend und sie einbeziehend.) Warum? Wie Papst Johannes Paul II. oft argumentierte, haben andere auch ein Recht, Christus und seinen liebenden Plan der Erlösung kennenzulernen. Christus dürstet danach, ihnen Leben zu schenken! Aber er braucht Hände, Füße, eine Stimme.... Wer sonst außer uns, die wir ihn kennen, kann das tun? „Wenn wir an Jesus Christus glauben, an seinen Mysterien teilhaben und seine Gebote halten, liebt der Erlöser in uns seinen Vater und seine Brüder, unseren Vater und unsnere Brüder“ (KKK, No. 2074). Der Vater wird verherrlicht, indem wir dadurch Frucht bringen, dass wir Christus durch uns lieben und wirken lassen.

Gespräch mit Christus:  Lieber Jesus, hilf mir, deinen Willen zu erkennen und zu begreifen, mehr Menschen mit der Gabe des Glaubens und der Liebe zu beschenken. Ich will deinem Verlangen und Plan, Menschen zu gewinnen, nicht im Wege stehen. Hilf mir, dir reiche Frucht zu bringen und durch mein Gebet, mein Vorbild und mein Bemühen beim Aufbau der Kirche mitzuwirken. Ich will jeden Tag die Anliegen der Kirche fördern. Lass meine Liebe wachsen, während ich immer mehr zu einem Werkzeug deines göttlichen Willens werde. Lass meine Heiligkeit die erste Frucht meines Lebens in dir sein. Lass mich deinen Willen erkennen und ihn mit Liebe erfüllen.

Vorsatz: Ich will den Pfarrer unserer Gemeinde fragen, was ich oder meine Familie tun können, um ihn in der Pfarrgemeinde zu unterstützen.


Bleibt in meiner Liebe

18. Mai 2006

Donnerstag der fünften Osterwoche

P. Edward Hopkins LC

Joh 15,9-11
Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.

Einführendes Gebet:  Ich glaube an deine Liebe, Herr, denn du hast mich zuerst geliebt. Deine Liebe zeigt sich darin, dass dich an das Kreuz schlagen ließest. Ich vertraue darauf, dass jedes deiner Gebote ein Ausdruck deiner Liebe ist und zu meinem Glück und zum Glück der anderen führt. Ich liebe dich, Herr, und ich möchte, dass meine Liebe so real und konkret ist, wie deine Liebe für mich es immer war. Lehre mich, nicht von deiner Liebe zu lassen.

Bitte: Herr, schenke mir deine Freude!

1. Wie mich der Vater liebt.  „Denkst du, dass Gott sich etwas aus dir macht?” Das ist eine besonders typische Frage in der heutigen Zeit. Die Liebe des Vaters ist, zuerst und vor allem, eine persönliche. Er liebt jedes seiner Kinder mit einer vollkommenen Liebe, und ein Wachsen der Zahl seiner Kinder verringert die Liebe für jeden einzelnen nicht im Geringsten. Die Welt scheint zu glauben, dass eine kleinere Anzahl von Kindern zu einer größeren Liebe für den Einzelnen führen würde; das würde aber die Liebe sehr zu etwas sehr Materiellem machen. Der Vater ist zu jedem seiner Kinder äußerst großzügig mit seiner Liebe. So beteuert es uns auch Jesus, dass er jeden von uns mit der persönlichen, großzügigen Liebe des Vaters liebt. Glaube ich an die Liebe Christi für mich?

2. Bleibt in seiner Liebe. Was die göttliche von der menschlichen Liebe am meisten unterscheidet, ist die Beständigkeit. Unsere Liebe ist unbeständig, je nach Stimmung mal da, mal nicht. Sie hängt mehr von Launen, Umständen und Erfolgen ab. Göttliche Liebe hängt nur von sich selber ab: dem ewigen Entschluss, mich zu lieben. So ist die Liebe Gottes durch per definitionem unveränderbar und immer treu. Was sich ändert, ist meine Offenheit für Gottes Liebe, meine Antwort auf seinen Ruf und seine Gnade. Ich bleibe in seiner Liebe, wenn meine Liebe es lernt, mehr und mehr von seiner Liebe abhängig zu sein. Je mehr ich mir seiner Liebe, seines Segens und seines guten Willen mir gegenüber bewusst bin, umso mehr werde ich mit Beständigkeit antworten. In seiner Liebe zu bleiben bedeutet, beständig in der Einstellung und Haltung eines dankbaren Sich-selber-Schenkens zu verharren und das zu suchen und zu geben, was er will.

3. Damit eure Freude vollkommen wird. „Gebote” erscheinen uns immer als Be- und Einschränkungen, von außen auferlegt. Seit Jesus jedoch seines Vaters Gebote hielt, wurde der Gehorsam eine positive und freimachende Erfahrung. Sein Gehorsam entsprang der Liebe für den Vater. Er wollte in seinem Willen, seinen Gedanken und Werken völlig mit dem Vater vereint sein. Sein Gehorsam war ein freier und sehr persönlicher Akt der Erfüllung des Willens Gottes. Mein Gehorsam ist eine echte Bestätigung des Seins, zu dem mich Gott berufen hat. Es ist eine vertrauensvolle Beantwortung meiner Berufung, sein Kind zu sein. Vielleicht habe ich keine Lust, zu gehorchen, aber in meiner Liebe will ich in seinem Willen verharren. Wenn ich in seiner Liebe bleibe, verharre ich in seinem Willen. Das ist ein Gehorsam, der Freude auslöst – und nicht nur irgendeine Freude, sondern die Freude ewiger Seligkeit in seiner Liebe.

Gespräch mit Christus:  Lieber Herr, hilf mir, zu lernen, in deiner Liebe zu bleiben. Hilf mir, meinen Stolz und meinen Eigensinn zu überwinden, die nur vergängliche Freude suchen, statt deine Freude, die Freude, die bleibend ist und mich vollkommen macht. Lehre mich den Gehorsam der Liebe, die großzügige Unterwerfung meines Herzens. Öffne mein Herz dafür, deine Liebe für mich noch tiefer zu erfahren. Und erhalte mein Leben in deiner Liebe.

Vorsatz:  Ich will heute mit Freude Gehorsam üben.


Das Gebot der Liebe

19. Mai 2006

Freitag der fünften Osterwoche

P. Edward Hopkins LC

Joh 15,12-17
Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, daß ihr euch aufmacht und Frucht bringt und daß eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!

Einführendes Gebet: Ich glaube an dich, Herr, an deine große Liebe für mich. Du bist mein Schöpfer und mein Erlöser. Ich vertraue auf deine Freundschaft; ich vertraue darauf, dass du mir das Verständnis und den Willen gibst, zu lieben, wie du geliebt hast. Ich liebe dich, Herr, weil du mich zuerst geliebt hast. Ich will dich dadurch lieben, dass ich dein Leben und deine Liebe anderen zugänglich mache.

Bitte:  Entflamme mein Herz mit deinem Herzen.

1. Ein Gebot. „Wie kann die Liebe befohlen werden?” Papst Benedikt XVI. stellt diese provokante Frage in seiner ersten Enzyklika „Deus Caritas Est”. Liebe ist nicht nur ein Gefühl, sie ist auch ein Akt des Willens. „Gott schreibt uns nicht ein Gefühl vor, das wir nicht herbeirufen können.”(No. 17). Es kann uns nicht befohlen werden, jemand zu mögen oder uns zu verlieben, aber wir können uns entscheiden, unsere Feinde zu lieben. Wichtiger noch ist es, dass wir durch die Erfahrung der Freude, geliebt zu werden, dahin geführt werden, die Liebe zu erwidern. Gott hat uns zuerst geliebt. „Nicht ihr habt mich erwählt...” Ich erfahre diese Liebe für mich als eine sich wiederholende Realität, jedesmal wenn ich die Sakramente empfange, aber auch jedesmal wenn ich bedenke, dass er mich ständig im Sein erhält. Diese persönliche Erfahrung macht mich fähig, Liebe zu verstehen und sie teilen zu wollen.

2. Freunde. Wie die Liebe, so wird in heutiger Zeit auch die Freundschaft oft falsch dargestellt, denn sie ist mehr als Bequemlichkeit, gegenseitige Toleranz oder Nützlichkeit. Freunde teilen nicht nur Liebe, sie teilen Geheimnisse und vertrauliches Wissen. Liebe führt zu „einer Gemeinschaft des Denkens und Fühlens”. Ich möchte wissen, was ein Freund denkt und wünscht, damit ich dessen Gedanken teilen und vielleicht sogar dessen Wünsche erfüllen kann. „Die Liebesgeschichte zwischen Gott und Mensch besteht eben darin, dass diese Willensgemeinschaft in der Gemeinschaft des Denkens und Fühlens wächst und so unser Wollen und Gottes Wille immer mehr ineinanderfallen: der Wille Gottes nicht mehr ein Fremdwille ist für mich, den mir Gebote von außen auferlegen, sondern mein eigener Wille aus der Erfahrung heraus, dass in der Tat Gott mir innerlicher ist als ich mir selbst. (idem) Die Freundschaft mit Christus bedeutet, dass ich aus Liebe das will, was er will - nicht weil er es befiehlt, sondern weil ich seine Gedanken und Wünsche teile. Deshalb kann ich mich in Freiheit dazu bringen, seinen Willen aus seinen Gründen heraus zu erfüllen. Ich kann mit dem Hl. Paulus sagen, dass es Christus ist, der in mir lebt. (Gal 2,20) Was kann ich noch tun, um diesen Freund noch tiefer kennenzulernen?

3. Erwählt, Frucht zu bringen. Jesus hat nur einige Gebote gegeben, aber sie haben alle mit der Liebe zu tun: „Tut dies zu meinem Gedächtnis”, „Liebt einander!”, “Liebt eure Feinde!”, “Geht und verkündet allen Nationen”, u.s.w. Die wesentliche und dringliche Art dieses Gebotes der Liebe ist mit der Mission Christi eng verbunden. Wir sind erwählt und beauftragt, andere zu lieben. Wenn diese Liebe echt ist, wenn sie am Weinstock seiner Liebe gewachsen und groß im Opfer ist, dann wird sie Frucht bringen. Die unvergängliche Frucht, für die er starb, ist das ewige Leben der Freundschaft mit Gott. Was andere am meisten von mir brauchen, sind nicht materielle Güter oder meine eigene Freundschaft, sondern eine Erfahrung der Liebe für sie, nämlich das Wissen um Christus. „Ich sehe mit Christus und kann dem anderen mehr geben als die äußerlich notwendigen Dinge: den Blick der Liebe, den er braucht.“ (ibid No. 18)

Gespräch mit Christus:  Lieber Herr Jesus, schenke mir ein beständiges, wachsendes Verlangen, deine Gebot der Liebe zu leben. Erwecke in mir ein Bewusstsein deiner immerwährend gegenwärtigen Liebe in meinem Leben. Bewege mich dadurch, grenzenlos zu lieben, ohne die Menschenfurcht, ohne die Angst etwas zu verlieren, das weniger als die Liebe ist. Bewirke, dass mein Verlangen, dein Freund zu sein, mich dazu bewegt, zu beten und immer tiefer in dein Herz und deinen Sinn einzudringen. Hilf mir, deine Liebe zu allen zu bringen, denen ich begegne.

Vorsatz:  Ich will mich dazu entscheiden, heute jemandem zu dienen, nicht, weil ich dazu ein Verlangen habe, sondern aus Liebe zu Christus.


Um meines Namens willen

20. Mai 2006

Samstag der fünften Osterwoche

P. Edward Hopkins LC

Joh 15,18-21
Wenn die Welt euch haßt, dann wißt, daß sie mich schon vor euch gehaßt hat. Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt. Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten. Das alles werden sie euch um meines Namens willen antun; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.

Einführendes Gebet:  Lieber Herr Jesus, ich glaube an dich, ich glaube daran, dass du mich aus der Welt gerufen hast. Ich schätze, dass ich die gleichen Schwierigkeiten haben werde, wie du. Ich vertraue darauf, dass du bei mir sein wirst, um meine Worte zu leiten und mich geistig zu stärken. Ich liebe dich, Herr, und ich will dich noch mehr lieben, indem ich meine Freude und guten Mut behalte, selbst wenn ich zurückgewiesen werde und Prüfungen erfahre.

Bitte:  Ich nehme dein Kreuz an, Herr.

1. Christus angehören. „Wenn ihr von der Welt stammen würdet…” Das soll darauf hindeuten, dass wir Christus angehören und nicht der Welt. (Mk 9,41; Römer 1,6) „Sie gehören dir und du hast sie mir anvertraut” (Joh 17,6), sagte Jesus zum Vater. Er hat uns mit seinem Blut gekauft. Deshalb können wir, nachdem wir durch die Sünde das Recht der Kinder Gottes verloren hatten, ihn wieder Vater nennen. Wir gehören dem, der Recht auf uns hat. In der Liebe gehört der Geliebte in gewissem Sinne dem Liebenden. Der Welt angehören, bedeutet, die Dinge so zu sehen, zu denken und zu wünschen, wie es die Welt will. Jesus nennt diese Art des Gehörens „Sklaverei”. “Jeder, der die Sünde tut, ist ein Sklave der Sünde” (Joh 8,34). Christus anzugehören hingegen, bedeutet Freiheit. Wir sind in Christus frei, Gott und andere zu lieben, um vollkommen zu werden, indem wir sein Leben leben, hier und für immer im Himmel. „Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder. Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe.” (Gal 5,13). Wie gut prüfe und befreie ich mich von den Ansprüchen der Welt an mein Herz und meinen Verstand? (vgl. Gal 5,24)

2. Aus der Welt berufen. Wir würden wirklich gerne dazugehören. Jeder mag es, wenn er gemocht wird. Wir werden aber nie zu dieser Welt gehören, Welt als etwas verstanden, dem Gott fremd ist und das Gottesersatz Feind ist. Wir sind auserwählt. Gott fasste den Entschluss, uns zu befreien und von der Sklaverei und den Täuschungen der Welt zu trennen. Was für eine Ehre und was für ein Beweis der Liebe! Statt mich zu beschweren und zu versuchen, einen Platz in der Welt ohne Gott zu finden, sollte ich ihm danken. Ich sollte meine Dankbarkeit dadurch zeigen, dass ich anderen einen Weg aus der Finsternis dieser Welt zeige, hin zum wunderbaren Licht Christi. Ich bin aus der Welt genommen, weil ich für Gott erwählt bin: sein eigen zu sein, jetzt und für immer. Wie oft danke ich Gott für diese Erwählung? (vgl. Eph 1,3-12)

3. Sie werden auch euch verfolgen. Wie sehr werde ich verfolgt? Jesus sagte, „wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen”. Er sagte aber auch konkret Verfolgung voraus (Mt 24,9). Einmal zählte er sogar die Verfolgung inmitten der Versprechungen auf, die er denen machte, die Heimat und Familie um seinetwillen aufgeben würden. (Mk 10,30). Soldaten zeigen ihre im Krieg erhaltenen Wunden und Narben mit Stolz und Ehren. Wir jedoch, die für Christus kämpfen, versuchen so oft, den Schlägen der Verfolgung zu entkommen. Es ist so viel leichter, den Glauben zu verstecken, die Wahrheit zu verschweigen, christliche Liebe zurückzuhalten. Wenn die Verfolgung in jeder Form ein Thermometer für meine Liebe für Christus wäre, wie groß wäre meine Liebe? Wenn ich keinerlei Verfolgung erfahre, müsste ich vielleicht ein bisschen kühner oder großzügiger im meinem Glaubensleben werden?

Gespräch mit Christus:  Lieber Herr, gib mir den Mut, Schwierigkeiten und Verfolgungen für deinen Namen zu ertragen. Hilf mir, diese als eine Erinnerung zu sehen, wie sehr du mich geliebt hast. Lass mir mein Leiden zur Ehre gereichen, wie es das für deine Freunde, deine Apostel war. Reinige mich von allem, das nicht heilig ist, besonders von den subtilen Einflüssen der Welt.

Vorsatz:  Ich will das nächste mal Gott danken, wenn ich für meinen Glauben verfolgt werde oder Unbequemlichkeiten erleiden muss.